Klassenmusizieren hat viele Facetten und beinhaltet verschiedene Variationen. Ich möchte an dieser Stelle exemplarisch auf das Klassenmusizieren mit Blasinstrumenten eingehen. Manche Lehrkräfte schätzen es wegen seiner überzeugenden musikalischen Erfolge, andere wegen seiner Motivationskraft. Ganz gleich, aus welchen Gründen man diesen Weg einschlägt: Klassenmusizieren eignet sich wie kein anderes Mittel, um Interesse und Freude an der Musik zu wecken und dauerhaft zu erhalten.
Die Ergebnisse der entwicklungs- und lernpsychologischen Forschung stützen die alltägliche Erfahrung von Musikpädagogen in ihrem Unterricht: Kinder und Jugendliche haben ein natürliches Musizierbedürfnis. Ein Musikunterricht, der angemessen mit diesem menschlichen Grundbedürfnis umgeht, eröffnet den Schülern die Möglichkeit zur eigenen musikalischen Betätigung. Durch die musikalische Interaktion in der Gemeinschaft mit Gleichaltrigen werden zugleich vielfältige musikalisch-ästhetische Erfahrungsprozesse in Gang gebracht: Klassenmusizieren mit Blasinstrumenten ist eine Unterrichtsform, die diesen Erkenntnissen Rechnung trägt:
Sie eröffnet Kindern und Jugendlichen Erfahrungsmöglichkeiten auf den unterschiedlichsten Handlungs-, Wahrnehmungs- und Erlebnisebenen.
Sie bietet einen musikpädagogischen Rahmen zur Förderung der Ganzheitlichkeit, der Persönlichkeitsentfaltung und der Ausdrucksfähigkeit. Klassenmusizieren ist eine Form des Musiklernens, in der Wie-Wissen und Was-Wissen gleichermaßen effektiv vermittelt werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Das Unterrichtsfach „Schulmusik“ in der Krise
3 Exemplarischer Aufbau eines Musikprofils und eigene Erfahrungen im täglichen Tun
4 Klassenmusizieren als Modell für modernen Musikunterricht
5 Klassenmusizieren mit Blasinstrumenten - das Konzept
6 Bläserklassenmusizieren als soziale und musische Bildungschance
7 Exkurs – Rahmenbedingungen an einer Modellschule
8 Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das Modell des Klassenmusizierens, insbesondere durch Bläserklassen, als zukunftsfähige Antwort auf die Krise des schulischen Musikunterrichts. Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch praktisches Musizieren in der Gemeinschaft nicht nur musikalische Kompetenzen, sondern auch soziale Fertigkeiten, Motivation und das Ansehen des Faches Musik nachhaltig gefördert werden können.
- Krise des Musikunterrichts und Legitimationsdruck
- Positive Wirkungen von Klassenmusizieren auf Sozialverhalten und Klassenklima
- Konzeption und Umsetzung von Bläserklassen an Schulen
- Förderung von Persönlichkeitsentfaltung und Ausdrucksfähigkeit
- Bedeutung von Musikprofilen für das Image und die Außenwirkung von Schulen
Auszug aus dem Buch
Exemplarischer Aufbau eines Musikprofils und eigene Erfahrungen im täglichen Tun
Wir arbeiten zwischenzeitlich im fünften Jahr mit einem Musikprofil, welches sich insbesondere durch den Schwerpunkt der Bläserklassen auszeichnet, was heißt, dass unsere Schülerinnen und Schüler, die sich freiwillig für diese Bläserklasse entscheiden können, drei statt regulär zwei Stunden Musikunterricht in der Woche bekommen. Hinzu kommt ein wöchentlicher Instrumentalunterricht in der örtlichen Musikschule. Die Bläserklassen sind ab Jahrgansstufe 7 als Big Bands konzipiert. Des Weiteren haben wir Perkussionsklassen, an denen die „Nichtbläser“ teilnehmen.
Ein weiterer Schwerpunkt in unserer Arbeit ist die Arbeit mit Stimme und Gesang. Es gibt in der Eingangsstufe Jahrgangsstufenchöre, einen Chor für die Jahrgänge 7 bis 10 und ein Schulorchester für die Klassenstufen 8 bis 10.
Ohne es empirisch belegen zu können, stellte ich bereits in der ersten Bläserklasse, deren Klassenlehrer ich war, fest, dass ähnliche Auswirkungen wie in der Bastianstudie, vor allem im Sozialverhalten der einzelnen Kinder als auch im Klassenklima zu verzeichnen waren, verglichen mit den zurück-liegenden Jahrgängen und den Parallelklassen.
Gespräche mit den Grundschullehrkräften der Schulen, aus denen die Schülerinnen und Schüler stammten, sowie die ersten Leistungsergebnisse entkräfteten die Vermutung, dass es sich um „die besseren Schüler“ des Jahrgangs handelte, ganz entgegen gesetzt war eher das Gegenteil der Fall. Umso interessanter war es, die von Bastian beschriebenen Effekte feststellen zu können, wie das Klassenorchester gerade den schwierigen Schülern Halt und Annerkennung brachte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung beleuchtet das natürliche Musizierbedürfnis von Kindern und begründet, warum Klassenmusizieren eine ideale Form ist, um Freude an der Musik zu vermitteln.
2 Das Unterrichtsfach „Schulmusik“ in der Krise: Dieses Kapitel analysiert den Legitimationsdruck und das schlechte Image des Musikunterrichts und fordert neue, ergebnisorientierte Unterrichtskonzepte.
3 Exemplarischer Aufbau eines Musikprofils und eigene Erfahrungen im täglichen Tun: Hier wird anhand einer Modellschule beschrieben, wie Bläserklassen und Musikprofile praktisch in den Schulalltag integriert werden und welche positiven Effekte auf das Sozialverhalten zu beobachten sind.
4 Klassenmusizieren als Modell für modernen Musikunterricht: Das Kapitel reflektiert kritisch wissenschaftliche Debatten über die Intelligenzförderung durch Musik und unterstreicht die Stärkung sozialer Kompetenzen durch das gemeinsame Musizieren.
5 Klassenmusizieren mit Blasinstrumenten - das Konzept: Dieser Abschnitt erläutert die methodische Struktur, die Zielgruppe und die Rolle des Klassenmusizierens als „Multiplikator“ für den Instrumentalunterricht.
6 Bläserklassenmusizieren als soziale und musische Bildungschance: Hier wird dargelegt, wie das Modell die Schule als kulturelles Zentrum der Gemeinde positioniert und Schülern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft den Zugang zur Musik ermöglicht.
7 Exkurs – Rahmenbedingungen an einer Modellschule: Der Autor schildert detailliert den praktischen Ablauf, von der Information der Eltern bis zur vertraglichen Bindung und dem parallel stattfindenden Instrumentalunterricht.
8 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen und Studien.
Schlüsselwörter
Klassenmusizieren, Bläserklassen, Musikunterricht, Schulmusik, Musikprofil, Sozialverhalten, Instrumentalunterricht, Schulentwicklung, Musikpädagogik, Big Band, Persönlichkeitsentfaltung, Schulgemeinschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept des Klassenmusizierens, speziell durch Bläserklassen, als Möglichkeit, den Musikunterricht an Schulen attraktiver und effektiver zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Krise des traditionellen Musikunterrichts, die pädagogischen Wirkungen von Bläserklassen auf Schüler, deren Sozialverhalten und die organisatorische Einbindung solcher Musikprofile in den Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Modell der Bläserklasse als Antwort auf den Legitimationsdruck des Faches Musik zu präsentieren und zu belegen, dass es sowohl musikalische als auch soziale Mehrwerte bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus fachwissenschaftlicher Literatur, bildungstheoretischen Ansätzen und eigenen, langjährigen praktischen Erfahrungen aus seinem Schulalltag.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Krise des Faches, beschreibt den Aufbau eines Musikprofils an einer Modellschule und erörtert die musikalischen sowie sozialen Bildungschancen, die sich für Schüler durch das Klassenmusizieren ergeben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Klassenmusizieren, Bläserklassen, Musikpädagogik, soziale Bildung, Schulentwicklung und Instrumentalunterricht.
Warum ist laut Autor die Einbindung der Musikschule so wichtig?
Der Autor betont, dass Klassenmusizieren kein Ersatz für Instrumentalunterricht ist, sondern als Multiplikator fungiert, der die Schüler zum vertiefenden Einzelunterricht in der Musikschule hinführt.
Wie reagieren Eltern auf das Modell der Bläserklasse?
Laut den Beobachtungen des Autors wächst die Sensibilität der Eltern für das Thema, was sich in einer hohen Nachfrage und positiven Anmeldezahlen für Schulen mit entsprechendem Musikprofil niederschlägt.
- Quote paper
- Dietmar Leichtle (Author), 2009, Klassenmusizieren als Modell für modernen Musikunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136116