Vergleicht man die verschiedenen epochen- und kulturspezifischen Ausformungen des Wohnens fällt auf, dass ihnen eine Funktion doch immer gemein bleibt, nämlich jene des physischen Schutzes. Von jeher suchen Menschen in Behausungen, seien es nun Höhlen, Burgen oder Reihenhäuser, Schutz vor den Widrigkeiten der Natur, vor den Witterungsverhältnissen und wilden Tieren. Diese physische Schutzfunktion allein würde die menschliche Behausung jedoch weder von einer Bärenhöhle, noch von einem Fuchsbau unterscheiden. Die Bedeutsamkeit der Behausung für den Menschen muss demnach über diese Funktion hinausgehen. Im Rahmen dieser Hausarbeit werde ich versuchen, Kenntnisse über die Bedeutung des Wohnens für ein Individuum zusammenzutragen, welche Aufschluss darüber geben, welche Funktionen der private Wohnraum, über jene des Schutzes vor physikalischen Einflüssen hinaus, zu erfüllen vermag. Aufgrund der, den Rahmen dieser Hausarbeit sprengenden Fülle an Funktionen, welche dem privaten Wohnraum zugeschrieben werden, treffe ich im Hinblick an die nachstehende Zielsetzung eine Auswahl aus dieser Menge. Ziel der Hausarbeit ist es verschiedene Erklärungsansatze zusammenzubringen, welche beantworten können, weshalb das Zuhause, im Gleichgewicht mit einem außerhäuslichen Aktionsradius, eine grundlegende Vorrausetzung für das seelische Wohlbefinden darstellt.
Zu diesem Zweck habe ich den Hauptteil in zwei Bereiche untergliedert. Im ersten Teil werde ich mich mit der Bedeutung der dinglichen Wohnumgebung in seiner Gesamtheit beschäftigen und in Anbetracht dessen, zwei sich ergänzende Erklärungsansätze vorstellen, welche Aufschluss über die Funktion, wie auch den Stellenwert der Wohnumwelt geben. Um der beschriebenen Zielsetzung gerecht zu werden, schließe ich diesem ersten Abschnitt eine Betrachtung der dinglichen Wohnumgebung auf der Ebene der einzelnen Objekte im zweiten Teil an. Wobei ich zunächst auf die kommunikativen Fähigkeiten von Objekten eingehe und über die Motive zur Auswahl der Einrichtung, den Bogen zur Darstellung der Bindung an Objekte spannen möchte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Bedeutung des Begriffs „wohnen“
3 Die Bedeutung der dinglichen Wohnumgebung in ihrer Gesamtheit
3.1 Das Konzept der Ortsidentität (place-identity)
3.2 Die Funktionen der Ortsidentität (place-identity)
3.3 Die Wohnung als Medium der Selbstdarstellung
3.4 Störung der Wohnbedürfnisse
4 Die Bedeutung der einzelnen Objekte der dinglichen Wohnumgebung
4.1 Die Objekte der dinglichen Wohnumgebung als Kommunikationsmedium
4.2 Auswahl der einzelnen Objekte der dinglichen Wohnumgebung
4.3 Bindung an Objekte
5 Schluss
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung des privaten Wohnraums und der darin befindlichen Objekte als Medium zur Selbstdarstellung des Individuums und erforscht, inwiefern das Zuhause eine grundlegende Voraussetzung für das seelische Wohlbefinden darstellt.
- Die Funktion der Wohnung als Ausdruck persönlicher Identität
- Das Konzept der Ortsidentität nach Proshansky und Cooper
- Die Wohnungseinrichtung als nonverbales Kommunikationsmedium
- Der Einfluss von Wohnerfahrungen und Objekten auf das Selbstbild
- Psychologische Aspekte der Bindung an Objekte (Oknophilie und Philobatismus)
Auszug aus dem Buch
Die Funktionen der Ortsidentität (place-identity)
Die Erkennungsfunktion (recognition function) stellt den Erfahrungshintergrund bereit, durch den die dingliche Wohnumgebung beurteilt wird (zum Beispiel durch wiedererkennen von Bekanntem), wohingegen die Bedeutungsfunktion (meaning function) eine Möglichkeit bietet, anhand der Eigenschaften der umliegenden Objekte und der Assoziation, welche mit ihnen verbunden sind Folgerungen auf das angemessene Verhalten zu schließen.
Basierend auf die, mit der Beschreibung einer Situation beschäftigten, ersten beiden Funktionen, bezeichnen die nachfolgenden Funktionen, die von einer Person an ihre Umgebung gestellten Ansprüche und die Initiativen, welche sie zu ergreifen bereit ist, um den vorgefundenen Zustand an seine Idealvorstellung anzunähren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die Schutzfunktion der Behausung und definiert das Ziel der Arbeit, die weiteren, für das seelische Wohlbefinden essenziellen Funktionen des privaten Wohnraums zu beleuchten.
2 Die Bedeutung des Begriffs „wohnen“: Dieses Kapitel erörtert die etymologische Herleitung des Begriffs „wohnen“ durch Martin Heidegger und stellt die Verbindung zwischen menschlichem Dasein und dem Aufenthalt auf der Erde her.
3 Die Bedeutung der dinglichen Wohnumgebung in ihrer Gesamtheit: Hier werden theoretische Ansätze zur Ortsidentität und zur Selbstdarstellung im Wohnraum vorgestellt, ergänzt durch die Analyse von Störungen der Wohnbedürfnisse.
4 Die Bedeutung der einzelnen Objekte der dinglichen Wohnumgebung: Dieser Abschnitt analysiert Objekte als nonverbale Kommunikationsmittel, die Kriterien ihrer Auswahl und die psychologische Bindung des Menschen an seine dingliche Umgebung.
5 Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass der Wohnraum als kontrollierbarer Bereich ein aussagekräftiger Spiegel der Identität ist und somit wesentlich zur psychischen Stabilität des Individuums beiträgt.
Schlüsselwörter
Wohnraum, Ortsidentität, Selbstdarstellung, Identität, Wohnumgebung, Kommunikation, Objektbeziehung, Oknophilie, Philobatismus, Inneneinrichtung, Psychologie des Wohnens, Zeichen, Symbole, Lebensstil, Wohlbefinden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen und soziologischen Bedeutung des privaten Wohnraums als Mittel der Selbstdarstellung und als essentieller Rückzugsort für das seelische Wohlbefinden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Ortsidentität, der nonverbalen Kommunikationsfähigkeit von Objekten sowie den unterschiedlichen Weisen, wie Individuen eine Bindung zu ihrer Wohnumgebung aufbauen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, verschiedene theoretische Erklärungsansätze zu vereinen, um zu begründen, weshalb ein Zuhause eine grundlegende Voraussetzung für das seelische Gleichgewicht darstellt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse, insbesondere unter Einbeziehung von Konzepten der Soziologie, Publizistik, Ethnologie und Architektursemiotik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Bereiche: Zuerst die Bedeutung der Wohnumgebung als Gesamtheit für die Identitätsbildung und danach die spezifische kommunikative Funktion einzelner Einrichtungsgegenstände.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Ortsidentität, Selbstdarstellung, Dingliche Wohnumgebung, Kommunikation, Oknophilie und Philobatismus.
Was bedeutet der Begriff „Ortsidentität“ im Kontext dieser Arbeit?
Ortsidentität bezeichnet eine Substruktur der Ich-Identität, die aus Kognitionen über die physische Welt besteht, in der ein Individuum lebt, und die zur Aufrechterhaltung und zum Schutz des Selbstbildes dient.
Wie unterscheidet sich die oknophile von der philobatischen Wohnweise?
Während der Oknophile Sicherheit durch das Klammern an eine hohe Dichte von Objekten sucht, orientiert sich der Philobat eher am freien Raum und verwendet Objekte lediglich als funktionale Werkzeuge oder Fixpunkte.
- Quote paper
- Bisrat Wolday (Author), 2002, Zur Bedeutung des Wohnraumes. Die dingliche Wohnumgebung als Medium der Selbstdarstellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13612