Der Einfluss von Geld auf Personenbeziehungen

Dargestellt anhand der Figuren aus Adelbert Chamissos 'Die wundersame Geschichte des Peter Schlemihls'


Hausarbeit, 2004

15 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Wie stehen die einzelnen Figuren zum Geld und wie wirkt sich dies auf die zwischen- menschliche Beziehung zu Schlemihl aus
2.1 Bendel
2.2 Rascal
2.3 Mina

3. Gegenüberstellung der einzelnen Charaktere und ihrer Beziehungen zu Schlemihl, aufgrund des Geldes
3.1 Bendel und Rascal
3.2 Mina

3. Fazit

4.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit werde ich mich mit der Novelle „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“, geschrieben von Adelbert von Chamisso, auseinandersetzen.

Die „wundersame Geschichte des Peter Schlemihls“, zieht deshalb mein Interesse auf sich, weil sie Themen beinhaltet, die völlig zeitlos sind. Die Themen Geld und Moral ebenso wie Geld und Geist besaßen zur Zeit des Chamissos aufgrund der beginnenden Industrialisierung, Anfang des 19. Jahrhunderts, eine Aktualität, die sie bis heute, zur Zeiten des Kapitalismus, nicht verloren haben. Denn immer noch übt das Thema Geld eine große Faszination auf die Gesellschaft aus. Geld ist nicht mehr wegzudenken und es ist spannend zu beobachten, was es bewirken kann, je nachdem wofür, von wem und aus welchen Beweggründen es eingesetzt wird.

Eben deshalb finde ich es auch interessant zu beobachten wie sich das Verhältnis zum Geld auf den Charakter und auf die zwischenmenschlichen Beziehungen auswirkt. Dieser Vorgang ist anhand der Geschichte Schlemihls gut zu analysieren.

Hiermit wäre ich beim Thema meiner Hausarbeit: Die Auswirkung des Geldes auf den Charakter und die daraus resultierenden Folgen für die zwischenmenschlichen Beziehungen, aufgeführt an einigen Figurenbeispielen, die der Geschichte Schlemihls entnommen sind.

Dass die Auswirkungen des Geldes weitaus differenzierter und komplexer sind, als ich in meiner Hausarbeit darstellen kann, ist verständlich. Somit kann ich mit meiner Hausarbeit nur einen kleinen Einblick in dies es komplexe Thema geben. Hierbei werde ich textanalytisch vorgehen. Für den Hauptteil ergeben sich daraus zwei Unterpunkte. In dem ersten Teil werde ich mich mit den Charakteren Bendel, Rascal und Mina auseinandersetzen. Ich werde heraus-stellen, wie sie zum Geld stehen und wie sich das wiederum auf die Beziehung zu Schlemihl auswirkt. Im zweiten Teil stelle ich die Figuren gegenüber, um zu zeigen, welch unterschied-liche Wirkung das Geld auf einzelne Menschen haben kann und wie das auf ihre Beziehungen wirkt.

2. Wie stehen die einzelnen Figuren zum Geld und wie wirkt sich dies auf die zwischenmenschliche Beziehung zu Schlemihl aus?

2.1 Bendel

Die Figur Bendel ist das, was man als gute Seele beschreiben würde. Diesen Eindruck ge-winnt man gleich, wenn die Figur Bendel mit den Worten: „Er empfahl mir einen gewissen Bendel, dessen treue und verständige Physiognomie mich gleich gewann.“[1] eingeführt wird. Zunächst steht Bendel in Schlemihls Diensten, ohne davon zu wissen, wie es um dessen Schatten bestellt ist. Doch nachdem Bendels Suche nach dem Grauen ohne Erfolg ist, gesteht Schlemihl ihm unter Tränen, dass er keinen Schatten besitzt.

Bendel ist erschrocken. Vor die Wahl gestellt zu bleiben, oder zu gehen, sagt er: „Was die Welt auch meine, ich kann und werde um Schattens willen meinen gütigen Herrn nicht ver-lassen, [...]“[2] Er entscheidet sich aus reiner Nächstenliebe bei Schlemihl zu bleiben. Seine Entscheidung ist nicht auf die gute Bezahlung seines Herrn gestützt, sondern begründet sich ganz allein auf sein Wertesystem und seine Moralvorstellung, die mit der „bürgerlichen Ge-sellschaftsmoral“[3] nicht konform ist. Denn nach bürgerlicher Gesellschaftsmoral hat man sich an allgemeingültige Normen zu halten und möglichst moralisch zu handeln.

Da Schlemihl aber seinen Schatten verkauft hat, hat er gegen jegliche Moral verstoßen. Bendel distanziert sich von der bürgerlichen Gesellschaftsmoral und vertraut auf sein eigenes Wertesystem, oder wie Freund schreibt: „Bendel trifft eine wahrhaft christliche Entscheidung und weist einen über Liebe und Freundschaft führenden Weg aus der materiellen Ver-strickung heraus.“[4] Für Bendel wäre es unmenschlich, Schlemihl sich seiner selbst zu über-lassen, da dieser vor einem Ausschluss von der Gesellschaft steht. Bendel handelt völlig selbstlos. Anstatt sich sein Wissen über die Schattenlosigkeit Schlemihls zu Nutzen zu-machen, das ihm immerhin Macht über Schlemihl und dessen Geld bringen könnte, verzichtet er darauf und stellt sich weiterhin ganz loyal in dessen Dienste. Geld übt offensichtlich keine Macht auf Bendel aus und somit bringt es ihn auch nicht in Versuchung, sein Gewissen und seine Moral zu übergehen. Schlemihl spürt auch, dass es Bendel nicht um das Geld geht, sondern um seine Person: „Ich fiel ihm um den Hals, ob solcher ungewohnten Gesinnung staunend; denn ich war von ihm überzeugt, dass er es nicht um Gold tat.“[5]

Nach Schlemihls Geständnis verändert sich das Verhältnis von Bendel und Schlemihl. Das Arbeitsverhältnis tritt in den Hintergrund und an dessen Stelle tritt eine wahre Freundschaft: „Rascal blieb der erste meiner Dienerschaft, Bendel war aber mein Freund und mein Ver-trauter.“[6] Bendel macht es sich zur Aufgabe seinen Freund zu schitzen und zu umsorgen, wo er nur kann. Sei es, dass er ihn im wahrsten Sinne des Wortes beschattet, oder dass er dort Schadensbegrenzung betreibt, wo auffliegt, dass Schlemihl keinen Schatten besitzt.

Der Diener macht sich nie darum Gedanken, woher der Reichtum Peters stammt und warum dieser unerschöpflich ist. Ihm ist es wichtiger, das Geld im Sinne seines Herrn auszugeben. Das zeigt wieder, wie unwichtig das Thema Geld fir Bendel ist. Er nimmt hin, dass es existiert, aber er hinterfragt nicht dessen Ursprung: „Dieser war gewohnt worden, meinen Reichtum als unerschöpflich zu denken, und er spähte nicht nach dessen Quellen [...]“[7]

In der zwischenmenschlichen Beziehung von Bendel und Schlemihl spielt Geld iberhaupt keine Rolle. Im Laufe der Novelle wird die Beziehung der zwei Männer immer enger, was wohl auch daran liegt, dass Bendel fir Schlemihl die einzige Bezugsperson ist. Ohne Bendel wäre Peter gar nicht fähig, ein einigermaßen gesellschaftliches Leben zu fihren. Bendel sorgt dafir, dass Peter ein neues Haus bekommt, und er versucht die wahre Identität Peter Schlemihls zu verschleiern. Er ist der Einzige, der die Räume Schlemihls betreten darf, und er erledigt Dinge, die Schlemihl tagsiber nicht machen kann. Aber Bendel erfillt nicht nur Nutz und Zweck, sondern er ist auch Freund, denn er ist es, der Schlemihl tröstet, als dieser wegen der unglicklichen Liebe zu Mina zahlreiche Tränen vergießt. Da Bendel es sich zur Aufgabe gemacht hat, seinen Freund zu beschitzen, ist er es auch, der versucht Rascal davon abzu-halten in Schlemihls Zimmer einzudringen.

Fir Bendel spielt Geld, wie schon erwähnt, keine große Rolle, doch es ist ihm bewusst, wie wichtig es fir andere ist. Deshalb schlägt er Schlemihl vor, sich von Rascal freizukaufen, was jedoch aufgrund der Scheinheiligkeit Rascals fehlschlägt.

Bendel steht bedingungslos hinter seinem Freund, das zeigt sich vor allem in dem Kapitel, in dem er den Grauen jagt, damit er den Schatten zurickgibt, und er ist zu Tode betribt, als er nichts erreicht.

Der Bruch zwischen Schlemihl und Bendel geschieht, als Schlemihl sich von seinem Freund lossagt. Schlemihl entscheidet sich fir die soziale Isolation, da er einsieht, dass er innerhalb der Gesellschaft kein glickliches und erfilltes Leben fihren kann. Er sieht ein, dass er fir den Rest seines Lebens fir seinen leichtsinnigen Fehler bißen muss, und er will Bendel seine individuelle Lebensfihrung zurickgeben: „Nicht ohne friheres Verschulden trifft mich schwere Strafe. Du sollst länger nicht, unschuldiger Mann, dein Schicksal an das meine binden, ich will es nicht.“[8]

Mit dem Geld, das Schlemihl ihm hinterlassen hat, gründet Bendel ein Hospiz, das Schlemihlium. Die Gründung des Hospiz ist wieder bezeichnend für den Charakter Bendels. Anstatt das Geld eigennützig zu verwenden, handelt Bendel wieder ganz selbstlos und ge-meinnützig.

So bringt das „verfluchte“ Geld am Ende doch noch etwas Gutes hervor. Winfried Freud be-schreibt das mit den Worten: „Das nicht im Rahmen des bürgerlichen Arbeits- und Leistungs-ethos erworbene Geld vermag nur dann Segen zu bringen, wenn es in den Dienst des Ge-meinwohls gestellt wird.“[9]

2.2 Rascal

Die Figur Rascal stellt den Gegensatz zu Bendel dar. Rascal wird in die Novelle eingeführt mit den Worten: „Ich nahm nur einen meiner Leute mit mir, einen abgefeimten Spitzbuben, namens Rascal, der sich mir durch seine Gewandtheit notwendig zu machen gewusst [...]“[10] Das Wort rascal kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie Gauner oder Schurke, und im Laufe der Novelle macht Rascal seinem Namen alle Ehre. Rascal ist nicht nur boshaft und hinterhältig, sondern er handelt auch noch kriminell, indem er Schlemihl mehrere Säcke Gold stiehlt, und das nicht nur einmalig, sondern über den ganzen Zeitraum seiner Diener-schaft hinweg.

Das Verhältnis zwischen Schlemihl und Rascal ist distanziert. Während Bendel und Schlemihl Freunde werden, kommen Rascal und Schlemihl über ein Arbeitsverhältnis nicht hinaus. Dies liegt auch daran, dass Rascal überhaupt nicht die Absicht hat, sich seinem Herrn zwischenmenschlich zu nähern. Für ihn ist Schlemihl ein bequemer und schneller Weg zu einer Menge Geld.

Rascal verhält sich offensichtlich boshaft gegenüber seinem Herrn: „Er stattete mir einen sehr komischen Bericht ab, und da er mich dadurch erheitert sah, gab er mir selbst seine verübte Bosheit zum besten [...]“[11], und dennoch verhält Peter sich Rascal gegenüber gönnerhaft. Als Bendel ihm verrät, dass Rascal Gold stiehlt, sagt er nur: „Lass uns dem armen Schurken die kleine Beute gönnen; ich spende gern allen, warum nicht auch ihm?“[12]

[...]


[1] Chamisso, Adelbert: Peter Schlemihls wundersame Geschichte. Ditzingen: Reclam 2003. S. 18.

[2] Ebd. S.24.

[3] Freund, Winfried: Chamisso Peter Schlemihl. Geld und Geist. Paderborn, München, Wien, Zürich: Schöningh 1980. S. 39.

[4] Ebd. S.39.

[5] Chamisso, A.: Peter Schlemihl. S. 24.

[6] Ebd. S. 30.

[7] Ebd. S. 30- 31.

[8] Chamisso, A.: Peter Schlemihl. S. 53.

[9] Freund, W.: Peter Schlemihl. Geld und Geist. S. 40.

[10] Chamisso, A.: Peter Schlemihl. S. 26.

[11] Ebd. S. 29.

[12] Ebd. S. 30.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Geld auf Personenbeziehungen
Untertitel
Dargestellt anhand der Figuren aus Adelbert Chamissos 'Die wundersame Geschichte des Peter Schlemihls'
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Wert und Ware in Erzähltexten des 19. und 20. Jahrhunderts
Note
2,3
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V136124
ISBN (eBook)
9783640443413
ISBN (Buch)
9783640443475
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einfluss, Geld, Personenbeziehungen, Dargestellt, Figuren, Adelbert, Chamissos, Geschichte, Peter, Schlemihls
Arbeit zitieren
Anonym, 2004, Der Einfluss von Geld auf Personenbeziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136124

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