Mit der zunehmenden Mobilität von Deutschlernenden wächst in der Auslandsgermanistik das Interesse an der Vermittlung von gesprochenem Deutsch. Insbesondere Modalpartikeln als charakteristische Phänomene der gesprochenen deutschen Sprache stellen für DaF-Lernende eine Herausforderung dar. In dieser Studie wird der Fokus darauf gelegt, wie Modalpartikeln in DaF-Lehrwerken dargestellt und vermittelt werden, unter Berücksichtigung ihrer Merkmale, Aspekte und Verwendungsweisen in sozialen Interaktionen.
Die Bedeutung der gesprochenen Sprache in der Fremdsprachendidaktik wird zuerst beleuchtet, gefolgt von einer Untersuchung der Grammatikforschungsergebnisse, die sich auf Modalpartikeln als Phänomene der gesprochenen Sprache beziehen. Details zur Abgrenzung und Eigenschaften der Modalpartikeln, ihren pragmatischen Funktionen, Kontextbedingungen sowie semantischen und syntaktischen Aspekten werden ausführlich dargelegt. Anschließend werden DaF-Grammatiken, die Modalpartikeln behandeln, sowie Vermittlungsvorschläge aus der Modalpartikelforschung vorgestellt.
Die exemplarische Analyse von Übungen, Hörtexten und Dialogen in gängigen DaF-Lehrwerken dient dazu, die Vermittlung von Modalpartikeln zu untersuchen. Besondere Aufmerksamkeit wird der Art und Weise gewidmet, wie die Verwendung von Modalpartikeln in Dialogen thematisiert wird und wie sich diese Vermittlung über die verschiedenen Niveaustufen hinweg unterscheidet. Die Ergebnisse der Analysen werden abschließend ausgewertet und es wird ein Fazit gezogen, in dem gezeigt wird, inwieweit die Erkenntnisse aus der Forschung in den untersuchten DaF-Lehrwerken umgesetzt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gesprochene Sprache in der Fremdsprachendidaktik
2.1 Besonderheiten der gesprochenen Sprache
2.2 Die Relevanz der gesprochenen Sprache in der DaF-Didaktik
3 Grammatikforschung zu Modalpartikeln
3.1 Modalpartikeln als Phänomene der gesprochenen Sprache
3.2 Der Terminus Modalpartikeln
3.3 Die Gruppe der Modalpartikeln
3.4 Die Wortart ‚Modalpartikel‘
3.5 Abgrenzung der Modalpartikeln
3.6 Eigenschaften der Modalpartikeln
3.6.1 Das „distributionelle Grundmuster“ der Modalpartikeln
3.6.2 Unbetonbarkeit
3.6.3 Satzfeldposition
3.6.4 Distributionsbeschränkungen und Kombinierbarkeit
3.7 Bedeutung der Modalpartikeln
3.7.1 Pragmatische Funktionen
3.7.2 Kontextbedingungen
3.7.3 Semantisch-pragmatische Aspekte
3.7.4 Syntaktisch-pragmatische Aspekte
3.8 Vermittlungsvorschläge zu Modalpartikeln
3.8.1 Kognitiver Vermittlungsansatz
3.8.2 Induktiver Vermittlungsansatz
3.8.3 Methodisch-didaktische Vermittlungsschritte
3.8.4 Vermittlung von Einzelpartikeln
4 Vermittlung von MPn in DaF-Grammatikbüchern
4.1 DaF-Grammatiken
4.2 DaF-Übungsgrammatiken
5 Exemplarische Analysen: Vermittlung von Modalpartikeln in DaF-Lehrwerken für Erwachsene
5.1 Nicht-explizite Vermittlung von MPn durch Übungsaufgaben
5.2 Explizite Vermittlung von MPn durch Vergleichssätze
5.3 Explizite Vermittlung von MPn durch Randbemerkungen
5.4 Explizite Vermittlung von MPn durch Regelkästen
5.5 Explizite Vermittlung von MPn durch Erläuterungen
5.5.1 Explizite Vermittlung durch Grammatik-Kapitel
5.5.2 Vertiefung der Erläuterungen durch Übungsaufgaben
5.6 Explizite Vermittlung von MPn durch Tabellen
5.6.1 Einführung der MPn durch eine Hörtextübung
5.6.2 Vertiefung durch Einsetzübungen
5.7 Vermittlung von MPn in konkreten kommunikativen Situationen
5.8 Vermittlung von MPn in Dialogen
5.8.1 Vermittlung von MPn in Dialogen der Grundstufe (A1-B1)
5.8.2 Verwendung von MPn in positiver sozialer Interaktion
5.8.3 Verwendung von MPn in Konfliktsituationen
5.9 Vergleich von Lehrwerksdialogen mit authentischen Dialogen
5.9.1 Unterschiede zu authentischen Dialogen
5.9.2 Übereinstimmungen mit authentischen Dialogen
6 Auswertung der Lehrwerksanalyse
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, in welcher Form Modalpartikeln in DaF-Lehrwerken für Erwachsene vermittelt werden. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die didaktische Aufbereitung, die Berücksichtigung von Sprachmerkmalen sowie die Art und Weise, wie die Verwendungsweise von Modalpartikeln im Kontext sozialer Interaktion thematisiert wird.
- Stellenwert der gesprochenen Sprache in der DaF-Didaktik
- Linguistische Grundlagen und Funktionen von Modalpartikeln
- Methodische Ansätze zur Vermittlung (kognitiv, induktiv, Chunks)
- Analyse und Evaluation gängiger Lehrwerke und DaF-Grammatiken
- Vergleich zwischen lehrwerksspezifischen Dialogen und authentischen Gesprächsdaten
Auszug aus dem Buch
3.1 Modalpartikeln als Phänomene der gesprochenen Sprache
„Modalpartikeln kommen häufiger in konzeptionell mündlichen Texten vor als in konzeptionell schriftlichen, und ihre Häufigkeit steigt mit dem Grad der Informalität und Nähe“(Schwitalla 2012:155; vgl. Stein 2009:64)
Modalpartikeln können zu den „typisch gesprochensprachlichen Phänomenen“ gezählt werden, denn sie werden am häufigsten in Kommunikationssituationen verwendet, die von kommunikativer Nähe geprägt sind und insbesondere in solchen Situationen, in denen alle Gesprächsbeteiligten anwesend sind. So können im Verlauf des Gesprächs die jeweiligen Beiträge durch die Interaktion der Beteiligten gestaltet werden und modalisiert werden (vgl. Stein 2009: 64), d. h. dass beispielsweise Sprechereinstellungen durch sprachliche Mittel ausgedrückt werden. Dies kann insbesondere durch Modalpartikeln erreicht werden (vgl. Meibauer 2001:77; vgl. Stein 2009:70). Somit gehören Modalpartikeln zu einer lexikalischen Kategorie, die als „gesprächstypisch“ bezeichnet werden kann (Stein 2009:64).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Relevanz der gesprochenen Sprache und Modalpartikeln im DaF-Unterricht sowie die Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit.
2 Gesprochene Sprache in der Fremdsprachendidaktik: Definiert Besonderheiten der gesprochenen Sprache und ihre wachsenden Bedeutung innerhalb der DaF-Didaktik.
3 Grammatikforschung zu Modalpartikeln: Bietet einen detaillierten Überblick über die linguistische Erforschung von Modalpartikeln, ihre Funktionen, Abgrenzung und Vermittlungsvorschläge.
4 Vermittlung von MPn in DaF-Grammatikbüchern: Analysiert, wie verschiedene Grammatikwerke Modalpartikeln als Teil ihres Systems behandeln.
5 Exemplarische Analysen: Vermittlung von Modalpartikeln in DaF-Lehrwerken für Erwachsene: Untersucht anhand zahlreicher Beispiele, wie MPn explizit und implizit in Kurs- und Arbeitsbüchern vermittelt bzw. in Dialogen eingebettet werden.
6 Auswertung der Lehrwerksanalyse: Führt die Ergebnisse der exemplarischen Analysen zusammen und bewertet die didaktische Effizienz der untersuchten Vermittlungsstrategien.
7 Fazit: Fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf notwendige Verbesserungen für das Angebot an Unterrichtsmaterialien.
Schlüsselwörter
Modalpartikeln, Abtönungspartikel, DaF-Didaktik, gesprochene Sprache, Grammatikvermittlung, Sprachkompetenz, Interaktionale Linguistik, Lehrwerkanalyse, Pragmatik, Sprachvermittlung, Kommunikative Kompetenz, Deutsch als Fremdsprache, Sprachrealisierung, Sprachgebrauch, Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Bachelorarbeit setzt sich mit der Vermittlung von Modalpartikeln im Bereich Deutsch als Fremdsprache (DaF) auseinander, insbesondere unter dem Aspekt, wie diese Sprachelemente in Lehrwerken für Erwachsene für die mündliche Kommunikation aufbereitet werden.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Einordnung der gesprochenen Sprache in die Fremdsprachendidaktik, die linguistischen Eigenschaften von Modalpartikeln, deren didaktische Vermittlung sowie die kritische Analyse von Lehrwerksinhalten und Dialogmustern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, mit welchen Methoden Modalpartikeln in gängigen DaF-Lehrmaterialien vermittelt werden und inwieweit diese Vermittlung den Lernenden einen authentischen Gebrauch in der sozialen Interaktion ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer qualitativen, exemplarischen Lehrwerkanalyse verschiedener Kurs- und Übungsbücher, die mit authentischen Dialog-Transkripten aus der DGD/FOLK-Datenbank verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Grammatikforschung, eine Darstellung didaktischer Vermittlungsmodelle und eine eingehende Analyse zahlreicher Fallbeispiele für Explizit- und Implizit-Vermittlung von Modalpartikeln in gängigen DaF-Lehrwerken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Modalpartikeln und DaF-Didaktik bestimmen Begriffe wie Sprachrealisierung, Interaktion, pragmatische Funktionen und die Analyse von Lehrwerkkontexten maßgeblich den Inhalt.
Wie unterscheiden sich die Vermittlungsmethoden in den untersuchten Lehrwerken?
Die Lehrwerke variieren in ihren Ansätzen: Manche nutzen explizite Erklärungen, Tabellen oder Grammatik-Kästen, während andere Partikeln lediglich implizit in Dialogen ohne direkte Erläuterung einstreuen, was teilweise den Ansatz des „Chunk-Lernens“ verfolgt.
Wie schneiden die Lehrwerksdialoge im Vergleich zu authentischen Daten ab?
Die Analyse zeigt, dass viele Lehrwerksdialoge zwar versuchen, natürliche Kommunikation zu simulieren, dabei jedoch häufig konstruiert wirken und wichtige Merkmale des natürlichen Redeflusses, wie interaktive Hörersignale oder Überlappungen, zu wenig berücksichtigen.
Welche Empfehlung gibt die Autorin für die Praxis?
Die Autorin plädiert dafür, den Lernenden expliziten Zugang zu didaktisch aufbereiteten Zusatzmaterialien und authentischen Sprachsequenzen zu ermöglichen, damit die funktionale und pragmatische Komplexität von Modalpartikeln bewusster erlernt werden kann.
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- Astrid Biegert (Author), 2022, Die Rolle von Modalpartikeln in DaF-Lehrwerken. Eine Analyse der Vermittlungsstrategien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1361708