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Auswirkungen von Psychiatrieaufenthalte auf das Verhalten von Erstpatienten

Title: Auswirkungen von Psychiatrieaufenthalte auf das Verhalten von Erstpatienten

Scientific Essay , 2009 , 18 Pages

Autor:in: Stefanie Schulz (Author)

Psychology - Social Psychology
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Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Thema „Auswirkungen von Psychiatrieaufenthalte auf das Verhalten von Erstpatienten“. Entscheidend für die Themenwahl ist die hohe Anzahl psychisch kranker Menschen in Deutschland. Spiegel online veröffentlichte vor wenigen Jahren erschreckende Zahlen. 2004 wurden 993732 Menschen aufgrund psychischer Störungen in Krankenhäuser eingewiesen, weil sie mit ihrer Arbeit und Privatleben überfordert waren. Die Bundespsychotherapeutenkammer schätzen die Anzahl der behandlungsbedürftigen psychisch und seelisch erkrankten Menschen in Deutschland auf acht Millionen, Tendenz steigend (www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,438647,00.html, vom 26.08.2009). Im speziellen geht diese Arbeit der Frage nach, welchen Einfluss der Aufenthalt in der Psychiatrie auf das Verhalten von Erstpatienten hat. Asmus Finzen spricht in seinem Werk „Hospitalisierungsschäden in psychiatrischen Krankenhäusern“ von einer möglicherweise entstehenden Anstaltsneurose. Diese kann verschiedene Ursachen haben und meist spielen mehrere Faktoren zusammen. Finzen hat die verschiedenen Gründe in sieben Punkte zusammengefasst. Er unterteilt sie in:
1. Abgeschiedenheit von der Außenwelt
2. Entstehender Verlust von Freunden und Familie
3. Erzwungene Untätigkeit
4. Autoritäres Verhalten von Ärzten und Stationspersonal
5. Medikamentöse Therapie
6. Bedrückende Anstaltsatmosphäre
7. Mangelnde Zukunftsaussicht nach der stationären Behandlung (vgl. Finzen, 1974, S.16).
In der Hausarbeit wird im weiteren Verlauf auf einzelne Punkte anhand verschiedener Literatur näher eingehen. Dabei wird besonders auf Goffmans Werk „Asyle- Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen“ Bezug genommen. Goffman steht der Psychiatrie und ihren Behandlungsmethoden sehr kritisch gegenüber. Es wird versucht seinen Standpunkt näher zu erläutern und seine Ansicht über das Verhalten von Insassen totaler Institutionen zu beschreiben. Zu Beginn wird definiert, was Goffman unter totalen Institutionen versteht. Anschließend wird dargelegt, wie sich das Verhalten der Mitglieder an die totale Institution anpasst und wie sich die Identität der Mitglieder verändert. Zum Schluss wird auf die Folgen eines Psychiatrieaufenthaltes eingegangen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis der Arbeit

1. Einleitung

2. Totale Institutionen

3. Die erzwungene Umformung des Selbst während des Psychiatrieaufenthaltes

3.1. Rollenverlust

3.2. Unnatürliche Rolle

3.3. Physische Verunreinigung

3.4. Privatleben und Krankenakte

3.5. Autonomieverlust

3.6. Diagnose

3.7. Selbsterfüllende Prophezeiung

3.8. Medikation

4. Anpassung an die totale Institutionen (Psychiatrie)

5. Folgen des Psychiatrieaufenthaltes

6. Fazit

7. Quellenangaben

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Psychiatrieaufenthalten auf das Verhalten von Erstpatienten. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf den Mechanismen totaler Institutionen nach Erving Goffman, die zu einer erzwungenen Umformung des Selbst, einem Verlust der Autonomie sowie einer Stigmatisierung der Betroffenen führen können.

  • Analyse der Strukturen totaler Institutionen und deren Auswirkungen auf das Individuum.
  • Untersuchung von Demütigungs- und Anpassungsprozessen während des Klinikaufenthalts.
  • Bewertung der Rolle von Diagnosen und medikamentösen Therapien für die Patientenidentität.
  • Diskussion der langfristigen Folgen, wie Statusverlust und der "Dreh-Tür-Effekt".
  • Kritische Reflexion der Machtdynamiken zwischen Personal und Patienten.

Auszug aus dem Buch

3.3. Physische Verunreinigung

Goffman beschreibt verschiedene Arten der physischen Verunreinigung, die den Patienten während ihres Psychiatrieaufenthaltes widerfahren. Zum einen haben die Patienten keine Möglichkeit ihren Zimmernachbar frei zu wählen. Das kann bedeuten, dass sich Patienten unterschiedlichen Alters, Glaubens und Nationalität gemeinsam ein Zimmer teilen müssen. Der Patient fühlt sich dadurch unter Umständen von seinem Mitbewohner, den er außerhalb der Klinik meiden würde, verunreinigt (vgl. Goffman, 1973, S. 38). Hinzukommt, dass die Patienten keine Rückzugsmöglichkeiten haben. Die Zimmertüren können nicht verschlossen werden und der Patient muss immer davon ausgehen, vom Krankenhauspersonal oder anderen Patienten aufgesucht zu werden. Die eigene Privat- und Intimsphäre geht völlig verloren. Zusätzlich muss der Patient damit rechnen, dass beispielsweise seine Mitpatienten, sein Privatbesitz benutzt und somit verunreinigt (vgl. Goffman, 1973, S.34). In der Psychiatrie kann es passieren, dass ein verwirrter Patient in ein Zimmer eines anderen Patienten eindringt, sich in sein Bett legt, sich seines Essens bedient oder seine Kleidung anzieht. Der Patient muss hat kaum eine Möglichkeit dies zu unterbinden. Eine ähnliche Art dieser Verunreinigung ist die gemeinsame Nutzung der Badezimmer. Auch hier muss der Patient tolerieren, dass sein Zimmernachbar womöglich seine Hygieneartikel verwendet, die Toiletten(ränder) beschmutzt oder die Dusche unsauber verlässt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz des Themas angesichts hoher Fallzahlen psychischer Erkrankungen und führt in die Fragestellung zur Anstaltsneurose und den totalen Institutionen ein.

2. Totale Institutionen: Dieses Kapitel definiert den Begriff der totalen Institution nach Goffman und erläutert deren allumfassenden Charakter sowie die soziale Trennung zwischen Personal und Insassen.

3. Die erzwungene Umformung des Selbst während des Psychiatrieaufenthaltes: Es wird analysiert, wie durch den Klinikaufenthalt Identitätsverlust, Erniedrigungen und veränderte soziale Rollen bei Patienten induziert werden.

3.1. Rollenverlust: Dieser Abschnitt beschreibt den Abbruch bestehender sozialer Bezüge und den Verlust des bisherigen Status durch den Klinikaufenthalt.

3.2. Unnatürliche Rolle: Hier wird der Prozess der Demoralisierung durch die Abhängigkeit von stationärem Personal und das Entstehen von Ersatzverhaltensweisen thematisiert.

3.3. Physische Verunreinigung: Dieser Teil behandelt den Verlust der Privat- und Intimsphäre sowie die Zwangsvergesellschaftung in psychiatrischen Einrichtungen.

3.4. Privatleben und Krankenakte: Es wird dargestellt, wie die Offenlegung der Vergangenheit und die ständige Beobachtung zu einer etikettierenden Stigmatisierung durch das Personal führen.

3.5. Autonomieverlust: Dieser Abschnitt analysiert die Einschränkung der Entscheidungsfreiheit durch das Privilegiensystem der Klinik.

3.6. Diagnose: Hier wird die stigmatisierende Wirkung einer psychiatrischen Diagnose und deren Einfluss auf die Selbstwahrnehmung untersucht.

3.7. Selbsterfüllende Prophezeiung: Dieser Teil erklärt, wie sich Patienten der ihnen zugeschriebenen negativen Rolle anpassen, um Erwartungen zu erfüllen.

3.8. Medikation: Es wird kritisch diskutiert, inwiefern Psychopharmaka zur Verhaltensanpassung eingesetzt werden und welche Nebenwirkungen die Persönlichkeit beeinflussen können.

4. Anpassung an die totale Institutionen (Psychiatrie): Dieses Kapitel beschreibt verschiedene Strategien der Insassen, wie Regression, Kolonisierung oder sekundäre Anpassung, um mit dem Anstaltsleben umzugehen.

5. Folgen des Psychiatrieaufenthaltes: Hier werden der Statusverlust, die Stigmatisierung nach der Entlassung sowie der sogenannte Dreh-Tür-Effekt reflektiert.

6. Fazit: Die Autorin fasst die Literaturerkenntnisse zusammen und ergänzt diese um ihre eigene praktische Erfahrung im psychiatrischen Bereich.

7. Quellenangaben: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Quellen.

Schlüsselwörter

Psychiatrieaufenthalt, Erstpatienten, Totale Institutionen, Erving Goffman, Identitätsverlust, Stigmatisierung, Anstaltsneurose, Autonomieverlust, Soziale Arbeit, Psychopharmaka, Privilegiensystem, Dreh-Tür-Effekt, Rollenverlust, Patientenselbst, psychiatrische Einrichtung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die psychischen und sozialen Auswirkungen, die ein stationärer Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik auf Erstpatienten hat, insbesondere unter dem Aspekt der institutionellen Machtstrukturen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind die Theorie der totalen Institutionen, der Verlust von Identität und Autonomie, die Rolle der Medikation sowie die langfristige Stigmatisierung von Patienten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie psychiatrische Einrichtungen durch ihre Struktur und ihr Handeln ungewollt zu einer negativen Verhaltensänderung oder Identitätsumformung bei den Patienten beitragen können.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der primär Goffmans soziologische Theorien zu totalen Institutionen herangezogen und mit fachlicher Literatur sowie der praktischen Erfahrung der Autorin verknüpft werden.

Was wird im Hauptteil detailliert diskutiert?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der verschiedenen Faktoren, die zur Umformung des Selbst führen, darunter Rollenverlust, Physische Verunreinigung, Autonomieverlust, die Wirkung von Diagnosen und der Einsatz medikamentöser Therapien.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind "Totale Institution", "Stigmatisierung", "Rollenverlust", "Autonomieverlust" und der "Dreh-Tür-Effekt".

Wie definiert Goffman eine "totale Institution" im Kontext der Psychiatrie?

Er beschreibt sie als Orte, an denen eine Vielzahl ähnlich gestellter Individuen für längere Zeit von der Außenwelt abgeschnitten ist und ein formal reglementiertes, von Autorität kontrolliertes Leben führt.

Welche Rolle spielt das "Privilegiensystem" in psychiatrischen Kliniken laut der Arbeit?

Das System dient dazu, Patienten durch Belohnungen und Bestrafungen zur Anpassung an die Hausordnung zu zwingen, wobei eigentlich grundlegende Rechte als "Privilegien" ausgegeben werden.

Warum wird der "Dreh-Tür-Effekt" als gravierende Folge genannt?

Er beschreibt das Phänomen, dass Patienten nach der Entlassung mit dem gesellschaftlichen Alltag überfordert sind und aufgrund des Verlusts der anstaltsinternen Geborgenheit erneut in die Psychiatrie zurückkehren.

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Details

Title
Auswirkungen von Psychiatrieaufenthalte auf das Verhalten von Erstpatienten
College
Protestant University of Applied Sciences Darmstadt
Author
Stefanie Schulz (Author)
Publication Year
2009
Pages
18
Catalog Number
V136215
ISBN (eBook)
9783640432721
ISBN (Book)
9783640432783
Language
German
Tags
Auswirkungen Psychiatrieaufenthalte Verhalten Erstpatienten Goffman
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefanie Schulz (Author), 2009, Auswirkungen von Psychiatrieaufenthalte auf das Verhalten von Erstpatienten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136215
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