Ziel meiner Seminararbeit ist es festzustellen, ob es Zusammenhänge zwischen der Verfügbarkeit von Pornografie und Sexualstraftaten gibt. Als Ausgangspunkt stelle ich die Einteilung der Pornografie im Strafrecht dar. In Anlehnung an die Einteilung gehe ich auf mögliche Zusammenhänge zwischen der Verfügbarkeit von Pornografie und Sexualdelinquenz ein. Dabei sollen nicht die unmittelbar aus der Produktion, Verbreitung, Besitz etc. resultierenden Sexualdelikte erfasst werden. Vielmehr geht es um die Wirkungen von Konsum/Exposition. Abschließend bewerte ich die Meinung des Gesetzgebers zur Pornografie. Was die Methodik meiner Arbeit betrifft, so erläutere ich theoretische Annahmen und Forschungsergebnisse und diskutiere diese anschließend. Ausführlich stelle ich nur die Theorien/Studien dar, denen ich (im Wesentlichen) zustimme und die für den fraglichen Zusammenhang am detailliertesten sind. Sonstige Theorien/Studien erwähne und bewerte ich in den nachfolgenden Diskussionen. Freilich bestehen bzgl. der Definition von Pornografie Unterschiede zu ausländischen Gesetzeslagen. Ich fasse das in den Studien/Theorien behandelte Material deshalb unter die deutsche Gesetzeslage. Mögliche internationale Unterschiede bei den Definitionen der Sexualdeliktstatbestände sind zu vernachlässigen. Schließlich zeigt auch deren Erfüllung ein aggressives Sexualverhalten an. Auf der Täterseite gehe ich immer von Männern aus.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Gesetzliche Einteilung von Pornografie
I. Einfache Pornografie
II. Harte Pornografie
III. Kinder- und Jugendpornografie
C. Mögliche Zusammenhänge
I. Einfache Pornografie als Ursache für Sexualdelikte?
1. Kutchinsky: Keine positive Korrelation im internationalen Vergleich
a) Rahmen der Studie
b) Ergebnisse der Studie
c) Diskussion
2. Ertel: Kein Erwecken von aggressivem Sexualverhalten
a) Rahmen der Studie
b) Ergebnisse der Studie
c) Diskussion
3. Ergebnis: Kein Risiko
II. Harte Pornografie als Ursache für Sexualdelikte?
1. Diamond/Uchiyama: Keine positive Korrelation in Japan
a) Pornografie in Japan
b) Auswirkungen auf die Sexualdelinquenz in Japan
c) Diskussion
2. Russell: Steigern des Verlangens zu Vergewaltigen und Schwächen von Hemmungen
a) Erwecken und Fördern des Verlangens zu vergewaltigen
b) Schwächung von inneren Hemmungen
c) Schwächung von sozialen Hemmungen
d) Diskussion
3. Cline: Gefahr durch Suchtwirkung
a) Weg zur Sexualdelinquenz
b) Diskussion
4. Ergebnis: Risiko für Sexualdelinquenz bei Disposition
III. Pornografie als Ursache für den sexuellen Missbrauch von Kindern/Jugendlichen?
1. Purcell/Russell: Verstärken pädophiler Neigungen und Schwächen von Hemmungen durch Kinderpornografie
a) Erwecken und Verstärken einer pädophilen Neigung
b) Abbau von Hemmungen
c) Diskussion
2. Quayle/Taylor: Schädliche Wirkung der Internet-Kinderpornografie auf Pädophile
a) Kontakt mit Internet und Kinderpornografie
b) Auswirkungen auf sexuellen Missbrauch
c) Diskussion
3. Purcell/Russell: Grooming unter Einsatz von Pornografie
a) Schwächung der Abwehrhaltung der Opfer
b) Diskussion
4. Ergebnis: Kriminogene Wirkung bei Disposition und Risiko durch Grooming
IV. Kriminogene Wirkung von Pornografie bei Minderjährigen?
1. Diamond/Uchiyama: Keine positive Korrelation in Japan
a) Verfügbarkeit für Minderjährige
b) Auswirkungen auf die Sexualdelinquenz
c) Diskussion
2. Alexy/Burgess/Prentky: Positive Korrelation zwischen Exposition und aggressivem Sexualverhalten bei Vorbelastung
a) Rahmen der Studie
b) Ergebnisse der Studie
c) Diskussion
3. Brown/L’Engle: Ursache für aggressives Sexualverhalten
a) Rahmen der Studie
b) Ergebnis
c) Diskussion
D. Stellungnahme zur Gesetzeslage
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den potenziellen Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von Pornografie und Sexualstraftaten, wobei der Fokus auf den Auswirkungen von Konsum und Exposition liegt, anstatt unmittelbar strafbare Handlungen im Produktions- oder Verbreitungskontext zu betrachten. Es wird geprüft, ob pornografisches Material bei bestehenden Dispositionen oder als kriminogener Faktor bei Kindern und Jugendlichen die Begehung von Sexualdelikten begünstigen kann.
- Einteilung und gesetzliche Bewertung von Pornografie im Strafrecht
- Analyse der Korrelation zwischen Pornografiekonsum und Sexualdelinquenz bei Erwachsenen
- Kriminogene Auswirkungen von Kinder- und Jugendpornografie
- Rolle von Pornografie beim sogenannten "Child Grooming"
- Einfluss von Pornografie auf das Sexualverhalten von Minderjährigen
Auszug aus dem Buch
a) Weg zur Sexualdelinquenz
Der erste Schritt in der Wirkung von Pornografie ist nach Cline die bedingungslose Abhängigkeit. Grund dafür ist gerade die Beeinflussung der sexuellen Fantasie durch pornografische Bilder. Dies bedingt ebenso eine Eskalation, welche den zweiten Schritt im Modell darstellt. Der Abhängige muss seinen Konsum intensivieren, um sexuell stimuliert zu werden. Darauf folgt im dritten Schritt die Desensibilisierung. Auch strafbare sexuelle Akte in der Pornografie werden entgegen persönlicher Moralvorstellungen und gesetzlichem Verbot als legitim erachtet. Dies spiegelt dem Konsumenten die Erlaubnis vor, solche Akte selbst auszuführen.
Der vierte Schritt ist das Ausleben der gesehenen Sexualdarstellungen, was Sexualdelikte einschließt. Auch auf dieses Verhalten kann sich die bedingungslose sexuelle Abhängigkeit erstrecken. Im Einzelfall stellt Cline einen Realitätsverlust fest, bei dem Wahrnehmungen aus der Gewaltpornografie in die Realität übertragen werden. Die Folge können Vergewaltigungen und andere Sexualdelikte sein.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Darstellung der Zielsetzung der Arbeit, die Wirkung von Pornografiekonsum auf Sexualdelinquenz zu bewerten und die Position des deutschen Gesetzgebers zu reflektieren.
B. Gesetzliche Einteilung von Pornografie: Erläuterung der Kategorisierung in einfache, harte sowie Kinder- und Jugendpornografie gemäß den §§ 184 ff. StGB.
C. Mögliche Zusammenhänge: Ausführliche Diskussion diverser Studien und Theorien zu den Wirkungen verschiedener Pornografiearten auf das Verhalten von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen.
D. Stellungnahme zur Gesetzeslage: Abschließende Bewertung, in der der Autor die aktuelle Gesetzeslage stützt und auf die Notwendigkeit weiterer Forschung aufgrund uneinheitlicher wissenschaftlicher Ergebnisse hinweist.
Schlüsselwörter
Pornografie, Sexualstraftaten, Sexualdelinquenz, StGB, Gewaltpornografie, Kinderpornografie, Jugendpornografie, Child Grooming, Pädophilie, Prädisposition, Internetkonsum, Kriminogene Wirkung, Vergewaltigung, Sexualverhalten, Sexualerziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen dem Konsum bzw. der Verfügbarkeit von Pornografie und dem Auftreten von Sexualstraftaten besteht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die strafrechtliche Einteilung von Pornografie sowie die Analyse der kriminogenen Wirkungen auf Erwachsene, Minderjährige und die Rolle bei der Anbahnung von Kindesmissbrauch.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob Pornografie eine Ursache für Sexualdelinquenz darstellt und wie die aktuelle gesetzliche Handhabung in Deutschland zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine systematische Analyse theoretischer Annahmen und empirischer Forschungsergebnisse, wobei er schwerpunktmäßig Studien bewertet, die detaillierte Aufschlüsse über den Zusammenhang geben.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene wissenschaftliche Theorien zu einfacher und harter Pornografie bei Erwachsenen sowie die Auswirkungen von (Kinder-)Pornografie auf Minderjährige und den Missbrauchskontext detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kriminogene Wirkung, Sexualdelinquenz, Kinderpornografie, Grooming und Prädisposition charakterisiert.
Welches Modell stellt Cline für den Weg zur Sexualdelinquenz auf?
Cline beschreibt einen vierstufigen Prozess: beginnend mit bedingungsloser Abhängigkeit, gefolgt von Konsumsteigerung, Desensibilisierung gegenüber strafbaren Akten bis hin zum tatsächlichen Ausleben dieser Akte in der Realität.
Welchen Einfluss hat laut Purcell/Russell Pornografie auf das Child Grooming?
Die Autoren argumentieren, dass Pornografie die Abwehrhaltung potenzieller Opfer schwächt, indem sie eine Normalität sexueller Akte zwischen Kindern und Erwachsenen suggeriert und ein Schuldgefühl bei den Opfern erzeugt, was den Missbrauch begünstigen kann.
- Quote paper
- Dominik Birner (Author), 2009, Pornografie und Sexualstraftaten - Was wissen wir über die Zusammenhänge? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136244