Durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 7.11.2006 wurde die damalige Erhebung der Erbschaftsteuer für verfassungswidrig erklärt und es bedurfte einer Neuregelung. Zwar war zeitweise sogar die vollständige Abschaffung der Erbschaftsteuer in der Diskussion, der Gesetzgeber hat sich letztendlich jedoch für die Neuregelung der Erbschaftsteuer entschieden und hat durch das Erbschaftsteuerreformgesetz (ErbStRG) vom 24.12.2008, das zum 1.1.2009 in Kraft getreten ist, die erbschaftsteuerrechtlichen Regelungen an die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts angepasst.
Durch diese Änderungen ergaben sich auch für das Betriebsvermögen erhebliche Änderungen. Wie diese Änderungen im Einzelnen aussehen, soll im Folgenden besprochen werden. Dabei bezieht sich die Arbeit jedoch lediglich auf die Bewertung des Betriebsvermögens, wie dieses Vermögen letztendlich besteuert wird, oder wie mögliche Begünstigungsregelungen in Zusammenhang mit diesem Vermögen aussehen, ist nicht Gegenstand dieser Arbeit.
Wie die Bewertungsmethoden für Betriebsvermögen im Einzelnen aussehen, soll im Folgenden näher besprochen werden. Deshalb gehe ich zunächst auf die Bewertungshierarchie der Methoden ein, um zu klären, wie diese zueinander stehen, bzw. wann sie zur Anwendung kommen, um im Anschluss daran die Methoden selbst darzustellen. Dabei kommt vor allem dem von der Finanzverwaltung entwickelten vereinfachten Ertragswertverfahren und dem Ertragswertverfahren nach IDW S 1 eine besondere Bedeutung zu, aber auch andere nichtsteuerliche Bewertungsmethoden müssen in diesem Kontext erläutert werden.
Die Arbeit beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Darstellung der Funktionsweise der einzelnen Bewertungsverfahren. Denn die grundsätzliche Problematik ergibt sich dabei vor allem daraus, dass, soweit die Voraussetzungen dafür gegeben sind, der Steuerpflichtige sich bei der Bewertung zwischen einem der beiden Ertragswertverfahren entscheiden muss.
Ziel der Arbeit ist es deshalb genau zu untersuchen, in welcher Situation ein Verfahren zu einem vorteilhafteren Wert führt, um dem Steuerpflichtigen dadurch bei seiner Entscheidungsfindung zu unterstützen. Ein weiterer Schwerpunkt dieser Arbeit bildet die Gestaltung im Rahmen der Bilanzpolitik. Dabei soll untersucht werden, wie der Steuerpflichtige den Wert seines Unternehmens aktiv durch bilanzpolitische Maßnahmen beeinflussen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Grundzüge der Bewertung von Betriebsvermögen im Erbschaftsteuerrecht
2.1. Der gemeine Wert als Maßstab der Bewertung
2.2. Hierarchie der Bewertungsmethoden
3. Die Bewertung des Betriebsvermögens
3.1. Ertragswertverfahren nach IDW S 1
3.1.1 Vorbemerkungen
3.1.2. Bewertung des nicht betriebsnotwendigen Vermögens
3.1.2.1. Nicht betriebsnotwendiges Vermögen
3.1.2.2. Bewertungsmethoden
3.1.3. Bewertung des betriebsnotwendigen Vermögens
3.1.3.1. Ermittlung der künftigen finanziellen Überschüsse
3.1.3.2. Ermittlung des Kapitalisierungsfaktors
3.1.4. Besonderheiten bei der Bewertung von Unternehmensanteilen
3.2. Vereinfachtes Ertragswertverfahren
3.2.1. Vorbemerkungen
3.2.2. Bewertung des separat zu bewertenden Vermögens
3.2.2.1. Separat zu bewertendes Vermögen
3.2.2.2. Bewertungsmethoden
3.2.3. Bewertung des betriebsnotwendigen Vermögens
3.2.3.1. Ermittlung des Jahresertrags
3.2.3.2. Ableitung des steuerlichen Betriebsergebnisses
3.2.3.3. Ermittlung des Kapitalisierungsfaktors
3.2.4. Besonderheiten bei der Bewertung von Unternehmensanteilen
3.3. Andere anerkannte Methoden
3.3.1. Anwendungsbereich
3.3.2. Multiplikatormethode und AWH-Standard
4. Gestaltungen im Rahmen der Bewertung von Betriebsvermögen
4.1. Funktion der erbschaftsteuerlichen Gestaltungspolitik
4.2. Beeinflussung des Unternehmenswerts durch Bilanzpolitik
4.2.1. Zeitraum der Untersuchung
4.2.2. Untersuchung der Wirksamkeit der Maßnahmen
4.2.3. Die Aktionsparameter im Einzelnen
4.2.3.1. Bilanzpolitische Maßnahmen
4.2.3.2. Sachverhaltsgestaltungen
4.3. Beeinflussung des Unternehmenswert durch die Wahl eines Bewertungsverfahrens
4.3.1. Planungszeitraum
4.3.2. Die Auswahl eines geeigneten Bewertungsverfahrens
4.3.3. Untersuchung der Vorteilhaftigkeit der Bewertungsverfahren
4.3.3.1. Berücksichtigung externer Faktoren
4.3.3.2. Berücksichtigung unternehmensinterner Faktoren
5. Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die erbschaftsteuerliche Bewertung von Betriebsvermögen nach der Reform 2009. Das primäre Ziel ist es, dem Steuerpflichtigen eine Entscheidungshilfe zu bieten, in welcher Situation die Anwendung eines bestimmten Bewertungsverfahrens – insbesondere des Ertragswertverfahrens nach IDW S 1 oder des vereinfachten Ertragswertverfahrens – zu einem vorteilhafteren, d.h. geringeren Unternehmenswert führt, und wie dieser Wert durch Bilanzpolitik aktiv beeinflusst werden kann.
- Grundlagen der Unternehmensbewertung im Erbschaftsteuerrecht
- Methodische Unterschiede und Anwendung von Ertragswertverfahren
- Gestaltungsmöglichkeiten durch Bilanzpolitik
- Einfluss externer und unternehmensinterner Faktoren auf den Unternehmenswert
- Entscheidungskriterien für die Wahl des vorteilhaftesten Bewertungsverfahrens
Auszug aus dem Buch
3.1.2.1. Nicht betriebsnotwendiges Vermögen
Das nicht betriebsnotwendige Vermögen des Unternehmens ist gesondert von dem Betriebsvermögen zu bewerten. Dieses Vermögen kann frei veräußert werden, ohne dass davon die eigentliche Aufgabe des Unternehmens berührt wird (funktionale Abgrenzung). Ausschlaggebend für die Abgrenzung von dem normalen Betriebsvermögen ist dabei, ob ein Vermögensgegenstand für das Erreichen des Unternehmenszwecks erforderlich ist, bzw. zur Erzielung von finanziellen Überschüssen beiträgt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Einleitung zur Neuregelung der Erbschaftsteuer infolge des BVerfG-Urteils und Definition des Arbeitsfokus auf die Bewertung von Betriebsvermögen sowie Gestaltungsmöglichkeiten.
2. Grundzüge der Bewertung von Betriebsvermögen im Erbschaftsteuerrecht: Erläuterung des gemeinen Werts als neuer einheitlicher Bewertungsmaßstab und Darstellung der Bewertungshierarchie für börsennotierte und nicht börsennotierte Unternehmen.
3. Die Bewertung des Betriebsvermögens: Detaillierte Analyse der Verfahren, insbesondere des IDW S 1 Standards und des vereinfachten Ertragswertverfahrens, sowie Besonderheiten bei Beteiligungen und weiteren Methoden.
4. Gestaltungen im Rahmen der Bewertung von Betriebsvermögen: Analyse steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten durch bilanzpolitische Maßnahmen und die gezielte Wahl des Bewertungsverfahrens zur Minimierung der Erbschaftsteuerlast.
5. Thesenförmige Zusammenfassung: Zentrale Erkenntnisse der Arbeit über die Notwendigkeit von Bewertungsentscheidungen und deren Auswirkung auf die steuerliche Belastung.
Schlüsselwörter
Erbschaftsteuer, Betriebsvermögen, Unternehmensbewertung, Ertragswertverfahren, vereinfachtes Ertragswertverfahren, gemeiner Wert, Bilanzpolitik, IDW S 1, steuerliche Gestaltung, Unternehmensnachfolge, Kapitalisierungsfaktor, Bewertungsstichtag, Anteilsbewertung, Steuerminimierung, Erbschaftsteuerreform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Bewertung von Betriebsvermögen im Kontext der Erbschaftsteuerreform 2009 und analysiert, wie Steuerpflichtige den Unternehmenswert durch die Wahl des Bewertungsverfahrens und bilanzpolitische Maßnahmen optimieren können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Bewertungsgesetz (BewG), die verschiedenen Methoden der Unternehmensbewertung (insb. IDW S 1 und vereinfachtes Ertragswertverfahren) sowie die steuerliche Gestaltungsplanung bei Unternehmensnachfolgen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, dem Steuerpflichtigen Entscheidungshilfen zu geben, welches Bewertungsverfahren in einer gegebenen Situation zu einem steuerlich vorteilhafteren, also geringeren, Unternehmenswert führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen und betriebswirtschaftlichen Standards sowie auf eine vergleichende Untersuchung anhand von Szenarien und Beispielen, um die Auswirkungen von Faktoren auf den Unternehmenswert aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Bewertungsgrundlagen, die detaillierte Beschreibung der Verfahren (IDW S 1, vereinfachtes Ertragswertverfahren, andere Methoden) und die Untersuchung von Gestaltungsmöglichkeiten durch Bilanzpolitik und Verfahrenswahl.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Erbschaftsteuerreform, Ertragswertverfahren, gemeiner Wert, Unternehmensbewertung, Bilanzpolitik und Gestaltungsspielraum.
Warum spielt die Wahl des Bewertungsverfahrens eine so große Rolle für den Steuerpflichtigen?
Da verschiedene Verfahren je nach Konjunkturlage oder individueller Unternehmenssituation (z. B. Wachstum, Risiko) zu deutlich unterschiedlichen Unternehmenswerten führen, kann die Wahl des Verfahrens die Höhe der zu zahlenden Erbschaftsteuer erheblich beeinflussen.
Welche Auswirkung hat die Bilanzpolitik auf die Erbschaftsteuer?
Bilanzpolitische Maßnahmen erlauben es dem Unternehmer, den steuerlichen Gewinn vor dem Bewertungsstichtag temporär zu beeinflussen, was sich direkt auf die Bemessungsgrundlage der Erbschaftsteuer auswirken kann.
Warum ist das vereinfachte Ertragswertverfahren bei riskanten Unternehmen oft unvorteilhaft?
Das vereinfachte Ertragswertverfahren arbeitet mit einem pauschalen Risikozuschlag, der bei risikoreichen Unternehmen oft zu einer Überbewertung führt, da die individuelle Risikosituation nicht differenziert berücksichtigt wird.
Was ist der Unterschied zwischen mittelbarer und unmittelbarer Typisierung der persönlichen Ertragsteuern?
Bei der mittelbaren Typisierung (unternehmerische Initiative) werden Steuern pauschal über Kapitalmarktdaten berücksichtigt, während bei der unmittelbaren Typisierung (gesetzliche/vertragliche Anlässe) die individuellen Steuern des Anteilseigners direkt in die Berechnung einfließen.
- Quote paper
- Christian Schöllkopf (Author), 2009, Bewertung von Betriebsvermögen nach der Erbschaftsteuerreform, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136259