Mit der Abschaffung des Begriffes Legasthenie wurden die Probleme nicht ad acta gelegt, sondern die Bedeutung der Beherrschung der Schriftsprache für die Entfaltung der Persönlichkeit sowie die Zuständigkeit und Verpflichtung der Schule für die Vermittlung dieser Grundanforderung wird deutlich gemacht. Der neue Begriff Lese-Rechtschreibschwäche oder auch Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) wird als Sammelbegriff für eine Vielzahl von Problemen beim Erlernen des Schreibens, Lesens und Rechtschreiben benutzt. Es handelt sich hier nicht um eine im Kind liegende Schwäche, sondern um auftauchende Schwierigkeiten, die unterschiedliche Ursachen haben können. Sie können durch häusliche oder schulische Bedingungen bzw. organisch-endogene Faktoren ausgelöst werden.
LRS wird meistens für ein pädagogisches Problem gehalten, und man geht davon aus, daß bei optimaler Gestaltung des Lernumfeldes und angemessenen Methoden alle Kinder (ausgenommen schwer geistig Behinderte) Lesen lernen können, deswegen ist ein binnendifferenzierter kindorientierter Unterricht wichtig. Auch müssen frühzeitig Hilfen bei Schwierigkeiten gegeben werden, da es sonst unweigerlich zur Frustration führt.
Damit stoßen wir auf das Problem der Jahrgangsklassen, durch diese sind wir daran gewöhnt, daß wir Leistungen von Kindern in diesem Zusammenhang sehen, obwohl wir längst wissen, daß es in der vorschulischen Entwicklung in der Regel Verschiebungen gibt.
Bei vielen Beobachtungen sieht man, daß es entsprechende Unterschiede auch in Beginn und Dauer des Lernprozesses beim Schreiben- und Lesenlernen gibt. Dadurch wäre denkbar, daß lese-rechtschreibschwache Kinder vor allem als Kinder mit einem langsamen Entwicklungstempo und/oder als Kinder mit einem niedrigeren Ausgangsniveau zu verstehen sind.
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Inhaltsverzeichnis
Voraussetzungen zum Lesenlernen: 5
Rechtschreiben lernen: 6
Ursachen für LRS: 6
Grundsätze zur Förderung von Schülern/Schülerinnen mit LRS: 7
Lern- und Arbeitstechniken für LRS-SchülerInnen: 8
Grundsätze für pädagogische Lernhilfen: 9
Beispiele für Lernhilfen in Klasse 1: 11
1. Anregen im gemeinsamen Unterricht - Differenzierung der Anschlußaufgabe: 11
2. Anstöße und Bestätigungen bei offenen Lernformen: 12
3. Individuelle Anregungen: 12
4. Selbständigkeit und Kontrolle in der Fördersituation: 12
Konkrete Vorschläge für Lernhilfen: 12
- Anlage einer Wörterschachtel: 12
- Einüben eines Diktates alleine: 13
- Ein Gruppen-Schreibspiel: 13
- Einbettung der Rechtschreibübungen in kommunikative Zusammenhänge: 14
Förderdiagnostik: 14
Möglichkeiten der Förderung von LRS-Kindern - Kooperativer Unterricht: 15
Zusammenarbeit der LehrerInnen: 15
Förderung der Kinder im kooperativen Unterricht: 16
Spiele und Spielen mit LRS-SchülerInnen: 17
Spielen im Förderunterricht mit LRS-Schülern/Schülerinnen: 18
Wörterbucharbeit und Arbeit mit dem Grundwortschatz: 19
Warum ist Wörterbucharbeit wichtig für Kinder? 19
Warum ist es so schwierig Kinder zum Nachschlagen im Wörterbuch zu bewegen? 20
Was muß man berücksichtigen, wenn man mit einem Wörterbuch arbeitet? 20
Was ist an der Arbeit mit einem Wörterbuch am wichtigsten? 20
Warum wird mit dem Grundwortschatz gearbeitet? 21
Probleme bei der Arbeit mit dem Grundwortschatz: 21
Wie sollten Grundwortschätze sein? 21
Computereinsatz in der Schule: 21
Gründe für den Einsatz: 21
Prüfliste für Lernsoftware: Ziele der Software: 22
Inhalt: 22
Methodik - Didaktik: 22
Zielgruppe: 22
Benutzungsmöglichkeiten: 23
Benutzerfreundlichkeit und Interaktivität: 23
Technologiegebrauch: 23
Hardware: 24
Bildschirmgestaltung: 24
Begleitmaterial: 24
Kriterien zur Auswahl von Lesetexten: 24
Literatur als Lebenshilfe: 25
Kriterien zur Beurteilung von Rechtschreibmaterialien: 25
1. Allgemeine Informationen: 25
2. Aufbau und Gestaltung des Materials: 26
3. Übungsformen: 26
4. Wortschatz: 26
5. Sprachliche und kommunikative Aspekte: 27
6. Themen und Inhalte des Materials: 27
7. Vermittlung von Arbeitstechniken und Lernstrategien: 27
8. Differenzierung und Individualisierung: 27
Was LehrerInnen Eltern raten können: 27
1. Lesen: 28
2. Schreiben und Rechtschreiben: 29
3. Hinweise für förderndes Elternverhalten: 30
Eigene zusammenfassende Meinung zu LRS: 31
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit Lese-Rechtschreibschwäche (LRS). Ziel ist es, Lehrkräften und Eltern handlungsorientierte Ansätze zu vermitteln, um den betroffenen Kindern durch gezielte methodische Differenzierung, Lerntechniken und kooperative Lernformen zu helfen, ihre Schriftsprachkompetenz zu verbessern und die Freude am Lernen zu erhalten.
- Ursachen und Verständnis von LRS im pädagogischen Kontext
- Konkrete Lernhilfen und Übungsstrategien für den Unterricht
- Einsatz von kooperativen Lernformen und spielerischen Elementen
- Wörterbucharbeit und der Umgang mit dem Grundwortschatz
- Anforderungen an Lernsoftware und Rechtschreibmaterialien
- Beratung von Eltern und Unterstützungsmöglichkeiten zu Hause
Auszug aus dem Buch
Voraussetzungen zum Lesenlernen:
Heute weiß man, daß Lesen und Schreiben keine mechanischen Vorgänge darstellen, sondern Prozesse des Problemstellens und -lösens. Der Schüler/die Schülerin muß das Schriftsystem für sich selbst entdecken und neu konstruieren, wobei er/sie sich auf seine/ihre bereits verfügbaren Kenntnisse und Fähigkeiten, z.B. die Sprache, stützt. Zu einem erweiterten Begriff vom Lesen gehört sowohl Lesefertigkeit und Sinnverständnis als auch die Verarbeitung des Gelesenen und die Auseinandersetzung mit der Thematik des Textes.
Kinder haben Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit bewußt auf die sprachliche Form, z.B. auf den Wortstamm, zu lenken und vom Handlungskontext und Bedeutungsgehalt zu abstrahieren. Vorschulkinder haben auch Schwierigkeiten, einen Vergleich von Wortlängen durchzuführen, weil sie sich nicht an der Lautung, sondern an der Bedeutung des Wortes orientieren. Auch die Unfähigkeit von Vorschülern, Reime zu bilden, deutet auf die mangelnde Vergegenständlichung von Sprache.
Zum Lesen- und Schreibenlernen gehört auch die Einsicht, daß im geschrieben Satz alle Redeteile aufgeschrieben werden. Es ist viel zu wenig bekannt, daß Schulanfängern und Schulanfängerinnen normalerweise diese Einsicht fehlt: Viele glauben nämlich, daß nur Hauptwörter bzw. Hauptwörter und Verben aufgeschrieben werden, nicht aber Artikel und andere Funktionswörter.
Auf das Problem des Unterschieds zwischen mündlicher Sprechweise des Kindes (z.B. dialektaler Verfärbung) und von der Hochsprache abgeleiteter Schriftsprache sollten die Kinder aufmerksam gemacht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Voraussetzungen zum Lesenlernen: Erläutert das Lesen und Schreiben als aktiven Problemlöseprozess, der auf sprachlichen Vorerfahrungen aufbaut.
Rechtschreiben lernen: Betont die Notwendigkeit von effektivem, motivierendem Üben und der Vermittlung konkreter Lernstrategien.
Ursachen für LRS: Beschreibt die vielfältigen physischen und psychischen Faktoren, die Lese-Rechtschreibschwierigkeiten begünstigen können.
Grundsätze zur Förderung von Schülern/Schülerinnen mit LRS: Definiert die Verantwortung der Schule für eine systematische Förderung und individuelle Unterstützung.
Lern- und Arbeitstechniken für LRS-SchülerInnen: Stellt Techniken zur individuellen Lernorganisation sowie die Bedeutung der Kenntnis des eigenen Lerntyps vor.
Grundsätze für pädagogische Lernhilfen: Hebt die Bedeutung von Zuversicht, Differenzierung und Eigenverantwortung für den Lernprozess hervor.
Beispiele für Lernhilfen in Klasse 1: Gibt praxisnahe Tipps zur Differenzierung im Unterricht und zur Förderung von Lernanfängern.
Konkrete Vorschläge für Lernhilfen: Bietet konkrete Werkzeuge wie die Wörterschachtel und das Kassettendiktat zur täglichen Übung.
Förderdiagnostik: Fokussiert auf die Beobachtung von Lernprozessen und den Dialog mit Kindern und Eltern zur individuellen Unterstützung.
Möglichkeiten der Förderung von LRS-Kindern - Kooperativer Unterricht: Diskutiert die Zusammenarbeit von Lehrkräften und die Einbettung von Förderung in den Klassenverband.
Spiele und Spielen mit LRS-SchülerInnen: Beleuchtet das Spiel als Lernchance und diagnostisches Mittel zur Entwicklungsförderung.
Wörterbucharbeit und Arbeit mit dem Grundwortschatz: Erklärt den Mehrwert von Wörterbüchern für die Selbsthilfe und Strategien zur Einführung.
Computereinsatz in der Schule: Bewertet die Potenziale von Lernsoftware und liefert Kriterien für deren Qualität.
Kriterien zur Auswahl von Lesetexten: Definiert Anforderungen an Texte bezüglich Inhalt, Wortwahl und Struktur zur Leseförderung.
Kriterien zur Beurteilung von Rechtschreibmaterialien: Liefert Checklisten zur Evaluierung von Unterrichtsmaterialien hinsichtlich methodischer Qualität.
Was LehrerInnen Eltern raten können: Gibt konkrete Tipps für Eltern zur unterstützenden Lese- und Rechtschreibförderung im häuslichen Umfeld.
Schlüsselwörter
Lese-Rechtschreibschwäche, LRS, Legasthenie, Schriftspracherwerb, Leseförderung, Rechtschreibunterricht, Förderdiagnostik, kooperativer Unterricht, Lerntechniken, Grundwortschatz, Wörterbucharbeit, Lernsoftware, Differenzierung, Elternarbeit, Schulpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet einen umfassenden Überblick über den Umgang mit Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) im Grundschulalltag und zeigt Möglichkeiten der pädagogischen Förderung auf.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen Ursachenforschung, praktische Unterrichtsmethoden, die Einbindung von kooperativen Lernformen, Mediengebrauch sowie die Einbeziehung der Eltern in den Lernprozess.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, Lehrkräften das nötige Rüstzeug an die Hand zu geben, um LRS frühzeitig zu erkennen und betroffene Kinder durch individuelle, motivierende Förderung innerhalb des regulären Unterrichts zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär genutzt?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten pädagogischen Reflexion, die aktuelle Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und Schulpädagogik mit erprobten, praxisnahen Interventionsstrategien verbindet.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die direkte Umsetzung von Fördermaßnahmen: vom Einsatz von Spielformen und Lernkarteien bis hin zu methodischen Hinweisen zur Wörterbucharbeit und der Auswahl geeigneter Materialien.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
LRS-Förderung, Differenzierung, Selbstgesteuertes Lernen, Kooperation, Fehlervermeidung und Elternpartnerschaft.
Warum ist laut der Autorin eine frühzeitige Diagnose so wichtig?
Eine frühe Erkennung ermöglicht es, Lernrückstände schneller aufzuholen, bevor eine chronische Demotivation oder Schulangst entsteht, und das Kind behutsam auf den Leistungsstand der Mitschüler zu bringen.
Wie sollten Eltern laut den Empfehlungen das LRS-Kind unterstützen?
Eltern sollten vor allem die emotionale Sicherheit des Kindes stärken, Geduld bewahren und durch alltägliche Schreib- und Leseanlässe anstatt durch übermäßigen Leistungsdruck oder Kontrolle ein positives Lernumfeld schaffen.
- Quote paper
- Susanne Altmann (Author), 1999, LRS - Leserechtschreibschwäche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1363