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Sophokles und Anouilhs Antigone - dramatischer Ausdruck zweier konträrer Welt- und Menschenbilder

Title: Sophokles und Anouilhs Antigone - dramatischer Ausdruck zweier konträrer Welt- und Menschenbilder

Term Paper , 2007 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Melanie Skiba (Author)

World History - Early and Ancient History
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„Es ist sinnlos, das Schicksal der Antigone heute dramatisch zu wiederholen, weil die Heldin als krankhaft hartnäckiges, von einer Schrulle beherrschtes, todesgieriges Wesen erscheinen müßte und nicht ein Exempel der Metaphysik, sondern der Pathologie abgäbe“ 1. Dieser Auszug aus Gerhard Nebels Abhandlung „Weltangst und Götterzorn“ beschreibt meiner Ansicht nach äußerst treffend die Unvereinbarkeit zweier Welten, die sich nicht nur historisch, sondern auch geistesgeschichtlich in enormer Distanz zueinander befinden.
Wie sollten demnach zwei Werke, von denen eines ca. im Jahre 442 vor Christus geschaffen worden ist, während das andere auf das Jahr 1944 zu datieren ist, je von einer gemeinsamen Basis ausgehen können?
Und doch trägt sowohl das sophokleische Stück als auch Anouilhs moderne Rezeption den Titel „Antigone“. In Zusammenhang mit der nicht von der Hand zu weisenden Tatsache, dass beide Fabeln außerdem erstaunliche Parallelitäten aufweisen, regt diese Feststellung den Leser des 20. Jahrhunderts zweifelsohne zur Reflexion darüber an, worin genau sich seine Welterfahrung von der des antiken Rezipienten unterscheidet.
Ist es demzufolge - um auf das einleitende Zitat zu rekurrieren - nun tatsächlich „sinnlos“ eine moderne Konzeptualisierung des Antigonestoffs vorzunehmen oder bietet der Rahmen beider Dramen nicht vielmehr gerade in seiner äußerlichen Kongruenz die Möglichkeit einer präzisen Darstellung zweier antithetisch aufeinander bezogenen Welt- und Menschenbilder?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Die „Antigonen" von Sophokles und Anouilh - dramatischer Ausdruck zweier konträrer Welt- und Menschenbilder

2. Inhaltliche Zusammenfassung beider Werke

2.1 Handlungsstruktur in der sophokleischen „Antigone“

2.2. Handlungsstruktur in der „Antigone“ von Jean Anouilh

3. Einbettung des Individuums in metaphysische Kohärenzsysteme

3.1. Bedeutung von Bestattungsgebot und Bestattungsverbot

3.2. Manifestation des Numinosen

3.3. Metaphysische Grundlage der Figuren

3.4. Präsenz bzw. Absenz des Sehers

4. Einbettung des Individuums in gesellschaftliche Strukturen

4.1. Die Familie - Ort des Schutzes?

4.2. Unterschiedliche Ausgestaltung der Liebesbeziehung Antigone- Hämon

4.3. Einsamkeit- gleichberechtigter Teil des Gefühlsspektrums oder Grundgefühl menschlicher Existenz?

5. Der Staat und seine Bedeutung fürs Individuum

5.1. Kreons Herrschaftsauffassung

5.2. Sinnstruktur der sophokleischen Polis vs. Absurdität des politischen Handelns bei Anouilh

5.3. Die „Antigonen“ – Lehrstücke politischen Handelns?

6. Vergleich der antagonistische Prinzipien in den Weltbildern beider Dramen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht den fundamentalen Unterschied der Welt- und Menschenbilder in der antiken Tragödie „Antigone“ von Sophokles und der modernen Adaption von Jean Anouilh, um aufzuzeigen, wie sich die metaphysische und gesellschaftliche Einbettung des Individuums über die Jahrhunderte hinweg gewandelt hat.

  • Vergleichende Analyse der Handlungsstrukturen beider Werke.
  • Kontrastierung der metaphysischen Verankerung (Götterglaube vs. Absurdität).
  • Untersuchung familiärer und gesellschaftlicher Bindungen als identitätsstiftende Faktoren.
  • Hinterfragung der politischen Dimensionen beider Stücke und deren Bezug zur zeitgenössischen Realität.
  • Gegenüberstellung der antagonistischen Prinzipien und deren Auswirkung auf das tragische Ende der Protagonistin.

Auszug aus dem Buch

3.1. Bedeutung von Bestattungsgebot und Bestattungsverbot

So steht und fällt die Handlung der sophokleischen „Antigone“ im Wesentlichen mit dem hauptsächlich religiös motivierten Bestattungsgebot. Schließlich war die Vorstellung in der Polis des 5. Jahrhunderts fest verwurzelt, dass eine tote Seele erst durch den Vollzug der Bestattungsriten in Frieden ruhen kann. Der Geltungsbereich dieser zivilisatorischen Norm bezieht sich in gleichem Maß auf alle Individuen, „[...] da sie, wer immer sie auch waren, die höchste und ehrwürdigste Aktion des Menschen, das Sterben, vollzogen“ (Nebel, S. 183). Es lässt sich also konstatieren, dass der Anspruch der Chthonioi, der unteren Götter, sich einer „politische[n] Differenzierung der Toten“ entzieht, was sich auch anhand der programmatischen Forderung Antigones: „Und dennoch fordert Hades gleiches Recht“ beweisen lässt.

Hieraus ergibt sich, dass der Tod sich dem Einflussbereich der von Kreon repräsentierten politischen Machtsphäre entzieht (vgl. Zimmermann, S. 295). Kreons Frevel besteht also wesentlich darin, dass er gegen jenes ungeschriebene Gesetz, das sich in der abschließenden Chorpassage: „Was der Götter ist, entweihe keiner“ (V. 130) manifestiert, verstößt. Indem er sich nämlich mittels seines in den Bereich des Numinosen eingreifenden Bestattungsverbotes der Illusion hingibt, als Herrscher über die Polis göttlichem Willen zuwiderzuhandeln zu dürfen, stellt er somit ein prototypisches Bespiel für die menschliche Hybris dar.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die „Antigonen" von Sophokles und Anouilh - dramatischer Ausdruck zweier konträrer Welt- und Menschenbilder: Einführung in die Unvereinbarkeit der antiken und modernen Weltsicht sowie Aufzeigen der Parallelitäten zwischen beiden Dramen.

2. Inhaltliche Zusammenfassung beider Werke: Kurze strukturelle Gliederung der Handlungsverläufe bei Sophokles und Anouilh als Grundlage für den weiteren Vergleich.

3. Einbettung des Individuums in metaphysische Kohärenzsysteme: Analyse der Bedeutung von Bestattungsriten, der Präsenz des Numinosen und der metaphysischen Verankerung der Figuren.

4. Einbettung des Individuums in gesellschaftliche Strukturen: Untersuchung der Familie, der Liebesbeziehung zwischen Antigone und Hämon sowie der Einsamkeit als prägendes menschliches Grundgefühl.

5. Der Staat und seine Bedeutung fürs Individuum: Vergleich der Herrschaftsauffassungen, der Sinnstruktur der Polis und der politischen Aussageabsichten in beiden Werken.

6. Vergleich der antagonistische Prinzipien in den Weltbildern beider Dramen: Abschließende Synthese der gegensätzlichen Weltbilder, die in den unauflöslichen Konflikten der Charaktere kulminieren.

Schlüsselwörter

Antigone, Sophokles, Jean Anouilh, Weltbild, Menschenbild, Metaphysik, Bestattungsgebot, Hybris, Polis, Existentialismus, Widerstand, Gesellschaft, Tragödie, Herrschaftsauffassung, Individuum

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Unterschiede zwischen der antiken „Antigone“ von Sophokles und der modernen Fassung von Jean Anouilh hinsichtlich ihrer philosophischen und politischen Aussagen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der metaphysischen Verankerung, den gesellschaftlichen Strukturen, dem Verhältnis des Individuums zum Staat sowie der Frage nach der Existenzberechtigung von Normen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den „unauflöslichen Konflikt“ zweier antithetischer Weltbilder herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie sich die Bedeutung der tragischen Handlung durch die historische Distanz verändert hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die auf der Gegenüberstellung von Dramentexten und der Einbeziehung fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von metaphysischen Kohärenzsystemen, gesellschaftlichen Strukturen und der Bedeutung des Staates für das Individuum in beiden Werken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören Antigone, Metaphysik, Hybris, Existentialismus, Polis sowie der Vergleich von antiken und modernen Weltbildern.

Wie unterscheidet sich die Rolle von Kreon bei Sophokles und Anouilh?

Während der sophokleische Kreon ein machtbesessener Tyrann ist, wird der Anouilh-Kreon eher als ein widerwilliger Realpolitiker gezeichnet, der versucht, die Ordnung in einer sinnentleerten Welt zu wahren.

Warum wählt die Anouilh-Antigone den Tod?

Für sie ist das Leben in einer banalen und kompromissbehafteten Welt nicht erstrebenswert; sie wählt den Tod, da sie keine Struktur oder Sinnhaftigkeit mehr in der Gesellschaft vorfindet, an die sie glauben könnte.

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Details

Title
Sophokles und Anouilhs Antigone - dramatischer Ausdruck zweier konträrer Welt- und Menschenbilder
College
Catholic University Eichstätt-Ingolstadt
Course
Einführung in die griechisch-römische Mythologie
Grade
1,0
Author
Melanie Skiba (Author)
Publication Year
2007
Pages
23
Catalog Number
V136347
ISBN (eBook)
9783640445745
ISBN (Book)
9783640445882
Language
German
Tags
Sophokles Anouilhs Antigone Ausdruck Welt- Menschenbilder
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Melanie Skiba (Author), 2007, Sophokles und Anouilhs Antigone - dramatischer Ausdruck zweier konträrer Welt- und Menschenbilder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136347
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