Welche sozialen Komponenten und Spielregeln entstehen, wenn Zuschauer*innen bei einer Theateraufführung mitmachen sollen?
Jeder Mensch spielt Spiele. Ob es nun ein Brettspiel ist oder das soziale Zusammentreffen im alltäglichen Leben. Bestimmte Spielregeln und Verhaltensweisen gehören immer dazu. Wer sich an die Richtlinien hält, darf im (sozialen) Spiel weiter aktiv mitmachen. Das Phänomen „Spiel im Theater“ konnte ich bei der Aufführung „Please, Don´t Touch The Art Piece“ von Roy Assaf in Mainz miterleben. Performer*innen und Zuschauer*innen schlossen sich zusammen und konstruierten eine einzigartige, schwerkalkulierbare Theatersituation.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BEGRIFFSERKLÄRUNG DES SPIELS
3. AUFFÜHRUNG “PLEASE, DON´T TOUCH THE ART PIECE”
3.1 ANSPANNUNG UND ERWARTUNGEN WÄHREND DER AUFFÜHRUNG
3.2 DAS MITSPIELEN DER ZUSCHAUER*INNEN
3.3 ILLUSION UND WIRKLICHKEIT
4. FAZIT – SOZIALE ANREGUNGEN
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die sozialen Komponenten und neu entstehenden Spielregeln in der immersiven Theateraufführung „Please, Don’t Touch The Art Piece“ von Roy Assaf. Dabei wird analysiert, wie die aktive Einbindung des Publikums zur Konstruktion einer spezifischen Theatersituation beiträgt und welche Rolle dabei individuelle Erwartungshaltungen sowie das Spannungsfeld zwischen Illusion und Wirklichkeit spielen.
- Spieltheoretische Einordnung des immersiven Theaters
- Soziale Dynamiken und Gruppeneffekte bei aktiver Zuschauerbeteiligung
- Die Rolle von Erwartung und Anspannung im Aufführungskontext
- Interaktion zwischen Performer*innen und Publikum
- Theatralität und Grenzverwischung im sozialen Spiel
Auszug aus dem Buch
3.2 Das Mitspielen der Zuschauer*innen
Die Aufführung vom 20. Dezember 2022 war gut besucht und zeugte von einem engagierten Publikum. Anders als Goffmans Annahme, dass die Aufführung „sehr wenig vom Umfang des Ensembles oder des Publikums ab[hängt]“, ist es bei einer immersiven Inszenierung oftmals ausschlaggebend. Denn ganz ohne Publikum übernimmt keiner die aktiven Parts, um beispielsweise nach vornezutreten und vorzulesen oder das Bühnenbild umzuändern. Auch wenn der Zuschauerraum gut gefüllt ist, hängt es weiterhin von den Anwesenden ab, wie gut die Aufführung funktioniert. So kann die Inszenierung nicht vonstatten gehen, wenn ausschließlich Menschen vor Ort sind, die stur passiv bleiben. Wenn wiederum nur aufgeschlossene Menschen anwesend sind, wie in meiner besuchten Probe von PDTTAP, schreitet das Geschehen zu schnell voran und das gewünschte „Kribbeln“ und Ausharren des Publikums wird so nicht erzeugt.
Das bestmögliche Publikum ist mit passiven und aktiven sowie zögernden und entschlussfreudigen Mitspieler*innen durchmischt, so dass genügend Emotionen während der Aufführung erzeugt werden. Natürlich ist gerade dieses Spiel des immer neu zusammengesetzten Publikums und ihrer Auswirkungen auf die Inszenierung interessant. Bei dieser Inszenierung ist die „Asymmetrie zwischen beteiligten Performer*innen und involvierten Zuschauer*innen“ wichtig, hiermit wird einigen aus dem Publikum die Wahl gelassen mitzumachen oder nur passiver Beobachtende/r zu sein. Ansonsten müsste wirklich jeder aktiv mitmachen oder andere mehrmals.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung steckt den Rahmen der Forschungsarbeit ab und erläutert die Relevanz des Phänomens „Spiel im Theater“ anhand der beobachteten Aufführung.
2. BEGRIFFSERKLÄRUNG DES SPIELS: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung des Spielbegriffs unter Rückgriff auf klassische Spieltheorien von Huizinga, Caillois und Bateson.
3. AUFFÜHRUNG “PLEASE, DON´T TOUCH THE ART PIECE”: Hier werden die konkrete Inszenierung sowie die Beobachtungen zur Dynamik zwischen Publikum und Performer*innen detailliert dargestellt und analysiert.
3.1 ANSPANNUNG UND ERWARTUNGEN WÄHREND DER AUFFÜHRUNG: Kapitel 3.1 widmet sich den psychologischen Aspekten der Zuschauenden, wie Erwartungsdruck und die bewusste Entscheidung zur Teilnahme an der Spielsituation.
3.2 DAS MITSPIELEN DER ZUSCHAUER*INNEN: In diesem Teil wird die aktive Rolle des Publikums als zentraler Bestandteil für das Funktionieren und Gelingen der immersiven Aufführungsstruktur betrachtet.
3.3 ILLUSION UND WIRKLICHKEIT: Kapitel 3.3 untersucht die Auflösung der klassischen Bühnentrennung und wie Fiktion und Realität im Aufführungskontext verschwimmen.
4. FAZIT – SOZIALE ANREGUNGEN: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über die sozialen Interaktionsprozesse zusammen und regt weiterführende Forschungsansätze an.
Schlüsselwörter
Immersives Theater, Spieltheorie, Zuschauerbeteiligung, soziale Interaktion, Performance, Roy Assaf, Rollenverhalten, Gruppendynamik, Aufführungsanalyse, Theatralität, Spielregeln, Mitspielen, Erving Goffman, Johan Huizinga, Bühnengeschehen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die soziale Dynamik und die Wirkung von aktiver Publikumsbeteiligung in der immersiven Theateraufführung „Please, Don’t Touch The Art Piece“ von Roy Assaf.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen Spieltheorie, die soziale Interaktion zwischen Künstlern und Zuschauern sowie die Untersuchung von Rahmenbedingungen und Rollenverschiebungen im Theatersaal.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu ergründen, welche sozialen Komponenten und Spielregeln entstehen, wenn Zuschauer explizit aufgefordert werden, als aktive Mitspieler Teil der Theateraufführung zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine beobachtungsbasierte Analyse inklusive eigener Seherfahrungen, gestützt durch theaterwissenschaftliche und soziologische Theorien, insbesondere von Erving Goffman, Johan Huizinga und Roger Caillois.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der konkreten Aufführungssituation, den Erwartungen und der Anspannung des Publikums sowie der komplexen Grenzziehung zwischen künstlerischer Illusion und gelebter sozialer Wirklichkeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen immersives Theater, Spieltheorie, soziale Interaktion, Publikumsinvolvierung, Rollenverhalten und die Konstruktion theatraler Erfahrungsräume.
Welche Beobachtungen macht die Autorin zur Rolle der „Rampensau“ im Stück?
Der Begriff beschreibt Zuschauer, die durch die Aufführungssituation dazu animiert werden, ihre soziale Hemmschwelle zu überschreiten, sich mehrfach aktiv auf der Bühne zu präsentieren und dabei die Aufmerksamkeit des Publikums als Bestätigung zu suchen.
Wie beeinflusst der Ortswechsel ins Museum die Aufführung?
Der Ortswechsel wirkt laut der Autorin als „Rahmenbruch“, der die typischen starren Verhaltensregeln eines traditionellen Staatstheaters aufhebt und eine entspanntere, spontanere Interaktion unter den Zuschauenden ermöglicht.
- Arbeit zitieren
- Angelina Marx (Autor:in), 2023, Ein Spiel auf Zeit. Beobachtungen zum sozialen Mitmachen in Roy Assafs "Please, Don´t Touch The Art Piece", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1363784