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Benjamin Wilkomirskis Bruchstücke: Die Skandal - Holocaust - Autobiographie

Title: Benjamin Wilkomirskis Bruchstücke: Die Skandal - Holocaust - Autobiographie

Term Paper , 2009 , 28 Pages

Autor:in: Svenja Anderson (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die Überlebenden des zweiten Weltkriegs werden langsam rar. Es sind genau die
Menschen, die uns als Nachgeborene direkt von den Gräueltaten der
Nationalsozialisten berichten können.
In der Forschung beginnt eine Zeit des Umdenkens und der Umorientierung. Das
Umdenken liegt darin begründet, dass die Zeugnisse aus dieser Zeit von immer jünger
werdenden Überlebenden stammen. Die Zeitzeugen nutzen ebenso wie wir, Akten,
Bilder, Dokumente, Tagebücher, Statistiken, die von den Überlebenden zurück
blieben. Wir, die diesen Schrecken nicht miterlebt haben, sind dankbar für die
Zeugnissammlungen, damit wir uns mit der Shoah auseinandersetzten können.
In manchen Fällen sind wir so sehr dankbar, dass wir jede mögliche Zeugenschaft
wohlwollend aufnehmen und anerkennen wollen.
Benjamin Wilkomirskis Buch Bruchstücke. Aus einer Kindheit fällt in diese Zeit der
Umorientierung. Bruchstücke war bei seinem Erscheinen ein Aufsehen erregendes
Buch.
Es handelt von einem kleinen Jungen, der die Konzentrationslager Majdanek und
Auschwitz überlebte und nach Beendigung des Krieges in die Schweiz zu einer
Pflegefamilie kam.
Bruchstücke erhielt mehrere wichtige Preise, darunter der National Jewish Book
Award des Jewish Book Council in New York und den französischen Prix Mémoire de
la Shoah der Fondation du judaïsme français in Paris.
Bald darauf wurden Fälschungsvorwürfe gegen Benjamin Wilkomirski geäussert.
Man unterstellte ihm nie in einem Konzentrationslager gewesen zu sein. Die
Lebensgeschichte sei lediglich ein Produkt seiner Phantasie.
Vorreiter dieser Vorwürde war Daniel Ganzfried, der mit seinem Enthüllungsbericht
ein literarisches Erdbeben auslöste.
Alles, was mit diesem Buch zusammenhing, wurde in Frage gestellt: Das Genre der
(Kinder-) Autobiographie, die Authentizität und Wert der Texte von Überlebenden,
der allgemeine Umgang mit dem Holocaust und der Literatur- bzw. Kulturbetrieb.
In dieser Arbeit soll versucht werden folgende Fragen an und um den Skandal
Wilkomirski zu klären: Welchen Wert haben Shoah – Überlebensberichte und wurde
dieser Wert durch die Fälschung Wilkomirskis geschmälert? Steht das Literaturgenre
Autobiographie für Authentizität oder muss man gänzlich alles hinterfragen?
Weshalb löste Wilkomirski mit seiner Holocaustfälschung einen dermassen emotionalen Tabubruch in der Öffentlichkeit aus? Und warum hat kaum jemand, trotz
Ungereimtheiten im Buch, nichts von einer Fälschung gemerkt?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Benjamin Wilkomirski: Bruchstücke

2.1 Inhaltliche Zusammenfassung

2.2 Stil und Struktur

2.3 Sprache und Sprachlosigkeit

2.4 Die Kinderperspektive in Bruchstücke

3 Gattungsspezifische Einordnung

3.1 Kennzeichen der Autobiographie

3.2 Die Autobiographie in der Shoah – Literatur

3.3 Namensidentität

4 Grundlage der Diskussion

4.1 Literatur der Shoah

5 Die Diskussion um Wilkomirskis Bruchstücke

5.1 Verlauf der Enthüllung

5.2 Die literarischen Qualitäten von Bruchstücke

5.2.1 Die öffentliche Reaktion und Beurteilung nach der Enthüllung

6 Weshalb avancierte Bruchstücke zu einem Literatur - Skandal?

6.1 Erklärungsversuche

6.2 Wechsel der Leseart

6.3 Die Rolle des Lesers

7 Der Skandal um Bruchstücke

7.1 Plagiat oder Fälschung?

7.2 Moralischer Tabubruch

7.3 Aufregung worüber?

8 Abschliessende Auswertung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Literaturskandal um das Buch "Bruchstücke" von Benjamin Wilkomirski. Ziel ist es zu analysieren, welchen Wert Überlebensberichte der Shoah besitzen, inwiefern dieser Wert durch die Fälschung Wilkomirskis beeinflusst wurde und warum die Öffentlichkeit trotz vorhandener Ungereimtheiten lange Zeit nicht an der Authentizität des Werkes zweifelte.

  • Die literarische Konstruktion der Identität in "Bruchstücke"
  • Gattungstheoretische Einordnung der (Kinder-)Autobiographie im Kontext der Shoah-Literatur
  • Der Einfluss des autobiographischen Paktes nach Philippe Lejeune auf das Rezeptionsverhalten
  • Die Rolle der öffentlichen Wahrnehmung und emotionalen Tabubrüche im Kontext des Holocaust-Gedenkens
  • Der Konflikt zwischen Fiktion und historischer Authentizität in der Shoah-Literatur

Auszug aus dem Buch

2.2 Stil und Struktur

Wilkomirskis frühe Kindheitserinnerungen waren der zentrale Ansatz in der Untersuchung auf Stil und Struktur im autobiographischen Werk Bruchstücke. Der Text beruht auf „schwer zu fassende Erinnerungen“, die einem „Trümmerfeld“5 glichen. Die brüchige Chronologie der Ereignisse zog sich wie ein roter Faden durch das frühe Leben Benjamin Wilkomirskis. Selbst für den Autor, war es kaum möglich eine chronologische Ordnung in die eigenen Erinnerungen zu bringen:

„Oft chaotisch Verstreutes, chronologisch nur selten zu gliedern; Brocken, die sich immer wieder beharrlich den Ordnungswillen des erwachsen Gewordenen widersetzten und den Gesetzten der Logik entgleiten.“ 6

Die nicht vorhandene chronologische Ordnung in Bruchstücke stand im Gegensatz zu Phillippe Lejeunes Auffassung, dass Autobiographien immer eine chronologische und aufbauende Struktur7 vorweisen sollten. Wilkomirskis Erinnerungen stammen aus einem sehr frühen kindlichen Entwicklungsstadium bei dem anzunehmen ist, dass Lejeunes Kriterien in unserem Zusammenhang, für eine Autobiographie hinfällig sind. Denn welcher erwachsene Mensch kann sich genau an Erlebnisse aus seiner frühsten Kindheit erinnern?

Wilkomirski versuchte mit Hilfe von verschiedenen und plötzlichen Zeitebenen seine Erinnerungen anhand von Themenfeldern zu gliedern. Dabei versetzte er sich in das autobiographische Muster der assoziativ zusammengesetzten Autobiographie.8 Die häufigen Vor- und Rückblenden und die damit verbundenen Assoziationen mit der Schweiz und den Konzentrationslagern wirkten stark konstruiert. Die meisten Lagererinnerungen wurden in der Regel durch Erlebnisse, die ihm in der Schweiz widerfuhren, ausgelöst.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Darstellung der Ausgangslage und der Forschungsfrage bezüglich der Authentizität und des Wertes von Shoah-Überlebensberichten im Licht des Skandals um Benjamin Wilkomirski.

2 Benjamin Wilkomirski: Bruchstücke: Inhaltliche und stilistische Analyse des Werkes, inklusive der Untersuchung der Kinderperspektive und der Sprachlosigkeit als identitätsstiftende Elemente.

3 Gattungsspezifische Einordnung: Theoretische Auseinandersetzung mit der Gattung Autobiographie, insbesondere unter Berücksichtigung des autobiographischen Paktes nach Philippe Lejeune.

4 Grundlage der Diskussion: Überblick über die Bedeutung der Literatur der Shoah für die gesellschaftliche Erinnerungskultur und die Probleme der Repräsentation des Unfassbaren.

5 Die Diskussion um Wilkomirskis Bruchstücke: Dokumentation des Enthüllungsprozesses und der literaturkritischen Reaktionen auf das Werk vor und nach der Aufdeckung der Fälschung.

6 Weshalb avancierte Bruchstücke zu einem Literatur - Skandal?: Erklärungsversuche für die massive gesellschaftliche Empörung, unter anderem durch die Veränderung der Leseart und die Rolle des Lesers.

7 Der Skandal um Bruchstücke: Differenzierung zwischen Plagiat und Fälschung sowie Analyse der moralischen Tabubrüche und der Sonderposition des Autors.

8 Abschliessende Auswertung: Resümee der Arbeit und Fazit zur Problematik, wie Literatur und Paratexte die Wahrnehmung von Authentizität beeinflussen.

Schlüsselwörter

Benjamin Wilkomirski, Bruchstücke, Shoah, Holocaust, Autobiographie, Authentizität, Literaturskandal, Fälschung, Kinderperspektive, Erinnerungskultur, Philippe Lejeune, Identität, Zeugenbericht, Daniel Ganzfried, Rezeptionsästhetik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Skandal um Benjamin Wilkomirskis Buch "Bruchstücke", das ursprünglich als authentische Autobiographie eines Holocaust-Überlebenden gefeiert wurde, sich jedoch später als Fälschung entpuppte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Gattungstheorie der Autobiographie, der Begriff der Authentizität in der Holocaust-Literatur, die Wirkung von Paratexten und die moralische Dimension des Erinnerns an den Holocaust.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu klären, warum das Buch trotz historischer Ungereimtheiten so lange als wahrheitsgetreu akzeptiert wurde und welchen Schaden die Fälschung für das Verständnis von Shoah-Überlebensberichten angerichtet hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Konzepte (wie den "autobiographischen Pakt" von Lejeune) auf den spezifischen Fall Wilkomirski anwendet, ergänzt durch eine diskursanalytische Betrachtung der zeitgenössischen Rezeption.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche und stilistische Analyse von "Bruchstücke", die Einordnung in die Gattung der Shoah-Literatur, den Verlauf der Enthüllung durch Daniel Ganzfried sowie die mediale und ethische Aufarbeitung des Skandals.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Holocaust, Authentizität, Fälschung, Identität, Erinnerungskultur und literarischer Skandal charakterisieren.

Warum konnte eine fiktive Geschichte so lange als authentisch gelten?

Der Autor nutzte die Kinderperspektive als stilistisches Mittel, das beim Leser instinktiv Vertrauen erweckte, gepaart mit einem starken "autobiographischen Pakt", der historisches Vorwissen der Leser zur Bestätigung der eigenen Interpretation nutzte.

Welche Bedeutung kommt der "Namensidentität" in dieser Arbeit zu?

Die Übereinstimmung zwischen Autor, Erzähler und Protagonist ist laut Lejeune ein Hauptmerkmal der Autobiographie. Im Fall Wilkomirski diente die falsche Namensidentität als entscheidendes Instrument, um den Wahrheitsanspruch des Werkes bei den Lesern zu untermauern.

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Details

Title
Benjamin Wilkomirskis Bruchstücke: Die Skandal - Holocaust - Autobiographie
College
University of Basel  (Deutsches Seminar)
Course
Literatur und entrüstete Öffentlichkeit
Author
Svenja Anderson (Author)
Publication Year
2009
Pages
28
Catalog Number
V136392
ISBN (eBook)
9783640447220
ISBN (Book)
9783640447657
Language
German
Tags
Benjamin Wilkomirskis Bruchstücke Skandal Holocaust Autobiographie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Svenja Anderson (Author), 2009, Benjamin Wilkomirskis Bruchstücke: Die Skandal - Holocaust - Autobiographie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136392
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