Kinder und Jugendliche als Zielgruppe von Kreditinstituten in kritischer Sicht


Hausarbeit, 2008

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

A. Einleitung

B. Vermögen von Kindern und Jugendlichen

C. Gründe und Nutzen der Kreditinstitute

D. Schwierigkeiten der Kreditinstitute

E. Angebote der Kreditinstitute für Kinder und Jugendliche
I. Vor- und Nachteile für Kinder und Jugendliche
II. Girokonten, EC- und Kreditkarten
III. Internetauftritte
a) Internetauftritt der Sparkassen
b) Internetauftritt der Genossenschaftsbanken
c) Internetauftritt der Südtiroler Raiffeisenkassen
IV. Banken speziell für Kinder und Jugendliche
a) Jugendschalter
b) Jugendfilialen

F. Kritik an den Kreditinstituten
I. Aggressive Werbung der Kreditinstitute
II. Verschuldung von Jugendlichen
III. Das Beratungsgespräch

G. Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

A. Einleitung

Nicht nur in Zeiten der Rezession oder einer Finanzkrise sind Kreditinstitute auf der Suche nach neuen Kunden. Eine wichtige Zielgruppe sind dabei Kinder und Jugendliche. Banken versuchen verstärkt frühzeitig ihre Kunden an sich zu binden. Viele Banken haben die Meinung, dass sie Kindern nicht nur ihre Produkte verkaufen, sondern ihnen vielmehr in einem frühen Alter den Umgang mit Geld beibringen. Nach anderen Meinungen versuchen Banken nur Profit zu erwirtschaften und tragen zu einem großen Teil an der Verschuldung Jugendlicher bei. Durch welche Mittel und in welcher Weise dies geschieht, wird in dieser Hausarbeit kritisch betrachtet. Zunächst wird das Vermögen der Kinder und Jugendlichen in Deutschland dargestellt. Anschließend werden die Gründe sowie Nutzen der Kreditinstitute aufgeführt, weshalb sie an der Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen interessiert sind und welche Schwierigkeiten sich ergeben. Folgend wird detailliert auf die Angebote der Kreditinstitute für Kinder und Jugendliche eingegangen. Weiterhin erfolgt eine Kritik an den Kreditinstituten in Bezug auf die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen. Abschließend erfolgen in der Schlussbetrachtung eine kurze Zusammenfassung sowie ein Fazit.

B. Vermögen von Kindern und Jugendlichen

Um einen ersten Eindruck gewinnen zu können, weshalb sich Kreditinstitute so stark auf diese Zielgruppe konzentrieren, soll das Vermögen von Kindern und Jugendlichen besser dargestellt werden. Im Jahr 2003 betrug die Finanzkraft der Sechs- bis 19-Jährigen in Deutschland 20,43 Milliarden Euro bei 11,28 Millionen Kindern und Jugendlichen (siehe Anhang Abb. 1)1. Es ist sehr gut erkennbar, dass diese Zielgruppe eine sehr große Kaufkraft besitzt2. Gerade diesen Fakt möchten die Kreditinstitute für sich nutzen und werben deshalb kräftig um den kleiner werdenden Markt der jungen Kunden. Weitere Gründe für das Engagement von Kreditinstituten um Kinder und Jugendliche werden nachfolgend aufgeführt.

C. Gründe und Nutzen der Kreditinstitute

Es stellt sich die Frage, weshalb Kinder und Jugendliche bei Banken in den letzten Jahren immer mehr in den Mittelpunkt der Kundenakquise gerückt sind. Denn in diesem Segment ist ein ertragsorientiertes Wirtschaften der Kreditinstitute nicht möglich3. Aufgrund der geringen Stückmargen und hohen Akquisitionskosten für Neukunden ist eine Kundenbeziehung für Banken nur dann rentabel, wenn sie langfristig besteht und möglichst viele Bankprodukte umfasst4. In der Literatur ergeben sich unterschiedliche Stellungnahmen.

Wichtigster Aspekt für Banken ist die Zukunftsorientierung der hier getätigten Investitionen5. Denn diejenigen, die bereits in der Kindheit und Jugend erfolgreich umworben wurden, werden mit großer Wahrscheinlichkeit auf Lebzeiten bei der Bank bleiben. So hat das Kreditinstitut länger Zeit, um Gewinne mit den Geldern der Kunden zu erwirtschaften. Es ist für Banken wesentlich einfacher auf bereits bestehende Kundenbindungen aufbauen zu können, als mit unbekannten Personen in Kontakt treten zu müssen.6

Kreditinstitute sehen Kinder und Jugendliche als Vorsorge für ihre zukünftige Kundenstruktur. Es wird davon ausgegangen, dass eine Kundenverbindung, die vor dem 18. Lebensjahr aufgebaut wurde, idealerweise ein Leben lang aufrechterhalten werden kann. Somit ist es für Banken möglich die Kundenbeziehung zukünftig ohne großen Werbeaufwand fortzuführen.7

Die Finanzinstitute versuchen später, die Millionen des Frühsparers oder das spätere Erbe zu verwalten oder einen Hypothekarkredit zu platzieren.8 Es wurden einer Untersuchung zufolge von 1998 bis 2005 knapp eine Billion Euro vererbt, was durchsch]nittlich fast 600.000 Euro pro Erbe sind9.

Nach Ansicht der Banken erlernen Kinder und Jugendliche durch die Kreditinstitute den richtigen Umgang mit Geld und Finanzen. Besonders die Sparkassen sind in diesem Bereich sehr aktiv. So ist nach Aussage des deutschen Sparkassen- und Giroverbandes der Schulservice der Sparkassen in erster Linie ein öffentlicher Bildungsauftrag, welcher die Eltern und Pädagogen bei der Wirtschaftserziehung unterstützt.10

Hinzu kommen die Altersstruktur und die demografische Entwicklung der Bevölkerung. Die Altersgruppe der 15-24-Jährigen verzeichnet einen deutlichen Rückgang11. Die Zahl der Sechs-bis 17-Jährigen wird bis zum Jahr 2040 von derzeit zehn Millionen auf sieben Millionen fallen12. Das heißt, der Markt nicht nur gesättigt ist, sondern es entsteht eine Reduzierung des Kundenpotentials. Auf diesem Markt Fuß zu fassen, wird für Kreditinstitute in Zukunft immer wichtiger, aber auch mit mehr Schwierigkeiten verbunden sein, da ein hoher Konkurrenzdruck herrscht13.

D. Schwierigkeiten für Kreditinstitute

Neben der großen Konkurrenz auf dem Jugendmarkt gibt es für die Banken noch andere Probleme die jungen Kunden für sich zu gewinnen. Zum einem sind besonders die Jugendlichen heutzutage sehr wechselfreudig. Nahezu 70 Prozent von ihnen besitzen zwei oder mehrere Bankverbindungen14. In der Vergangenheit „vererbten“ die Eltern ihre Bankverbindung an ihre Kinder weiter15. Dies wird in absehbarer Zukunft mehr die Ausnahme als die Regel sein16. Ein Grund dafür ist das Onlinebanking und die daraus gestiegene Markttransparenz. Kinder und Jugendliche können viel leichter Produkte, Leistungen und Kosten der Kreditinstitute vergleichen.17 Aus dem Antragssteller in der Warteschlange ist ein Kunde mit wachsender Finanzkompetenz geworden18.

Ergänzend kommt ein Problem der Bankberater hinzu. Die meisten möchten sich nicht in dem Jugendmarkt betätigen, da es schwer ist die von der Bank geforderten Ziele zu erfüllen, weil in diesem Markt meist nur Abschlüsse mit wenig Umsatzvolumen getätigt werden. Andererseits begehen auch viele Banken den Fehler, den jüngsten Mitarbeiter zum „Jugendbeauftragten“ zu bestimmen. Oft werden diese dann ohne Unterstützung und Budget allein gelassen.19

Desweitern stellen auch Kinder und Jugendliche eine schwierige Klientel dar. Bei Kindern sollten hauptsächlich bildliche Erklärungen und Alltagsgeschichten benutzt werden, um banktypische Bergriffe zu erklären20. Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren gelten im Bankwesen als schwer anzusprechende Gruppe. Einerseits wollen sie als vollwertige Kunden angesehen und respektiert werden21. Andererseits sendet ein Kreditinstitut eine höhere Seriosität auf die Jugendlichen aus als andere Branchen22. Deshalb verursachen Banken oft Schwellenängste und Unsicherheiten bei Jugendlichen23, das heißt die Jugendlichen kommen ungern zu Kreditinstituten und fihlen sich dort nicht wohl24. Die in Banken vorherrschende Seriosität schreckt ab25.

E. Angebote der Kreditinstitute fir Kinder und Jugendliche

Zurzeit werden gerade junge Konsumenten mit verschiedensten Angeboten der Banken geködert. Dabei wird genau auf unterschiedliche Altersklassen geachtet. Da eine Erklärung aller Leistungen der Kreditinstitute, die fir Kinder und Jugendliche angeboten werden, den Rahmen der Hausarbeit zu sehr ausdehnen wirde, werden einzelne Beispiele wie EC- und Kreditkarten, Internetauftritte fir Jugendliche sowie Filialen fir Jugendliche stärker beleuchtet. Zunächst sollen Vor- und Nachteile festgestellt werden, weshalb es fir Kinder und Jugendliche sinnvoll ist Bankkunde zu sein.

I. Vor- und Nachteile fir Kinder und Jugendliche Kunde bei Banken zu sein

Der weitaus größte Vorteil ist, dass Kinder und Jugendliche wie keine andere Zielgruppe Verginstigungen bekommen. Diese sind zum einen direkt bei Bankprodukten zu finden, beispielsweise die kostenlose Fihrung eines Girokontos26. Zum anderen gibt es Verginstigungen bei Partnern der Banken, wie gratis Eintrittskarten in Themenparks oder billigere Konzerttickets27.

Ein weiterer Vorteil ist, dass das eingezahlte Geld sich verzinst. Die Verzinsung bei Girokonten reicht von null bis drei Prozent (siehe Anhang Abb. 2)28, dies ist wesentlich weniger als beispielsweise bei Tagesgeldkonten. Dennoch können Kinder so den Effekt der Verzinsung erlernen.

Nachteile sind fir Kinder und Jugendliche zu sehen, wenn die Qualität der persönlichen Beratung nicht ihren Ansprichen entspricht. Daneben stellen Dispositionskredite fir Jugendliche iber 16 Jahren eine Gefahr dar, in Verschuldung zu geraten. Dieses Thema wird später noch genauer unter Punkt F. II. erläutert. Genauso ist es fir Kinder und Jugendliche sehr schwierig aus der großen Anzahl der Produkte das fir sie entsprechende zu wählen. Allein 60 verschiedene Girokonten fir Jugendliche gibt es in Deutschland.29

[...]


1 Vgl. Weberpals, Hans Dieter: Bankmarketing und Jugend, Diss. Kassel 2004, S. 36

2 Vgl. Raab, Gerhard/Unger, Fritz: Marktpsychologie: Grundlagen und Anwendung, 2. Auflage, Wiesbaden 2005, S. 140

3 Vgl. Weberpals, Hans Dieter: a.a.O., S. 13 f.

4 Vgl. Moormann, Jürgen/Fischer, Thomas: Handbuch für Informationstechnologie in Banken, 2. Auflage, Wiesbaden 2004, S. 62

5 Vgl. Weberpals, Hans Dieter: a.a.O., S. 13 f.

6 Vgl. Weberpals, Hans Dieter: a.a.O., S. 26 f.

7 Vgl. Weberpals, Hans Dieter: a.a.O., S. 35 ff.

8 Vgl. Internet-Recherche vom 10.12.2008, http://www.nzz.ch/finanzen/nzz_am_sonntag_anlegen_und _vorsorgen/umworbene_jugend_einmal_kundk_immer_kunde_1.1204867.html, Umworbene Jugend: Einmal Kunde, immer Kunde

9 Vgl. Weberpals, Hans Dieter: a.a.O., S. 37

10 Vgl. Internet-Recherche vom 05.12.2008, http://www.zeit.de/2001/21/Boerse_auf_dem_Stundenplan ?page=2, Börse auf dem Stundenplan

11 Vgl. Weberpals, Hans Dieter: a.a.O., S. 16

12 Vgl. Heuser, Dieter/Tornieporth, Gerda/ Wöhleke, Birgit: Jugend und Geld, 3. Auflage, Berlin 2003, S. 3

13 Vgl. Gross, Carola: Kultursponsoring bei Kreditinstituten- Formen, Planung, Integration, Chancen und Risiken mit einer Umfrage zur Wahrnehmung und Akzeptanz des Kultursponsoring der Banken in München, Norderstedt 2008, S. 4 f.

14 Vgl. Weberpals, Hans Dieter: a.a.O., S. 40

15 Vgl. Effert, Detlef/Köhler, Volker: Wettbewerb der Vertriebssysteme: Strategien und Lösungen für das Privatkundengeschäft der Banken, Wiesbaden 2004, S. 8

16 Vgl. Effert, Detlef/Köhler, Volker: a.a.O., S. 8

17 Vgl. Weberpals, Hans Dieter: a.a.O., S. 20

18 Vgl. Effert, Detlef/Köhler, Volker: a.a.O., S. 9

19 Vgl. Zydowitz von, Stefanie: Eine Investition in die Zukunft, in: Profil, Das bayerische Genossenschaftsblatt 9/2007, S. 14

20 Vgl. o. V.: Comic-Heft am Schalter reicht nicht, a.a.O., S. 20-21

21 Vgl. Weberpals, Hans Dieter: a.a.O., S. 42

22 Vgl. Weberpals, Hans Dieter: a.a.O., S. 42

23 Vgl. Weberpals, Hans Dieter: a.a.O., S. 47

24 Vgl. Internet-Recherche vom 05.12.2008, http://www.econo.de/dynamic/bildgalerie/76_banken.pdf, Voll Bock auf Banking

25 Vgl. Internet-Recherche vom 05.12.2008, a.a.O., Voll Bock auf Banking

26 Vgl. Internet-Recherche vom 05.12.2008, http://www.test.de/themen/geldanlage-banken/test/-Jugendgirokonten/1197741/1197741/1201127/, Jugendgirokonten: Fit fir Finanzen

27 Vgl. Internet-Recherche vom 05.12.2008, a.a.O. Jugendgirokonten: Fit fir Finanzen

28 Vgl. Internet-Recherche vom 05.12.2008, http://www.test.de/themen/geldanlage-banken/test/-Jugendgirokonten/1197741/1197741/1201127/1201144/, Ausgewählte Girokonten fir Kinder und junge Leute

29 Vgl. Internet-Recherche vom 05.12.2008, a.a.O., EC- und Kreditkarten fir Kinder und Jugendliche

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Kinder und Jugendliche als Zielgruppe von Kreditinstituten in kritischer Sicht
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig  (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V136394
ISBN (eBook)
9783640447237
ISBN (Buch)
9783640447480
Dateigröße
853 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kreditinsitute, Kinder, Jugendliche, Beratungsgespräch, Verschuldung
Arbeit zitieren
Thomas Herbrich (Autor:in), 2008, Kinder und Jugendliche als Zielgruppe von Kreditinstituten in kritischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136394

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