Theoretischen Grundlagen, Inhalte und Einsatzmöglichkeiten der dienenden Führung (Servant Leadership)

Zukunftsaussichten des Konzeptes in Deutschland


Hausarbeit, 2009

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Servant Leadership und Einordung in Leadership Theorien

3. Geschichte der dienenden Führung

4. Theoretische Grundlagen des Servant Leadership
4.1 Ethische Führung
4.2 Dienende Führung als humanistischer Ansatz
4.3 Christlicher Ansatz der dienenden Führung

5. Inhalte der dienenden Führung
5.1 Inhalte aus humanistischer Sicht
5.2 Erweiterungen der Kernelemente
5.3 Methodik des dienenden Führungsstils

6. Einsatzmöglichkeiten der dienenden Führung

7. Stärken und Schwächen des Konzeptes

8. Zukunftsaussichten des Konzeptes

9. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

1. Einleitung

Derzeit wird in der Presse stark uber Fuhrungskrafte diskutiert. Es wird immer wieder von Fallen berichtet, in denen Fuhrungskrafte ihre Position missbrauchen. Der Uberwachungsskandal bei LIDL oder die Bespitzelung bei der Deutschen Bahn sind nur zwei Beispiele. Man kann annehmen, dass man sich in Zeiten befindet, in denen mit Angst und Kontrolle gefuhrt wird. Daraus stellt sich die Frage, ob es nicht andere Moglichkeiten gibt. Eine Option ist der dienende Fuhrungsstil oder auch Servant Leadership genannt. Der Zusammenhang zwischen den beiden Begriffen „Dienen" und „Fuhren" klingt fur viele Fuhrungskrafte befremdend, vielleicht sogar paradox1. In dieser Hausarbeit wird begutachtet, ob diese beiden Worter doch miteinander kombinierbar sind. Dafur wird zunachst der Begriff „dienende Fuhrung" erklart, in Fuhrungstheorien eingeordnet und kurz geschichtlich betrachtet. Anschliefiend werden die theoretischen Grundlagen, die Inhalte sowie die Einsatzmoglichkeiten des Servant Leadership erklart. Nach einer Untersuchung der Starken und Schwachen des Konzeptes und der Zukunftsaussichten erfolgen in der Schlussbetrachtung eine kurze Zusammenfassung sowie ein Fazit.

2. Definition von Servant Leadership und Einordung in Leadership Theorien

In den letzten 50 Jahren entstanden viele Definitionen von Leadership2. Nach Northouse kann man Leadership am besten als Prozess bezeichnen, bei dem ein Einzelner auf eine Gruppe von Einzelpersonen, einwirkt um ein allgemeines Ziel zu erreichen3. Servant Leadership wird dem Bereich der Leadership Ethics zugeordnet. Im Gegensatz zu anderen Leadership Theorien, beispielsweise dem Trait Approach, ist das Gebiet der Leadership Ethics sehr vielfaltig und steckt bei theoretischen Formulierungen noch in der Anfangsphase4.

Servant Leadership erweitert den Begriff Leadership insofern, dass es sich dabei um eine praxisnahe, altruistische Philosophie handelt, die Personen unterstutzt, welche es bevorzugen zuerst zu dienen und dann durch Erweiterung dieser Dienste Personen und Institutionen fuhren. Servant Leadership fordert Zusammenarbeit, Vertrauen, Vorsorge und den ethischen Gebrauch von Macht und Bevollmachtigung.5

Somit dreht der dienende Fuhrungsstil die traditionelle Herrschaftspyramide auf den Kopf, wie es in Abbildung 1 gezeigt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Umkehrung d r traditionellen Herrschaftspyramide In Anlehnung an Kessler, V . (2006), S. 5.

Anders ausgedruckt, werden beim Konzept der dienenden Fuhrung die Fuhrungskrafte als „Diener" oder sogar als „Schuldner" aufgefasst6. Fuhrungskrafte dienen dem Unternehmen, denn sie schulden ihm zufriedene Kunden, fortlaufende Innovationen, finanzielle Gesundheit sowie fortschrittsfahige Beziehungen zur Unternehmensumwelt. Weiterhin dienen Fuhrungskrafte den Mitarbeitern. Moglichkeit zur Entfaltung, Anleitung und Unterstutzung in der Arbeit und die Freiheit Begabungen zu entdecken sind die Verpflichtungen (Schulden), die Fuhrungskrafte gegenuber ihren Mitarbeitern haben. Den Kunden schulden Fuhrungskrafte Qualitat, Ehrlichkeit, Verlasslichkeit und Anteilnahme. Letztlich schulden sie den Eigentumern ein kontinuierliches Wachstum und Rendite.7

3. Geschichte der dienenden Führung

Der Begriff Servant Leadership wurde von Robert K. Greenleaf im Jahr 1970 in seiner kurzen Abhandlung „the servant as leader" gepragt8. Dort werden zum ersten Mal Tatigkeiten und Eigenschaften dienender Unternehmensleiter beschrieben (siehe Punkt 5.1). Allerdings ist der Ursprung der dienenden Fuhrung schon sehr viel alter. So hat der Weise Lao Tzu in seiner Abhandlung „The Tao Te Ching" geschrieben, dass der grofite Fuhrer sich selbst vergisst und sich der Entwicklung anderer widmet9. Auch der strategische Denker Chanakya schrieb im 4. Jahrhundert in dem Buch Arthashsastra, dass der Konig Dinge als gut betrachten sollte, was nicht ihn, sondern seine Untertanen erfreut10. In der westlichen Welt kann das Konzept der dienenden Fuhrung bis zu Jesus zuruckverfolgt werden11. So steht im Markusevangelium 10: 43-44: „... wer grofi sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der 12 Erste sein will, der soll Sklave aller sein."12

4. Theoretische Grundlagen der dienenden Führung

Die Suche nach Theorien erweist sich bei der dienenden Fuhrung insofern als schwierig, da keine festgelegten Grundlagen existieren. In der Literatur gibt es eine einheitliche Meinung was unter Servant Leadership zu verstehen ist, aber viele unterschiedliche Auffassungen der Ausgangspunkte und uber den Einsatz. Schnorrenberg sieht die dienende Fuhrung nicht als Konzept, Prinzip oder Technik, sondern als eine Lebenshaltung, die in allen Lebensbereichen herrscht13. Am ehesten kann die ethische Fuhrung mit ihren Theorien als Grundlage angesehen werden. Der humanistische Ansatz und der christliche Ansatz werden erganzend dargestellt. Allerdings existiert keine tatsachliche Theorie als Basis. Es werden in der Literatur eher Sichtweisen vorgestellt, so dass sich die Inhalte mit den theoretischen Grundlagen vermischen.

4.1 Theoretische Grundlagen der ethischen Führung

Ethische Theorien stellen ein System von Regeln bereit, dass jemanden in einer bestimmten Situation bei der Entscheidungsfindung leitet, was gut oder schlecht, beziehungsweise richtig oder falsch ist. Unter Berucksichtigung von Fuhrung, hat Ethik damit zu tun, wer die Fuhrungskrafte sind und was sie tun, da sie jede Entscheidung mit Hilfe ihrer moralischen (ethischen) Standpunkte fallen.14

Zwei Bereiche umfassen die ethischen Theorien. Einerseits Theorien uber den Charakter der Fuhrungskraft, also was sie menschlich ausmacht. Die Theorie des Charakters einer Fuhrungskraft wird auch virtue-based theory (Tugend-basierende Theorie) genannt. Tapferkeit, Grofimut, Selbstkontrolle und Aufrichtigkeit sind einige dieser Tugenden, die eine Person haben sollte, da sie den Wertvorstellungen der Menschen im positiven Sinne entsprechen.15

Die zweite Theorie beschaftigt sich mit den Handlungsweisen oder Aktivitaten des Fuhrenden. Diese unterteilt sich wiederrum in die teleologische Theorie, welche die Auswirkungen der Handlungsweisen der Fuhrungskraft hervorhebt. Sie versucht die Frage des „Richtig" oder „Falsch" einer Handlung anhand der Resultate dieser zu prufen. Um die Auswirkungen abschatzen zu konnen gibt es drei verschiedene Denkansatze. Der moralische Egoismus sagt aus, dass ein Individuum sich so verhalten sollte, dass es den grofiten Wert fur sich selbst erzeugt. Der zweite teleologische Ansatz ist der Utilitarismus. Er legt fest, dass man sich so verhalten sollte, dass man das beste Ergebnis fur die grofite Anzahl an Menschen erstellt. Schliefilich besagt der Altruismus, dass der Mensch seine Aktivitaten danach ausrichtet, um die Belange anderer zu erfullen. Mutter Theresa gilt als bestes Beispiel fur Altruismus.

In der folgenden Abbildung 2 werden die drei Ansatze der teleologischen Theorie anhand einer Matrix dargestellt. Es soll das Selbstinteresse gegen das Interesse fur andere verdeutlicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Eigeninteresse versus Interesse an anderen
In Anlehnung an Northouse, P. (2001), S. 252.

Eine andere Blickrichtung der Handlungsweisen einer Fuhrungskraft zeigt die deontologische Theorie. Diese Perspektive fokussiert sich auf die Handlungen des Vorgesetzten und seiner moralischen Pflicht und Verantwortung, die richtigen Dinge zu tun. Beispiele hierfur sind seine Versprechen zu halten, die Wahrheit zu sagen oder gerecht zu sein.16

Fünf Grundsätze sind in der ethischen Theorie festzustellen. Die wichtigste Richtlinie ist anderen zu dienen. Der Service für Mitarbeiter kann sich in Aktivitäten wie Mentoring oder Gruppenbildung zeigen. Andere zu respektieren ist der zweite Grundsatz für ethische Führungskräfte. So können Mitarbeiter sie selbst sein und kreative Freiheiten ausnutzen. Weiterhin sind Gerechtigkeit und Gleichberechtigung wichtige Punkte. Außer in Ausnahmesituationen sollte niemand besonders behandelt werden. Ethische Führungskräfte sollen ehrlich sein, denn Unehrlichkeit zeugt im Wesentlichen von Verantwortungslosigkeit und Unzuverlässigkeit. Die letzte Leitlinie ist, dass ethische Führungskräfte eine Gemeinschaft aufbauen. Dies kann nur geschehen, wenn Mitarbeiter und Vorgesetzter die gleiche Richtung einschlagen. Das wiederrum ist nur möglich, wenn der Führende Ziele findet, die für jeden verträglich sind.17

Diese ethische Theorie besitzt einen großen Einfluss auf die dienende Führung. Besonders hervorheben lässt sich der teleologische Ansatz des Altruismus. Aber auch die Idee Angestellte einzubeziehen um beiderseitige Ziele zu erreichen, ist in der dienenden Führung fest verankert.18

[...]


1 Vgl. Reinhardt, R. (2003), S. 185

2 Vgl. Northouse, P. (2001), S. 1

3 Vgl. Northouse, P. (2001), S. 2

4 Vgl. Northouse, P. (2001), S. 249

5 Vgl. www.12manage.com (siehe Internetverzeichnis)

6 Vgl. Reinhardt, R. (2003), S. 186

7 Vgl. Reinhardt, R. (2003), S. 186

8 Vgl. www.12manage.com (siehe Internetverzeichnis)

9 Vgl. www.wikipedia.org ( iehe Internetverzeichnis)

10 Vgl. www.12manage.com (siehe Internetverzeichnis)

11 Vgl. www.12manage.com (siehe Internetverzeichnis)

12 Bibel (1980), S. 1143

13 Vgl. Schnorrenberg, L. (2007), S. 27

14 Vgl. Northouse, P. (2001), S. 250

15 Vgl. Northouse, P. (2001), S. 253

16 Vgl. Northouse, P. (2001), S. 250 ff.

17 Vgl. Northouse, P. (2001), S. 258 ff.

18 Vgl. Northouse, P. (2001), S. 255

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Theoretischen Grundlagen, Inhalte und Einsatzmöglichkeiten der dienenden Führung (Servant Leadership)
Untertitel
Zukunftsaussichten des Konzeptes in Deutschland
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V136396
ISBN (eBook)
9783640447244
ISBN (Buch)
9783640447497
Dateigröße
1337 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theoretischen, Grundlagen, Inhalte, Einsatzmöglichkeiten, Führung, Leadership), Zukunftsaussichten, Konzeptes, Deutschland
Arbeit zitieren
Thomas Herbrich (Autor), 2009, Theoretischen Grundlagen, Inhalte und Einsatzmöglichkeiten der dienenden Führung (Servant Leadership), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136396

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