„Eine einfache, aber schwere Sprache. Es besteht aus lauter Fremdwörtern, die falsch ausgesprochen werden.“ (Tucholsky, Kurt o.J.)
Was der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky hier über die englische Sprache bemerkt, ist die seiner Meinung nach „falsche“ Aussprache der englischen Wörter. Obwohl sich das englische und das deutsche Schriftbild nicht unterscheiden und auch das Lautinventar ähnlich ist, gibt es große Unterschiede in der Aussprache gleicher Buchstaben.
Im Gegensatz zu Tucholsky lege ich den Fokus jedoch auf das Deutsche, als eine von einem Briten zu erlernende Fremdsprache.
Um mögliche Schwierigkeiten und Hindernisse in Bezug auf die deutsche Aussprache durch einen Lernenden zu erarbeiten, wird zunächst die allgemeine britisch-englische Aussprache beleuchtet und mögliche Abweichungen zum deutschen Phonemsystem werden angesprochen.
Diese Gegenüberstellung findet einerseits auf der Ebene der segmentalen Merkmale (Vokale und Konsonanten) und andererseits auf der Ebene der suprasegmentalen Merkmale der Aussprache (Intonation und Koartikulation) statt.
Durch die Kontrastierung werden besondere Schwierigkeiten der Artikulation für den britischen Lerner erkennbar. Die von Tucholsky angedeutete verschiedene Laut - Buchstaben-Beziehung des Englischen und Deutschen wird ausführlich behandelt.
In Bezug auf diese Probleme folgt eine Analyse eines Schülertextes eines britischen Deutschlerners.
Um eine möglichst authentische deutsche Aussprache zu erlangen wird abschließend auf mögliche Ausspracheübungen für den Lerner eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Segmentale Merkmale
2.1 Vokale
2.2 Diphtonge
2.3 Konsonanten
3 Suprasegmentale Merkmale
3.1 Intonation
3.2 Koartikulation
4 Schwierigkeiten für britische Deutschlerner
4.1 Artikulation
4.2 Laut-Buchstabe-Beziehung
4.3 Analyse eines Schülertextes
5 Ausspracheübungen
5.1 Allgemein
5.2 Vokale
5.3 Konsonanten
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die phonologischen Kontraste zwischen dem britischen Englisch und dem Deutschen zu analysieren, um spezifische Artikulationshindernisse für britische Deutschlerner zu identifizieren und didaktische Empfehlungen zur Ausspracheverbesserung abzuleiten.
- Gegenüberstellung segmentaler Merkmale (Vokale, Diphthonge, Konsonanten) beider Sprachen.
- Untersuchung suprasegmentaler Aspekte wie Intonation und Koartikulation.
- Analyse der Herausforderungen bei der Laut-Buchstaben-Beziehung im Deutschen.
- Fallstudie: Auswertung der Schreibfehler eines bilingualen Schülers.
- Entwicklung praktischer Ausspracheübungen zur Förderung der authentischen Zielsprachenproduktion.
Auszug aus dem Buch
4.2 Laut-Buchstabe-Beziehung
Deutsch und Englisch verwenden beide das lateinische Alphabet, jedoch korrelieren die Schriftzeichen oftmals nicht in ihrer englischen und deutschen Aussprache.
Die unterschiedlichen Laut-Buchstaben-Beziehungen stellen den Lernenden vor die Herausforderung die bekannte Lautrealisierung der Erstsprache durch die der Fremdsprache zu ersetzen.
Bei den Konsonanten besteht eine besondere Schwierigkeit darin, dass es im Deutschen einige konsonantische Grapheme ohne eindeutige phonemische Zuordnung gibt. Es reicht daher nicht, dass der Lerner die jeweilige deutsche Laut-Buchstaben-Beziehung erlernt, sondern er muss zudem lernen, wann ein Graphem durch welchen Laut realisiert wird.
<ch> kann im Englischen wie im Deutschen durch [k] wie in „choir“ oder „Chor“ lautbar gemacht werden. Die englische Realisierung [tS] gibt es im Deutschen nicht.
Dafür sind im Deutschen die Phoneme [C] und [x] wie in „nicht“ und „Nacht“ zu finden.
<st> entspricht im Englischen lediglich dem [st]-Laut, während es im Deutschen gewöhnlich im Anlaut zusätzlich den [St]-Laut darstellt wie z.B. in „Straße“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die kontrastive Phonologie zwischen dem Britischen Englisch und dem Deutschen ein und benennt die Problemstellung für britische Deutschlerner.
2 Segmentale Merkmale: Hier werden die Vokale, Diphthonge und Konsonanten beider Sprachen systematisch gegenübergestellt und ihre phonetischen Eigenschaften erläutert.
3 Suprasegmentale Merkmale: Dieses Kapitel widmet sich der Intonation und Koartikulation, wobei insbesondere auf den Wort- und Satzakzent eingegangen wird.
4 Schwierigkeiten für britische Deutschlerner: In diesem Hauptteil werden spezifische Artikulationsprobleme analysiert, die Laut-Buchstaben-Beziehung kritisch beleuchtet und ein Schülertext ausgewertet.
5 Ausspracheübungen: Der abschließende Teil bietet praktische Ansätze und konkrete Übungsbeispiele zur Korrektur der identifizierten Aussprachefehler.
Schlüsselwörter
Kontrastive Phonologie, Britisches Englisch, Deutsche Sprache, Segmentale Merkmale, Suprasegmentale Merkmale, Artikulation, Laut-Buchstaben-Beziehung, Ausspracheübungen, Phonem, Graphem, Schwa-Laut, Vokalquantität, Konsonanten, Fremdsprachenerwerb, Interferenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die phonologischen Unterschiede zwischen britischem Englisch und Deutsch, um die Schwierigkeiten zu verstehen, die britische Muttersprachler beim Erlernen der deutschen Aussprache haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt segmentale und suprasegmentale Merkmale, die Herausforderungen der deutschen Rechtschreibung in Bezug auf die Aussprache sowie gezielte Übungsformen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch die kontrastive Analyse Verständnis für Fehlerquellen zu schaffen und daraus didaktische Hilfestellungen für den Deutschunterricht abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kontrastive Analyse angewandt, die durch die empirische Untersuchung eines Schülertextes ergänzt wird, um theoretische Annahmen mit der Praxis abzugleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die phonetische Gegenüberstellung, eine tiefergehende Untersuchung der Graphem-Phonem-Korrespondenz und die Analyse von Schriftfehlern eines bilingualen Schülers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Kontrastive Phonologie, Artikulation, Phonem, Graphem, Interferenz und Fremdsprachenerwerb.
Warum haben britische Lerner Schwierigkeiten mit deutschen Konsonantenclustern wie <st>?
Im Englischen wird <st> meist einheitlich als [st] realisiert, während es im Deutschen je nach Position im Wort auch den Laut [St] (wie in „Straße“) darstellen kann.
Wie erklärt die Autorin die Schreibfehler im Schülertext?
Die Fehler resultieren meist aus dem Versuch des Schülers, die deutsche Sprache lautgetreu auf Basis seiner englischen Lese- und Schreiberfahrung zu verschriftlichen.
- Quote paper
- Catharina Belinghausen (Author), 2008, Kontrastive Phonologie – Britisches Englisch und Deutsch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136422