Das Neolithikum im östlichen Holstein - Überblick über Befunde und Funde der Trichterbecherzeit


Hausarbeit, 2005

65 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Chronologie und Typologie der neolithischen Keramik in Schleswig- Holstein
Inventargruppen Nordostholstein
Verziehrungen
Einteilung des Frühneolithikums
Einteilung des Mittelnoelithikums

Absolute Datierung und Korrespondezanalysen
Methodik und Erfolge
Dicke Flintspitzen
14C- Daten 1994

Steinartefakte im Norden Holsteins
Allgemeines zu Flintwerkzeugen
Begriffe
Geschliffene Feuersteinkerngeräte
Abschlaggeräte
Klingen und Klingengeräte
Felssteingeräte

Knochen und Geweihgeräte
Knochengeräte
Geweihgeräte
Holzgeräte
Bernstein

Neolithische Siedlungen in Holstein
Allgemeines zu Neolithischen Siedlungen

Wirtschafts- und Lebensweise
Ackerbau
Älteste Wirtschaftshaustiere
Agrarwirtschaft im Frühneolithikum
Importe
Arbeitsteilung
Handel und Innovationen
Soziale Ordnung

Grabanlagen im neolithischen Holstein- Ein kurzer Überblick
Alter und Entstehung
Erhaltung und Menge

Literaturlisten
Literaturliste geordnet nach behandelten Themen
Alphabetische Literaturliste

Abbildungen

Einleitende Worte

Die zeitliche Phase der beginnenden Ackerwirtschaft, die Umstellung des Menschen von einer nomadisierenden zu einer ortgebundenen Lebensweise, wird allgemein neolithische Revolution genannt. Diese Zeit des Wandels ist ein spannendes Feld der archäologischen Forschung, da enorme Umwälzungen in vielen Lebensbereichen beobachtet werden können. Nach Nordeuropa drangen die veränderten Lebensweisen nur schleppend und sind durch einige Eigenarten und Besonderheiten - im Vergleich zu anderen europäischen Regionen - gekennzeichnet. Eine davon ist die Keramik dieser nördlichen Gebiete, mit ihren trichterförmigen Wandungen, den Trichterbechern. Sie sind nicht nur ein gruppenmässiges Abgrenzungsmerkmal, sondern auch Namen gebend für diese Epoche der frühen, nordeuropäischen Bauern, der Trichterbecherkultur.

Die vorliegende Arbeit behandelt das Gebiet des östlichen Holsteins im trichterbecherzeitlichen Schleswig-Holstein (Kreis Plön und Ostholstein). Der Text hat zusammenfassenden und Überblick verschaffenden Charakter und stellt die Forschungslage in diesem Bereich dar.

Zunächst wird auf chronologischen Zusammenhänge und Datierungen eingegangen. Dann werden die materiellen Hinterlassenschaften, wie Keramik, Stein- und Flintwerkzeuge, Holz-und Geweihgeräte vorgestellt. Darauf folgt ein Überblick über das Siedlungswesen, Wirtschaft, Lebensweise und Innovationen, sowie um mögliche soziale Ordnungen innerhalb der holsteinischen neolithischen Gesellschaft. Abschließend steht ein Überblick zu den Megalithgräbern der Region.

Die Literaturlisten sind sowohl nach Themengebieten, als auch alphabetisch geordnet, um, je nach Fragestellung, eine einfache und schnelle Suche zu ermöglichen.

Chronologie und Typologie der neolithischen Keramik in Schleswig- Holstein

Inventargruppen Nordostholstein

Aufgrund zu weniger und nur bruchstückhafter Keramikfunde ist es schwer ein klares Bild von den Zusammenhänge zwischen schleswigschen (Satruper-, Fuchsbergstufe, etc.) und holsteinschen Stufen zu erlangen. Auch weil weite Teile des Landkreises Schleswig nicht kartiert sind. Es sind zwar Funde aus dem Satruper Moor und Fuchsberg bei Flensburg namengebend für die holsteinische Keramik, jedoch sind sie im Kreis Schleswig leider unterrepräsentiert und dann auch nur schwer in die geläufige Chronologie ein zu ordnen (vgl. HOIKA 1994, 95).

Es fehlt also eine Gesamtverbreitungskarte für neolithische Keramikfunde in Schleswig-Holstein, was die folgende Karte verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Keramische Verzierungselemente

Die Keramik in Nordostholstein zeigt nur eine geringe Anzahl an verschiedenen Mustern. Diese werden allerdings frei miteinander kombiniert und wirken daher vielfältiger. Unterschieden werden negative (eingedrückte) und positive (aufgesetzte) oder auswölbende, Muster, wie Knubbel und Ösen. (Abb. 2) Um die Evolution der Verzierungen dazustellen hilft ein kurzer Blick auf deren Veränderungen innerhalb der erarbeiteten Chronologie (vgl. dazu HOIKA 1994, 85 ff).

Keramische Stufeneinteilung des Frühneolithikums (Abb.3)
Rosenhof- Stufe (Abb. 5)

- ca. 4100 BC, folgt direkt auf Ellerbek- Gruppe
- nahezu unverziert, wenn nur mit Randkerbung oder umlaufende E]instichreihen
- gekennzeichnet durch Amphoren, spitzovale Schalen (sog. Lampen), sphärische Schalen, erstmals Trichterbecher mit flachem Boden

Siggenebene- Stufe (Abb. 6)

- ca. 4000 BC
- erstmals vereinzelt verziert
- gekennzeichnet durch Tonscheiben, Schalen „Öllampen“, evtl. Kragenflasche;
Amphorenform wird vielgestaltiger
- Hals der Trichterbecher scheint höher zu sein als in der Rosenhof Stufe

Satrup- Stufe (Abb. 7)

- ca. 3700 BC
- Tendenz zur Verzierung des Gefäßkörper wird größer [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Zahl der Verzierungselemente nimmt zu
- gekennzeichnet durch Tonscheiben, Trichterbecher, Dolmen- und Kragenflaschen, Ösenbecher
- Trichterbecher überwiegen deutlich [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] typische Verziehrungen sind Bauchfransen, gepaart mit Stempelabdrücken

Gefäße mit Wackelböden wurden oftmals als eine eigene Gruppe in den relativen Chronologien behandelt. Wackelböden deuten nach HOIKA allerdings nur auf eine mangelnde Sorgfalt bei der Verarbeitung hin. Daher lassen sie jedoch keine weiteren Aussagen über Chronologien zu.

Fuchsberg- Stufe (Abb. 8)

- ca. 3400 BC – genaue Daten fehlen aus Holstein [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Vergleichsdaten stammen aus dem Kreis Schleswig und Dänemark

- Verziehrungen werden weiter ausdifferenziert

- Gekennzeichnet weitgehend durch genannte Gefäßtypen, hinzu kommen weitmundige Schalen; typisch sind große schraffierte Dreiecke und Wickelbandmuster

Einteilung des Mittelneolithikum (ca. 2600- 1850 BC) (Abb. 4)
Gruppe 1 (Abb. 9)

- MNI (Mittelneolithikum I) Funde aus Komplex Heiligenhafen- Leidenkamp
- Hiervon nur wenig vorhanden, daher Einteilung in MNIa und MNIb nicht möglich

Eine Dolmenflasche aus dem Rüter Moor bei Heiligenhafen weist auf Grund der Verziehrungen und der Formgebung eine starke Ähnlichkeit zu den mecklenburgischen Funden auf, ist in Schleswig- Holstein allerdings einzigartig.

Gruppe 2 (Abb. 10)

- Funde aus Neukirch- Sütel sind gleichzusetzen mit Funden des dänischen Blandebjerg und fallen daher in das MNII

Gruppe 3 und 4 (Abb. 11)

- Funde aus Oldenburg- Dannau und Heringsdorf- Süssau
- Gleichzusetzen mit MNIII und MNIV
- Dreigliedriege Gefäße treten gegenüber weich profilierten Formen zurück
- Kugelamphorenkultur wirkt auf Holstein ein [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Trichterbecher treten kaum mehr auf, was das Ende der Trichterbecherzeit anzeigt.

Nur für Heringsdorf- Süssau, Oldenburg- Dannau und Neukirch- Sütel sind bisher absolute Daten erstellt worden (Abb. 12). Alle übrigen Fundstellen sind nur relativchronologisch ein zu ordnen.

Absolute Datierung und Korrespondezanalysen

Methodik und Erfolge

Mit Hilfe der 14C- Methode können absolute Daten erstellt werden, welche das beprobte Fundstück in einen gewissen Zeitrahmen einordnen lässt. Allerdings liegen hierfür in Holstein zu wenige Funde vor, um genaue Schlussfolgerungen ziehen zu können. Dieses Problem besteht allgemein in Skandinavien.

Durch Korrespondenzanalysen und Wahrscheinlichkeiten der relativen Chronologie können Seriationstabellen erstellt werden. Selbige sind für die LBK vorhanden, jedoch für die TBK noch nicht errechnet worden.

Wegen dieser dünnen Basis wird hier nur eine relative Chronologie der Dicken Flintspitzen behandelt und 14C- Daten von 1994 (MEURERS-BALKE U. WENNINGER 1994, 251 FF) des Frühneolithikums (Abb. 35- 37).

Dicke Flintspitzen unterteilt in Typen nach LÜBKE (1997/98)

- Typ I schlanke, symmetrische Flintspitzen FN II
- Typ II schlanke asymmetrische Flintspitzen FN II/ MN I
- Typ III breite Flintspitzen mit dickem Querschnitt MN II-III/ IV
- Typ IV breite Flintspitzen mit flachem Querschnitt MN II-III/ IV
- Typ V (Sonderform) mit rechteckiger Basis

Allerdings merkt LÜBKE (1997/ 98) an, dass es an Hand des Ausgangsmaterials schwer sei konkrete Aussagen zu treffen.

14C- Daten 1994

- 4500 bc Ende Ertebølle, Anfang TBK- Rosenhof
- 4100 Siggen- Stufe
- 3700 Satrup- Stufe
- 3400 Fuchsberg- Stufe

Siehe hierzu die Tabellen und Analysen Abb. 35- 37 (MEURERS-BALKE U. WENNINGER 1994).

Steinartefakte im Norden Holsteins

Allgemeines zu Flintwerkzeugen

In Schleswig- Holstein kommt Flint nur sekundär als Gestein vor, im Verbund mit anderen Gesteinsarten. Die ertragreichsten Quellen für Flintstein und gleichzeitig den einfachsten Weg an diesen zu gelangen, bieten die Steilküsten des Landes. Hier muss nach dem Flint nicht lange gesucht oder gegraben werden, die Knollen stecken sichtbar in den Sedimentwänden. Um ein qualitätvolles Rohmaterial zu bekommen, muss dieses aus den Steilküsten heraus gebrochen werden, damit der Wassergehalt in den Knollen hoch genug zur Verarbeitung ist. Auf Grund der andauernden Erosion der Küstenstreifen sind Flinttagebau-Befunde nicht erhalten. Vorkommen von anstehendem Flint sind Dähnischer Wohld (Kreis Rendsburg-Eckernförde), Howachter Bucht und die Insel Fehmarn (Kreis Plön). Auffallend sind jedoch die gehäuften Befunde von Flintschlagplätzen in Küstennähe der genannten Orte, die auf eine rege Abbautätigkeit hindeuten.

Begriffe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Geschliffene Feuersteinkerngeräte

Geschliffene Feuersteingeräte sind Flintgegenstände, welche aus der Flintknolle grob in Form geschlagen wurden, um im weiteren Arbeitsverlauf in die gewünschte End-Form geschliffen zu werden. Dabei entstehen sehr glatte und ebenmäßige Oberflächen. Anscheinend wurde meist mit, oder auf einer Quarzsandsteinplatte geschliffen (Abb. 15), da Quarz eine höhere Härte als Flint hat und diesen daher abreiben kann. Geschliffene Objekte lassen sich besser in Holzgriffe schäften und das Risiko einer ungewollten Verletzung an den Ecken und Kanten einer ungeschliffenen Klinge fällt gänzlich weg.

Im Folgenden wird auf die unterschiedlichen Typen von Steingeräten eingegangen und sich an den Definitionen von HOIKA (1987, 45 ff) orientiert.

Kernbeile allgemein

Kernbeile treten in verschiedenen chronologie- unabhängigen Formen im Frühneolithikum auf. Diese können oval mit runder Spitze oder runder Schneide sein, bzw. trapezoid. Die Formen scheinen immer zu der jeweils passenden Arbeit hergestellt worden zu sein. Auffallend ist, dass die Nackenbreite zur größten Dicke der Kernbeile fast immer in einem Verhältnis von 1:1 steht. Die Länge der Beile nimmt zu je jünger sie sind.

Verschiedene Arten der Kernbeile sind zu unterscheiden:

Dünnblattige Beile (Abb. 16) messen an den Punkten größter Dicke nicht mehr als 2cm. Wenn diese allerdings länger als 16cm sind, wurden sie wahrscheinlich aus einem anderen Typ herausgearbeitet - vermutlich aus kaputten oder missglückten Geräten. Dieser Typ Beil lässt sich in weitere Untergruppen untergliedern (MALMER in HOIKA 1987, 45), in: Geradbeile, Querbeile, Querbeile mit Hohlschliff. Wobei zu beachten ist, dass die Quer- und Hohlschliffbeile in Holstein als Fund bislang nicht auftraten.

Mittelblattige Beile sind in Schleswig- Holstein selten und ein Zusammenhang mit der Trichterbecherkultur ist nicht gesichert (BECKER in HOIKA 1987, 46).

Dickblattige Beile haben eine größte Dicke von meist über 2,5cm. Wobei diese wiederum unterklassifiziert wurden in dünnackige und dicknackige (Abb. 17) Beile (NIELSEN in HOIKA 1987, 47).

Die dünnackigen Beile überschreiten eine größte Dicke von 2,4cm nicht, wonach die dicknackigen folglich bei dem Minimalwert 2,4cm anfangen.

In Holstein kann dieser Beiltypus in zwei Gruppen unterteilt werden, nämlich in die:

A: Beile mit geschliffener Seite und geradem Nacken.
B: Beile mit schmalrechteckigem Nacken und selten geschliffener Lateralseite. (vgl. HOIKA 1987, 47 f).

Hoika behandelt die holsteinischen Beiltypen allerdings, im Gegensatz zu den dänischen Kollegen, als eine Einheit. In Dänemark ist man nicht einer Meinung (Nieslen vs. Ebbensen vs. Davidsen in: DERS.EBD.) über die Einteilung des Nackenindexes (Nackenindex: Verhältnis von Nackendicke zur Nackenlänge).

Dickblattige Beile (Abb. 18) mit nicht- rechtwinkligem Querschnitt haben einen spitzovalen, trapezförmigen oder schuhleistenkeilartigen Querschnitt. Wobei der Nacken mehr oder weniger spitz ausgeformt sein kann. Die spitzovalen und schuhleistenkeilartigen Formen sind häufig von allen Seiten beschliffen worden und haben fast immer einen Hohlschliff auf Dorsal- und Ventralfläche.

Dreikantengeräte (Abb. 19) sind in Form und Profil dreieckig. Sie gehören zu den Kernkeilen und sind zeitunspezifisch; sie gehören zum festen Fundinventarbild zwischen Mesolithikum und Frühneolithikum. Allerdings seien die Schäftung und der Gebrauch dieses Gerätetyps ungewiss (STRZODA 1989, 181). Durch ihre vielen Ecken und Kanten mit diversen verschiedenen Schneidekantenwinkelen scheint dieser Typ Flintgerät für viele verschiedene Zwecke einsetzbar gewesen zu sein. Es kann kaum einer spezifischen Aufgabe zugeteilt werden (DIES.EBD.), wie das hacken von Holz für Beile, oder das Schneiden für Klingen. Eine These soll an dieser Aufgestellt werden, dass es sich bei Dreikantgeräten um eine Art Schweizer Taschenmesser des Frühneolithikums handelt. Denn durch Form und Schneidenvariabilität ist es sehr vielseitig verwendbar. Diverse Kleinarbeiten wie bohren, schaben, schneiden, glätten können damit verrichtet werden. Diese Vermutungen stützen sich auf eigene Versuche. Bei Flintbearbeitungsversuchen wurde schnell festgestellt, dass es einiger Übung bedarf ein brauchbares Gerät wie Klingen oder Äxte herzustellen. Was jeder jedoch recht schnell fertigen kann, sind Dreikantgeräte. Sie entstehen fast von selber aus den missglückten Versuchen ein geeignetes Kernstück zur Weiterverarbeitung herzustellen. Nachdem die Kanten eines Dreikanters retuschiert wurden, liegt ein multifunktionales Gerät in den Händen, mit dem die beschriebenen Arbeiten gut ausgeführt werden können.

Meißel (Abb. 20) sind beilartige Geräte mit annähernd quadratischem Querschnitt. Sie wurden von allen vier Seiten beschliffen und ihre größte Breite überschreitet 2,2cm nicht, bei Längen zwischen 11,5 und 23,2cm. Die Meißel der Trichterbecherkultur sind schlank und durchgehend bearbeitet und unterscheiden sich daher von den gröber und plumper behauenen Meißeln der Einzelgrabkultur. Alle Funde in Holstein sind trichterbecherzeitlich und fast alle Fundstücke wurden zerbrochen aufgefunden (HOIKA 1987, 49).

Zweiflächig bearbeitete Spitzen (Abb. 21) gibt es in Holstein nur zwei Typen, den Schinkeler-und den Flehmer Typ. Dieser Gerätetyp wurde meist als Oberflächenfund aufgefunden und hat daher kaum Fundzusammenhänge und Befunde in den man diesen besser einordnen könnte. Allerdings geben die Fundumstände in den wenigen Befunden wohl auch keinen klaren Aufschluss über evtl. Vergesellschaftung mit anderen Artefakten; somit wird die zeitliche Einordnungen ebenfalls erschwert (vgl. HOIKA 1987, 52 F).

Geraute Flintkugeln sollen als Hau-, bzw. Hammersteine benutzt worden, zur Herrichtung von Flintklingen (HOIKA 1987, 54). Flintkugeln sind naturgemäß vielseitig einsetzbar. Diese Steine können auch als Quetsch- und Mahlsteine eingesetzt worden sein, um beispielsweise Pflanzen zu zerquetschen oder zu zermahlen. Für eine Flintkugel erscheint dies die passendere Aufgabe zu sein, da Flint als Hammerstein ebenso leicht bricht, wie der zu bearbeitende Planken.

Abschlaggeräte

Abschlaggeräte mit Spitzenretusche (Abb.22) ist eine Begrifflichkeit für neolithische Bohrer, Scheibenbohrer und Bohrspitzen. Abschlagbohrer haben eine gerade, von beiden Seiten retuschierte Spitze. Ein Sondertyp ist der Zinken. Dieser hat eine gleichgerichtete gerade Spitze, mit Schneideseiten an der unteren Seite. Grobspitzen kommen häufiger im Mittelneolithikum vor und sind nicht wie die anderen Typen bearbeitet, sondern haben nur an der Spitze eine gleichgerichtete Retusche.

Abschlagkratzer (Abb. 23) haben eine unregelmäßige ovale Form und wurden meist nur aus den äußeren Schichten des Kerns hergestellt. Diese größte Gruppe in Holstein ist vielleicht nur ein Abfallprodukt, da sie als Werkzeuge nicht einsetzbar seien (freundliche mündliche Mitteilung H. Paulsen, Flintbearbeitungsworkshop in Klein Waabs 2004).

Scheibenbeile (Abb. 24) sind typische Beilformen des nordische Meso- und Neolithikum (STRZODA 1989, 144 F). Ob es sich bei diesem Typ um ein als Beil benutztes Gerät handelt ist unklar. Genauso kann es als Schaber oder Dechsel benutzt worden sein. Die Abmessungen dieses Typs werden vom Meso- zum Neolithikum hin im Mittelwert kürzer in ihrer Gesamtlänge, die Dicke bleibt jedoch konstant, ebenso Nackenbreite und Schmalseite. Schneidenbreiten sind chronologisch unabhängig und variieren (DIES. 110). Wahrscheinlich wurden die Schneiden auch hier jeweils dem Verwendungszweck angepasst, was auch die unterschiedlichen Schneidenretuschen unterstreichen. Allerdings wird die Schneidenbreite mit zunehmendem Alter prozentual schmaler. In Heringsdorf- Süssau gehören einige dieser Beile zum Fundinventar. Sie scheinen zum festen Inventar des Mittelnoelithikums zu gehören, wurden allerdings eher selten aufgefunden.

Dicke Flintspitzen (Abb. 25) sind vermutlich rechtwinklig geschäftete Schlagwaffen, bzw. Stabdolche (EBBENSEN in LÜBKE 1998, 73FF). LANGHEIM sieht in ihnen eine Art Axt und SPROCKHOFF und BERLEKAMP (EBD.) wollen die ersten Dolche darin erkennen. Die Stabdolchtheorie ist durch die Verrundungen der Nackenoberfläche am wahrscheinlichsten, da diese Abnutzungsspuren nur von hölzernen Schäftungen stammen können.

LÜBKE (1998, 49 FF) teilte diese Geräte in vier Typen ein:

- I schlanke, symmetrische Spitze (FN II- MN I)
- II schlanke, asymmetrische Spritze (FN II- MN I)
- III breite Spitze mit dickem Querschnitt
- IV Breite Spitze mit flachem Querschnitt
- Sonderform V rechteckige Basis (alle MN II- IV)

Klingen und Klingengeräte

Klingen wurden in der Regel eher aus gutem Ausgangsmaterialien gefertigt, aus der relativen Mitte des Kerns (vgl. HOIKA 1987, 60-66). Nur etwa 3% der Funde besitzen eine natürliche Oberfläche, die restlichen Funde haben facettierte oder glatte Oberflächen. Form und Art der jeweiligen Retuschen an den Klingen unterscheiden sich mannigfaltig. Die längste Klinge in Holstein wurde in Oldenburg- Ernsthausen geborgen mit einer Gesamtlänge von 12,5cm.

Spandolche (Abb. 26) sind stets aus einer Langklinge gefertigt, mit umlaufender steiler Retuschierung. Der Mittelgrad wurde entweder unbearbeitet gelassen oder halbrund ausgeschlagen. Die Ausformung der Basis differiert.

Spandolchderivate (Abb. 27) sind unter dem Einfluss der Spandolche entstanden, unterscheiden sich jedoch durch eine etwas andere Beschaffenheit der Bearbeitung. Das Ausgangsmaterial musste dicker sein als bei Spandolchen, denn bei ihnen wurde auch die Ventralfläche bearbeitet.

Sicheln (Abb. 28) sind meist Abschlagsbruchstücke, welche mittels Birkenpechs in einen Holzschaft geklebt wurden. Da eine Sichel aus Holz, Pech und Flintabschlägen besteht, ist eine Ansprache als Sichel nur im Zusammenhang der einzelnen Bestandteile möglich. Daher sind sie in Holstein selten.

Felssteingeräte

Allgemein ist anzunehmen, dass heutzutage nur sehr wenig erhaltene Felssteingerätfunde gemacht und einwandfrei als Gerät ansprechen werden können. Denn auf Grund der kristallinen Struktur der Felsgesteine (Granite, Porphyre etc.) verwittern diese relativ schnell, durch die erodierenden Verhältnisse im Erdboden (thermogene- und chemische Verwitterung).

Doppeläxte (Abb. 29) sind in Nordostholstein nur acht im Zusammenhang mit Keramik aufgefunden worden. Dadurch konnten sie in die relativen Chronologien aufgenommen werden. HOIKA (1987, 66 F) unterteilte diese in zwei Gruppen:

- I Schneide geht sanft in den Nacken über
- II abrupter Übergang von Axtkörper zu Schneide zu Nacken = Nackenkammaxt

Ein viertel aller Axtfunde sind Lesefunde ohne Befundzusammenhang. Von der Gesamtheit der Objekte mit Befundzusammenhang stammen ein drittel aus Grablegen. Vereinzelt treten sie in den Schichten von Siedlungen auf. Daher stellt HOIKA (67, letzter Absatz) diese massiven Felsgesteinäxte nur sekundär in einen Kontext von Kampf- und Prestigezwecken. Er will in ihnen vielmehr einen alltäglichen Gebrauch erkennen. Eine dieser vorgeschlagenen Nutzungen sei die als Feldhacke zum umgraben und hacken der Äcker (DERS.EBD.). Allerdings ist zu bedenken, dass eine schwere Felsaxt, welche zu dem auch leicht zerbricht, wenn sie auf einen anderen Stein trifft, wohl kaum ein geeignetes Feld-, bzw. Arbeitsgerät ist. Eine andere Anwendung sei das fällen von Bäumen und das Bearbeiten von Holz (Ders. Ebd.). Felsäxte sind nicht nur schwer und unhandlich, sie können auch wegen der meist uneinheitlichen kristallinen Strukturen in einem Stein (Granit besteht aus Feldspat, Quarz und Glimmer; alle haben ein anderes Kristallgitter und Härte) auch nicht scharf. Die Verwendung als Acker- oder Holzbearbeitungsgerät ist nicht nur fraglich, sondern schlicht nicht möglich.

Schleifsteine (Abb. 15) bestehen aus psammitischen, klastischen Sedimenten, genannt Quarzit, welcher die sedimentierte Form des Quarzes ist. Kleine parallele Rillen auf den Quarzitplatten deuten auf die Benutzung eines Schleifmittels hin. Daher ist zu der Annahme gelangt worden, dass ein Werkstück nicht nur auf einer Quarzitplatte gerieben, sonder der Abriebeffekt durch dazwischen gestreuten Sand verbesserte wurde. Eine andere Erklärung für die Rillen in den Schleifsteinen ist, dass diese Rillen durch den Abrieb des Werkstückes entstanden sind. Schleifsteine sind allerdings nur fragmentarisch erhalten und Schlagspuren lassen auf eine absichtliche Zerstörung hindeuten, um kleinere Stücke für andere Arbeiten zu erhalten. Sie kommen in jedem Siedlungsbefund in Holstein vor und wurden laut WINTHER (in HOIKA 1987, 69) unter anderem auch zur Geweih- und Knochenbearbeitung benutzt.

Mahlsteine bestehen ausschließlich aus Graniten, an denen man die Oberfläche absichtlich anraute. In einen großen Granitblock wurde eine Mahlbahn eingetieft (gefundene Masse in Oldenburg, Ostholstein: 60-80cm lang, 30-50cm breit, ca. 10cm tief) mittels rauspicken eines härteren Steins (Quarz o.ä.). Hiernach konnten Cerialia mit dem Mahlstein zerquetscht und zermahlen werden.

Schlagsteine sind Hämmer mit denen die Flintknollen bearbeitete und Flintgeräte herrichtete wurden. Quarzit ist für diese Art Werkzeug wieder das geeignetste Material. Sie haben eine rundlich- ovale Form, damit sie gut in der Hand liegen. Erkennungsmerkmale eines Schlagsteins sind die Schlagspuren an den Polen.

Knochen und Geweihgeräte

Knochengeräte (Abb. 30)

Pfrieme und Ahlen wurden zum durchbohren und lochen von weichen Materialien wie Leder und Rinde benutzt. Häufig sind sie aus dünnen Röhrenknochen des Schafes hergestellt worden. Allerdings wurden die der Spitze gegenüberliegenden Enden nie nadelähnlich durchlocht. Häufig ist an diesem Ende der Gelenkteil des Knochens als Griff erhalten, bzw. drangelassen worden. Der Knochen für einen Pfrieme wurde der Länge nach aufgetrennt, um scharfe Kanten zu erhalten.

Meißel haben meist eine gerade Schneide, welche selten abgerundet ist. Sie bestehen ebenfalls aus aufgetrennten Röhrenknochen, wobei die stumpfen Enden starke Spuren von Abnutzung durch ein Schlagwerkzeug aufweisen. Dieses Werkzeug lässt auf eine sehr spezialisierte Ausübung von Handwerk schließen (HOIKA 1987, 73 F), da sie in Holstein nur selten vorkommen und in Siggenebene- Süd gänzlich fehlen (vgl. MEURERS-BALKE 1983).

Ellenbogendolche sind seit dem Mesolithikum bekannt und aus Ellenbogenknochen von Wildtieren hergestellt. Eine genaue Verwendung dieser Geräte ist unklar und ein dolchartiger Charakter wird nur angenommen (MEURERS- BALKE 1983, 79).

[...]

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Details

Titel
Das Neolithikum im östlichen Holstein - Überblick über Befunde und Funde der Trichterbecherzeit
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für Ur- und Frühgeschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar Neolithische Gesellschaften
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
65
Katalognummer
V136436
ISBN (eBook)
9783640470365
ISBN (Buch)
9783640470242
Dateigröße
15733 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neolithikum, Holstein, Befunde, Funde, Trichterbecherzeit
Arbeit zitieren
Kai Schaper (Autor), 2005, Das Neolithikum im östlichen Holstein - Überblick über Befunde und Funde der Trichterbecherzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136436

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