Zum Gegenstand dieser Arbeit erhoben, sehen wir eine kleine, für ihr Alter noch
recht gut erhaltene Münze, die seit 137 n. Chr. im Römischen Reich als As ihre
Verwendung gefunden haben soll.
MZM 88, Nr. 694: AE-As (137) 10,4 g. Barhäuptiger Kopf n. r.
L AELIVS CAESAR / TR POT COS I SC
Stehende Fortuna
RIC. 10661. C.61
In erster Linie interessiert uns das auf der Vorderseite abgebildete Portrait des L.
Aelius Caesar, dessen Namen wir aufgrund unseres Wissens um die Kaiserabfolge
im 2. Jahrhundert2 zunächst nicht mit römischen Kaisermünzen in Verbindung
bringen würden.
In der Tat war L. Aelius Caesar nie Kaiser des Römischen Reiches, doch wurde er
von Hadrian mit der Absicht ihn als Thronfolger einzusetzen, adoptiert und zum
Caesar ernannt. Derartige Adoptionen galten seit Nerva als übliches Verfahren zur
Bestimmung der Thronfolge; daher wird der hier angegebene Zeitraum in der
Literatur meist als Zeit der Adoptivkaiser angegeben.
Um die hiesige Münze bezüglich ihres Wertes als historische Quelle bestimmen
zu können, ist es unumgänglich auf den folgenden Seiten die Person des L. Aelius
Caesar und ihre Einordnung in den historischen Kontext mit besonderer
Berücksichtigung des Doppelprinzipats und der Reichsstellung im Imperium
Romanum näher zu erläutern.
1 Die Angaben im MZM bezüglich dieser dem vorliegenden Exemplar am nächsten kommenden Münze sind
fehlerhaft, da es sich hinsichtlich der Einordnung im RIC um die Nummer 1065, nicht 1066, handelt. Zu
ergänzen wäre weiterhin, dass es sich bei dem vorliegenden Stück um ein Gewicht von 9,26 g und einem
Durchmesser von 26,5 mm handelt.
2 Im Rahmen dieser Arbeit richtet sich unser Interesse auf den Zeitraum der Regierungszeiten Trajans bis Marc
Aurel (Trajan 98-117, Hadrian 117-138, Antoninus Pius 138-161, Lucius Verus 161-169,Marc Aurel 161-180)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Person des L. Aelius Caesar
3. Die Sicherung der Nachfolge nach dem Tode des L. Aelius Caesar
4. Die Regelung der Nachfolge nach Hadrians Tod
5. Die Münze des L. Aelius Caesar
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die historische Einordnung und numismatische Analyse einer As-Münze des L. Aelius Caesar aus dem Jahr 137 n. Chr. Die Forschungsfrage untersucht dabei, ob das untersuchte Exemplar als authentische römische Münze oder als antike Imitation zu bewerten ist, indem sie den numismatischen Befund mit den historischen Gegebenheiten der Thronfolge unter Kaiser Hadrian verknüpft.
- Historischer Kontext der Adoptivkaiser und des Doppelprinzipats.
- Biografische Untersuchung von L. Aelius Caesar und dessen familiärem Umfeld.
- Analyse der Münzprägungen im Kontext der kaiserlichen Nachfolgeregelungen.
- Numismatische Detailanalyse des vorliegenden As-Exemplars.
- Bewertung der Authentizität basierend auf stilistischen und epigrafischen Merkmalen.
Auszug aus dem Buch
Die Münze des L. Aelius Caesar
Unter Berücksichtigung dieses komplexen historischen Hintergrunds sollten wir uns nun dem eigentlichen Motiv dieser Arbeit zuwenden – der Münze des L. Aelius Caesar.
In seiner Position als Caesar und Regent über die Provinz Pannonia verfügte L. Aelius Caesar durchaus über einige, wenn auch wenige, Münztypen, die laut Kornemann „durchaus schablonenhaft Tr Pot Cos II mit Personifikationen (Concordia, Salus, Pietas, Felicitas) aufweisen.“ Neben diesen Ausführungen gibt es einen weiteren Münztyp, der auf Senatsbeschluss geprägt wurde und auf der Rückseite die Pannonia, eine personifizierte Darstellung der Provinzen Pannonien, mit einem Feldzeichen, einem sogenannten Vexillum darstellt. Dies ist insofern erwähnenswert, da Hadrian seinerseits gleichzeitig eine ganze Typenreihe prägen ließ, die alle seine Provinzen mit Ausnahme Pannoniens darstellten – ein Aspekt, der die Anfänge der „Reichsgliederung im Gefolge des Mehrprizipates“ deutlich hervorhebt.
Die uns vorliegende Münze stellt jedoch nicht diesen einzigartigen Münztyp dar, sondern – wenn überhaupt – einen der zuvor erwähnten. Für die nähere Bestimmung dieser Münze, die im Entstehungsprozess dieser Arbeit lediglich als Kopie vorliegt, kommt uns ein Auszug noch nicht publizierten Materials zugute, in welchem sowohl Avers als auch Revers der Münze deutlichst beschrieben werden, und durch welchen die noch folgenden Schlussfolgerungen überhaupt erst möglich wurden.
Die auf beiden Seiten von einer grünen Patina überzogenen Münze zeigt auf der Vorderseite die offenbar bekleidete Büste des L. Aelius Caesar mit barhäuptigem, nach rechts gedrehten Kopf im Profil. An den Seiten lässt sich die Legende erkennen: LAELIUS – CAESAR. Diese Darstellung der Büste kommt dem im RIC II verzeichneten Münztyp auf Seite 480 Form C am nächsten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Münzobjekts aus dem Jahr 137 n. Chr. und Erläuterung der Zielsetzung, dieses Stück als historische Quelle innerhalb des Kontextes der Adoptivkaiser zu bestimmen.
2. Zur Person des L. Aelius Caesar: Untersuchung der Herkunft, der Adoption durch Hadrian und der biografischen Hintergründe von L. Aelius Caesar sowie seiner Rolle innerhalb der kaiserlichen Nachfolgepläne.
3. Die Sicherung der Nachfolge nach dem Tode des L. Aelius Caesar: Analyse der Bedingungen, die Hadrian an Antoninus Pius für dessen Adoption knüpfte, um die familiäre Linie des verstorbenen Aelius Caesar in die Nachfolge einzubinden.
4. Die Regelung der Nachfolge nach Hadrians Tod: Darstellung, wie Antoninus Pius Hadrians ursprüngliche Bedingungen abänderte und das geplante Doppelprinzipat zugunsten einer stärkeren Etablierung seiner eigenen Nachfolgepläne beeinflusste.
5. Die Münze des L. Aelius Caesar: Eingehende numismatische Beschreibung und Bestimmung des vorliegenden Exemplars im Vergleich zu bekannten Münztypen des RIC und MZM.
6. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, die durch die Auffälligkeiten in der Legende der untersuchten Münze zu der Schlussfolgerung führt, dass es sich wahrscheinlich um eine antike Imitation handelt.
Schlüsselwörter
L. Aelius Caesar, Hadrian, Antoninus Pius, Adoptivkaiser, Römische Numismatik, Münzprägung, Prinzipat, Doppelprinzipat, Kaiserliche Nachfolge, Historische Quelle, As, Antike Imitation, Imperium Romanum, Pannonia, Porträtkunde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der numismatischen und historischen Untersuchung einer antiken As-Münze des L. Aelius Caesar, um deren historischen Wert und Authentizität zu prüfen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die römische Kaisergeschichte des 2. Jahrhunderts, die Nachfolgeregelungen unter den Adoptivkaisern, das Prinzip des Doppelprinzipats und die numismatische Analyse von Münztypen aus dieser Ära.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage ist, ob das spezifische Münzexemplar, das in dieser Arbeit betrachtet wird, als authentische Münze aus der Zeit Hadrians oder als eine antike Imitation einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine quellenkritische Analyse, bei der historische Fachliteratur und Verzeichnisse (wie das RIC) herangezogen werden, um das Münzstück mit historischem Kontext, Genealogie und bekannten Münztypen zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Biografie des L. Aelius Caesar, der komplexen Thronfolgestrategie Hadrians, den machtpolitischen Verschiebungen unter Antoninus Pius sowie der detaillierten Beschreibung der Münzmerkmale.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind L. Aelius Caesar, Adoptivkaiser, Doppelprinzipat, numismatische Analyse, Münzprägung und antike Imitation.
Welche Rolle spielte L. Aelius Caesar historisch, obwohl er nie Kaiser war?
Er wurde von Hadrian adoptiert und zum Caesar ernannt, um die Thronfolge zu sichern, wobei seine Adoption ein wichtiges Instrument innerhalb des Adoptivkaisertums darstellte.
Warum kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass es sich bei der Münze um eine Imitation handelt?
Die Schlussfolgerung basiert primär auf einer ungewöhnlichen Platzierung des "SC"-Kürzels innerhalb der Legende, was auf eine für damalige offizielle Prägestätten untypische Schreibweise hindeutet.
- Quote paper
- Yvonne Vitt (Author), 2003, Münzen römischer Kaiser: Lucius Aelius Caesar, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13643