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Gouvernementale Subjektivierungsanalyse des Bürgergeldgesetzentwurfs. Eigenbemühung versus Vertrauen

Titel: Gouvernementale Subjektivierungsanalyse des Bürgergeldgesetzentwurfs. Eigenbemühung versus Vertrauen

Hausarbeit , 2023 , 25 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Henriette Boysen (Autor:in)

Soziologie - Politik, Majoritäten, Minoritäten
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die These dieser Arbeit ist, dass das Bürgergeld nicht für eine Neujustierung steht, sondern bestehende Mechanismen der Subjektivierung weitergeführt werden. In dieser Hausarbeit sollen diese Mechanismen untersucht werden. Mit dem Analysewerkzeug aus den Governmentality Studies wird geprüft, inwieweit die gesetzlichen Änderungen des Bürgergelds auf das Verhältnis zwischen Bürger:in und Staat einwirken können.

Die Governmentality Studies beschäftigen sich mit der Analyse und Kritik von Machtverhältnissen und Regierungstechniken. Im Rahmen dieser Arbeit wird dieses Konzept genutzt, um zu untersuchen, wie das Bürgergeld als Instrument des Wohlfahrtsstaates die Subjektivierung der Bürger:innen beeinflusst. Als nächsten Schritt soll das Konzept des aktivierenden Sozialstaats erläutert und in die Forschungsdebatte verordnet werden. Daraufhin werden die konkreten Pläne für die Gesetzesänderung des Sozialgesetzbuches beschrieben und diskutiert. In der Diskussion sollen insbesondere die Maßnahmen zur Weiterbildung unter dem Aspekt der Fremd- und Selbstführung beleuchtet werden.

Das Verhältnis des Sozialstaats zu seinen unterstützungsbedürftigen Bürger:innen soll durch das Bürgergeld von Grund auf neujustiert werden. Mit der Reform 2010 hat sich ein Wandel vom fürsorgenden zum aktivierenden Wohlfahrtsstaat vollzogen, indem zur Begrenzung der hohen Arbeitslosenzahlen Sanktionen stärker betont wurden. Beim Bürgergeldgesetz bekommt die Weiterbildung eine wichtige Rolle, indem unter anderem ein Weiterbildungsbonus ausbezahlt wird. Die Bürger:innen sollen an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, um ihre Vermittlungschancen zu erhöhen. Das soll die Selbstführung der Bürger:innen verstärken. Studien zeigen jedoch, dass finanzielle Anreize nicht unbedingt den Willen zur Weiterbildung fördern.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Gouvernementalität

Subjektivierung

Reformen des Sozialgesetzbuch II und der aktivierende Sozialstaat

Bürgergeld

Methode

Die Subjektivierung im Bürgergeld

Zusammenfassung und Kritik

Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht, inwieweit das Bürgergeld tatsächlich eine grundlegende Neujustierung des Verhältnisses zwischen Staat und Bürger:in darstellt oder ob bestehende Mechanismen der Subjektivierung lediglich fortgeführt werden. Dabei wird analysiert, wie gouvernementale Strategien und das Konzept des aktivierenden Sozialstaats die individuellen Lebensführungsentscheidungen der Empfänger:innen beeinflussen und steuern.

  • Gouvernementalität nach Michel Foucault als Analyseinstrument
  • Entwicklung und Ausgestaltung des aktivierenden Sozialstaats seit der Agenda 2010
  • Die Rolle der Weiterbildungsprämie als Technologie der Subjektivierung
  • Fremd- versus Selbstführung im Kontext der neuen Bürgergeld-Gesetzgebung
  • Die Verknüpfung von ökonomischer Employability und individueller Freiheit

Auszug aus dem Buch

Die Subjektivierung im Bürgergeld

„Das Bürgergeld ist ein soziales Bürgerrecht. Es basiert auf dem Solidaritätsprinzip und auf der Grundannahme, dass die Menschen den Sozialstaat brauchen und ihn nicht missbrauchen“ (SPD 2019: 11)

Diese Sätze stammen aus einem Beschluss des SPD-Parteivorstandes, die 2019 den kleinen Regierungspartner stellt. Der Text ist einerseits ein Wahlkampfmittel, aber auch ein gutes Beispiel für das Verhältnis von Individuum zur Gesellschaft im Sozialstaat Das Individuum soll im gesellschaftlichen Interesse handeln und kann sich darauf verlassen, dass im Bedarfsfall, andere Individuen für ihn oder sie eintreten („Solidaritätsprinzip“). Die Subjekte in Form der Bürger:innen sind dazu angehalten den Sozialstaat nicht zu missbrauchen, demnach verantwortungsvoll mit dem Gemeingütern umzugehen (Lessenich 2003b). Damit wird ein Menschenbild betont („Grundannahme“), das mit Verpflichtung und Verantwortung verknüpft wird. Das Misstrauen des Staates, das sich regelmäßig in Kontrollen äußert, wird ausdrücklich als gegenstandslos definiert. Umgekehrt unterliegt dieprivate Lebensführung einer sozialen Pflicht, sich nach dem gesellschaftlichen Interesse bzw. Prinzipien zu orientieren.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Thema der staatlichen Grundsicherung und Darlegung der zentralen These, dass das Bürgergeld bestehende Subjektivierungsmechanismen fortsetzt.

Gouvernementalität: Theoretische Herleitung des Gouvernementalitätsbegriffs nach Foucault und dessen Anwendung als Instrument zur Analyse staatlicher Machtverhältnisse.

Subjektivierung: Definition und Erläuterung des Prozesses der Subjektivierung als disziplinierendes Verfahren, das Individuen durch soziale Adressierungen formt.

Reformen des Sozialgesetzbuch II und der aktivierende Sozialstaat: Historischer Rückblick auf die Agenda 2010 und den Wandel vom absichernden hin zum aktivierenden Sozialstaat.

Bürgergeld: Darstellung der rechtlichen Neuerungen des Bürgergelds im Vergleich zur vorherigen Hartz-IV-Gesetzgebung unter Berücksichtigung der proklamierten Vertrauenskultur.

Methode: Erläuterung des methodischen Vorgehens anhand der interpretativen Subjektivierungsanalyse zur Untersuchung des Gesetzentwurfs.

Die Subjektivierung im Bürgergeld: Empirische Analyse des Gesetzentwurfs hinsichtlich der Anrufung von Subjekten sowie der Verknüpfung von staatlicher Förderung und individueller Eigenverantwortung.

Zusammenfassung und Kritik: Kritische Reflexion der Ergebnisse, insbesondere der Frage, inwieweit die neuen Anreizstrukturen Fremd- und Selbstführung miteinander verbinden.

Fazit: Bestätigung der These, dass das Bürgergeld keine Abkehr von den vorangegangenen aktivierenden Sozialstaatsmodellen markiert, sondern die Steuerung über Subjektivierungstechnologien verfestigt.

Schlüsselwörter

Bürgergeld, Gouvernementalität, Subjektivierung, aktivierender Sozialstaat, SGB II, Eigenverantwortung, Arbeitsmarktpolitik, Weiterbildungsprämie, Machtverhältnisse, Fremdführung, Selbstführung, Soziale Sicherung, Employability, Diskursanalyse, Sozialgesetzgebung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Bürgergeld-Gesetz aus der Perspektive der Gouvernementalitätstheorie, um zu bewerten, wie der moderne Sozialstaat Einfluss auf die Lebensführung und Selbstwahrnehmung von Leistungsbeziehenden nimmt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Analyse neoliberaler Regierungsstrategien, der Entwicklung des aktivierenden Sozialstaats und der Art und Weise, wie Bürger durch staatliche Gesetze als Subjekte adressiert werden.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die These zu überprüfen, dass das Bürgergeld keine fundamentale Neujustierung des Staat-Bürger-Verhältnisses darstellt, sondern die etablierten Mechanismen der Subjektivierung unter neuen Vorzeichen weiterführt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Verfasserin nutzt die interpretative Subjektivierungsanalyse, um Diskurse und Machtverhältnisse innerhalb des Gesetzentwurfs sowie in der zugehörigen politischen Begründung zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die theoretischen Konzepte von Foucault und Lessenich, setzt diese in den Kontext der Agenda 2010 und untersucht anschließend die konkreten Maßnahmen des Bürgergeldgesetzes, wie etwa die Weiterbildungsprämie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gouvernementalität, Subjektivierung, aktivierender Sozialstaat, Eigenverantwortung und Employability charakterisiert.

Inwieweit spielt die „Vertrauenskultur“ des Bürgergelds eine Rolle für die These?

Die Autorin argumentiert, dass die proklamierte Vertrauenskultur lediglich einen neuen Rahmen für die vertrauten Mechanismen der Fremd- und Selbstführung bildet, ohne dass sich die grundlegende Machtlogik der Aktivierung ändert.

Warum wird die Weiterbildungsprämie als „Schnittstelle“ bezeichnet?

Sie gilt als Schnittstelle, da sie nicht durch direkten Zwang wirkt, sondern die Individuen durch finanzielle Anreize dazu motiviert, ihr Verhalten selbst in eine Richtung zu lenken, die dem gesellschaftlichen Ziel der Arbeitsmarktintegration entspricht.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Gouvernementale Subjektivierungsanalyse des Bürgergeldgesetzentwurfs. Eigenbemühung versus Vertrauen
Hochschule
Universität Leipzig  (Soziologie)
Veranstaltung
Politische Soziologie der Gegenwart
Note
1,3
Autor
Henriette Boysen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
25
Katalognummer
V1364557
ISBN (PDF)
9783346890900
ISBN (Buch)
9783346890917
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bürgergeld HartzVI Subjektivierung Foucault Gouvernmentalität
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Henriette Boysen (Autor:in), 2023, Gouvernementale Subjektivierungsanalyse des Bürgergeldgesetzentwurfs. Eigenbemühung versus Vertrauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1364557
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Leseprobe aus  25  Seiten
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