In dieser Hausarbeit soll die Forschungsfragestellung beantwortet werden, inwiefern die politische Reform zur Einführung des Bürgergeldes tatsächlich eine Reform im Sinne des theoretischen Konzepts nach Esposito darstellt. Dazu wird zunächst der theoretische Hintergrund einer Reform und geplanter Neuheit ausgearbeitet und an einem Beispiel reformuliert. Daraufhin folgt eine methodologische Betrachtung, in welcher abgewogen wird, für welche Methode sich entschieden werden sollte, um das vorliegende empirische Material (den Gesetzesentwurf zur Einführung des Bürgergeldes) zu untersuchen. Nach Offenbarung der Forschungsfragestellung wird das ausgewählte empirische Material vorgestellt und die Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring durchgeführt. Die Forschungsfragestellung wird beantwortet und ein Ausblick gegeben. Anschließend folgt eine reflektierende Schlussbetrachtung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Das paradoxe an Reformen
2.1.1 Das paradoxe an geplanter Neuheit und ihre historische Entwicklung
2.1.2 Das kritische an dieser Entwicklung
2.2 Hypothese
3 Erläuterung
4 Reformulierung
5 Übergang
6 Methodologische Betrachtung
6.1 Grounded Theory Methodologie nach Glaser und Strauss
6.2 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
6.2.1 Kategoriebildung
6.2.2 Gütekriterien
6.3 Methodologische Begründung
7 Mögliches methodisches Design
7.1 Forschungsfragestellung
7.2 Ausgewähltes empirisches Material
7.3 Inhaltliche Einordnung dieser Reform
7.4 Kategorien
7.5 Kodieren
8 Beantwortung Forschungsfragestellung & Ausblick
8.1 Selbsteinschätzung Gütekriterien
9 Schlussbetrachtung
10 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Einführung des Bürgergeldes aus einer organisationstheoretischen Perspektive nach Esposito, um zu klären, inwieweit es sich dabei um eine Reform gemäß diesem theoretischen Konzept handelt.
- Theoretische Grundlagen von Reformen (nach Corsi und Esposito)
- Methodik der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring
- Analyse des empirischen Materials zum Bürgergeld-Gesetzesentwurf
- Verantwortung und Steuerung durch Akteure innerhalb des Systems
- Paradoxien von Reformen in modernen Organisationen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Das paradoxe an geplanter Neuheit und ihre historische Entwicklung
Neuheit sei schwierig zu erfassen. An dieser Stelle zitiert sie Luhmann, welcher Neuheit ein „ontologisches Unding“ (Luhmann, 1995, S.323) nennt. Neuheit gezielt hervor-rufen zu wollen, stößt auf Probleme. Zum einen lässt sich Neues nicht einfach bestimmen. Es ist bekannt, was Neuheit ist, weil es Etwas ist, was vorher nicht bekannt war. Somit sucht man, wenn man Neuheit sucht, immer nach Etwas, was man kennt, was allerdings nicht so stark von dem Bekannten abweicht, dass man es nicht mehr wahrnehmen kann. Denn eine Reform, die nicht beobachtet werden kann, wäre keine Reform, sondern eine unbeobachtete Veränderung. Somit muss Neuheit Neues hervor-bringen, was allerdings innerhalb eines Systems beobachtet werden kann. Da Neues, nicht mehr neu ist, wenn es aktuell ist, erfordern Reformen weitere Reformen.
Darüber hinaus werden Reformen stets als Verbesserung angesehen, bzw. sie hegen den Anspruch darauf. Es lässt sich also ein starker Optimismus feststellen. Die Reform wird als Lösung für ein Problem dargestellt. Das war im Mittelalter noch anders. Neuheit wurde im Mittelalter noch abwertend gemeint. Neues wurde als Störfaktor für den Frieden und die Ordnung gesehen. Neuheit wurde gänzlich als gefährlich deklariert.
Im 11. Jahrhundert wurden Änderungen, welche auch Neues hervorbrachten, nicht als neu, sondern als auf alten Traditionen aufbauend oder mit ihnen coexistierend betitelt. Somit änderte sich die Haltung gegenüber etwas Neuem und dessen Konformität mit dem bereits Bestehenden erstmals.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Hinführung zum organisationstheoretischen Gegenstand der Reform innerhalb von Organisationen und der Zielsetzung der empirischen Reflexion.
2 Theoretische Grundlagen: Erläuterung des Reformbegriffs nach Esposito und der Wandel der Wahrnehmung von Neuheit in der Geschichte.
3 Erläuterung: Zusammenführung der theoretischen Konzepte, um zu begründen, warum Reformen inhärent paradoxe Konstrukte sind.
4 Reformulierung: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf das konkrete Beispiel der Gesetzgebung zur Einführung des Bürgergeldes.
5 Übergang: Einleitung in den empirischen Teil und Begründung des methodischen Vorgehens.
6 Methodologische Betrachtung: Diskussion methodologischer Ansätze (Grounded Theory vs. Qualitative Inhaltsanalyse) und Wahl der passenden Methodik.
7 Mögliches methodisches Design: Exakte Festlegung der Forschungsfrage, des Datenmaterials und der Kategorienbildung für die Analyse.
8 Beantwortung Forschungsfragestellung & Ausblick: Zusammenfassende Analyse der Ergebnisse unter Rückbezug auf die Forschungsthese.
9 Schlussbetrachtung: Reflexion über die Eignung der gewählten Methodik und die Erkenntnisgewinnung der Arbeit.
10 Literaturverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Reform, Organisation, System, Neuheit, Luhmann, Esposito, Bürgergeld, Qualitative Inhaltsanalyse, Mayring, Gesellschaft, Politik, Soziale Sicherung, Organisationspädagogik, Gesetzgebung, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Gesetzesentwurf zur Einführung des Bürgergeldes auf Basis einer organisationstheoretischen Untersuchung, um zu prüfen, ob dieses Vorhaben als Reform im Sinne von Esposito verstanden werden kann.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Zentral sind die theoretische Beschreibung von Reformen, die historische Entwicklung des Begriffs der "Neuheit" und die Anwendung dieser soziologischen Konzepte auf aktuelle politische Entscheidungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Inwiefern können die Änderungen, welche die Bundesregierung mit der Einführung des Bürgergeldes durchsetzen möchte, als Reform nach dem theoretischen Begriff von Esposito verstanden werden?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring verwendet, um systematisch empirisches Datenmaterial – konkret den Gesetzesentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales – zu untersuchen.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt zur Systemtheorie und Reformwahrnehmung sowie einen empirischen Teil, in dem Kategorien gebildet und das Gesetzestextmaterial sowie offizielle Dokumente analysiert werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Wichtige Schlagworte sind Reform, Organisation, System, Neuheit, Esposito, Bürgergeld, Qualitative Inhaltsanalyse und Soziale Sicherung.
Inwiefern spielt das Bundesverfassungsgericht bei diesen Reformbestrebungen eine Rolle?
Der Autor argumentiert, dass das Bundesverfassungsgericht als Akteur auftritt, der den Gesetzgeber zu einer Neuregelung auffordert, was die Bundesregierung dazu zwingt, als Akteur zu handeln und die Reform voranzutreiben.
Wie bewertet der Autor die Rolle der "Neuheit" beim Bürgergeld?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die "Neuheit" des Bürgergeldes nicht der primäre Maßstab für die Bewertung durch das System ist, sondern vielmehr die Notwendigkeit, auf Druck des Systems zu reagieren und eine Reorganisation zu legitimieren.
- Citation du texte
- Hendrik Pieper (Auteur), 2022, Der Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Einführung des Bürgergeldes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1364651