Die Arbeit widmet sich der Auseinandersetzung Heiner Müllers mit der DDR und der sozialistischen Kulturpolitik in seinem Stück "der Lohndrücker".
Umfangreiche Literaturliste;
Kommentar des Dozenten:
"Recht schöne Arbeit.Umfassend recherchiert und diskutiert: Gut und besser."
Inhaltsverzeichnis
1. Heiner Müllers frühe Entscheidung für den Sozialismus
2. Der Sozialistische Realismus und seine Prinzipien
3. „Der Lohndrücker“
3.1. Historisches Vorbild: Hans Garbe, „Held der Arbeit“
3.2. Sozialistisch-realistische Prinzipien im „Lohndrücker“
3.2.1. „Lebensechtheit“ und „Volksverbundenheit“ – Simplifizierung zugunsten einer breiteren Wirkungsfläche. Als Sujet diente vorwiegend die Arbeitswelt
3.2.2. Darstellung der revolutionären Veränderung und des sozialen Kampfes , Fortschritt und Parteilichkeit
3.2.3. Sozialer Optimismus
3.2.4. Darstellung des „positiven Helden “nachahmungswürdigen Idealcharakters: “Typisierung , Geschlossenheit und Totalität“1 in Bezug auf den Helden.
3. Das dialektische Prinzip Heiner Müllers im „Lohndrücker“
3.1. Die Dialektik der Verhältnisse
3.1.1. Deutschland nach dem Krieg
3.1.2.Sozialer Abstieg im sozialistischen Aufbau
3.1.3. Widerspruch von Utopie und Wirklichkeit
3.2 Antagonistisches Prinzip im Figurenaufbau
3.2.1. Balke und seine Gegenspieler5. Rezeption des „Lohndrückers“
3.2.2. Balke
3.3. Der dialektische Realismus Heiner Müllers und der „Kampf zwischen Altem und Neuem“2
4.2. Umkehrung der Werte?
5. Rezeption des „Lohndrückers“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das dialektische Prinzip in Heiner Müllers Stück „Der Lohndrücker“ und analysiert, wie sich der Autor kritisch mit den Vorgaben des Sozialistischen Realismus in der DDR auseinandersetzt.
- Analyse der sozialistisch-realistischen Literaturprinzipien in der DDR
- Untersuchung der Dekonstruktion des „Arbeiterhelden“ Hans Garbe durch Heiner Müller
- Erörterung des dialektischen Widerstreits zwischen altem und neuem Bewusstsein
- Darstellung der Spannungsfelder zwischen Individuum, Gesellschaft und Parteiideologie
- Diskussion der Rezeptionsgeschichte des Stückes im Kontext der DDR-Kulturpolitik
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Volksnähe
„Der Lohndrücker“ ist ein Produktionsstück. So gewinnt das Stück im Sinne des Sozialistischen Realismus für die ,produzierende Masse’ an Bedeutung, da es sich auf deren Lebensrealität und -alltag bezieht. „Lebensechtheit“, also die Wirklichkeit, stellt Müller jedoch nicht, wie gefordert, als utopisch dar, sondern mit ihren tatsächlichen Problemen, z. B. die schlechte Qualität und Knappheit der Waren, formuliert durch Beschwerden der Arbeiter oder einfache Regieanweisungen: „[...] Der Direktor fängt an, sich einzuseifen. Die Seife schäumt nicht.“35
Währenddessen erscheint der Arbeiter Geschke beim Gewerkschafter Schurek mit der Bitte um Schuhe: Schurek: Die Zuteilung ist ausgegeben Geschke: Ich war nicht dabei Schureck: Wir stellen Tonbehälter her, [...] Schuhe stellen wir nicht her, die Bezugscheine machen wir nicht. Ich kann deinetwegen nicht aus der Reihe tanzen. Wir müssen Opfer bringen für den Sozialismus.36
Müller stellt hier in aller Kürze die Absurdität des Produktionsalltags dar. Einerseits wird von den Arbeitern Aufopferung und höchster Einsatz für den Aufbau des Sozialismus gefordert, andererseits die Entbehrung des täglichen Grundbedarfs. Dem Prinzip der ‚Vereinfachung’ verweigert sich Heiner Müller gänzlich: Zwar verzichtet er auf jegliche Darstellung privater Aspekte. Die Personen werden auf ihre soziale Rolle reduziert, nicht einmal ihre Vornamen werden genannt. Was außerhalb des Betriebs geschieht, hat wenig Bedeutung. Doch statt zu vereinfachen, folgt Müller dem Vorsatz der „Komplexität statt Vereinfachung [...] Dialektik statt Harmonie“37
Zusammenfassung der Kapitel
1. Heiner Müllers frühe Entscheidung für den Sozialismus: Dieses Kapitel erläutert Müllers Biografie, insbesondere seine Kriegserlebnisse und sein bewusstes Bekenntnis zum Sozialismus in der DDR als Alternative zum Nationalsozialismus.
2. Der Sozialistische Realismus und seine Prinzipien: Es werden die offiziellen kulturpolitischen Vorgaben der SED an die Literatur dargestellt, darunter Forderungen nach Volksnähe, sozialem Optimismus und positiven Helden.
3. „Der Lohndrücker“: Einführung in das Stück, seine Einordnung als Produktionsstück und die kritische Auseinandersetzung mit dem historischen Vorbild Hans Garbe.
3. Das dialektische Prinzip Heiner Müllers im „Lohndrücker“: Vertiefende Analyse der dialektischen Methode Müllers, die den Sozialismus als Prozess begreift und Gegensätze innerhalb der Gesellschaft und der Figuren aufzeigt.
4.2. Umkehrung der Werte?: Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Loyalität zum Staat, persönlicher Integrität und dem widersprüchlichen Verhalten der Akteure im Aufbauprozess.
5. Rezeption des „Lohndrückers“: Darstellung der kontroversen Aufnahme des Stückes in der DDR, die durch zeitweilige Duldung, ideologische Kritik und schließlich das Verschwinden von den Spielplänen gekennzeichnet war.
Schlüsselwörter
Heiner Müller, Der Lohndrücker, Sozialistischer Realismus, DDR-Literatur, Dialektik, Arbeiterheld, Hans Garbe, Produktionsstück, Ideologie, Klassenkampf, Entfremdung, DDR-Kulturpolitik, dialektischer Materialismus, sozialistischer Aufbau, Denunziation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Analyse des Stückes „Der Lohndrücker“ von Heiner Müller und der Frage, wie der Autor das dialektische Prinzip in sein Werk integriert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Auseinandersetzung mit dem Sozialistischen Realismus, die Dekonstruktion der Heldenfigur sowie der Widerspruch zwischen Utopie und DDR-Wirklichkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu zeigen, dass Müller sich den simplifizierenden Vorgaben des Sozialistischen Realismus widersetzt und stattdessen eine komplexe, dialektische Darstellungsweise wählt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl den historischen Kontext der DDR-Kulturpolitik als auch die Struktur und den Figurenaufbau des Dramas untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der dialektischen Verhältnisse, das antagonistische Prinzip im Figurenaufbau und die kritische Beleuchtung des Heldenbildes im Vergleich zum sozialistischen Ideal.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dialektik, Produktionsstück, Sozialistischer Realismus, Arbeiterheld, Denunziation und Identität.
Warum wird Balke als eine ambivalente Figur beschrieben?
Balke ist sowohl ein engagierter Aktivist für den Sozialismus als auch ein Denunziant mit einer belasteten Vergangenheit, was ihn von einem eindimensionalen „positiven Helden“ abhebt.
Welche Rolle spielt Carl Schmitt für die Argumentation?
Schmitt dient als theoretischer Bezugspunkt für das Verständnis der Radikalität von Müllers Freund-Feind-Konstellationen im Figurenaufbau.
- Citar trabajo
- Nadia Matin (Autor), 2007, Das dialektische Prinzip Heiner Müllers am Beispiel seines Stücks "Der Lohndrücker", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136476