Die 10 Merkmale des Projektunterricht nach Gudjons:
(Hierbei handelt es sich um keine Definition des Projektunterricht, sondern, da es sich um eine "offene Lernform" handelt lediglich um eine einkreisende Umschreibung)
Merkmal 1: Situationsbezug und Lebensweltorientierung
Der Gegenstand von Projektunterricht sollten Aufgaben und Problem aus dem "Leben" sein, d.h. es sollte nicht an Schulfächer gebunden sein, weil dies in der Natur nicht der Fall ist. Es sollte an Lebenssituationen orientiert sein und damit Lebensbezug haben. Die erste Legitimation durch die Beteiligten stiftet den Sinn des Projekts. Die Themen eines Projekts enthalten oft konkrete Aufgaben und/oder Probleme, damit gewinnt die praktische Arbeit und die sinnliche Erfahrung einen höheren Stellenwert. Dadurch entsteht aber auch das Gefühl vieler Lehrer mit Projektunterricht überfordert zu sein.
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Inhaltsverzeichnis
Merkmal 1: Situationsbezug und Lebensweltorientierung
Merkmal 2: Orientierung an den Interessen der Beteiligten
Merkmal 3: Selbstorganisation und Selbstverantwortung:
Merkmal 4: gesellschaftliche Praxisrelevanz
Merkmal 5: Zielgerichtete Projektplanung
Merkmal 6: Produktorientiert
Merkmal 7: Einbeziehung vieler Sinne
Merkmal 8: Soziales Lernen
Merkmal 9: Interdisziplinarität
Merkmal 10: Grenzen
Die 3 Stufen:
Realisierungsmöglichkeiten:
Die vier Hauptformen:
Probleme:
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Konzept des Projektunterrichts auseinander, basierend auf den von Herbert Gudjons formulierten Merkmalen. Das primäre Ziel ist es, den Projektunterricht als offene Lernform zu charakterisieren, seine strukturellen Voraussetzungen zu verdeutlichen und sowohl die Chancen als auch die praktischen Herausforderungen für Lehrende und Lernende aufzuzeigen.
- Die theoretische Einordnung des Projektunterrichts anhand der 10 Merkmale nach Gudjons.
- Die Analyse der strukturellen Phasen (Projektinitiative, Projektskizze, Projektplan).
- Die Untersuchung verschiedener Realisierungsformen des Projektunterrichts im Schulalltag.
- Die kritische Reflexion von Problemen und notwendigen Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Projektunterricht.
Auszug aus dem Buch
Merkmal 3: Selbstorganisation und Selbstverantwortung:
Von diesem Merkmal hängt ab, ob der Unterricht Projektunterricht genannt werden kann. Projektunterricht bricht mit der Geringschätzung der Kompetenz der Schüler auf Ebene der Projektplanung, wie es in der traditionellen Schulpädagogik der Fall war. Im Projektunterricht müssen Schüler und Lehrer sich gemeinsam sachkundig machen und notwendige Planungen ableiten.
Allerdings ist auch die Hilfe des Lehrers wichtig, z.B. beim vorschlagen von Verfahrensregeln.
Die Planung muss im Projektunterricht immer offen und revisionsfähig sein, denn Erfahrungen im Prozeß der Durchführung fließen auch als neues Planungselement ein.
Zusammenfassung der Kapitel
Merkmal 1: Situationsbezug und Lebensweltorientierung: Der Projektunterricht sollte Aufgaben aus der Lebenswirklichkeit aufgreifen, die über rein fachgebundene Inhalte hinausgehen, um den praktischen Sinn des Lernens zu stärken.
Merkmal 2: Orientierung an den Interessen der Beteiligten: Projekte sollen die Interessen von Schülern und Lehrern widerspiegeln, die als kumulatives Ergebnis bisheriger Erfahrungen entstehen.
Merkmal 3: Selbstorganisation und Selbstverantwortung: Dieses zentrale Merkmal fordert eine Abkehr von der Lehrerzentrierung und eine gemeinsame, offene Planung, die im Prozess revisionsfähig bleibt.
Merkmal 4: gesellschaftliche Praxisrelevanz: Um Lernen als Werkstattcharakter zu begreifen, sollen Projekte eine Bedeutung über den Lernort Schule hinaus entfalten.
Merkmal 5: Zielgerichtete Projektplanung: Planung im Projektunterricht erfolgt nicht durch starre Vorgaben, sondern durch didaktische Organisation von Handlungssituationen, in denen Mitbestimmung zentral ist.
Merkmal 6: Produktorientiert: Statt klassischer Lernbestandsveränderungen stehen greifbare Ergebnisse mit Gebrauchs- und Mitteilungswert im Zentrum, die öffentlich gemacht werden können.
Merkmal 7: Einbeziehung vieler Sinne: Projektunterricht zielt auf eine ganzheitliche Lernerfahrung ab, bei der körperliche und geistige Arbeit miteinander verbunden werden.
Merkmal 8: Soziales Lernen: Durch die notwendige gegenseitige Rücksichtnahme wird Interaktion zum gleichberechtigten, demokratischen Lernfeld.
Merkmal 9: Interdisziplinarität: Projektunterricht überwindet Fächergrenzen und ermöglicht durch Team-Teaching die Verknüpfung verschiedener Disziplinen.
Merkmal 10: Grenzen: Trotz der Offenheit des Projekts ist eine Integration in methodisch strukturierte Fachunterrichte notwendig, wobei die Messbarkeit individueller Lernerfolge schwierig bleibt.
Die 3 Stufen: Der Projektprozess unterteilt sich in die Initialphase, die Skizzierung des Rahmens und die detaillierte Planung der Arbeitsschritte.
Realisierungsmöglichkeiten: Projektunterricht kann von der Einzelleistung innerhalb einer Klasse bis hin zu schulweiten Formaten unterschiedlich stark in den Schulalltag integriert werden.
Probleme: Die Umsetzung erfordert einen hohen zeitlichen Aufwand und ein hohes Maß an Kooperation, kann jedoch durch fehlende Notengebung und den Bruch mit traditionellen Rahmenplänen zu Herausforderungen führen.
Schlüsselwörter
Projektunterricht, Herbert Gudjons, Selbstorganisation, Lebensweltorientierung, Handlungsfähigkeit, Mitbestimmung, Interdisziplinarität, Produktorientierung, Ganzheitlichkeit, Soziales Lernen, Unterrichtsplanung, Schulpädagogik, Methodenkompetenz, Offener Unterricht, Lernprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Übersicht über die Definition und die zentralen Merkmale des Projektunterrichts basierend auf dem didaktischen Modell von Herbert Gudjons.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Strukturmerkmale des Projektunterrichts, die Phasen der Projektplanung, die notwendige Einbindung der Lernenden sowie die praktischen Voraussetzungen für die Umsetzung im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lehrkräften und Interessierten ein Verständnis dafür zu vermitteln, was Projektunterricht als "offene Lernform" ausmacht und wie man ihn sinnvoll methodisch umsetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine didaktisch-theoretische Aufarbeitung, die auf der Fachliteratur von Herbert Gudjons und Karl Frey basiert, um die wesentlichen Merkmale des Projektunterrichts zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die 10 Merkmale des Projektunterrichts, skizziert die drei Stufen einer Projektentwicklung und diskutiert die unterschiedlichen Realisierungsformen und potenziellen Umsetzungsprobleme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Projektunterricht, Selbstorganisation, Lebensweltorientierung, Interdisziplinarität und Ganzheitlichkeit.
Warum ist die "Offenheit" der Planung so wichtig für das Gelingen eines Projekts?
Die Offenheit ermöglicht es, auf neue Interessen und Lernprozesse zu reagieren, die während der Durchführung entstehen, wodurch das Projekt lebendig und handlungsorientiert bleibt.
Welche besondere Herausforderung ergibt sich durch das Fehlen klassischer Noten?
Da in Projekten oft keine klassischen Tests stattfinden, entfällt der Leistungsdruck, was jedoch auch dazu führt, dass eine individuelle Leistungsbewertung schwierig wird und neue Formen der Evaluation erfordert.
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- Susanne Altmann (Author), 2000, Projektunterricht - Merkmale nach Gudjons, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1364