Diese Seminararbeit beleuchtet zunächst den Zusammenhang von "Ideologie" und "Propaganda" sowie das spezifisch sowjetische Konzept des "Agitprop".
Im Hauptteil werden zunächst Entwicklung und Ausrichtung des sowjetischen Films in Form der "Kriegsfilmmagazine" am Anfang des Zweiten Weltkriegs bzw. des deutschen Überfalls auf die SU betrachtet, dann der eigentliche Propagandafilm von 1942 bis Kriegsende.
Ein Exkurs widmet sich dem Bild der Frau in den Propagandafilmen; abschliessend werden die Konstruktion des filmischen "Kriegshelden" und die Überhöhung Stalins als mythische Filmfigur analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ideologie und Propaganda
2.1. Propaganda
2.2. Ideologie
2.3. Agitprop
2.4. Ideologie und Propaganda im Film
2.5. Ideologie und sowjetischer Spielfilm
3. Der „Grosse Vaterländische Krieg“ im sowjetischen Spielfilm
3.1. Die Film – Entwicklung
3.2. Neue Situation – Alte Filme
3.3. Die Kriegsfilmmagazine 1941 – 1942
3.4. Der sowjetische Kriegsfilm 1942 – 1945
3.4.1. Exkurs: Frauenbilder auf der Leinwand
3.5. Heldengeschichten
3.6. Stalin als mythische Filmfigur
4. Eine kurze, kritische Literaturanalyse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie die sowjetische Führung unter Stalin die Filmindustrie während des Zweiten Weltkriegs nutzte, um den Krieg ideologisch zu verklären, und analysiert dabei den Einfluss staatlicher Kontrolle auf die filmische Ausdrucksform sowie die Entwicklung der zentralen filmischen Formate.
- Theoretische Grundlagen von Ideologie und Propaganda im sowjetischen Kontext
- Staatliche Einflussnahme und Kontrolle über die sowjetische Filmproduktion
- Die Rolle und Funktion der sogenannten Kriegsfilmmagazine von 1941 bis 1942
- Die Entwicklung des sowjetischen Kriegsspielfilms zwischen 1942 und 1945
- Die Inszenierung Stalins als mythische Filmfigur sowie die Darstellung von Frauenbildern und Helden
Auszug aus dem Buch
3.2. Neue Situation – Alte Filme
Der Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion im Juni 1941 traf das riesige Land nicht nur ökonomisch und militärisch, sondern auch in cineastischer Hinsicht äußerst überraschend. Spätestens ab September 1941 war es in Leningrad und Moskau durch den deutschen Vormarsch und die damit verbundenen Luftangriffe unmöglich, die Filmproduktionen fortzusetzen23. Die Produktionen wurden in die zentralasiatischen Städte Taschkent, Aschkhabad und Stalinabad, das heutige Duschanbe, verlegt. Besonders das kasachische Alma – Ata erlangte Bedeutung durch die Verlegung der Mosfil’m und der Lenfil’m. Bereits existierende Filmindustrien in den kaukasischen Städten Tbilisi, Baku und Erwian wurden durch den Krieg aufgewertet24. Die Situation der Kinobetriebe selbst war weitaus dramatischer als die der Studios: 1940 besaß die Sowjetunion noch 17.600 Filmprojektoren, im Januar 1942 funktionierten jedoch nur noch knapp 8.000, ein Jahr später sogar nur noch gute 6.000, der Rest war durch die Kriegseinwirkungen zerstört oder unbenutzbar geworden.
Doch diese Zahlen zeigen nicht, wieviele Filmprojektoren tatsächlich für die Bevölkerung noch zugänglich waren, denn ein Grossteil wurde von der Armee für den Einsatz an der Front requiriert, ein weiterer Teil funktionierte nicht aufgrund des Ausfalls im Stromnetz und zudem gab es nur wenige qualifizierte Techniker, die die Geräte reparieren und / oder bedienen konnten. So sank die Zahl der Kinobesucher von 1940 bis 1942 von 436 auf 292 Millionen Zuschauer, ein dramatischer Rückgang für ein Volk, dessen einziges Amusement und einzige Möglichkeit, dem fürchterlichen Alltag wenigstens für ein paar Stunden zu entfliehen, eigentlich nur das Kinoprogramm war25.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Auswirkungen des deutschen Angriffs 1941 auf die sowjetische Filmindustrie und legt die Zielsetzung dar, die Manipulation und Verklärung des Krieges durch die stalinistische Führung zu untersuchen.
2. Ideologie und Propaganda: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Kernbegriffe Ideologie und Propaganda und erläutert deren systematische Anwendung im totalitären Kontext sowie deren spezifische Bedeutung im sowjetischen Film.
3. Der „Grosse Vaterländische Krieg“ im sowjetischen Spielfilm: Dieses Kapitel analysiert detailliert die filmische Entwicklung, die staatliche Kontrolle über die Produktion, die Rolle der Kriegsfilmmagazine und die Inszenierung zentraler Figuren wie Stalin im Spiegel der Kriegsereignisse.
4. Eine kurze, kritische Literaturanalyse: Dieser Abschnitt vergleicht die unterschiedlichen Forschungsansätze von Lars Karl und Neja Zorkaja hinsichtlich ihrer Bewertung des propagandistischen Einflusses auf den sowjetischen Kriegsfilm.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die sowjetische Filmproduktion im Zweiten Weltkrieg unter totalitärer Kontrolle stand und die Inszenierung des Krieges sowie Stalins als „genialer Stratege“ ein zentrales politisches Instrument war.
Schlüsselwörter
Sowjetunion, Zweiter Weltkrieg, Filmpropaganda, Stalinismus, Kriegsfilmmagazine, Kriegsspielfilm, Ideologie, Agitprop, staatliche Kontrolle, Filmzensur, Heldenmythos, Frauenbilder, Sowjetische Filmindustrie, Kulturpolitik, Patriotismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle des sowjetischen Propagandakriegsfilms während des Zweiten Weltkriegs und untersucht, wie die Führung unter Stalin die Filmindustrie zur ideologischen Steuerung der Bevölkerung einsetzte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Definition von Ideologie und Propaganda, die staatliche Kontrolle der Filmproduktion, die Funktion der Kriegsfilmmagazine sowie die mythische Überhöhung Stalins.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Drehbücher und Filme manipuliert wurden, um den Krieg propagandistisch zu verarbeiten und die agitatorische Ausdrucksform den Bedürfnissen der stalinistischen Staatsführung anzupassen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse und einen Vergleich existierender Forschungswerke, ergänzt durch die Analyse konkreter Filmbeispiele und ihrer zeitgenössischen Entstehungsbedingungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Entwicklung der Filmproduktion nach 1941, der Bedeutung der Kriegsfilmmagazine, der Evolution des Spielfilms von 1942 bis 1945 sowie der Analyse der Darstellung von Helden und Frauenbildern.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Propaganda, Stalinismus, staatliche Filmkontrolle, Kriegsfilmmagazine und die Inszenierung des Krieges als "Großer Vaterländischer Krieg".
Inwiefern beeinflusste die Militärlage die sowjetische Filmproduktion?
Die sich stetig ändernde militärische Lage zwang die Filmindustrie zur ständigen Anpassung. Da Produktionen lange dauerten, hinkten Filme oft der aktuellen Situation hinterher, was zu einer hohen ideologischen Starrheit führte.
Welche Rolle spielte Stalin in der Gestaltung der Filme?
Stalin agierte als oberster Zensor, der persönlich Drehbücher begutachtete, Korrekturen vornahm und die Darstellung des Krieges sowie seine eigene Figur als mythischer Stratege maßgeblich beeinflusste.
Wie unterscheidet sich die Forschungsmeinung von Zorkaja und Karl?
Während Karl die totale propagandistische Kontrolle und Instrumentalisierung betont, neigt Zorkaja stärker dazu, auch den Filmschaffenden eine gewisse künstlerische Freiheit zuzugestehen, was die Arbeit kritisch diskutiert.
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- Tobias Hekermann (Author), 2007, Sowjetische Propagandafilme im Zweiten Weltkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136513