Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Rollenveränderungen von Familien und speziell Vätern und die Auswirkungen auf das familiäre Zusammenleben, das Berufsleben und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Daraus resultierend werden Forderungen an die Sozialpolitik dargestellt, welche systemischen Veränderungen es braucht, damit Männer mit ihren sich verändernden Rollenverständnissen unterstützt werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Familienformen im Wandel
2.1 Definition Familie
2.2 Verschiedene Familienformen
2.3 Wandel der Familienformen
3 Männer in Familien
3.1 Geschichtliche Betrachtung der Rolle von Vätern
3.2 Rollen von Vätern heute
3.3 Lücke zwischen Wunsch und Realität
3.4 Leistungen von Politik und Gesellschaft
3.4.1 Elterngeld und ElterngeldPlus
3.4.2 Teilzeitbeschäftigung von Männern
3.4.3 Familienfreundliche Unternehmenspolitik
3.4.4 Kinderbetreuung im Kindertagesstätten- und Hortbereich
4 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel familiärer Lebensformen und analysiert die sich verändernde Rolle von Vätern in der modernen Gesellschaft. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit und der gelebten Realität aufzuzeigen sowie sozialpolitische Handlungsbedarfe zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Väter zu formulieren.
- Pluralisierung familialer Lebensformen und deren soziologische Hintergründe
- Geschichtliche Entwicklung und heutige Rollenbilder von Vätern
- Analyse der Lücke zwischen Wunschvorstellung und tatsächlicher Rollenverteilung bei Männern
- Politische Instrumente zur Förderung der Väterbeteiligung (Elterngeld, Betreuungsinfrastruktur)
- Bedeutung einer familienfreundlichen Unternehmenspolitik für eine gelebte Vaterschaft
Auszug aus dem Buch
3.1 Geschichtliche Betrachtung der Rolle von Vätern
Die Wunschvorstellung von Vätern hat sich in den letzten Jahren vom abwesenden Ernährer der Familie hin zu einem präsenten Vater verändert. Das „neue“ Rollenverständnis von Vätern, welche die Kindererziehung und die Erwerbstätigkeit partnerschaftlich mit dem*r Partner*in teilen, ist geschichtlich betrachtet jedoch kein neues Bild.
Bereits in der Frühen Neuzeit war ein Rollenbild von Vätern vertreten, dass genau diese Merkmale aufgreift. Kinder waren in dieser Zeit Eigentum vom Vater und Erziehungs- und Fürsorgeaufgaben wurden daraus resultierend von ihnen übernommen. Dies wurde vor allem durch die Überschneidung von Arbeits- und Wohnraum bedingt, da Väter hierdurch kaum eine räumliche Trennung hatten und somit Aufgaben der Kinderbetreuung wahrnehmen konnten (vgl. Possinger 2013, S. 14). Ähnliche Rollenverständnisse gab es in der Zeit der Aufklärung. Hier wurden Väter als Hauptadressanten von Erziehungsaufgaben und -empfehlungen gesehen. Dies spiegelt sich beispielsweise in den Schriften von Jean-Jacques Rousseaus wider, der die Rolle von Vätern in den Mittelpunkt stellt (vgl. ebd.). Väter hatten in dieser Zeit eine zärtliche und emotionale Fürsorge, was auch das damalige Bild der Männlichkeit stark beeinflusste.
Die Rollenveränderung hin zum Ernährer der Familie erfolgte Mitte des 19. Jahrhunderts zur Zeit der Industrialisierung. Männer wurden nun über die Fokussierung und den Erfolg in der Arbeitswelt definiert und durch die räumliche Trennung wurde dem Vater eine abwesende Rolle zugesprochen. Hierbei wurden ihm jetzt Eigenschaften des Familienoberhaupts zugeordnet, die sich in der Kindererziehung durch Autorität, Stränge und Distanz äußerten. Dieses Bild, was sich in den darauffolgenden Jahrhunderten festigte, wurde durch Psychologen und Soziologen irgendwann als eine Konstante in der Geschichte beschrieben und die Rolle von Vätern in traditionellen Kleinfamilien wurde daraus bestimmt (vgl. Meuser 2012, S. 65-67).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den aktuellen gesellschaftlichen Wandel von Geschlechterrollen sowie die daraus resultierende Notwendigkeit für die Sozialpolitik, Rahmenbedingungen für neue väterliche Rollenbilder zu schaffen.
2 Familienformen im Wandel: Das Kapitel definiert den Begriff Familie im Diskurs, zeigt die empirische Vielfalt heutiger Lebensformen auf und analysiert die Ursachen für die Entkopplung von biologischer und sozialer Elternschaft.
3 Männer in Familien: Dieses Kapitel untersucht die historische Entwicklung der Vaterrolle und analysiert aktuelle Erwerbsmodelle sowie die Hindernisse zwischen dem Wunsch nach partnerschaftlicher Aufteilung und der Realität.
4 Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz einer Werteveränderung in der Gesellschaft weitergehende politische Maßnahmen und eine höhere Unternehmenskultur für Väter notwendig sind, um echte Vereinbarkeit zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Familienformen, Rollenverständnis, Väter, Sozialpolitik, Elterngeld, Vereinbarkeit, Teilzeitbeschäftigung, Familienfreundliche Unternehmenspolitik, Kinderbetreuung, Geschlechterrollen, Arbeitszeitmodelle, Väterbeteiligung, Erwerbstätigkeit, Pluralisierung, Work-Life-Balance
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem Wandel familialer Lebensformen und der Rolle von Vätern in der heutigen Gesellschaft, insbesondere im Hinblick auf deren Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Anforderungen an die Sozialpolitik.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Pluralisierung von Familienformen, der historischen und aktuellen Entwicklung des Vaterbildes, dem Einfluss von Arbeitszeitmodellen sowie der Rolle der staatlichen und betrieblichen Infrastruktur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen und sozialpolitische Leistungen angepasst werden müssen, um Vätern eine aktivere Teilhabe an der Kinderbetreuung zu ermöglichen und bestehende Hindernisse abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und relevante Studien sowie statistische Daten heranzieht, um den Wandel der Väterrolle und die sozialpolitische Situation zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert erläutert?
Im Hauptteil werden der Wandel der Familienbegriffe, die historische Entwicklung der männlichen Geschlechterrolle, die Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität bei Vätern sowie Instrumente wie das Elterngeld und betriebliche Maßnahmen zur Familienfreundlichkeit diskutiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Keywords wie Familienformen, Väterrolle, Sozialpolitik, Vereinbarkeit, Elterngeld und flexible Arbeitszeitmodelle treffend beschreiben.
Welche Rolle spielt die betriebliche Ebene bei der Vereinbarkeit?
Unternehmen haben eine Vorbildfunktion; eine familienfreundliche Unternehmenskultur, die auch Väter explizit anspricht und flexible Arbeitsmodelle wie Home-Office oder Jobsharing fördert, ist entscheidend für den Abbau von Vorurteilen.
Warum wird die Betreuungslücke als zentrales Hindernis identifiziert?
Eine gesicherte Kinderbetreuung ist die Grundvoraussetzung für die Erwerbstätigkeit beider Elternteile. Lange Wartelisten und mangelnde Öffnungszeiten zwingen Väter oft in traditionelle Hauptverdiener-Rollen, entgegen ihrer tatsächlichen Wunschkonstellation.
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- Natascha Gröger (Author), 2021, Familienformen im Wandel. Die Rolle von Vätern und ihre Auswirkungen auf die Sozialpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1365438