Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit Care Leavern als Adressat:innen der Sozialen Arbeit, geht auf die Herausforderungen der Statuspassage Leaving Care ein und arbeitet die zusammenhängende Bedeutung der Herkunftsfamilie heraus.
Eine bedeutende Gruppe von volljährigen Adressat:innen der Sozialen Arbeit stellen sogenannte Care Leaver dar. Junge, bedürftige Menschen, die in stationären Jugendeinrichtungen oder Pflegefamilien aufgewachsen sind und anschließend diese Fremdunterbringung wieder verlassen, werden als Care Leaver bezeichnet. Die Kinder und Jugendlichen sind in ihrer Kindheit in sozial prekären Lebenssituationen aufgewachsen und erhielten dahingehend Hilfen zur Erziehung. Nach Beendigung der Jugendhilfemaßnahmen befinden sich die jungen Menschen im Übergang in ein selbstständiges Leben. Häufig erhalten die Menschen in der Übergangsphase keine familiären Hilfen und werden aufgrund ihrer hohen Unterstützungsbedürftigkeit als Adressatengruppe der Sozialen Arbeit aufgefasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsdefinitionen und -erläuterungen
2.1 Care Leaver
2.2 Familie
3 Herausforderungen der Statuspassage Leaving Care
4 Die Bedeutung der Herkunftsfamilie
4.1 Leben außerhalb von „klassischen Familienstrukturen“
4.2 Bedeutung der Herkunftsfamilie im Übergang
5 Care Leaver als AdressatInnen
6 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifischen Herausforderungen von Care Leavern beim Übergang aus stationären Erziehungshilfen in ein selbstständiges Erwachsenenleben, wobei ein besonderer Fokus auf die Bedeutung der Herkunftsfamilie und deren Einfluss auf den gelingenden Übergang gelegt wird.
- Definition und Lebenssituation von jungen Erwachsenen nach der Fremdunterbringung (Care Leaver).
- Analyse der Statuspassage "Leaving Care" als kritischer Übergangsprozess.
- Bedeutung von Herkunftsfamilien sowie alternativer familiärer Konstruktionen.
- Die konstruierte Rolle von Care Leavern als AdressatInnen der Sozialen Arbeit.
- Notwendigkeit von professioneller Unterstützung und Beziehungsfähigkeit.
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der Herkunftsfamilie im Übergang
„In der Statuspassage Leaving Care bleibt die Herkunftsfamilie als wichtiger realer oder imaginärer Referenzpunkt erhalten.“ (Groinig & Sting, 2020, S. 4) Die Beziehungen aus der Betreuungszeit hingegen verlieren in dieser Phase häufig an Bedeutung. Bei dem Übergang in ein eigenständiges Leben finden Neuorientierungen und Neubewertungen von sozialen Beziehungen statt, „in de[nen] auch das Verhältnis zur Herkunftsfamilie überprüft und in einigen Fällen revidiert wird“ (ebd.). Fälle belegen, dass Care Leaver in der Übergangsphase häufig den Kontakt zu ihrer Herkunftsfamilie suchen und eine Rückkehr in die Familie „dabei ungeplant und außerhalb des Fokus der Jugendhilfe statt[findet]“ (ebd.). Care Leaver erhoffen sich durch familiäre Unterstützung Sicherheit im Übergang zu erlangen und streben die Verbesserung des Familienverhältnisses an.
Die Familienbeziehungen geben den jungen Menschen trotz vergangener Brüche häufig „ein Gefühl von Kontinuität, Beständigkeit und Zugehörigkeit, […] [das] für eine gesunde Entwicklung und für die Identitätsbildung förderlich ist“ (ebd., S. 8). Das Verhältnis zu der Herkunftsfamilie bietet somit im Falle einer Wiedervereinigung Sicherheit und Stabilität in der Verselbstständigungsphase. Durch den familiären Rückhalt erleichtert es den jungen Menschen den Weg in Richtung Autonomie zu finden. Bei Unsicherheiten oder Schwierigkeiten können sie auf die Hilfe ihrer Herkunftsfamilie zurückgreifen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Sozialen Arbeit mit jungen Erwachsenen ein und identifiziert Care Leaver als eine Zielgruppe, die nach der Fremdunterbringung vor besonderen Herausforderungen steht.
2 Begriffsdefinitionen und -erläuterungen: Es werden die zentralen Begrifflichkeiten Care Leaver sowie das moderne Familienverständnis definiert und theoretisch eingeordnet.
3 Herausforderungen der Statuspassage Leaving Care: Dieses Kapitel beleuchtet den Übergangsprozess in die Eigenständigkeit und die damit verbundenen strukturellen sowie biografischen Hürden.
4 Die Bedeutung der Herkunftsfamilie: Hier wird der Stellenwert der Herkunftsfamilie für Care Leaver analysiert, wobei auch alternative Familienkonzepte wie "Doing Family" betrachtet werden.
5 Care Leaver als AdressatInnen: Das Kapitel erläutert, wie Care Leaver durch ein Zusammenspiel zwischen professioneller Sozialer Arbeit und ihren eigenen Lebenslagen als AdressatInnen konstruiert werden.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und betont die Notwendigkeit stabiler Beziehungen und professioneller Unterstützung für das Gelingen des Übergangs.
Schlüsselwörter
Care Leaver, Soziale Arbeit, Übergang, Jugendhilfe, Statuspassage, Herkunftsfamilie, Fremdunterbringung, Verselbstständigung, Adoleszenz, Familienkonzepte, AdressatInnen, Biografie, Autonomie, Unterstützungssysteme, Erziehungshilfe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von ehemaligen Bewohnern stationärer Jugendeinrichtungen, den sogenannten Care Leavern, beim Übergang in ein eigenständiges Leben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Lebensrealität von Care Leavern, die Bedeutung familiärer Beziehungen sowie die Rolle der Jugendhilfe während dieser kritischen Übergangsphase.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die spezifischen Anforderungen und Herausforderungen dieses Übergangs zu identifizieren und die Rolle der Herkunftsfamilie sowie der professionellen Begleitung zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und wissenschaftliche Fachmodelle zu Sozialer Arbeit und Familienforschung integriert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt die Definition der relevanten Begriffe, die theoretischen Modelle der Statuspassage Leaving Care, die Bedeutung der Herkunftsfamilie sowie die konstruierte Adressatenrolle in der Sozialen Arbeit ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Care Leaver, Statuspassage Leaving Care, Fremdunterbringung, Autonomie, Jugendhilfe und Familienbeziehungen.
Wie unterscheidet sich der Übergang von Care Leavern von dem Gleichaltriger?
Im Gegensatz zu Gleichaltrigen, die oft auf den Rückhalt ihrer Herkunftsfamilie zählen können, müssen Care Leaver den Weg in die Autonomie häufig früher und ohne familiäre Unterstützung bewältigen.
Welche Bedeutung haben die Konzepte "Doing Family" für diese Zielgruppe?
Diese Konzepte verdeutlichen, dass Care Leaver sich auch abseits klassischer Vorstellungen eigene Familienbilder und soziale Netzwerke schaffen, die Sicherheit und Zugehörigkeit vermitteln.
Warum ist das Fazit für die Praxis relevant?
Das Fazit unterstreicht, dass professionelle Unterstützung notwendig ist, um die Mängel an emotionalem und praktischem Rückhalt aus der Herkunftsfamilie auszugleichen und den Übergang zu stabilisieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Care Leaver und selbstständiges Leben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1366788