Themenzentrierte Interaktion von Cohn - Anwendung in einem Mitarbeitergespräch


Hausarbeit, 2008

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung: Thema, Ziel und Aufbau dieser Arbeit

2 Das Modell der Themenzentrierten Interaktion
2.1 Was ist TZI?
2.2 Kurze Darstellung der wissenschaftlichen Kritik
2.3 Aktueller Stand der TZI

3 Die TZI in der Praxissituation
3.1 Fragestellung
3.2 Beschreibung der Gruppensituation
3.3 TZI in dieser Gruppensituation
3.4 Ergebnis und Schlussfolgerung

4 Abschluss: Zusammenfassung und Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

1 Einführung: Thema, Ziel und Aufbau dieser Arbeit

In dieser Arbeit wird das Modell der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth Cohn sowohl in der Theorie als auch in Praxis betrachtet.

Die TZI als Modell für die Gruppenarbeit wurde auf dem Wertehintergrund der Humanistischen Psychologie entwickelt und bietet für das Leiten von Lern- und Arbeitsgruppen durch Postulate und Hilfsregeln konkrete Anlei-tungen für die Umsetzung der Leitlinien der TZI, den Axiomen, mit der TZI-Gruppe. Ziel der TZI ist, lebendiges Lernen in einer angstfreien, wert-schätzenden Umgebung durch Interaktion der Gruppenmitglieder zu ermög-lichen. In wie weit dieses Modell der Gruppenarbeit im Alltag herangezogen werden kann, soll durch die Anwendung der TZI in einer Gruppensituati-on geprüft werden. Ziel der Arbeit ist, die"Praxistauglichkeit" der TZI zu analysieren.

Im folgenden Kapitel 2 (S.3ff) wird das Modell der Themenzentrierten In-teraktion nach Ruth Cohn dargestellt. Hierbei beschränke ich mich auf die Beschreibung theoretischen Aspekte und gehe nicht tiefer auf die Entste-hungsgeschichte ein. Im Anschluss werden Kritikpunkte an der TZI und der gegenwärtige Stand des Modells beschrieben. Danach richtet sich der Blick in Kapitel 3 (S.9ff) auf die Praxissituation: die Anwendung des Modells in einem Mitarbeitergespräch, präziser: in einer Gruppensituation. Zunächst wird der Hintergrund und die Fragestellung zu dieser Anwendung näher er-läutert. Nach der Beschreibung der Situation wird das theoretische Modell der TZI an den Praxis-Beobachtungen vorbeigeführt, das Ergebnis formu-liert und die Schlussfolgerung gezogen. Als abschlieÿende Schritte ziehe ich in Kapitel 4 (S.16ff) nach einer Zusammenfassung mein Fazit.

2 Das Modell der Themenzentrierten Interaktion

2.1 Was ist TZI?

"Themenzentrierte Interaktion (TZI), bezeichnet ein Verfah-ren der Gruppenleitung und Gruppenarbeit, bei dem unter Be-achtung bestimmter Regeln versucht wird, Thema, Individuum und Gruppe (die häufig konkurrierenden Gröÿen) in Balance zu bringen. Ziel des Verfahrens der TZI ist es u.a., >>lebendiges Ler-nen<< durch angstfreie Interaktion zu ermöglichen."

definiert Klaus Mutschler die TZI in Dorsch, 1982, S.685. TZI ist also"eine Methode des lebendigen Lernens" (Langmaack, 2004, S.15), deren Ziel es ist, dass eine Aufgabe bzw. ein Thema (ES) von jedem Individuum mit sei-nen Bedürfnissen (ICH) interagierend in einer Gruppe (WIR) in einer wert-schätzenden Umgebung erarbeitet werden kann. Dabei wird die Aufgabe, die Zielsetzung, der Lernstoff, also das Thema in den Mittelpunkt der Grup-penarbeit gestellt (Themenzentrierung) und dieses durch Zusammenarbeit und Austausch (Interaktion) aller Beteiligten der Gruppe bearbeitet.

Ein Faktor fehlt jedoch in der oben stehenden Definition: der GLOBE. Das Bearbeiten des Themas findet nicht in einem isolierten Bereich statt. Auch Gegebenheiten der mittelbar und unmittelbar spür- und sichtbaren Umwelt (GLOBE) wirken sich auf die Gruppe und das Individuum aus. Der GLOBE umfasst alle situativen, kulturellen, gesellschaftlichen, philosophischen und religiösen Umgebungsbedingungen (Reiser & Dlugosch, 2007, S.8), die die Aktionen des ICH und des WIR beeinflussen. Und somit auch Auswirkung darauf haben, wie das Thema behandelt wird.

In der Gruppenarbeit im Rahmen der TZI sollen diese vier Faktoren, ICH, WIR, ES und GLOBE, in Balance gehalten werden. Dies ist ein wesentli-cher Unterschied zu anderen Formen der Gruppenarbeit wie zum Beispiel Gruppendynamik, Gruppenpsychotherapie oder Gruppenpädagogik (Reiser & Dlugosch, 2007, S.6), bei denen der einzelne Faktor Thema, Individuum oder Gruppe im Vordergrund steht. Die angestrebte Balance wird durch das Bild verdeutlicht. Dieses TZI-Dreieck wurde von Ruth Cohn, von der das Kon-zept der Themenzentrierten Interaktion stammt, selbst entwickelt. Aus einer Nachts erträumten gleichseitigen Pyramide (einem Tetraeder), deren vier gleichgroÿen Flächen die vier gruppenarbeitbestimmenden Faktoren dar-stellen, wurde ein Dreieck umgeben von einem Kreis (Langmaack, 2004, S.49f). Die Theorie und die Methode der Themenzentrierten Interaktion bildete sich aus Ruth Cohns Biographie und den Beobachtungen ihrer psy-chotherapeutischen Praxis in den USA heraus. Die"TZI ist sehr beeinflusst von der Psychoanalyse und auch sehr beeinflusst von der geschichtlichen Situation des Nationalsozialismus." sagt Ruth Cohn in Cohn & Heidbrink, 1992.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: TZI-Dreieck

Ruth Cohn ist eine Vertreterin der humanistischen Psychologie. Ihre huma-nistische Überzeugung war bei der Entwicklung der TZI von entscheidender Bedeutung. Das humanistische Menschenbild findet in den durch die Axio-me formulierten Richtlinien, den Postulaten und den Hilfsregeln der TZI Ausdruck. Ruth Cohn erweiterte jedoch die Forderung >>sapere aude<< der Aufklärung um den körperlichen Aspekt: "Bediene dich ebenso deiner Ge-fflhle und der Signale deines Körpers." (Langmaack, 2004, S.36).

Die grundlegende Haltung der TZI beinhaltet eine wertgebundene Lebens-auffassung: die Anerkennung und Achtung des Einzelnen und allem Leben-digem. Durch die Verkörperung dieser Werte und die Nutzung der Postulate und Hilfsregeln der TZI wirkt der Gruppenleiter entsprechend auf die Ar-beit der Gruppe ein. Dabei hat er zum einen die Leitungsverantwortung, ist zum anderen gleichzeitig Mitglied der Gruppe mit allen Rechten, die allen anderen Gruppenteilnehmern ebenfalls zustehen. Ein >>Primus inter pares<<,der zugleich alle Ecken des TZI-Dreiecks im Blick behalten und umsichtig agieren und auf die Aktionen der Gruppenteilnehmer reagieren muss.

Drei Axiome bilden die Leitlinien der TZI, sind also die Grundlagen der Theorie. Ohne ihre Formulierung würde die TZI lediglich eine beliebige Me-thode oder Technik für Gruppenarbeiten sein, losgelöst von allen ethischen Werten der TZI. Auf den Axiomen aufbauend sind für das Modell der TZI-Gruppenarbeit zwei Postulate formuliert. Für die Umsetzung in der prak-tischen Situation stehen als Technik Hilfsregeln zur Verfügung. Sowohl die Postulate als auch die Hilfsregeln sind als Angebot an die Gruppen-teilnehmer zu verstehen. Hiermit sollen die durch die Axiome formulierten Grundwerte der TZI in der Praxis umgesetzt werden können.

Die Axiome beziehen sich gegenseitig aufeinander und sind so aufgebaut, dass in ihnen als einer Synthese jeweils eine These und eine Gegenthese for-muliert ist (Reiser & Dlugosch, 2007, S.21).

In dem 1. Axiom, dem existenziell-anthropologische Axiom, kommt zum Ausdruck, dass der Mensch zugleich autonom als auch interdependent ist. Seine Autonomie wächst mit dem Maÿe wie er sich seiner Interdepen-denz bewusst wird.

Im Mittelpunkt der 2. Axiom, dem ethisch-sozialen Axiom, steht die Ehrfurcht vor allem Lebendigem und seinem Wachstum. Humanes ist wert-voll, Inhumanes wertbedrohend.

Das 3. Axiom, das pragmatisch-politische Axiom, besagt, dass freie Ent-scheidungen innerhalb innerer und äuÿerer Grenzen, die erweitert werden können, getroffen werden.

Die beiden Postulate sind sich aus den Axiomen ergebende Appelle. Sie bieten eine Anleitung für das Leben der Grundwerte im Alltag an.

Mit dem Postulat "Sei Dein eigener Chairman/Chairwoman, sei die Chairperson deiner selbst" wird das Individuum aufgefordert, die Ver-antwortung für sich selbst zu übernehmen. Dazu gehört, mit allen Sinnen die eigenen Befindlichkeiten wie Gedanken, Gefühle, Wünsche wahrzuneh-men, die äuÿeren Gegebenheiten im Blick zu haben und Entscheidungen zu treffen. Der Mensch soll sich selbst mit allen Ideen und Zielen wichtig nehmen und bestimmen, welche Aussage oder Tat wichtig ist.

Das Postulat Störungen haben Vorrang spricht das Prinzip der Arbeits-fähigkeit an. Durch Störungen, die das lebendige Lernen behindern wie z.B. Seitengespräche, folgen die Beteiligten nicht dem Thema und stören die restlichen Gruppenteilnehmer ebenfalls bei der Themenbearbeitung. Die Störung würde nicht entstehen, wenn sie nicht wichtig wäre. Um wieder arbeitsfähig zu werden, muss die Störung zunächst beseitigt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Themenzentrierte Interaktion von Cohn - Anwendung in einem Mitarbeitergespräch
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V136685
ISBN (eBook)
9783640448197
ISBN (Buch)
9783640448388
Dateigröße
1318 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
TZI, Themenzentrierte Interaktion, Bildungswissenschaft, Ruth Cohn, Gruppe
Arbeit zitieren
Lucie Wollenweber (Autor), 2008, Themenzentrierte Interaktion von Cohn - Anwendung in einem Mitarbeitergespräch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136685

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