Dass der Lebensstandard eines unter Hartz IV Bedingungen lebenden Kindes unter dem von Kindern aus besser situierten Verhältnissen liegt, scheint ohne genauere Untersuchung bereits klar.
Aber um festzustellen, wie dieser Lebensstandard genau aussieht, was ihn ausmacht und was für kritische Einflüsse auf die Entwicklung des Kindes von ihm ausgehen, bedarf es einer genaueren Analyse der sozioökonomischen, kulturellen, familiären und emotionalen Rahmenbedingungen, die sich ergeben, wenn eine Familie in relativer Armut lebt.
Zunächst sollen die Begriffe Lebensstandard, relative Armut und Hartz IV geklärt werden. Daraufhin wird der generelle Lebensstandard von Kindern unter Hartz IV Bedingungen beleuchtet und auf seine negativen Auswirkungen hin untersucht. Dies erfolgt – nachdem die Hartz IV Regelsätze kurz umrissen werden – indem zuerst materielle Beeinträchtigungen und dann Beeinträchtigungen auf der kulturellen, sozialen und emotionalen Ebene, die sich durch Hartz IV ergeben, betrachtet werden. Im Anschluss beschäftigt sich die Arbeit mit Problembewältigungsmustern von Kindern und von Eltern. Dabei wird zunächst thematisiert, wie Kinder Armut wahrnehmen, wie sie damit umgehen und was für Möglichkeiten sich ihnen bieten, aktive Bewältigungsstrategien anzuwenden.
Daraufhin sollen die oft kritischen Lebensbedingungen der Eltern skizziert werden, um Erklärungen für deren Lage und Verhalten zu liefern. Abschließend werden im Resümee die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und in Verbindung mit Erkenntnissen aus der eigenen praktischen Tätigkeit und dem Gesamtkontext von Kinderarmut gebracht.
Die Grundlage der Analyse bilden die 2005 von Chassé, Rasch und Zander durchgeführten Fallstudien mit Kindern und Eltern, die in relativer Armut leben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Begrifflichkeiten
2. Lebensstandardanalyse
2.1 Hartz IV: Wieviel Geld zur Verfügung steht
2.2 Beeinträchtigungen auf materieller Ebene
2.3 Beeinträchtigungen im Entwicklungspotential
2.4 Wie Kinder Armut wahrnehmen und damit umgehen
2.5 Lage der Eltern
3. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den Lebensalltag von Kindern aus Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind, und untersucht die sozioökonomischen, kulturellen und emotionalen Auswirkungen dieser Armut auf die kindliche Entwicklung und Bewältigungsstrategien.
- Analyse des Einflusses von Hartz IV auf die materielle Grundversorgung.
- Untersuchung der Auswirkungen von Armut auf Bildungschancen und Entwicklungspotenziale.
- Erforschung kindlicher Wahrnehmungs- und Bewältigungsmuster in Notsituationen.
- Darstellung der psychosozialen Belastungen der Eltern und deren Auswirkungen auf das Familienklima.
- Kritische Reflexion der sozialen Ungerechtigkeiten durch das Hartz-Konzept.
Auszug aus dem Buch
2.4 Wie Kinder Armut wahrnehmen und damit umgehen
Dass Kinder die eigene Armut wahrnehmen und sich auch vorstellen können, was es bedeutet, arm zu sein, wurde von Chassé, Rasch und Zander durch ihre Kinderinterviews bestätigt (vgl. Chassé et al., S. 134). Generell fällt es ihnen sehr schwer die fehlenden oder minderen Ressourcen vor anderen Kindern und Erwachsenen einzugestehen, da sie befürchten jene Mängel nicht mit anderen Werten kompensieren zu können und stattdessen sozial ausgegrenzt zu werden (vgl. ebenda, S. 125).
Im Umgang mit der finanziellen Notlage fällt auf, dass Erwachsene und Kinder sehr unterschiedliche Problembewältigungsstrategien anwenden und auch verschiedene Perspektiven bezüglich der jeweiligen Bereiche haben (vgl. ebenda). So spüren Eltern den finanziellen Mangel, wenn es schwer fällt, dem Kind eine ausgewogene und gesunde Ernährung zu bieten, während das Kind eher dazu neigt, den Mangel daran festzumachen, dass sie kaum oder nie Süßigkeiten oder Fast Food gekauft bekommen, weil es zu teuer ist. Ebenso verhält es sich mit der Kleidung, da Kinder möglichst „coole“ Markenkleidung tragen möchten, die jedoch übermäßig teuer ist, während die Eltern auf funktionale, wetterfeste Kleidung bedacht sind (vgl. ebenda, S. 116).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Kinderarmut unter Hartz IV Bedingungen ein und legt den Fokus auf die sozioökonomischen sowie psychologischen Auswirkungen auf das Kind.
2. Lebensstandardanalyse: Dieses Kapitel untersucht die materiellen und immateriellen Defizite, die Hartz IV für Kinder mit sich bringt, und analysiert die Bewältigungsstrategien von Kindern sowie die prekäre Lage der Eltern.
3. Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass das Hartz-Konzept eine soziale Armutsfalle für Kinder und Alleinerziehende schafft, die eine Chancengleichheit in der Praxis verhindert.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Hartz IV, Lebensstandard, soziale Ausgrenzung, relative Armut, Bildungsbenachteiligung, Sozialleistungen, Problembewältigung, Alleinerziehende, Entwicklungsbedingungen, Existenzminimum, soziale Isolation, Psychosoziale Auswirkungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Lebenssituation und dem Lebensstandard von Kindern, deren Familien auf Hartz IV angewiesen sind, und analysiert, wie diese Armut die Entwicklung der Kinder beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind materielle Grundversorgung, Bildungschancen, soziale Integration, elterliches Ressourcenmanagement und die psychologischen Auswirkungen von Armut auf Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Einfluss von Hartz IV auf die kindliche Entwicklung zu analysieren, Ursachen für das Verhalten der Eltern zu identifizieren und die sozialen Folgen für die betroffenen Kinder aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und stützt sich maßgeblich auf die von Chassé, Rasch und Zander durchgeführten Fallstudien zu Armut bei Kindern.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Behandelt werden die materiellen Einschränkungen, die Auswirkungen auf das Entwicklungspotenzial, die kindliche Wahrnehmung der eigenen Armut sowie die belastende Lebenssituation der Eltern.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Besonders prägend sind Begriffe wie Kinderarmut, soziale Benachteiligung, Hartz IV, relative Armut und die daraus resultierenden Teufelskreise der Ausgrenzung.
Wie wirkt sich die finanzielle Situation konkret auf den Schultag aus?
Kinder aus betroffenen Haushalten haben oft kein Geld für Schulausflüge oder Mittagessen und leiden unter Scham, wenn sie nicht mit der Markenkleidung ihrer Mitschüler mithalten können, was häufig zu sozialer Ausgrenzung führt.
Warum spielt das elterliche Verhalten eine so große Rolle?
Da die Eltern den zentralen Bezugspunkt der kindlichen Sphäre bilden, haben ihre eigene psychische Belastung, ihre Bewältigungsstrategien und ihre Kommunikation über die Armut direkten Einfluss auf die psychische Stabilität und die Entwicklungschancen des Kindes.
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- Robert Pilgrim (Author), 2008, Analyse des Lebensstandards eines Kindes von auf Hartz IV angewiesenen Eltern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136706