Analyse des Lebensstandards eines Kindes von auf Hartz IV angewiesenen Eltern


Hausarbeit, 2008

17 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung
1.1 Begrifflichkeiten

2. Lebensstandardanalyse
2.1 Hartz IV: Wieviel Geld zur Verfügung steht
2.2 Beeinträchtigungen auf materieller Ebene
2.3 Beeinträchtigungen im Entwicklungspotential
2.4 Wie Kinder Armut wahrnehmen und damit umgehen
2.5 Lage der Eltern

3. Resümee

4. Literatur

Vorwort

Kinderarmut ist ein sich spätestens seit den 90er Jahren stärker ausweitender Missstand. Lebten im Jahr 2000 etwa 14% der Kinder und Jugendlichen unter 16 Jahren in relativer Armut (vgl. Informationen zur politischen Bildung, 269, 2000, S.26), so waren es 2007 bereits 17% (vgl. http://www.bpb.de/themen/I4HX8L,0,0,Kinderarmut_in_Deutschland. html), was nahezu 2,6 Millionen junge Menschen bedeutet.

Aufgrund meiner zweijährigen Tätigkeit als Zivildienstleistender bzw. Betreuer an einer Sonderschule in Hamburg erlebe ich täglich Kinder, die sich zu dieser Gruppe von jungen Menschen zählen müssen. Die zunächst ersichtlichen Auswirkungen bedeuten für jene Kinder zumeist ungefrühstückt und ungepflegt in die Schule kommen zu müssen. Auch die meisten Eltern der betroffenen Kinder – sofern sie denn zu Elternabenden, Elterngesprächen oder anderen schulischen Sport- oder Freizeitaktivitäten erschienen – lernte ich in der Zeit kennen. In den meisten Fällen erhielt ich einen kritischen Eindruck, wenn sie etwa von eigentümlichen Erziehungsmaßnahmen und fragwürdigen Ansichten über ihre Kinder berichteten oder bereits zum morgendlichen Elterngespräch alkoholisiert erschienen. Auch viele Gespräche mit Lehrern und Erziehern, die jahrelange Erfahrung mit den meisten Eltern haben, bestätigten bzw. verstärkten diesen kritischen Eindruck.

Den Lebensalltag der betroffenen Kinder mit Hilfe von wissenschaftlicher Literatur zu betrachten und zu analysieren, Ursachen für (Fehl-)verhalten der Eltern zu finden und dadurch eventuell praktische Erkenntnisse für den Umgang mit beiden zu gewinnen, ist Beweggrund und Ziel dieser Arbeit. Im Zuge der Recherche wurde schnell deutlich, was Kinderarmut - zusätzlich zum erschwerten Lebensalltag für ein Kind - noch alles auf sozialer, emotionaler und auch auf berufsperspektivischer Ebene impliziert.

1. Einleitung

Dass der Lebensstandard eines unter Hartz IV Bedingungen lebenden Kindes unter dem von Kindern aus besser situierten Verhältnissen liegt, scheint ohne genauere Untersuchung bereits klar.

Aber um festzustellen, wie dieser Lebensstandard genau aussieht, was ihn ausmacht und was für kritische Einflüsse auf die Entwicklung des Kindes von ihm ausgehen, bedarf es einer genaueren Analyse der sozioökonomischen, kulturellen, familiären und emotionalen Rahmenbedingungen, die sich ergeben, wenn eine Familie in relativer Armut lebt.

Zunächst sollen die Begriffe Lebensstandard, relative Armut und Hartz IV geklärt werden. Daraufhin wird der generelle Lebensstandard von Kindern unter Hartz IV Bedingungen beleuchtet und auf seine negativen Auswirkungen hin untersucht. Dies erfolgt – nachdem die Hartz IV Regelsätze kurz umrissen werden – indem zuerst materielle Beeinträchtigungen und dann Beeinträchtigungen auf der kulturellen, sozialen und emotionalen Ebene, die sich durch Hartz IV ergeben, betrachtet werden. Im Anschluss beschäftigt sich die Arbeit mit Problembewältigungsmustern von Kindern und von Eltern. Dabei wird zunächst thematisiert, wie Kinder Armut wahrnehmen, wie sie damit umgehen und was für Möglichkeiten sich ihnen bieten, aktive Bewältigungsstrategien anzuwenden.

Daraufhin sollen die oft kritischen Lebensbedingungen der Eltern skizziert werden, um Erklärungen für deren Lage und Verhalten zu liefern. Abschließend werden im Resümee die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und in Verbindung mit Erkenntnissen aus der eigenen praktischen Tätigkeit und dem Gesamtkontext von Kinderarmut gebracht.

Die Grundlage der Analyse bilden die 2005 von Chassé, Rasch und Zander durchgeführten Fallstudien mit Kindern und Eltern, die in relativer Armut leben.

1.1 Begrifflichkeiten

Relative Armut bezeichnet eine soziale Ungleichheit und damit einhergehenden sozialen Ausschluss. Gemessen an mittleren Standards der jeweiligen Gesellschaft, verfügen Familien bzw. Personen in relativer Armut über zu geringe Finanzen (Chassé; Rasch; Zander 2005, S. 12). Sie bewegen sich am Existenzminimum und sind auf Sozialleistungen angewiesen, was zumeist Hartz IV bedeutet. Die belastende Wirkung von relativer Armut verändert die Verhaltensweisen der darunter leidenden Personen, was dazu führen kann, dass sich die Betroffenen nicht mehr aus der Armut befreien können. Zudem besteht bei Familien die Gefahr, die Armut an die Kinder zu „vererben“ (vgl. http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzepte/L50/L5034.htm).

Hartz IV bezeichnet das letzte von vier Gesetzen des so genannten Hartz-Konzeptes. Es trat am 1. Januar 2005 in Kraft und ist gekennzeichnet durch die Zusammenlegung von der Arbeitslosenhilfe und der Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II. Dessen Niveau liegt unter dem der bisherigen Sozialhilfe, was dazu führte, dass nahezu alle Sozialleistungsempfänger mit Inkrafttreten des Gesetzes mit deutlich weniger Geld im Monat den Lebensalltag bestreiten mussten (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Hartz-Konzept). In Kapitel 2.1 werden Hartz IV und dessen Regelsätze näher thematisiert.

Der Lebensstandard eines Individuums wird bestimmt von sozioökonomischen und kulturellen Faktoren. Die wohl wichtigste Determinante für den Lebensstandard eines Kindes stellt dabei das familiäre Umfeld und dessen Rückhalt fürs Kind dar (Chassé; Rasch; Zander 2005, S. 23).

Europäische Kinder- und Armutsforschung werden erst seit den 1990er Jahren miteinander verknüpft und untersucht; es gelang bereits zahlreiche Zusammenhänge zwischen Armut und negativen Entwicklungschancen nachzuweisen (ebenda).

2. Lebensstandardanalyse

Der Lebensstandard eines Individuums hängt zunächst von materiellen Ressourcen ab, denn diese entscheiden über die Qualität der Grundversorgung: Kleidung, Nahrung, Wohnung. Diese drei materiellen Komponenten bilden zusammen mit der emotionalen Lage und dem Lebensalltag den Lebensstandard, wobei sich geringe Qualität und Quantität der genannten physischen Güter negativ auf das Wohlbefinden auswirken. Besonders wichtig für die Gefühlswelt und den Lebensalltag eines Kindes ist dessen Familie. Denn grundlegende kindliche Entwicklungsbedingungen, wie elterliche Zuwendung, Versorgung und Förderung, gehen von ihr aus (vgl. Holz, 2003, S. 3). Bleibt dies aus, so verschlechtern sich die Entwicklungschancen des betroffenen Kindes wesentlich; es leidet dann unter multipler Deprivation (ebenda).

Gerda Holz unterscheidet vier zentrale Lebenslagenbereiche von Kindern, die den Lebensalltag bestimmen:

Die materielle Versorgung (Grundversorgung) betrifft Nahrung, Kleidung und Wohnsituation.

Die Versorgung im kulturellen Bereich betrifft kognitive Entwicklung, sprachliche und kulturelle Kompetenzen und Bildung.

Die Situation im sozialen Bereich betrifft soziale Kontakte und soziale Kompetenzen.

Die Situation im psychischen und physischen Bereich betrifft Gesundheitszustand, körperliche Entwicklung und Wohlbefinden (vgl. Holz, 2003, S. 4).

Die Lebenslagenbereiche und der Einfluss von Hartz IV auf sie werden in Kapitel 2.2 und 2.3 genauer beleuchtet, dabei liegen hauptsächlich die von Chassé, Rasch und Zander durchgeführten Fallstudien mit Kindern zugrunde. Des Weiteren werden in Kapitel 2 die Lage der Eltern und Problembewältigungsstrategien der Kinder aufgezeigt, sowie ein Umriss gegeben, was Hartz IV in Zahlen bedeutet.

2.1 Hartz IV: Wie viel Geld zur Verfügung steht

Seitdem Hartz IV am 1. Januar 2005 in Kraft trat wurde es trotz steigender Energie- und Lebensmittelkosten und erheblicher Kritik aus der Fachwelt nur marginal erhöht. Das in Hartz IV enthaltene Arbeitslosengeld II ist an die Rentenversicherung gekoppelt und wird demnach nur erhöht, wenn die Rentenversicherung auch erhöht wird. So geschehen am 1. Juli 2008. Dies bedeutete für einen alleinstehenden Hartz-IV-Empfänger eine Erhöhung von ganzen vier Euro im Monat im Vergleich zum Vorjahr.

Das entspricht 351 Euro; PartnerInnen und EhepartnerInnen in einem gemeinsamen Haushalt erhalten nunmehr jeweils 316 Euro, für Kinder ab 14 Jahren stehen 281 Euro im Monat zur Verfügung und für jüngere Kinder lediglich 211 Euro. Die Regelsätze ergeben sich aus verschiedenen Bedürfnissen, wie Kleidung, Gesundheit, Nahrungsmitteln und Strom. Für Kinder sieht der Staat demnach 3,42 Euro bzw. 2,71 Euro für die tägliche Ernährung vor (vgl. http://www.lpb-bw.de/aktuell/hartz_iv.php).

Laut dem Forschungsinstitut für Kinderernährung der Uni Bonn sind für eine ausgewogene Ernährung eines Kindes ab 14 Jahren mindestens 4,68 Euro täglich zu veranschlagen (vgl. ebenda). Dies bedeutet, dass die Grundversorgung eines Kindes unter Hartz IV Bedingungen schon aus rein finanziellen Gründen kaum zu gewährleisten ist, selbst wenn die für sie vom Staat vorgesehenen Geldmittel zu 100% für sie verwendet werden (Weshalb das nur in den seltensten Fällen zutreffen kann wird in Kap. 2.5 erläutert).

Eine steigende Kinderzahl bedeutet zudem für eine Familie gleichzeitig „deutlich armutsgefährdeter“ (vgl. Informationen zur politischen Bildung, 269, 2000, S.27) zu sein.

[...]

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Details

Titel
Analyse des Lebensstandards eines Kindes von auf Hartz IV angewiesenen Eltern
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1.0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V136706
ISBN (eBook)
9783640458196
ISBN (Buch)
9783640458509
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Lebensstandards, Kindes, Hartz, Eltern
Arbeit zitieren
Robert Pilgrim (Autor), 2008, Analyse des Lebensstandards eines Kindes von auf Hartz IV angewiesenen Eltern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136706

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