Frauensprache und Männersprache

Fiktion oder Realität?


Hausarbeit, 2007
24 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2 Sprachliche Sozialisation der Geschlechter
2.1 Geschlechtsstereotypen und ihre soziale Bewertung
2.2 Geschlechtsspezifische Gesprächserwartungen

3 Sprachgebrauch
3.1 Phonologie
3.2 Syntax
3.3 Semantik
3.4 Pragmatik

4 Nonverbale Kommunikation

5 Kohärenz von Status und Geschlecht

6 Erklärungsansätze

7 Gleichberechtigung im Sprachverhalten
Zusammenfassung

8 Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Internetadressen

1. Einleitung

„Frauen sind erstaunt, was Männer alles vergessen.
Männer sind erstaunt, woran Frauen sich erinnern“.
Peter Bamm

Die Kommunikation ist das Hauptcharakteristikum unserer heutigen gesellschaftlichen Welt. Sie produziert, etabliert und verfe­stigt zwischenmenschliche Beziehungen. Niemand ist in der Lage, sich sprachlichen Auseinandersetzung mit der Umwelt vollkommen zu entziehen. Kommunizieren im allgemeinen ist ein grundsätzliches Bedürfnis und ein wichtiger Bestandteil menschlicher Existenz. Je besser sich das Indi­viduum verstanden fühlt, um so mehr trägt das zu seinem Wohlbefinden bei, und das wiederum beeinflusst seine Einstellung den Mitmen­schen gegenüber.

Das primäre und wichtigste Medium der Kommunikation ist die Sprache, die „ein Konglomerat verschiedener Subsysteme und Äußerungsvarianten ist, die von innersprachlichen und außersprachlichen Faktoren bestimmt sind“ (Löffler 1994, S. 23). Dieses Medium vermittelt uns Informationen über die Außenwelt - über Personen, Gegenstände und Ereignisse, sie vermag es, unser Denken und Handeln zu beeinflussen und im weiteren Sinne zu verändern. Sie ist auch enorm wichtig bei der Erschaf­fung und Aufrechterhaltung der zwischenmenschlichen Beziehungen (Falger, A., 2001, S. 4).

Der Reichtum der potentiellen Kommunikationsmöglichkeiten ist unbegrenzt, dabei sind nur einige Variablen zu nennen, die die Kommunikation beeinflussen: Alter, Ge­schlecht, Herkunft, Ausbildung, sozialer Status, ethnische Zugehörigkeit usw. Eine dieser Variablen erscheint besonders interessant. Es handelt sich um die Sprache und das Ge­schlecht. Unter der Kategorie „Geschlecht“ wird die Kategorisierung von Menschen als „weiblich“ oder „männlich“ verstanden. „Welchem Geschlecht jemand angehört, ist neben dem Alter das wichtigste zur allgemeinen Charakterisierung eines Menschen herangezogene Merkmal. Die Geschlechtszugehörigkeit wird im Pass festgehalten, sie geht in die soziale Anrede ein und bestimmt das menschliche Zusammenleben in vielerlei Hin­sicht. Sie ist nicht nur für das Sexualverhalten im engeren Sinne und das Ver­hältnis der Geschlechter zueinander von Bedeutung. Schon vor der Geburt eines Kindes beschäftigt die werdenden Eltern besonders die Frage, ob es ein Junge oder Mädchen wird“ (Trautner 1997, S. 323).

Dass Frauen und Männer anders sind, ist kein Geheimnis. Das Geschlecht, die Kleidung, der Gang, die Stimme und noch vieles mehr machen einen Unterschied. Geschlechtsspezifische Unterschiede wurden schon in verschiedenen Kulturen seit länger Zeit beobachtet. Dabei gibt es zu untersuchen, wie sich Frauen und Männer beim Sprechen verhalten.

In der vorliegenden Arbeit gehe ich auf die folgende Problemstellung ein:

Ist die Geschlechtszugehörigkeit die Basis für eine sprachliche Differenzierung?

Wird durch Geschlechtszugehörigkeit ein geschlechtsspezifischer Sprachgebrauch bzw. ein geschlechtsspezifisches Sprachverhalten produziert? Ist es gerechtfertigt, von ”Frauen - und Männersprache” zu sprechen?

Zum Einstieg in das Thema möchte ich auf die sprachliche Sozialisation der Geschlechter eingehen und Geschlechterdifferenzen im Sprachgebrauch untersuchen. Im Weiteren konzentriere ich mich auf die Erklärungsansätze, die es ermöglichen, den Zusammenhang zwischen Sprache und Geschlecht, die Bedingungen und Ursachen für geschlechtsspezifisches Sprachverhalten aufzuhellen und von verschiedenen Perspektiven her zu beleuchten. Anschließend geht es um die Diskussion der Gleichberechtigung im Sprachverhalten.

2 Sprachliche Sozialisation der Geschlechter

2.1 Geschlechtsstereotypen und ihre soziale Bewertung

Der Gedanke, dass es eine spezifisch weibliche Sprache geben könnte, geht auf die anthropologisch-ethnologische Forschung aus den letzten Jahrhunderten. Eine der Hauptleistungen der feministischen Bewegung der 70er und 80er Jahre war es, die immense soziale Bedeutung der Geschlechtszugehörigkeit eines Men­schen in unserer patriarchalisch orientierten Gesellschaft herauszuarbeiten und auf­zuzeigen, welche Auswirkungen die Existenz stereotyper Geschlechtsrollenbilder auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen und Männern hat. Ein Ergebnis der feministischen Bewegung war die Formulierung folgender Erkenntnisse:

- Die westliche Kultur und Gesellschaft ist durch patriarchalische Macht- und Gesellschaftsstrukturen gekennzeichnet.
- Die gesellschaftliche Geschlechterrolle ist nur in geringem Maße genetisch festgelegt und weitgehend Produkt einer sozialen Erziehung und Disziplinierung.

In einer patriarchalisch orientierten Gesellschaft existieren stereotype Geschlechtsrollenbilder, d.h. die Rollen von Männern und Frauen sind traditionell festgelegt. Sie weisen stark unterschiedliche Verhaltensnormen auf und haben beträchtlichen Einfluss auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen und Männern. Die Geschlechterrolle sei eine weitgehend sozial bestimmte Ange­legenheit (Linke, A., Nussbaumer M. & Portmann P., 2001).

In Bezug auf die zentrale Annahme der Rollentheorie werden Verhaltensunterschiede der Geschlechter und damit verbundene Erwartungen und Selbsteinschätzungen durch soziale Rollen vermittelt. Die gesellschaftlichen Stereotype befördern geschlechtsdifferentes Verhalten, indem sie unangemessenes Verhalten gesellschaftlich oder individuell sanktionieren, angemessenes Verhalten dagegen unter­stützen. Der Prozess der Rollenübernahme besteht dann darin, dass Frauen und Männer die für ihre Rolle typischen Fertigkeiten und Fähigkeiten erwerben (Klann-Delius 2004, S.154).

Die Verhaltensmuster, die in der Kindheit angelegt wurden, bestimmen im Weiteren das Erwachsenenalter. Bis heute lassen sich Eigenschaften typischer Geschlechtsrollenbilder isolieren, die auf die familiäre Arbeitsteilung zurückgehen: Die Frau war in erster Linie für die Familie, den Haushalt und die Kindererziehung zuständig, während der Mann primär die Ernährerrolle ausfüllte. Im Zuge der Sozialisierung wurden daher den Mädchen stärker personen- und beziehungsorientierte Verhaltensweisen und Normen vermittelt, während bei den Jungen sach- und statusorientiertes Verhalten gefördert wurde. Daraus ergeben sich folgende im Alltagswissen verankerte Vorstellungen von idealtypischem Geschlechtsrollenverhalten:

Für Frauen wird ein eher passives, freundliches, emotionales, fürsorgliches und sensitives Verhalten erwartet, das die soziale Abhängigkeit und Schutzbedürftigkeit betont. Männer dagegen entsprechen dem positiven Stereotyp, wenn sie dominant, emotional kontrolliert, berufsorientiert und unabhängig auftreten. Dabei werden die männlichen Eigenschaften traditionell höher bewertet als die weiblichen. Diese Polarisierung der Geschlechter ist mit einem starken Machtgefälle verbunden und impliziert eine Benachteiligung der Frau. Schon der Zwang, sich zwischen den verschiedenen Rollenerwartungen entscheiden zu müssen (Familie, Kinder oder Karriere), stellt eine solche Benachteiligung dar, der sich Männer nur in seltenen Fällen ausgesetzt sehen. Obwohl Frauen laut Grundgesetz die gleichen Rechte wie Männer haben und die traditionellen Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit innerhalb der letzten Jahre zunehmend in Frage gestellt werden, sind auch heute noch relativ wenige Frauen in höheren beruflichen Schichten anzutreffen. Ein höherer Bildungsabschluss bei Frauen führt nicht zu einem gleich hohen Einkommen wie bei Männern. Die Frauen mit Universitätsabschluss erreichen 79% - 81% des Einkommens von Männern mit vergleichbarem Bildungsniveau [...]« (Bericht der Bundesregierung 2002, S. 4). Deutlich mehr Frauen als Männer leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Kinderbetreuung ist weiterhin überwiegend Auf­gabe der Frauen, die dies in Deutschland zudem meist nicht mit einer vollen Erwerbstätigkeit vereinbaren können (vgl. Statistisches Bundes­amt 2003). 85% der Alleinerziehenden in Deutschland sind Frauen, von denen ein hoher Anteil auf Sozialhilfe angewiesen ist (vgl. Statis­tisches Bundesamt 2003). Frauen sind weder in höheren Leitungspo­sitionen in der Wirtschaft noch in der Politik nennenswert vertreten (Bericht der Bundesregierung 2002, S. 3; Bund-Län­der-Kommission 2003).

Frauen und Männer machen in vielen Lebensbereichen verschiedene Sozialisationserfahrungen. Die Sozialisation hat bestimmte Verhaltensweisen na­hegelegt, die als typisch „weibliches“ oder „männliches“ Verhalten bezeichnet werden. Es muss aber darauf hinwiesen werden, dass das Auftreten bestimmter Verhaltensformen keinen universellen Charakter haben. Jeder Mensch, egal ob Mädchen oder Junge, Frau oder Mann, hat individuelle, einzigartige Erfahrungen gemacht, die ihn unabhängig vom Geschlecht geprägt haben.

2.2 Geschlechtsspezifische Gesprächserwartungen

Obwohl der Wortschatz einer Sprache gleich ist, sind geschlechtstypische Unterschiede im Sprachverhalten festzustellen. Nach Gottburgsen ist ein »weiblicher« bzw. ein »männlicher« Sprachstil Ausdruck eines »geschlechtsangemessenen Verhaltens« (Gottburgsen 2000, S. 33), das kulturell »erwünscht«, vermittelt und von den einzelnen Akteurin­nen und Akteuren in realen Interaktionen mehr oder weniger korrekt oder vollständig umgesetzt wird.

Beide Geschlechter entwickeln auf un­terschiedlichen Gebieten ihre Sprachkompetenz: für Mädchen ist die Stärke der Bindungen sehr wichtig - sie befinden sich in komplexen Netzwerken von Beziehungen und bilden komplexe sprachliche Ausdrucksformen zur Ver­mittlung dieser Beziehungen heraus, während für Jungen Leistung und damit verbundene Aktivitäten im Vordergrund stehen (Tannen 1993, S.198).

Das heißt selbstverständlich nicht, dass alle Männer und alle Frauen in jeder Kommunikationssituation »so«, also »typisch männlich« bzw. »typisch weiblich«, und nicht an­ders reden. Unzweifelhaft lassen sich »bestimmte sprachlich/spre­cherische Besonderheiten nicht einfach linear Frauen oder Männern zu­ordnen« (Heilmann 1998, S. 113). Selbstverständlich realisieren Männer und Frauen je nach Kommunikationssituation ein sprachliches Verhal­ten, das - außer von der Kategorie Geschlecht - noch von unzähligen anderen Faktoren beeinflusst wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Frauensprache und Männersprache
Untertitel
Fiktion oder Realität?
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Seminar für Deutsche Sprache und ihre Didaktik
Note
1,2
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V136717
ISBN (eBook)
9783640450237
ISBN (Buch)
9783640449941
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauensprache, Männersprache, Fiktion, Realität
Arbeit zitieren
Marina Lindekrin (Autor), 2007, Frauensprache und Männersprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136717

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