Sigmund Freuds Theorie der psycho-sexuellen Entwicklung

Methodische Grundlagen, Grundannahmen und Kritik


Hausarbeit, 2006

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodische Grundlagen ...)

3. Grundannahmen der psycho-sexuellen Entwicklungstheorie
3.1 Die Trieblehre
3.2 Die psycho-sexuellen Entwicklungsstufen
3.3 Der psychische Apparat
3.4 Die psychischen Qualitäten..)

4. Kritik
4.1 Stärken
4.2 Schwächen

5. Schlussteil

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit werden wir uns mit der von Sigmund Freund begründeten Theorie der psycho-sexuellen Entwicklung beschäftigen und dabei auf die methodischen Grundlagen und Grundannahmen eingehen. Im Anschluss soll zudem eine kritische Darstellung erfolgen. Unser Ziel ist es, die oben genannte Theorie in ihren Kernaussagen darzustellen, indem die einzelnen Theorieaspekte nacheinander erläutert und ansatzweise in Verbindung gebracht werden.

Die Theorie der psycho-sexuellen Entwicklung lässt sich der Gruppe der Entwicklungstheorien zuordnen. Sie unterscheidet sich von anderen einflussreichen Ansätzen, wie beispielsweise der Epistemologie Jean Piagets insofern, als dass sie der Kernannahme zugrunde liegt, dass sich das Verhalten eines Menschen nicht ausschließlich durch bewusste psychische Vorgänge erklären lässt. Die wissenschaftliche Bedeutung der von Freud begründeten Theorie besteht darin, dass sie zum Zeitpunkt ihrer Entstehung eine neuartige Betrachtungsweise der menschlichen Psyche beinhaltete. Es ist gewissermaßen eine Kränkung des menschlichen Selbstverständnisses, da hierbei die Behauptung angestellt wird, dass der Mensch in seinem Wesen nicht „Herr in seinem eigenen Haus“ ist.

In der nun folgenden Arbeit werden wir zunächst die methodischen Grundlagen, die zur Entstehung dieser Theorie führten, erläutern. Im Anschluss daran sollen die daraus abgeleiteten Grundannahmen, zu denen die Trieblehre, die psycho-sexuelle Entwicklungsstufen, der psychische Apparat sowie die psychischen Qualitäten zählen, dargestellt werden. Zum Schluss wollen wir Stärken und Schwächen der Theorie aufzeigen, die zu einer kritischen Einschätzung im Schlussteil befähigen sollen.

2. Methodische Grundlagen

Sigmund Freud, der 1856 im mährischen Freiberg geboren wurde, wandte sich nach seinem Medizinstudium besonders neurologischen und psychologischen Erkrankungen zu. Unter anderem arbeitete er beim Pariser Psychiater Jean Charcot, bei dem Freud die Behandlungsmethode der Hypnose zur Behandlung von Hysterien, einer neurotischen Störung, kennen lernte (vgl. Schneewind; 1982: 173f.).

Mit dem Wiener Arzt Josef Breuer wandte Freud, in seiner 1886 eröffneten nervenärztlichen Praxis, dieses Prinzip der Hypnose an, um vor allem Frauen der Wiener Oberschicht von psychischen Erkrankungen zu befreien. Mit Hilfe der Hypnose konnten sich die Patientinnen wieder an verdrängte oder vergessene Erlebnisse erinnern und dadurch gelangten Freud und Breuer zu der Erkenntnis, dass jedes Mal, wenn sich der Patient erinnerte, ein bestimmtes Symptom verschwand. Die Übertragung hatte also eine kathartische (selbstreinigende) Funktion. Somit gelangte Freud an das Tor zum Unbewussten und die ersten Grundsteine zur psychoanalytischen Theorie waren damit gelegt. (vgl. Rieländer; 1978: 3)

Jedoch ließen sich nicht alle Patienten hypnotisieren, so dass Freud eine neue Methodik, die freie Assoziation, entwickelte. Das Ziel bestand abermals darin, die unbewusst wirkenden Symptome ins Bewusstsein zu führen. Bei dieser Methode soll der Patient alles erzählen, was ihm gerade einfiel und vor allem spontane Einfälle sollten verbalisiert werden. Die freie Assoziation entwickelte sich zur wichtigsten Untersuchungsmethode der Psychoanalytiker. Sigmund Freud kam durch diese Methodik zum einen zu der Erkenntnis, dass die Symptome häufig durch verdrängte, frühkindliche Erlebnisse verursacht wurden. Zum anderen führten diese Erkenntnisse zu ersten Ansätzen des psychischen Apparates, da zum Beispiel das Über-Ich, also die Summe der gesellschaftlichen Normen und Verbote, als Quelle der Hemmungen zu sehen ist, warum unbewusste Inhalte nur schwer ins Bewusstsein zu holen sind. Die unterdrückten psychischen Erregungen waren bei den Frauen der Wiener Oberschicht vor allem frühkindliche sexuelle Erfahrungen (vgl. ebd.: 4f.). „Die Patientinnen waren oft das Lieblingskind ihres Vaters, sie hatten in ihrer Kindheit zärtliche Gefühle für ihn entwickelt. Die frühen Patientinnen berichteten Freud in der Analyse, sie seien von ihrem Vater sexuell verführt worden. Anfangs hielt er diesen Bericht für den Ausdruck einer traumatischen realen Situation; später ging er davon aus, dass es sich bei solchen Aussagen mehr um frühkindliche sexuelle Phantasien handelte; mit dieser Erkenntnis begann er, sexuellen Phantasien in der frühen Kindheit eine große Rolle zuzuschreiben, sie war sozusagen der Anstoß zur Würdigung der infantilen Sexualität“ (ebd.: 6). Die kindliche Sexualität, wie in Kapitel 3.2 genauer beschrieben wird, ist heute die Kerntheorie der psychoanalytischen Theorien.

Die Traumdeutung, eine weitere psychoanalytische Methodik, verwendet die Technik der freien Assoziation, wobei der Patient am Tag in einem entspannten Zustand zu unterbewussten Einfälle und Gedanken findet, die im Traum aufgekommen sind. Nach Freud werden im Traum die unbewussten, verdrängten Gedanken mit vorbewussten Inhalten verbunden. Die dabei entstehenden Trauminhalte sind zum einen latent, also unbewussten Inhalts, an die man sich nach dem Erwachen nicht mehr erinnern kann. Zum anderen sind die Trauminhalte manifest, also vorbewusst, welche nach dem Erwachen als eigentlicher Traum erinnert werden. Die Traumdeutung konzentriert sich beim Aufsuchen jener Inhalte, die zur Erklärung der Symptome der Patienten helfen können, vor allem auf die latenten Trauminhalte (vgl. Freud 2001: 74). Durch diese Methodik wird eine der Schwächen der freien Assoziation umgangen, da oftmals Freud bemerkte, dass seinen Patienten ein Gedanke gekommen ist, die Hemmungen ihn zu äußern aber zu groß waren. „Die Traumdeutung“ war zugleich auch das erste große wissenschaftliche Werk Freuds (vgl. Rieländer; 1978: 6 & Trautner; 1991: 66).

Im späteren Verlauf seiner Arbeiten leitete Freud, aus seinen Erkenntnisse mit psychisch gestörten Patienten, Aussagen über die Psyche und die Entwicklung von gesunden Menschen ab. Dadurch entstanden die psychosexuellen Entwicklungsstufen und auch, wie schon erwähnt, der psychische Apparat und die Psychischen Qualitäten (vgl. Preiser; 2003: 416).

3. Grundannahmen der psycho-sexuellen

Entwicklungstheorie

3.1 Die Trieblehre

Triebe sind die Fähigkeit, auf physiologische Prozesse mit einem Spannungszustand zu reagieren, welcher von der Person als Erregung wahrgenommen wird. Die Reaktionen, welche auf diese Spannungszustände folgen, werden hierbei nicht konkret eingeschlossen, weshalb es möglich wird, dass Einflüsse der Umwelt, Überlegungen und Erfahrung die Reaktionen modifizieren können. Sie sind also nicht bereits vorweg festgelegt. Aus diesem Grund sind Triebe letztlich mehr als ein bloßer Instinkt (vgl. Brenner; 1967: 27ff.).

Den von Freud angenommenen Trieben liegt dabei eine biologisch verankerte Struktur zugrunde, welche dualistisch geprägt ist. Sie setzt sich aus dem „Eros“ (=Lebenstrieb) sowie dem „Thanatos“ (=Destruktionstrieb) zusammen. Das Ziel des Eros ist es, immer größere Einheiten herzustellen und die bereits bestehenden Bindungen zu erhalten. Das Ziel des Thanatos ist es dagegen, diese Bindungen wieder aufzuheben und auf diese Weise Dinge zu zerstören. (vgl. Freud; 2001: 62). Beide Triebe können sich sowohl kombinieren als auch gegeneinander wirken und sind zu nicht näher bestimmbaren Anteilen miteinander gemischt (vgl. Brenner; 1967: 31).

Ausdruck der Triebe ist die auf Lustgewinn gerichtete psychische Energie, welche Freud als „Libido“ bezeichnet. Beide Triebe versorgen die Psyche mit dieser Energie und treiben das Individuum zur Tätigkeit an (vgl. Brenner; 1967: 26). Dies geschieht nach dem „Lustprinzip“, da die von der Person erlebte Erregung nach möglichst unmittelbarer lustvoller Triebbefriedigung strebt und Unlust vermeiden will. Letztlich sind die durch die Triebe erzeugten Bedürfnisspannungen sogar Ursache jeder denkbaren Aktivität. Dies liegt nach Freud zum einen daran, dass sämtliche Tätigkeiten des Menschen ausnahmslos auf den Abbau der wahrgenommenen Erregung gerichtet sind und zum anderen an der inbegriffenen Konsequenz, dass dieser Prozess erneut beginnt, sobald ein Zustand der Entspannung durch Triebbefriedigung wieder verlassen wurde (vgl. Freud; 2001: 61). Somit werden die Triebe bei Freud zum Motor jeder menschlichen Aktivität, die zwar einerseits biologisch veranlagt ist, andererseits jedoch auch durch individuelle Einflüsse der Umgebung veränderbar wird, wenn Triebansprüche nicht unmittelbar befriedigt werden können. (vgl. Brenner; 1967: 28). Somit bilden Triebe zusammenfassend die körperlichen Anforderungen an das menschliche Seelenleben (vgl. Freud; 2001: 61), die den Menschen zu einem Wesen machen, dem seine eigenen Beweggründe selbst nicht immer klar sind.

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Details

Titel
Sigmund Freuds Theorie der psycho-sexuellen Entwicklung
Untertitel
Methodische Grundlagen, Grundannahmen und Kritik
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V136747
ISBN (eBook)
9783640443819
ISBN (Buch)
9783640443550
Dateigröße
633 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freud, psychosexuelle Entwicklung;, ENtwicklung, SIgmund Freud
Arbeit zitieren
Patrick Gräbner (Autor), 2006, Sigmund Freuds Theorie der psycho-sexuellen Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136747

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