Die Arbeit gibt einen Überblick über die Gemeindereformen des Kleisthenes der attischen Bürgerschaft.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Beschaffenheit des attischen Gemeinwesens vor den Reformen des Kleisthenes
1.1 Zur Notwendigkeit der Darstellung der Beschaffenheit des attischen Gemeindewesens vor den Reformen des Kleisthenes
1.2 Darstellung der Beschaffenheit des attischen Gemeindewesens vor den Reformen des Kleisthenes
2. Die Vermischung der Bürgerschaft in den Phylen und Demen durch die Reformen des Kleisthenes
2.2 Die Neuorganisation der Phylen und Demen durch Kleisthenes und ihre Funktion in der Gemeindeordnung Attikas
3. Politische Konsequenzen der Reformen: Aktivierung der Demen und Vermischung der Bürgerschaft in der neuen Phylenordnung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die tiefgreifenden konstitutionellen Reformen des Kleisthenes von 508/507 v.d.Z. und analysiert, wie diese die Struktur und politische Teilhabe im attischen Gemeindewesen veränderten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Vermischung der Bürgerschaft und der Aktivierung der Demen liegt.
- Vorkleisthenische Ordnung des attischen Gemeinwesens
- Struktur und Funktion der neuen Phylen und Demen
- Politische Partizipation und Repräsentation
- Konstitutionelle Vermischung der Bürgerschaft
- Kritische Bewertung der kleisthenischen Reformen im Hinblick auf den Begriff der „Demokratie“
Auszug aus dem Buch
1.2 Darstellung der Beschaffenheit des attischen Gemeindewesens vor den Reformen des Kleisthenes
Im Wesentlichen lässt sich die vorkleisthenische Ordnung des attischen Gemeindewesens wie folgt skizzieren: Die Bürger Attikas waren vor 508/507 v.d.Z., soweit die verifizierbare Forschung Aussagen treffen kann, in vier Phylen („Stämme“, eng.: „tribes“) zu wahrscheinlich 12 Trittyen/Phratrien („Dritteln“/“Bruderschaften“) eingeteilt. Relativ unklar hingegen und diskursiv von der Forschung behandelt wird die Frage, in welchem konstitutionellen Verhältnis die genos (Gene, bzw. Geschlechter) und Naukrarien (im Wesentlichen: Organisations-, bzw. Ordnungseinheiten zur Pflege, Finanzierung und Bau der Hochseeflotte) zu der alten Ordnung des Gemeindewesens standen. Grundsätzlich besteht immer noch Uneinigkeit in der Forschung über die Frage, ob die vorkleisthenische Ordnung eine rein auf dem gentilizischen Prinzip beruhende war, oder bereits/und in welchem Ausmaß Komponenten territorialer und lokaler Organisation implizierte. Als sicher kann gelten, dass die vier alten Phylen freie attische Bürger in einer konstitutionellen Weise miteinander in Beziehung setzten. Welche Rolle die Phratrien für die Bildung der vier vorkleisthenischen Phylen (Geleontes, Hopletes, Aigikoreis und Argadeis) spielten ist umstritten (siehe zum Diskurs Anmerkung 4). Es kann nach meiner Meinung davon ausgegangen werden, dass es keine notwendige Beziehung zwischen der Zugehörigkeit zu einer Phratrie und einer der vier Phylen gegeben haben muss. Die alten Phylen sind als Verbund attischer Bürger, auf Grundlage einer personalen Bindung zu sehen, sowie wahrscheinlich auch auf der Grundlage gemeinsamer Kultausübung und Heroenverehrung. Wie erwähnt liegen uns für eine genauere Beurteilung dieser Frage der archaischen Verhältnisse (noch) zu wenige archäologische und historische Quellen vor, so dass hier ein gewisses Maß an Unsicherheit bleibt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Umreißt die kleisthenischen Reformen als zentralen Einschnitt in die attische Ordnung und legt den Fokus auf die Untersuchung der administrativen Neugliederung und deren Auswirkungen.
1. Die Beschaffenheit des attischen Gemeinwesens vor den Reformen des Kleisthenes: Analysiert den Status quo des archaischen Gemeindewesens, insbesondere die Rolle von Phylen, Phratrien und gentilizischen Strukturen.
2. Die Vermischung der Bürgerschaft in den Phylen und Demen durch die Reformen des Kleisthenes: Beschreibt die Neuorganisation der Phylen und Demen durch Kleisthenes und deren neue administrative sowie politische Funktion.
3. Politische Konsequenzen der Reformen: Aktivierung der Demen und Vermischung der Bürgerschaft in der neuen Phylenordnung: Untersucht die politischen Folgen, namentlich die verstärkte Partizipation der Bürger und die durch die Reformen geschaffene konstitutionelle Mischung der Bevölkerung.
Fazit: Führt die Ergebnisse zusammen und ordnet das Wirken des Kleisthenes kritisch in den Kontext der Begründung demokratischer Strukturen ein.
Schlüsselwörter
Kleisthenes, Attika, Reformen, Phylen, Demen, Trittyen, Phratrien, politische Partizipation, Bürgerschaft, Gemeindeordnung, Demokratie, Partizipation, konstitutionelle Ordnung, Antike, Politische Aktivierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den umfassenden Verfassungsreformen des Kleisthenes im antiken Attika und deren Auswirkungen auf die soziale und politische Ordnung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die Analyse des vorkleisthenischen Gemeindewesens, die administrative Neugliederung durch Phylen und Demen sowie die damit einhergehende politische Partizipation der athenischen Bürgerschaft.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Maßnahmen der kleisthenischen Reformen adäquat darzustellen und zu bewerten, insbesondere unter der Fragestellung, wie eine „Vermischung der Bürgerschaft“ erreicht wurde.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der antike Quellen (wie Aristoteles und Herodot) mit moderner Forschungsliteratur in Bezug gesetzt werden, um die institutionellen Veränderungen zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der archaischen Verhältnisse, die detaillierte Beschreibung der kleisthenischen Neugliederung der Bürgerschaft und die Analyse der daraus resultierenden politischen Konsequenzen für die Partizipation.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Kleisthenes, Phylen, Demen, konstitutionelle Reformen, Partizipation und die kritische Auseinandersetzung mit dem modernen Demokratiebegriff im antiken Kontext.
Warum wird die Bezeichnung „Demokratie“ für die kleisthenischen Reformen in der Arbeit problematisiert?
Der Autor argumentiert, dass die moderne Verwendung des „Demokratie“-Begriffs auf einer ex post Analyse beruht und durch ideengeschichtliche Konnotationen der Aufklärung geprägt ist, die für antike Verhältnisse nur bedingt anwendbar sind.
Welche Rolle spielt die „Vermischung der Bürgerschaft“ bei den Reformen?
Die Vermischung war ein gezieltes technisches und politisches Mittel, um durch die Kombination von Stadt-, Küsten- und Binnenlandgebieten in neuen Phylen eine politische Integration und Identifikation der gesamten Bürgerschaft mit Attika zu fördern.
- Quote paper
- B.A. Jan-Frederik Kremer (Author), 2007, Die Reform des attischen Gemeindewesens durch Kleisthenes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136765