Walther von der Vogelweide - Die Reinmar-Walther-Fehde an ausgewählten Texten


Seminararbeit, 2003

30 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Walthers Lebenslauf
1.2. Walthers Minnesang

2. Die Reinmar-Walther-Fehde
2.1. Besprechung der Schach- Lieder:
2.1.1. MF 159,1 ff
2.1.1.1. Bauprinzip
2.1.1.2. Inhalt
2.1.2. L 111,22 ff
2.1.2.1. Bauprinzip
2.1.2.2. Inhalt
2.2. Besprechung Walthers „Frauenschönheit“ (L 53,25ff)
2.2.1. Überlieferung
2.2.2. Inhalt
2.2.3. Bauprinzip
2.3. Einordnung in die Walther- Reinmar- Fehde
2.3.1. Interpretation MF 159,1ff, MF 170,19f und L 111,22ff
2.3.2. Interpretation L 53,25 ff
2.3.2.1. Bezüge zu Morungen
2.3.2.2. Bezüge zu Reinmar

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

Die Walther- Reinmar- Fehde

Anhand der Lieder MF 159,1 - L 11,22 - MF 170,19 / L 53,25

1. Einleitung

1.1. Walthers Lebensskizze

Der Lebenslauf Walthers stützt sich auf viele Spekulationen, da es nur ein sicheres Zeugnis gibt. Seine Lebenspanne kann zwischen 1170 und 1230 angesiedelt werden[1]. Einzig sicheres außerliterarisches Zeugnis des Minnesängers ist eine Eintragung in das Ausgabenregister des Passauer Bischofs Wolfger von Erla vom 12. November 1203 und die Bezahlung von 5 Schillingen für einen Pelzrock: „sequenti die apud Zei[zemurum] Walthero cantori de Vogelweide pro pellici. V. sol. longos" [2].

Walthers Geburtsort ist nicht gesichert, Spekulationen reichen über Südtirol, Österreich, Franken und die Schweiz, durchziehen damit nahezu den gesamten süddeutschen Raum. Sein Geburtstand ist ebenfalls unklar. Die „Mannesische Liederhandschrift [bezeichnet ihn als] (C) her [...] wie auch die Weingartner (B)“[3] und ordnet ihn dadurch in den Ministerialenstand ein, diese Bezeichnung kann aber auch situationsbedingt benutzt worden sein und den „meisterlich literarischen Rang“[4] bezeichnen. Zumindest scheint es in der Wissenschaft nahezu gesichert, dass sein Stand ihm eine Ausbildung am Wiener Hof erlaubte[5]. Aufgrund dieser Spekulation vermutet man auch, dass Walther sein Handwerk unter Reinmar von Hagenau erlernt habe[6]. Es wird vermutet, dass Walther den Hof 1198 verließ, als sein potentieller Gönner Herzog Friedrich I. starb, dem er einen Nachruf verfasste.[7] In L19,29 „beklagt er den Tod des Herzogs als seine eigene Lebenswende“[8]. Nach 1198 beginnen daher Walthers Wanderjahre, in denen er als fahrender Sänger verschiedene Stationen besucht. Den geographischen Umfang hat er in seiner Flussformel umschrieben: „Von der Seine unz an die Muore, von dem Pfâde unz an die Trabe (31,13f.) ; von der Elbe unz an den Rîn und her wider unz an der Unger lant. (56,38f.) [9] . Zwischen 1198 und 1201 hielt er sich bei dem Staufer Philipp[10] auf, 1212/13 bei Otto IV.[11] und vermutlich diente er schon ab 1213 unter dem Staufer Friedrich II. Barbarossa[12], für den und für dessen Reichsverweser Engelbert von Köln er bis 1229 Sangsprüche verfasste. Außerdem hielt er sich 1201 und 1214/15 bei seinem Gönner Landgraf Hermann von Thüringen[13] auf, 1212 beim Markgrafen Dietrich von Meißen[14], 1203 beim Bischof und Patriarchen Wolfger von Erla, „als solcher mit der Gestaltung des ‚Nibelungenlieds’ in Verbindung gebracht“[15]. Weiterhin war er bei Herzog Bernhard von Kärnten, Graf Dieter II. von Katzenellenbogen, Herzog Ludwig I. von Baiern (?) und Heinrich von Mödling.[16]

Er versuchte zeit seines Lebens eine dauerhafte Stellung am Babenberger Hof zu bekommen, erreichte dies aber trotz einiger Besuche zwischen 1203 und 1219 nicht[17]. Jedoch erhielt er von Kaiser Barbarossa ein nicht zu definierendes Lehen 1220[18]. Wahrscheinlich starb Walther um 1230, da keine seiner Werke später datierbar sind.

1.2. Walthers Minnesang

Im deutschen Sprachraum wird der Minnesang zunächst laienhaft von den adligen Herren selbst ausgeführt, zum Beispiel von Graf Rudolf von Fenis- Neuenburg oder Kaiser Heinrich VI., des weiteren von Hofangehörigen, die in abgesicherten und einflussreichen Positionen leben, wie zum Beispiel der Reichministeriale Friedrich von Hausen.[19] Dass neben diesen Autorenkreis Minnesänger, deren Dienst vor allem ein spezialisierter, literarischer war, treten können, setzt voraus, dass auch bei diesen eine minimale Form von Hofzugehörigkeit vorhanden ist. Ebenso scheint eine weitere Voraussetzung für den Minnesang die längerfristige Anstellung des Sängers an einem Hof zu sein, was in der zentralen Rolle des Werbenden mit dem Lebensinhalt Minnedienst an einer höfischen Dame begründet liegt.[20]. Gemeint ist, dass auch eine literarisch erfundene Minnedame und das Minnekonzept für die Zuhörerschaft erst dann realistisch werden kann, wenn der Sänger längere Zeit an einem Hof verbracht hat, da die meisten Minnelieder in der Ich-Form vorgetragen wurden.[21] Ebenso wie der Minnesang ist auch die Sangspruchdichtung primär für die Aufführung am Hof, in diesem Fall aber für den Hof auf Reisen oder bei Hoftagen bestimmt. Das zwingt den Sangspruchdichter in der Regel dazu von Hof zu Hof zu ziehen, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen.[22] „Für das guot, den Lohn den sie empfangen spenden sie êre.“[23]

„Minnesang und Sangspruchdichtung sind Beispiele dafür, daß mittelalterliche Gattungen nicht als Textsorten zu betrachten sind, deren sich ein Autor je nach Begabung, Neigung oder Zweck beliebig bedienen konnte, sonder daß sie eher konventionalisierte Formen der Verständigung darstellen, in denen wesentlich auch die gesellschaftliche Beziehung von Autor und Publikum festgelegt ist und bei jeder Aufführung aktualisiert wird.“[24]

Aufgrund seiner Position als Minnesänger und Sangspruchdichter stellt Walther eine Besonderheit dar, vor allen Dingen weil er beides nicht nacheinander, sondern parallel betrieben hat. Bei ihm kommen beide Gattungen zu einer Annäherung, Berührung und Überschneidung. Dies zeigt sich im inhaltlichen darin, dass sich in seinen Minneliedern Gesellschaftskritik finden lässt, so wie sich auch in seiner Sangspruchdichtung Elemente der Minnelehre wiederfinden[25]. Hierbei ist für das Verständnis von Walthers Werk bedeutend, dass die unterschiedliche gesellschaftliche Einbindung und soziale Wertigkeit dieser beiden Gattungen Walther in ein Spannungsverhältnis setzt, und diesen nötigt, die Spannung auch in seinem Werk zu verarbeiten. „Er tut es bewußt, und er tut es so, daß er der Literatur und der Beziehung zwischen Autor und Publikum neue Wege bahnt.“[26]

Walthers Werk ist bestimmt durch eine große Typenvielfalt. Nicht nur, dass er wie gesagt sowohl Sangspruchdichtung als auch Minnesang produziert. So finden sich auch Elemente der Vagantenlyrik in seinen Liedern, vor allem in der Zeit seiner Wanderjahre. Zudem versuchte er stets das traditionelle Verständnis von Minne zu hinterfragen, was sich auch in dem Wechsel von traditioneller Hoher Minne, über die Mädchenlieder hin zur Neuen Hohen Minne mit dem damit verbundenen neuen Minneprogrammen Walthers zeigt.

Sein Repertoire bot Tagelieder, Mädchenlieder und Pastourellen. Auch finden sich Lieder mit religiösem Inhalt.

2. Die Reinmar- Walther- Fehde

2.1. Besprechung der Schach-Lieder

2.1.1. Ich wirbe umbe allez, daz ein man - MF 159,1

„Ich wirbe umbe allez, daz ein man[27]

ze wereltîchen vröiden iemer haben sol.

daz ist ein wîp, der ich enkan

nâch ir vil grôzem werde niht gesprechen wol.

Lobe ich si, sô man ander vrouwen tuot,

daz engenimet si niemer tac von mir vür guot.

doch swer ich des, si ist an der stat,

dâs ûz wîplîchen tugenden nie vuoz getrat.

daz ist in mat!

Alse eteswenne mir der lîp

durch sîne boese unstaete râtet, daz ich var

und mir gevriunde ein ander wîp,

sô wil iedoch daz herze niender wan dar.

Wol ime des, daz es sô rehte welen kan

und mir der süezen arbeite gan!

doch hân ich mir ein liep erkorn,

deme ich ze dienst und waer ez al der welte zorn

wil sîn geborn.

Unde ist, daz mirs mîn saelde gan,

daz ich abe ir wol redendem munde ein küssen mac versteln,

gît got, daz ich ez bringe dan,

sô wil ich ez tougenlîchen tragen und iemer heln.

Und ist, daz sîz vür grôze swaere hât

und vêhet mich durch mîne missetât,

waz tuon ich danne, unsaelic man?

dâ nim eht ichz und trage ez hin wider, dâ ichz dâ nan,

als ich wol kan.

Si ist mir liep, und dunket mich,

wie ich ir volleclîche gar unmaere sî.

waz darumbe? daz lîde ich:

ich was ir ie mit staeteclîchen triuwen bî.

Nu waz, ob lîhte ein wunder an mir geschiht,

daz sî mich eteswenne gern siht?

sâ denne lâze ich âne haz,

swer giht, daz ime an vröiden sî gelungen baz:

der habe im daz.

Diu jâr diu ich noch ze lebenne hân,

swie vil der waere, ir wurde ir niemer tac genomen.

sô gar bin ich ir undertân,

daz ich niht sanfte ûz ir gnâden mohte komen.

Ich fröuwe mich des, daz ich ir dienen sol.

si gelônet mir mit lîhten dingen wol,

geloube eht mir, swenne ich ir sage

die nôt, die ich an dem herzen von ir schulden trage

dicke an dem tage.“

2.1.1.1. Aufbau

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Strophen des Liedes 159,1ff bestehen aus einem Aufgesang aus zwei Stollen und einem fünfversigen Abgesang. Von den ersten acht Versen können jeweils zwei aufeinanderfolgende gruppiert werden, so dass immer zehn Hebungen bestehen[28] ; der Schlussvers, der nur zweihebig ist, bildet eine Akzentuierung, dadurch ist eine gewisse Tendenz zur Symmetrie gegeben. Das Reimgeschlecht ist ausschließlich männlich. Der Aufgesang besteht aus einem Kreuzreim, der Abgesang aus einem Paarreim, wobei der Kurzvers den vorangegangenen Reim aufgreift und somit die auch inhaltlich vorhandene Bindung zu den beiden vorherigen Versen wiedergibt.

[...]


[1] Die deutsche Literatur des Mittelalters: Verfasserlexikon. Hg. Burghart Wachinger u.a. Bd.10. Berlin, New York 1999. Sp. 672.

[2] Brunner, Horst u.a.: Walther von der Vogelweide. Epoche, Werk, Wirkung. München 1996. S. 23.

[3] Brunner, Walther von der Vogelweide S. 20.

[4] Verfasserlexikon. HG. Burghart Wachinger Sp. 672.

[5] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 21.

[6] Verfasserlexikon. HG. Burghart Wachinger Sp. 670.

[7] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 21.

[8] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 21.

[9] Verfasserlexikon. HG. Burghart Wachinger Sp. 671.

[10] Verfasserlexikon. Hg. Burghart Wachinger Sp.671.

[11] Verfasserlexikon. Hg. Burghart Wachinger Sp.671.

[12] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 22.

[13] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 22.

[14] Verfasserlexikon. Hg. Burghart Wachinger Sp. 671.

[15] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 22.

[16] Verfasserlexikon. Hg. Burghart Wachinger Sp. 671.

[17] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 23.

[18] Verfasserlexikon. Hg. Burghart Wachinger Sp. 671.

[19] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 15.

[20] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 15f.

[21] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 16.

[22] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 16.

[23] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 16.

[24] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 16.

[25] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 16.

[26] Brunner, Walther von der Vogelweide. S. 16.

[27] Des Minnesangs Frühling, ed.v. Hugo Moser und Helmut Tervooren. Stuttgart 198838.

[28] Bauschke, Ricarda. Die ‚Reinmar-Lieder’ Walthers von der Vogelweide. Literarische Kommunikation als Form der Selbstinszenierung. Heidelberg: Winter, 1999. (Germanisch- romanische Monatsschrift: Beiheft 15). S. 61.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Walther von der Vogelweide - Die Reinmar-Walther-Fehde an ausgewählten Texten
Hochschule
Universität Bayreuth  (FB Germanistik)
Veranstaltung
PS Walther von der Vogelweide
Note
1
Autoren
Jahr
2003
Seiten
30
Katalognummer
V13678
ISBN (eBook)
9783638192651
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Walther, Vogelweide, Reinmar-Walther-Fehde, Texten
Arbeit zitieren
Ulrike Christine Steffke (Autor)Sven Alexander Döring (Autor), 2003, Walther von der Vogelweide - Die Reinmar-Walther-Fehde an ausgewählten Texten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13678

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