Die Hausarbeit behandelt die Frage, ob Moral und wirtschaftlicher Erfolg sich vereinen lassen, wenn das wirtschaftliche Handeln vor allem der zeitnahen Gewinnmaximierung des Unternehmens dient und ethisches Handeln dem langfristigen Gemeinwohl Nutzen stiften soll und ob eben dieses Handeln dauerhaft auf einer inneren moralischen Grundüberzeugung fundiert.
Zur Beantwortung dieser Fragestellung möchte ich mich mit den Grundgedanken der Wirtschaftsethik, der moralischen Bewertung wirtschaftlichen Handelns aus wissenschaftlicher Sicht, auseinandersetzen. Es soll aufgezeigt werden, in welchem Verhältnis Moral und Ökonomie zueinanderstehen und welche Rolle dabei das Recht spielt, wobei alle drei Bereiche als relativ autonom betrachtet werden. Zunächst erfolgt eine Definition des Personenverständnisses und der Interpersonalität. Weiterhin werden die Konstrukte Moral, Ökonomie und Recht erläutert und deren Beziehungen zueinander betrachtet.
Es gibt einen Aufruf an die Wirtschaft, sich nicht nur an wirtschaftlichem Erfolg, sondern am Beitrag zum Gemeinwohl zu messen; wirtschaftliche Handlungen und moralische Verpflichtungen in Gleichklang zu bringen. Diese Forderung nimmt beispielsweise der Sportartikelhersteller Patagonia ernst und sorgt Mitte September 2022 für Schlagzeilen: der Firmeneigentümer des Outdoor-Bekleidungsherstellers Patagonia, Yvon Chouinard, hat das Unternehmen an gemeinnützige Stiftungen übertragen, um den Klimawandel zu bekämpfen: der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens wird Zweck und Mittel zugleich. Ähnlich hat auch der deutsche Hersteller VAUDE umweltfreundliches und faires Wirtschaften zur Kernphilosophie gemacht. Beide Firmen verstehen, dass der Erfolg des derzeit globalen Wirtschaftssystems zu oft auf sozialer Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt beruht und dass die Privatwirtschaft einen bedeutenden Einfluss auf die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen hat, in denen wir leben. Um langfristig den Erhalt unseres Planeten sicherzustellen und soziale Ungleichheit zu beseitigen, sehen sie die Notwenigkeit eines wirtschaftlichen Umdenkens.
Inhaltsverzeichnis
1 Rolle der Wirtschaftsethik in der zeitgemäßen Unternehmensführung
2 Zentrale Konstrukte der Wirtschaftsethik: Die Wirklichkeitsbereiche und deren Wissenschaften
2.1 Person und Interpersonalität
2.2 Moral und Ethik
2.3 Ökonomie und Ökonomik
2.4 Recht und Juridik
3 Interpersonalverhältnisse
3.1 Moral und Ökonomie
3.2 Moral und Recht
3.3 Recht und Ökonomie
3.4 Die Beziehung zwischen Recht, Ökonomie und Moral
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Handeln und moralisch-ethischen Anforderungen in modernen Unternehmen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Moral, Ökonomie und das Recht als notwendiger Ordnungsrahmen bei der Gestaltung einer verantwortungsvollen Unternehmensführung zusammenwirken.
- Die Rolle der Wirtschaftsethik in der modernen Unternehmensführung
- Grundlagen der Personalität, Moral, Ökonomie und des Rechts
- Die Interdependenzen zwischen diesen drei Wirklichkeitsbereichen
- Bedeutung von Corporate Social Responsibility (CSR) für ein ethisches Wirtschaftsmodell
Auszug aus dem Buch
2.1 Person und Interpersonalität
Eine Person definiert sich zunächst als ein menschliches Wesen (Objekt), welches über sinnliches und rationales Bewusstsein und Spontanität, also Subjektivität i.S.v „was das Sein ausmacht“ verfügt. Darüber hinaus unterschiedet sich eine Person durch das Vorhandensein von Vernunft und Willensfreiheit (Personalität) von tierischen Lebewesen, die rein sinnlich agieren. Vernunft und Willensfreiheit stehen im Zusammenhang mit Sinnlichkeit und Rationalität, die sich auf die drei Grundfunktionen eines Subjekts – nämlich Vorstellen („so ist es“), Begehren („so soll es sein“) und Gefühl („so fühle ich“) – auswirken.
Willensfreiheit ergibt sich dabei wiederum nur durch eine Kombination aus dem sinnlichen und dem rationalen Begehren. Das sinnliche Begehren ist unfrei und zufällig; es gibt nichts, was ein Mensch begehren muss, sondern nur, was er begehren kann. Die Befriedigung dieser sinnlichen Begierden resultiert in Lust, die Nichtbefriedigung in Unlust. Es existiert kein inhaltlich streng notwendiges, rationales Begehren; „rational“ bezieht sich auf die Form des Begehrens: ein allgemeingültiges, mittels Verstandes durchdachtem „Ich soll etwas (nicht) begehren“, immer unter der Annahme der Willensfreiheit des Einzelnen. Das formale Begehren reflektiert und bewertet das den Inhalt des Begehrens, das „was ich begehre“ und wird als Begehren 2. Ordnung verstanden.
Durch die Bewertung des eigentlichen Begehrens erfolgt eine Abstraktion vom rein sinnlichen Begehren; die praktische Vernunft, die die Frage stellt „soll ich das sinnliche Begehren wirklich umsetzen?“ Soll etwas, was man sinnlich begehrt, unterlassen werden – der Vernunft, des Gewissens wegen? Dahinter steckt die moralische, sittliche Pflicht, die zwar kein Müssen darstellt, aber ein unbedingtes Sollen, welches in ein Sollengesetz oder Sittengesetz mündet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Rolle der Wirtschaftsethik in der zeitgemäßen Unternehmensführung: Das Kapitel erläutert die Notwendigkeit ethischen Umdenkens angesichts globaler Wirtschaftsprobleme und stellt CSR sowie die Gemeinwohlökonomie als Lösungsansätze vor.
2 Zentrale Konstrukte der Wirtschaftsethik: Die Wirklichkeitsbereiche und deren Wissenschaften: Hier werden die theoretischen Grundlagen für Personsein, Moral, Ökonomie und Recht erarbeitet, um die Bedingungen für moralisches und rechtmäßiges Handeln zu definieren.
3 Interpersonalverhältnisse: Dieses Kapitel analysiert die Wechselwirkungen zwischen Moral, Ökonomie und Recht und verdeutlicht, warum ein gesetzlicher Rahmen für ethisches Wirtschaften unerlässlich ist.
4 Fazit: Die Zusammenfassung betont, dass wirtschaftliche Unternehmen zwar im rechtlichen Rahmen agieren müssen, jedoch ethische Grundsätze für eine nachhaltige Zukunft unentbehrlich sind.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsethik, Unternehmensführung, Gemeinwohlökonomie, Moral, Ethik, Ökonomie, Recht, Interpersonalität, Corporate Social Responsibility, CSR, Vernunft, Willensfreiheit, Selbstzweckformel, Nachhaltigkeit, Sozialverträglichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Zusammenwirken von Wirtschaft und Ethik und wie Unternehmen ihre ökonomische Verantwortung mit moralischen Ansprüchen und gesetzlichen Anforderungen in Einklang bringen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die Definition von Wirtschaftsethik, das Verhältnis von Mensch und Interpersonalität sowie die strukturellen Beziehungen zwischen ökonomischem Handeln, moralischem Anspruch und juristischem Rahmen.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit primär?
Ziel ist es, die Grundlagen einer zeitgemäßen, verantwortungsvollen Unternehmensführung darzulegen, die über reine Gewinnmaximierung hinausgeht und das Gemeinwohl einbezieht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer wissenschaftlich-theoretischen Auseinandersetzung mit philosophischen Grundgedanken, insbesondere basierend auf Kant, sowie aktuellen betriebswirtschaftlichen Konzepten wie der Gemeinwohlökonomie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der zentralen Konstrukte (Person, Moral, Ökonomik, Recht) und die Analyse ihrer Interdependenzen, insbesondere der Notwendigkeit einer rechtlichen Rahmensetzung für ethisches Wirtschaften.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Wirtschaftsethik, Gemeinwohlökonomie, Interpersonalverhältnisse, CSR-Standards und die Unterscheidung zwischen Moralität und Legalität.
Warum ist laut der Arbeit eine rein moralische Selbstverpflichtung von Firmen oft unzureichend?
Da Moral ein privates, subjektives Wertesystem ist und keine allgemeine Verpflichtung darstellt, bedarf es aus Sicht der Autorin regulierender Gesetze, um auch illegale oder ausbeuterische Handlungen sicher zu verhindern.
Welche Bedeutung hat das Recht für das „Bamberger Modell“ der Wirtschaftsethik?
Das Recht wird hier als zwingende, regulierende Instanz betrachtet, die sicherstellt, dass fundamentale Werte geschützt werden, da man sich nicht allein auf die freiwillige Vernunftbegabung jedes Wirtschaftsteilnehmers verlassen kann.
- Arbeit zitieren
- Martina Kral (Autor:in), 2022, Wirtschaftsethik als integrativer Bestandteil zeitgemäßer Unternehmenspolitik. Zentrale Konstrukte der Wirtschaftsethik und Interpersonalverhältnisse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1367919