Familienbildung - Familienformen - Lebensformen: Die historische Entwicklung der Familie in Deutschland


Seminararbeit, 2002
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Familientypen
2.1) Die bäuerliche Familie
2.2) Die bürgerliche Familie
2.3) Die Arbeiterfamilie

3) Die Familie der letzten 50 Jahre
3.1) Die Familie der Nachkriegszeit und in der Konsolidierungsphase
3.2) Die Familie in der Umbruchsphase
3.3) Die Familie in der Phase der materiellen Sicherheit

4) Zusammenfassung

5) Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung der Familie in Deutschland. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den drei dominierenden Familientypen der letzten zwei Jahrhunderte sowie der aus ihnen hervorgegangenen besonderen Entwicklung nach 1945. Es soll hier kein Vergleich zu anderen europäischen Staaten angestellt werden, ebenso wird von einer Differenzierung der Familien in West- und Ostdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg abgesehen.

Der Aufbau der Arbeit ist chronologisch gestaltet und zweigeteilt.

Im ersten Block werden die drei bedeutensten Familientypen (die bäuerliche, bürgerliche und Arbeiterfamilie) näher betrachtet.

Die daraus resultierende Entwicklung der Familie nach 1945 soll im zweiten Block der Arbeit in den Abschnitten der Nachkriegszeit und der Konsolidierung, der Umbruchsphase, sowie der Phase der materiellen Sicherheit untersucht werden.

Innerhalb der ersten drei Familientypen werden die Wohnverhältnisse/ Lebensbedingungen, innere Familienstruktur, Kinder, Arbeitsteilung und Partnerwahl/Ehe betrachtet, um die Familientypen voneinander abgrenzen zu können bzw. da hierin die Hauptunterschiede liegen, diese aufzeigen zu können.

Im zweiten Teil soll der Schwerpunkt der Betrachtungen auf den unterschiedlichen gesellschaftlichen Entwicklungen liegen, da die Strukturen der Familie darin begründet sind, sie selbst aber so zahlreich und differenziert sind, dass eine detaillierte Untersuchung den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde.

Des weiteren wird hier die Entwicklung der Gleichberechtigung der Frau beleuchtet, da dies wesentlicher Bestandteil der Familienentwicklung der letzten 40 Jahre ist.

2) Familientypen

2.1) Die bäuerliche Familie

Vom Mittelalter bis in das späte 19. Jahrhundert hinein war die gesamte west- und mitteleuropäische Gesellschaft von der Sozialstruktur der bäuerlichen Lebensweise geprägt. Erst mit der Industrialisierung ging die Zahl der bäuerlichen Familien in Deutschland zurück, wurde schließlich aber erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Minderheit.

1950 stellten sie in der BRD nur noch ein Viertel der Erwerbstätigen.

Das wohl bedeutenste Charakteristikum der bäuerlichen Familie ist die Verbindung von Familienleben und Arbeitswelt zu einem Komplex.

Auf einem Hof lebten und arbeiteten sowohl Vater, Mutter, Kinder und Verwandte, wie auch zusätzlich aufgenommene Arbeitskräfte, um den Anforderungen der landwirtschaftlichen Arbeit nachzukommen. Der „Hausvater“ war also nicht nur für die verwandten Familienmitglieder zuständig, sondern in gleicher Weise auch verantwortlich für Knechte und Mägde auf den Bauernhöfen, sowie für Gesellen und Lehrlingen bei den Handwerkern.

Der Begriff Familie umfasste all jene, die zusammen auf einem Hof lebten. Aus diesem Grund nannte man diesen Familientyp auch den des „Ganzen Hauses“.

Zu der ohnehin schon relativ geringen Produktivität der vorindustriellen Agrarwirtschaft kam erschwerend hinzu, dass Grundherrn, aber auch der Staat dafür sorgten, dass die Bauernfamilien ständig am Rande der Überlebensbedingungen lebten. Man arbeitete nahezu komplett für den Eigenbedarf und war ständig um die Sicherung der eigenen Existenz bemüht. Dies hatte großen Einfluss auf die Lebensbedingungen und es kam nicht selten vor, dass sich Eltern mit 4 Kindern 2 Betten teilen mussten.

In den Bauernfamilien mussten alle arbeiten. Die Arbeitsbereiche wurden in Männer- und Frauenarbeit aufgeteilt. Der Bauer hatte die Aufsicht über die männlichen Arbeitskräfte, während die Bäuerin für das weibliche Personal zuständig war. Es lässt sich jedoch nicht generell feststellen, dass die Frauen für die leichteren Tätigkeiten eingesetzt wurden, denn je nach regionalen Bedingungen mussten auch Frauen harte körperliche Arbeit verrichten.

In Bauernfamilien nahm der Vater des Hauses eine besonders große Vormachtstellung ein, auch wenn Frauen eine gewisse innerhäusliche Machtausübung für sich in Anspruch nehmen konnten, stand dieser immer eine ausgeprägte Dominanz des Mannes gegenüber.

Da Bauernfamilien auf Arbeitskräfte angewiesen waren, ist es folglich leicht zu verstehen, dass ihr Wunsch nach Kindern groß war. Kinder bedeuten in den Bauernfamilien Nachwuchs an Arbeitskräften sowie eine Garantie der Altersversorgung für die Eltern.

Die Kinder der Bauern wurden möglichst früh mit in die Arbeitswelt integriert und hatten ihre Arbeit nach all ihren Möglichkeiten zu erledigen. Kindsein als eigene Lebensphase war nicht möglich.

Auch das Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern war eher gefühlsarm als durch Zuneigung geprägt. Die Mütter hatten keine Zeit sich um die Kinder zu kümmern, da sie sich möglichst bald nach der Geburt wieder ihrer Arbeit zuzuwenden hatten. Die Mütter kümmerten sich lediglich darum, das Kind ruhig zu halten. Eine weitverbreitete Möglichkeit war das „Steckwickeln“. Hierbei wurden die Säuglinge mittels langer Wickelbänder so fest zusammengeschnürt, dass sie Arme und Beine nicht mehr bewegen konnten und sich somit nicht mit ihrer Umwelt auseinander setzen konnten. So war das noch nicht arbeitsfähige Kind ruhiggestellt und die Mutter konnte ihrer Arbeit nachgehen.

Schulbesuche waren in vielen Bauernfamilien völlig ausgeschlossen, die Feldarbeit ging der Schule generell vor.

Eine Vorrausetzung für den Schulbesuch im Winter war der Besitz von Schuhen. Und dies war für die meisten Bauernfamilien ohnehin unerschwinglich.

Wie die Kinder keine freien Entfaltungsmöglichkeiten hatten, so war es bei den Erwachsenen in Hinsicht auf ihre Partnerwahl nicht anders.

Wer einen Hof erhalten wollte, musste sich einen Ehepartner suchen, mit dem dies ermöglicht werden konnte.

Diese Partnerwahl beruhte nicht auf individuellen Interessen und Gefühlen, vielmehr spielten Arbeitskraft, Heiratsgut und der zu erbende Grundbesitz eine wesentliche Rolle. Bei einer freien Partnerwahl wären wirtschaftliche Katastrophen das Resultat gewesen.

Zu der ohnehin schon völlig emotionslosen Wahl des Ehepartners kam noch hinzu, das die Ehe einer großen Kontrolle durch die soziale Umgebung unterlag. Die Eheschließungen wurden von Grundherrn, Gemeinde und Kirche überwacht. Abhängige Bauern mussten sich zunächst erst einmal eine Heiratsbewilligung ihres Grundherrn einholen und schließlich für die Erteilung dieses „Ehekonsens“ eine Gebühr hinterlegen.

Da die Eheschließung nicht auf Eigenschaften wie Attraktivität und persönliche Ausstrahlung basierte, war auch das eheliche Sexualleben auf einen reinen Geschlechtsverkehr zur Fortpflanzung reduziert.

Zusätzlich führte die hohe Frauensterblichkeit dazu, dass ein Bauer oft mehrmals heiratete, um die Stelle der verstorbenen Bäuerin wieder besetzten zu können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Familienbildung - Familienformen - Lebensformen: Die historische Entwicklung der Familie in Deutschland
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Soziologie)
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V13681
ISBN (eBook)
9783638192675
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familienbildung, Familienformen, Lebensformen, Entwicklung, Familie, Deutschland
Arbeit zitieren
Annika Freise (Autor), 2002, Familienbildung - Familienformen - Lebensformen: Die historische Entwicklung der Familie in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13681

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