Diese Arbeit wird sich mit der Architektur des "Neuen Bauen" befassen. Zentraler Bestandteil der Überlegungen sollen die Ideen und die Architektur rund um das Wohnen sein. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern die Architektur des "Neuen Bauen" im Rheinland repräsentativ für die Ideen und Ideale der Bewegung steht und welche Auswirkungen die entstandenen Gebäude auf die Wahrnehmung der sozialen Schichten hatte?
Das Rheinland verfügt über eine enorme Vielfalt an Architektur. Von mittelalterlichen Stadtkernen, über barocke Schlösser bis hin zu repräsentativen Gründerzeitfassaden in den Großstädten an den Flüssen Rhein und Ruhr zeichnet sich ein breites bauliches Spektrum innerhalb dieser Kulturlandschaft ab. Doch besonders die Zeit der Weimarer Republik, also zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und der nationalsozialistischen "Machtergreifung" ab 1933, sticht als Phase architektonischer Aufbrüche hervor. Waren doch mit der ersten deutschen Republik große politische und gesellschaftliche Erwartungen verbunden, so diente auch die Architektur als Spiegel der Zeit und der damit verbundenen Umbrüche. Vor allem das "Neue Bauen", das heute besonders durch Zentren wie das "Bauhaus" und das "Neue Frankfurt" auch international bekannt ist, erfuhr in intellektuellen und avantgardistischen Kreisen eine große Aufmerksamkeit und prägte weithin das deutsche Verständnis des architektonischen und kulturellen Begriffs der "Moderne".
Der erste Teil der Arbeit wird die Bewegung und die Ideen des "Neuen Bauen" abbilden und dabei den Fokus auf die Konzeption des "neuen Menschen" legen. Der zweite Teil wird daran anschließend einen Bogen zur Anwendung des "Neuen Bauen" im Rheinland schlagen, um in einer Gegenüberstellung von Individualhäusern und Siedlungsbau den sozialen Charakter des "Neuen Bauen" zu ermitteln. Beim Siedlungsbau soll vor allem das sogenannte "Kölner Modell" im Zentrum der Betrachtungen stehen. Dabei wird sich diese Arbeit, aufgrund der Vielzahl von Gebäuden und zu Gunsten der Kompaktheit, auf einige Beispiele begrenzen. Das letzte Kapitel wird die gesellschaftliche Resonanz im Rheinland aufgreifen, umso mögliche Diskrepanzen zwischen den sozialen Schichten zu beschreiben und ein Fazit formulieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ideen des „Neuen Bauen“
3 Neues Bauen im Rheinland
3.1 Siedlungsbau
3.2 Individualhäuser
4 Gesellschaftliche Resonanz
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern die Architektur des „Neuen Bauen“ im Rheinland zwischen 1918 und 1933 repräsentativ für die Ideale der Bewegung war und welche Rolle der soziale Charakter bei der Ausgestaltung von Wohngebäuden spielte.
- Analyse der theoretischen Grundlagen und der Konzeption des „Neuen Menschen“.
- Gegenüberstellung von Siedlungsbau und Individualhäusern im Rheinland.
- Untersuchung des „Kölner Modells“ als exemplarisches Beispiel für sozialen Wohnungsbau.
- Erforschung der gesellschaftlichen Resonanz und öffentlichen Wahrnehmung in der zeitgenössischen Presse.
- Vergleichende Betrachtung der finanziellen und sozialen Rahmenbedingungen architektonischer Projekte.
Auszug aus dem Buch
3 Neues Bauen im Rheinland
Betrachtet man das „Neue Bauen“ im Rheinland in der Zeit zwischen 1918 und 1933 fällt auf, dass kein mit dem „Bauhaus“ oder dem „Neuen Frankfurt“ vergleichbares Zentrum existierte. Zwar gab es mit Mies van der Rohe einen, aus Aachen stammenden bekannten Vertreter des „Bauhauses“ und mit Peter Behrens Direktorat an der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule die Initialzündung für die Reformen des rheinischen Kunstgewerbeschulwesens, das zur Verbreitung des „Neuen Bauens“ im Westen beitrug, doch nichts, was an den Nimbus der beiden zuvor genannten Institutionen heranreichte. Und trotzdem stellt die Landschaft an Rhein und Ruhr ein breites architektonisches Spektrum der Moderne und einen wichtigen Teil der Historie des „Neuen Bauen“ dar. Hatte doch bereits 1914 in Köln die Werkbundausstellung, auf der Architekten mit Entwürfen beitrugen, die später stark mit dem „Neuen Bauen“ assoziiert werden sollten, den Grundstein zur Verbreitung der Moderne im Rheinland gelegt.
Darüber hinaus darf sicherlich auch die Verwendung von Sichtbackstein bzw. Klinker als Teil der rheinischen Identität des „Neuen Bauen“ betrachtet werden. Anders als in anderen Teilen Deutschlands setzte man bei der Fassadengestaltung oft auf den industriell gefertigten Normstein und verzichtete auf das Verputzen der Außenwände. Dadurch entstanden neue Gestaltungsmöglichkeiten. Zum einen ließen sich durch seine Normgröße gut Kubuskonstruktionen errichten und zum anderen erlaubte es den Architekten mit den Fugenbildern zu spielen. Damit entsprachen die Klinkerfassaden auch dem regionalen Erscheinungsbild. Besonders daran war, dass der Sichtbackstein im Historismus fast gänzlich aus den Stadtbildern verschwunden war. Es handelte sich also um eine Art Rückbesinnung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die architektonische Vielfalt des Rheinlandes ein und erläutert die Zielsetzung, den sozialen Charakter des „Neuen Bauen“ anhand von Siedlungs- und Individuallösungen zu untersuchen.
2 Ideen des „Neuen Bauen“: Dieses Kapitel arbeitet das „Neue Bauen“ nicht als bloßen Stil, sondern als umfassende soziale Bewegung heraus, die im Kontext politischer Umbrüche nach dem Ersten Weltkrieg den „Neuen Menschen“ fokussierte.
3 Neues Bauen im Rheinland: Der Hauptteil analysiert die regionale Ausprägung der Moderne, wobei die Bedeutung von Sichtbackstein sowie die städtebauliche Entwicklung an Rhein und Ruhr beleuchtet werden.
3.1 Siedlungsbau: Dieser Abschnitt thematisiert den Massenwohnungsbau unter Einbeziehung des „Kölner Modells“ und des genossenschaftlichen Wohnungsbaus zur Linderung der Wohnungsnot.
3.2 Individualhäuser: Es wird untersucht, wie Einzelwohnhäuser als Experimentierfeld für moderne Wohnkonzepte dienten und inwiefern der Wohlstand der Bauherren eine abweichende Gestaltung gegenüber dem sozialen Wohnungsbau ermöglichte.
4 Gesellschaftliche Resonanz: Hier wird die öffentliche Wahrnehmung des „Neuen Bauen“ durch die Printmedien analysiert, wobei besonders auf die Ambivalenz zwischen positiver Berichterstattung und rechtskonservativer Kritik eingegangen wird.
5 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass das „Neue Bauen“ zwar die Gestaltung maßgeblich beeinflusste, jedoch eine soziale Diskrepanz zwischen öffentlichem Siedlungsbau und privaten Villenbauten bestehen blieb.
Schlüsselwörter
Neues Bauen, Rheinland, Moderne, Architektur, Weimarer Republik, Massenwohnungsbau, Kölner Modell, Neuer Mensch, Siedlungsbau, Individualhäuser, Wohnungsnot, soziale Resonanz, Glasarchitektur, Funktionalismus, Backsteinexpressionismus.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Umsetzung der Architektur des „Neuen Bauen“ im Rheinland während der Weimarer Republik.
Welche wohnungspolitischen Konzepte stehen im Mittelpunkt?
Im Zentrum stehen das „Neue Wohnen“, das „Befreite Wohnen“ sowie die Bemühungen zur Lösung der Wohnungsnot durch das „Kölner Modell“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu analysieren, inwiefern die Architektur des „Neuen Bauen“ die Ideale eines „neuen Menschen“ widerspiegelte und welche sozialen Unterschiede sich zwischen Siedlungs- und Individualbauten abzeichneten.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Verfasserin nutzt eine Literatur- und Diskursanalyse, um sowohl die baulichen Umsetzungen als auch die zeitgenössische mediale Rezeption zu beleuchten.
Welche Themen werden im Hauptteil vertieft?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Ideen des Bauens, die Unterschiede beim Bau von Siedlungen und Villen sowie deren gesellschaftliche Resonanz in der regionalen Presse.
Was charakterisiert die in der Arbeit verwendeten Begriffe?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie „Neuer Mensch“, „Kölner Modell“, „weiße Moderne“ und „Moderne Sachlichkeit“ aus.
Warum spielt das „Kölner Modell“ eine so wichtige Rolle?
Das Kölner Modell wird als Vorbild für bezahlbaren sozialen Wohnungsbau hervorgehoben, der hygienische Standards mit ökonomischer Effizienz verband.
Welche Rolle spielten politische Strömungen in der Architekturkritik?
Während sich die Fachpresse überwiegend positiv äußerte, lehnten rechtskonservative und nationalistische Kreise das „Neue Bauen“ oft als „bolschewistisches Bauen“ ab.
- Arbeit zitieren
- Tyll Röhrig (Autor:in), 2023, Architektonische Aufbrüche an Rhein und Ruhr. Kollektive Architektur oder Ausdruck bürgerlicher Eitelkeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1368381