Ziel dieser Arbeit ist es, die Rolle und die Technik des morphologischen Tiefeninterviews in der Psychologie zu beleuchten und zu reflektieren. Die Hausarbeit konzentriert sich auf die theoretischen Grundlagen des Tiefeninterviews, die Methodik und die Rolle des Interviewers, sowie auf den Ablauf des Interviews selbst. Der Fokus liegt auf dem non-direktiven Ansatz, bei dem der Interviewer auf die Aussagen des Befragten reagiert und die Möglichkeit hat, spontan darauf einzugehen, ohne das Gespräch in eine spezifische Richtung zu lenken. Darüber hinaus wird das Verhalten des Interviewers und die Interviewumgebung als wesentliche Faktoren für eine vertrauensvolle Atmosphäre und für die Möglichkeit, auch tabuisierte und emotionale Themen anzusprechen, analysiert. Schließlich wird ein Tiefeninterview zum Thema "Verzeihen" reflektiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das morphologische Tiefeninterview
2.1 Theoretische Grundlagen und Rahmenbedingungen
2.2 Die Rolle des Interviewers_der Interviewerin
2.3 Methodik und Technik
2.4 Ablauf des Interviews
3. Reflektion des Tiefeninterviews zum Thema „Verzeihen“
4. Grundqualität
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit widmet sich der qualitativen Forschungsmethode des morphologischen Tiefeninterviews. Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Anforderungen sowie die praktische Durchführung eines solchen Interviews – anhand einer durchgeführten Erhebung zum Thema "Verzeihen" – zu erforschen, zu reflektieren und methodisch einzuordnen.
- Einführung in die Psychologie und qualitative Erhebungsmethoden
- Theoretische Kennzeichen und Rahmenbedingungen des morphologischen Tiefeninterviews
- Die spezifische Rolle und Technik des Interviewers bei non-direktiven Gesprächsführungen
- Analyse und Reflektion der Durchführung eines Tiefeninterviews in der Praxis
Auszug aus dem Buch
2. Das morphologische Tiefeninterview
Bei der qualitativen Erhebungsmethode des Tiefeninterviews handelt es sich um ein non-direktives Interview, welches zwischen zwei Personen über einen Zeitraum von zwei bis drei Stunden stattfindet. Non-direktiv bedeutet, dass der Interviewer_die Interviewerin sich an den Aussagen des Interviewten_der Interviewten orientiert und auf diese spontan eingehen kann, ohne das Interview aktiv in eine spezifische Richtung zu lenken (Misoch, 2015).
Die Länge des Interviews ist einer von mehreren Faktoren, welche dazu beitragen eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, die dem Interviewpartner_der Interviewpartnerin den benötigten Raum gibt, um sich zu öffnen und es dadurch ermöglicht auch tabuisierte und emotionale Themen anzusprechen (Pohl, 2021a). Zwei weitere Faktoren, welche für die Atmosphäre eine prägnante Rolle spielen, sind das Verhalten des Interviewers_der Interviewerin gegenüber des Probanden_der Probandin, welches zu einem späteren Zeitpunkt näher erläutert wir, und der Ort des Interviews. Argelander (1983) erläutert in seinem Buch „Das Erstinterview in der Psychotherapie“, dass der Räumlichkeit des Interviews eine wichtige Rolle spielt. Sie soll eine ruhige Atmosphäre ausstrahlen und „[…] in ihr spiegelt sich die ungestörte Intimität und Gelassenheit des Gespräches […]“ (S.41). Das Tiefeninterview kommt der Alltagskommunikation sehr nah, da es der Form eines Gespräches gleicht und in einem alltäglichen Umfeld geführt wird. Durch diese Alltagsnähe wird der Rahmen für den freien Verlaufs des Interviews geschaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen ab, indem sie die psychologische Erhebungsmethodik kurz thematisiert und das morphologische Tiefeninterview als methodischen Fokus dieser Arbeit einführt.
2. Das morphologische Tiefeninterview: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Kennzeichen, notwendigen Rahmenbedingungen, die spezifische Rollenverteilung sowie die methodischen Techniken der Interviewführung.
3. Reflektion des Tiefeninterviews zum Thema „Verzeihen“: Hier wird der gesamte Prozess der praktischen Durchführung reflektiert und kritisch hinterfragt, um Erkenntnisse für künftige Interviews zu gewinnen.
4. Grundqualität: Dieser Abschnitt widmet sich der Interpretation der erhobenen Daten und der Herausarbeitung übergeordneter Strukturen und psychologischer Bilder aus dem Interview.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Eignung der Methode zusammen und resümiert den Mehrwert der Selbst-Reflektion im wissenschaftlichen Kontext.
Schlüsselwörter
Morphologisches Tiefeninterview, Qualitative Forschung, Non-direktive Gesprächsführung, Verzeihen, Grundqualität, Interviewtechnik, Selbstexploration, Psychologische Diagnostik, Erlebensprotokoll, Interaktivität, Antworttiefe, Verhaltensanalyse, psychologische Ausbildung, Befragungstechnik, Reflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Durchführung und methodische Reflexion des morphologischen Tiefeninterviews im Rahmen einer psychologischen Hausarbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Theorie qualitativer Interviews, die Rolle der befragenden Person sowie die Analyse und Reflexion eines Experteninterviews zum Thema Verzeihen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, die Anwendung theoretischer Interviewtechniken unter Realbedingungen zu erproben und durch eine ausführliche Reflexion die eigene methodische Kompetenz zu schärfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird die Methode des morphologischen Tiefeninterviews genutzt, eine tiefenpsychologisch orientierte qualitative Erhebungsmethode.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Interviewverfahrens und eine chronologische Reflexion der Vorbereitung, Durchführung und Erkenntnisgewinnung der eigenen Erhebung.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Charakteristisch sind Begriffe wie "Morphologisches Tiefeninterview", "Reflexion", "Qualitative Forschung" und "Verzeihen".
Wie unterscheidet sich diese Interviewform von einem Standardinterview?
Das Tiefeninterview ist non-direktiv strukturiert, erstreckt sich über mehrere Stunden und zielt darauf ab, hinter die bewussten Aussagen zu verborgenen Motiven zu blicken.
Warum ist die Stille im Interview laut Arbeit wichtig?
Die Arbeit betont, dass das Ausharren in der Stille dem Probanden Raum zur weiteren Assoziation gibt, was oft zu tieferen Erkenntnissen führt als sofortiges Nachfragen.
Wie wird das "Verzeihen" im Interview metaphorisch dargestellt?
Die Interviewpartnerin verwendet die Metapher einer Wippe, um das Dynamische, das Ungleichgewicht und das Risiko des Vertrauensbruchs beim Verzeihen zu verdeutlichen.
Welche Rolle spielt die Selbstreflexion des Autors für das Ergebnis?
Die Selbstreflexion dient als notwendiges Instrument, um eigene Fehler in der Gesprächsführung zu erkennen und die Qualität der qualitativen Daten im Nachhinein zu bewerten.
- Arbeit zitieren
- Marle Ganovsky (Autor:in), 2021, Erforschung der Psyche. Morphologische Tiefeninterviews und ihre Anwendung in der Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1368552