Diese Hausarbeit geht der Rolle Griechenlands im römischen Imperium nach. Nach einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Begriffs der Romanisierung wird Griechenland zur Zeit des Kaiser Augustus betrachtet. Rom stand aufgrund der Vorgeschichte Griechenlands (Wiege der Demokratie und Bastion gegen die Perser und des negativen Verhaltens in den römischen Bürgerkriegen) vor Kategorisierungsproblemen, wie mit dieser vormals wichtigen Region zu verfahren ist. Augustus legte für diesen Umgang die Agenda, die Kaiser Hadrian später erneuern sollte.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Romanisierung
3. Die kulturelle Umdeutung Griechenlands
4. Athen unter Hadrian
4.1 Panhellenion
4.2 Hadriansbibliothek
5. Hadrianische Brustplatte
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die römische Vorstellung von Griechenland durch die Politik von Kaiser Hadrian aktiv verändert und neu konstruiert wurde. Dabei wird analysiert, wie Hadrian an die Griechenlandpolitik seines Vorgängers Augustus anknüpfte und durch gezielte Maßnahmen in Athen eine spezifische, römisch geprägte Definition von "Griechisch-Sein" etablierte.
- Erweiterung der augusteischen Griechenlandpolitik unter Hadrian
- Analyse des Panhellenion als Instrument der kulturellen Hierarchisierung
- Untersuchung der Hadriansbibliothek als architektonische Manifestation imperialer Ideologie
- Interpretation der "Eastern Hadrianic Breastplate" hinsichtlich der Identitätsstiftung
- Diskussion der römischen Wahrnehmung zwischen "Zivilisation" und "Osten"
Auszug aus dem Buch
4.1 Panhellenion
Das Panhellenion Hadrians, wahrscheinlich auf einer seiner Reisen nach Griechenland 131/132 gegründet kommt nach wie vor Rätselhaft daher, seine Funktionen und nachhaltige Wirkungen sind nur grob umrissen. Die Funktion des panhellenischen Bundes, soll hier aus zeitlichen Gründen nicht tiefgehend erläutert werden. Im folgenden Kapitel soll gezeigt werde, dass die Auswahl der Städte im Panhellenion zeigt, wie unter Hadrian ,,Griechisch-sein‘‘ verstanden wurde.
Das Panhellenion war ein von Hadrian angestoßener Bund von ca. 30 Städten in Griechenland, Kleinasien und Italien. Die Mitglieder dieses Bundes mussten griechische Wurzeln vorweisen und natürlich romtreu sein. Die Leitung hatte ein von Hadrian ernannter Archont inne, der für vier Jahre gewählt wurde. Die Gesandten der Städte mussten Magistraten in einem bestimmten Alter sein und hatten auch überwiegend das römische Bürgerrecht inne. Die Mitgliedschaft war scheinbar möglich für Städte aus Archaia, Macedonien, Thrakien, Asien und der Kyrenaika. Das ist natürlich schon deshalb interessant, weil es genügend Regionen gab, aus denen keine Gesandten zum Panhellenion bekannt sind, die aber mal Teil eines hellenistischen Königsreiches waren (siehe Abbildung 1).
Unbekannt sind Entsendungen aus den Provinzen in Ägypten, Syrien und Anatolien. Genügend Mitgliedsstädte, die uns bekannt sind weisen sehr enge Bindungen zur römischen Politik auf: Wie bereits oben geschrieben, mussten die Städte ,,griechische Wurzeln‘‘ aufweisen. Die Teilnahme am Panhellenion war bei weitem kein Selbstläufer. Es kam zu einer Hierarchisierung innerhalb der Mitgliedsstädte nach der Stärke ihrer griechischen Abstammung.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema ein, skizziert die historische Beziehung zwischen Rom und Athen und definiert das Ziel der Arbeit, Hadrians Einfluss auf die Definition von Griechisch-Sein zu untersuchen.
2. Romanisierung: Hier wird der theoretische Rahmen der Romanisierung dargelegt, wobei der Fokus auf dem komplexen Prozess der kulturellen und politischen Transformation unter römischer Vorherrschaft liegt.
3. Die kulturelle Umdeutung Griechenlands: Das Kapitel beleuchtet, wie Augustus das Bild von Griechenland umformte, um die römischen Moralvorstellungen zu schützen und den griechischen Osten als idealisiertes, vergangenheitsbezogenes Vorbild zu etablieren.
4. Athen unter Hadrian: Dieses Hauptkapitel analysiert das Panhellenion und die Hadriansbibliothek als konkrete Instrumente, mit denen Hadrian die Rolle Athens als geistiges Zentrum unter römischer Kontrolle neu festigte.
5. Hadrianische Brustplatte: Hier wird anhand ikonographischer Analysen der Hadrians-Statue aufgezeigt, wie der Kaiser sich als Verteidiger der Zivilisation und Verbindungsmann zwischen römischer Macht und griechischer Kultur inszenierte.
6. Schluss: Die Arbeit fasst zusammen, dass Hadrians Wirken eine zielgerichtete Fortführung der augusteischen Politik darstellte, um Griechenland in ein für Rom akzeptables, europäisches Narrativ einzubetten.
Schlüsselwörter
Hadrian, Athen, Griechenland, Rom, Romanisierung, Panhellenion, Hadriansbibliothek, Augustus, Identität, Griechisch-Sein, Virtus, Kulturpolitik, Imperium Romanum, Antike, Philhellenismus.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Kaiser Hadrian durch seine Projekte in Athen die kulturelle Vorstellung von Griechenland und dem Griechisch-Sein im römischen Kontext neu definierte und beeinflusste.
Welche Themenfelder werden beleuchtet?
Die Untersuchung umfasst die römische Griechenlandpolitik von Augustus bis Hadrian, die Rolle des Panhellenions, die architektonische Bedeutung der Hadriansbibliothek sowie die ikonographische Aussagekraft der Hadrianischen Brustplatte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass Hadrians Wirken kein bloßer Philhellenismus war, sondern eine bewusste politische Konstruktion, die darauf abzielte, Athen als Zentrum eines europäisch-griechischen Erbes fest in das römische Imperium zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es wird eine historisch-analytische Methode verwendet, die literarische Quellen sowie archäologische Befunde und Sekundärliteratur verknüpft, um ideologische Strömungen der Kaiserzeit zu interpretieren.
Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse des Panhellenions als politisches Netzwerk, die Funktion der Hadriansbibliothek als "Leuchtturmprojekt" und die symbolische Darstellung Hadrians als Verteidiger der Zivilisation auf seiner Brustplatte.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Romanisierung, Panhellenion, Hadriansbibliothek, griechische Identität, imperiale Ideologie und philhellenische Politik charakterisieren.
Welche Rolle spielt Athen in Hadrians Politik laut der Arbeit?
Athen fungiert als architektonische und kulturelle Bühne, die Hadrian nutzt, um die Stadt im Vergleich zum restlichen Osten der Welt hervorzuheben und gleichzeitig fest an römische Werte zu binden.
Wie unterscheidet sich Hadrians Vorgehen von dem des Augustus?
Während Augustus Griechenland durch eine starke Abwertung des östlichen, "asiatischen" Einflusses umdeutete, setzt Hadrian eine zusätzliche Ebene darauf, indem er Athen gezielt als Zentrum eines kultivierten, europäischen Griechenlands institutionalisiert.
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- Anonym (Autor:in), 2022, Untersuchungen zu Hadrians Wirken in Athen. Wie veränderte Rom die Vorstellung von Griechenland?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1368660