Beratung im Lehrerforum. Wirkfaktoren einer virtuellen und professionellen Lerngemeinschaft


Diplomarbeit, 2009

163 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Einleitung

Beratung im Medium Internet
2 Begriffsklärung Beratung
2.1 Onlineberatungen
2.2 Computervermittelte Kommunikation und ihre Konsequenzen für Beratung
2.3 Mediale Bedingungen von Onlineberatung
2.4 Gruppenbildungen im Internet
2.5 Forenberatung

Das Lehrerforum
3 Zielgruppen des Forums und ihre Anliegen
3.1 Das Lehrerforum- eine virtuelle professionelle

Lerngemeinschaft
3.2 Kommunikations- und Beratungsform im Lehrerforum
3.3 Ziele des Forums
3.4 Lernen in virtuellen professionellen Lerngemeinschaften

Aktivitäten im Lehrerforum
4 Begriffsklärung Selbsthilfe
4.1 Selbsthilfegruppen und ihre Merkmale
4.1.1 Aktivitäten und Voraussetzung von Selbsthilfe
4.1.2 Vor- und Nachteile von Selbsthilfegruppen
4.1.3 Ziele von Selbsthilfe
4.2 Begriffsklärung professionelle Beratung
4.2.1 Berater und Ratsuchende in professioneller Beratung
4.2.2 Beratungsbeziehungen
4.2.3 Beratungsprozesse
4.2.4 Beratungsziele
4.3 Begriffsklärung Wissensmanagement
4.3.1 Modell vom Wissensmanagement
4.3.2 Teilprozesse von Wissensmanagement
4.3.3 Anwendungsbereiche von Wissensmanagement
4.3.4 Die Relevanz von Wissensmanagement für pädagogische Berufe

Wirkfaktoren und Effekte des Lehrerforums
5 Begriffsklärung Wirkfaktoren
5.1 Wirkfaktoren von Selbsthilfe
5.2 Wirkfaktoren professioneller Beratung
5.3 Wirkfaktoren von Wissensmanagement
5.4 Auswahl der Wirkfaktoren
5.5 Auswahl der Effekte

Entwicklung und Erprobung eines Fragebogens zur Evaluation der Aktivitäten im Lehrerforum
6 Beschreibung der zu untersuchenden Fragestellung
6.1 Beschreibung der methodischen Vorgehensweise
6.2 Aufbau des Fragebogens
6.3 Vorstellung des Fragebogens
6.4 Stichprobe und Rücklauf
6.5 Datenanalyse

Präsentation der Ergebnisse
7 Ergebnisse der allgemeinen und demografischen Fragen
7.1 Ergebnisse der Effekte und Wirkfaktoren- Wissensmanagement
7.2 Ergebnisse der Effekte und Wirkfaktoren- Selbsthilfe
7.3 Ergebnisse der Effekte und Wirkfaktoren- professioneller Beratung
7.4 Ergebnisse der Offenen Fragen
7.5 Vergleichende Analyse

Interpretation der Ergebnisse

Diskussion

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Das Münchener Modell

Abbildung 2: Newsletter

Abbildung 3: Text der Eingangsseite des Fragebogens

Abbildung 4: Beispiel Teil 1 des Fragebogens

Abbildung 5: Beispiel für Pflichtfragen

Abbildung 6: Beispiel Item Wissensaustausch

Abbildung 7: Beispiel Item Soziale Unterstützung

Abbildung 8: Beispiel Item Fachberatung

Abbildung 9: Beispiel für Teil 5 des Fragebogens

Abbildung 10: Eingangsseite des Fragebogens

Abbildung 11: Teil 1 des Fragebogens

Abbildung 12: Teil 1 des Fragebogens

Abbildung 13: Teil 2 des Fragebogens

Abbildung 14: Teil 3 des Fragebogens

Abbildung 15: Teil 4 des Fragebogens

Abbildung 16: Teil 5 des Fragebogens

Abbildung 15: Teil 5 des Fragebogens

Abbildung 18: Letzte Seite des Fragebogens

Abbildung 19: Gesamtsample des Rücklaufs

Abbildung 20: Rücklauf brutto

Abbildung 21: Rücklauf netto

Abbildung 22: Nutzung des Forums

Abbildung 23: Dauer der Teilnahme am Forum

Abbildung 24: Tätigkeiten im Forum

Abbildung 25: Schreiben von Erstbeiträgen

Abbildung 26: Schreiben von Kommentaren

Abbildung 27: Geschlecht

Abbildung 28: Alter

Abbildung 29: Berufsgruppe

Abbildung 30: Berufe Sonstige Angaben

Abbildung 31: Schulformen

Abbildung 32: Schaubild der Aktivitäten im Forum...

Tabelle 1: Wissensmanagement Ziele

Tabelle 2: Wissensmanagement Wirkfaktoren

Tabelle 3: Selbsthilfe Ziele

Tabelle 4: Selbsthilfe Wirkfaktoren

Tabelle 5: Professionelle Beratung Ziele

Tabelle 6: Professionelle Beratung Wirkfaktoren

Tabelle 7: Vergleichende Analyse Wissensmanagement

Tabelle 8: Vergleichende Analyse Selbsthilfe

Tabelle 9: Vergleichende Analyse professionelle Beratung

Tabelle 10: Übersicht Mittelwerte und Standardabweichungen

Tabelle 11:Daten zum Rücklauf Gesamtsample

Tabelle 13: Nicknames

Tabelle 14: Vergleichende Analyse Wissensmanagement

Tabelle 15: Vergleichende Analyse Selbsthilfe

Tabelle 16: Vergleichende Analyse Professionelle Beratung

Überblick

Die folgende Arbeit befasst sich im Allgemeinen mit dem Thema Onlinebera- tung. Insbesondere geht es um Fragen der Qualität von Onlineberatungstätig- keiten und Fragen der Evaluation von Onlineberatungswirkung. Onlineberatung hat in den letzten Jahren eine immer größere Resonanz erfah- ren. Einen transparenten Überblick in der Angebotsvielfalt zu behalten, fällt da- bei schwer. Umso relevanter wird in diesem Zusammenhang die Überprüfung von Zielerreichung und Wirkung von Onlineberatungsaktivitäten. Diese Arbeit versteht sich somit als einen Beitrag zur Qualitäts- und Evaluati- onsdiskussion über Onlineberatungen.

Einführend wird der Begriff Beratung näher untersucht, um weiterführend zu betrachten, was Beratung ‚online’ bedeutet. Onlineberatung differenziert sich wesentlich von der herkömmlichen ‚Face to Face’ Beratung. Dadurch ergeben sich eine Reihe von Vorteilen und Optionen, aber auch Nachteile und Risiken, die im Beratungsprozess berücksichtigt werden sollten.

Ein Schwerpunkt dabei ist es sich damit auseinanderzusetzen, inwieweit Beratung, unter Berücksichtigung des Onlinesettings, ihre erwünschten Ziele erreicht und wie sie auf die User wirkt.

Dabei wird folgender Frage nachgegangen: Können auch Onlineberatungsprozesse Veränderungspotenziale bei den Usern hervorrufen bzw. Veränderungspotenziale verbessern?

Um diese Fragestellung beispielhaft zu verdeutlichen, erfolgt die Auseinan- dersetzung anhand eines speziellen Onlineforums: dem so genannten Lehrerfo- rum.

Das Lehrerforum versteht sich als eine virtuelle professionelle Lerngemein- schaft, die mit reflektierenden Praktikern, wie Lehrer/-innen, Lehramtsstudie- rende, Anwärter/-innen, Berufseinsteigerinnen, Beratungslehrer, Schulpsycho- logen und Projektgruppen usw. einerseits und Fachleuten aus den verschie- densten Disziplinen andererseits eine spezielle Zusammensetzung von User/innen darstellt.

Die Lerngemeinschaft Lehrerforum bietet damit eine Plattform an, um auf der einen Seite mit Fachleuten und auf der anderen Seite mit Berufskolleg/innen Wissen auszutauschen, Berufsprobleme zu diskutieren, kooperativ zusammen- zuarbeiten, Lösungen zu finden und zu lernen.

Es wird deutlich, dass verschiedene und zunächst theoretisch nicht eindeutig zu schreibbare Aktivitäten von Beratung im Lehrerforum stattfinden. Die spezielle Zusammensetzung der Aktivitäten, die im Lehrerforum stattfinden, sind jedoch kennzeichnend für eine Integration der drei Einzeldisziplinen Selbsthilfe, profes- sioneller Beratung und Wissensmanagement in medial abgeänderter Form. Dieses Zusammenwirken mit einem zusätzlichen Fokus auf den Aspekt des Lernens ist charakteristisch für die konzeptionelle Zielsetzung dieser virtuellen professionellen Lerngemeinschaft.

Es ist eine Hauptaufgabe dieser Arbeit, die Onlineaktivitäten des Lehrerforums differenziert in ihren Zielsetzungen und in ihren Wirkungen zu untersuchen. Das bedeutet, zu hinterfragen, ob die Zielsetzungen des Forums erzielt werden und ob die angenommenen Wirkfaktoren im Forum ihre Anwendung finden. Um Zielsetzungen und Wirkfaktoren zu überprüfen, ist es zunächst relevant eine theoretische Grundlage vorzuweisen anhand derer den zu überprüfenden Fragestellungen auf empirischer Basis systematisch nachgegangen werden kann.

Deshalb werden die Aktivitäten im Lehrerforum theoretisch systematisiert und in die bereits oben genannten bestehenden theoretischen Einzeldisziplinen wie der Selbsthilfe, der professionellen Beratung und dem Wissensmanagement eingeordnet.

Diese drei Ansätze, die im Lehrerforum ihre Anwendung finden, bewirken in ihrer Zielsetzung und in ihrer Wirkung je Unterschiedliches beim User. Insge- samt kennzeichnen sie jedoch die typische Charakteristik des Forums. Die theoretische Erarbeitung der Einzeldisziplinen bildet die Grundlage für die bereits im Titel dieser Arbeit erwähnten „ausgewählten Wirkfaktoren und Ef- fekte“.

Mit Hilfe eines standardisierten Online-Fragebogens an die User wird überprüft, ob die erwünschten Effekte im Sinne einer Verbesserung von Veränderungspotenzialen bei den Usern eintreten und ob die theoretisch erarbeiteten Wirkfaktoren tatsächlich im Forum vorhanden sind.

Die Auswertung der Befragung dient einer Evaluation der Zielerreichung und Wirksamkeit von Onlineberatungstätigkeiten.

Die Ergebnisse der Befragung bilden dazu eine systematische und datenba- sierte Grundlage zur Reflexion und Verbesserung der Aktivitäten im Lehrerfo- rum.

Einleitung

Die Vielfältigkeit und Komplexität der heutigen Gesellschaft führt zu einer immer größer werdenden Spezialisierung und Unüberschaubarkeit der gesellschaftli- chen Lebensbezüge. Unter diesen Bedingungen erlangen Orientierungs-, Pla- nungs-, Entscheidungs-, und Handlungskompetenzen eine immer größere Re- levanz. Gleichzeitig erhöhen sich dadurch der Bedarf und die Bedürfnisse bzgl. Beratung, Hilfe- und Unterstützung in den unterschiedlichsten Bereichen und Formen.

Parallel dazu führen die Technologisierung von Kommunikation und der selbst- verständlichere werdende Umgang mit Medien dazu, dass auch das Medium Internet neben herkömmlichen Beratungsangeboten immer mehr Aufgaben wie Orientierungs- Planungs- und Entscheidungshilfen übernimmt. Das heißt, die verschiedensten Onlineberatungsangebote erfahren eine immer größer werdende Resonanz bei den Anbietern, als auch bei den Ratsuchenden. Ein nahezu unüberschaubares Angebot im psychologischen Bereich an Foren, Chats, Newsgroups oder Mailinglisten führt zu einer notwendig werdenden Dis- kussion bzgl. Professionalität, Qualität und Evaluation der Aktivitäten in solchen Bereichen. Das bedeutet auch, zum Schutz der User, die Aktivitäten, Ziele und Wirksamkeit solcher Angebote zu überprüfen und kritisch zu hinterfragen. Bei der Vielzahl der Realisierungen von Onlineangeboten solcher Art folgen nur langsam dementsprechende Evaluationsstudien. Es sind jedoch „(…) in den letzten vier bis fünf Jahren die Bemühungen gestiegen, den konzeptionellen Überlegungen zu den Möglichkeiten und Grenzen von Online- Interventionen

(…) empirische Evidenzen an die Seite zu stellen“ (Eichenberg, 1/2006, S.19). Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dieser Thematik anhand eines speziel- len Onlineforums in Form einer virtuellen professionellen Lerngemeinschaft. Am Beispiel des Lehrerforums werden Zielerreichung und Wirksamkeit bei der Aktivierung von Veränderungspotenzialen durch mediengestützte Beratungsak- tivitäten zur Diskussion gestellt. Grundlage dieser Diskussion ist eine Einord- nung der Aktivitäten des Lehrerforums in bereits bestehende Konzepte und darüber hinaus die Überprüfung der Wirksamkeit und Zielsetzungen der Akti- vitäten des Forums mit Hilfe eines standardisierten Onlinefragebogens.

Zunächst wird einführend auf die Thematik Beratung und speziell auf Onlinebe- ratung eingegangen. Aktuelle Literatur von Online- Experten aus der Praxis bildet hierzu die Grundlage des zweiten Kapitels. Im Anschluss daran, in Kapitel 3, wird das Lehrerforum näher vorgestellt.

In Kapitel 4 werden die Aktivitäten im Forum theoretisch erarbeitet. Dabei werden unter anderem die Merkmale, Vor- und Nachteile sowie Ziele der Aktivitäten im Forum ansatzspezifisch systematisiert.

Die Annahme, dass die Aktivitäten des Forums aus Anteilen bereits bestehender Konzepte, wie der Selbsthilfe, professionellen Beratung und Wissensmanagement bestehen, ist Ausgangspunkt der Analyse. Diese Konzepte werden als Einzeldisziplinen betrachtet.

Die Erarbeitung der theoretischen Konzepte stützt sich auf ausgewählte Fach- literatur aus den jeweiligen Bereichen. Dabei erfolgt die Auswahl und Erarbei- tung bestimmter konzeptspezifischer Aspekte, selektiert je nach der Relevanz für den Kontext der Arbeit und der Aktivitäten im Forum. Somit wird kein An- spruch an die vollständige Erarbeitung der Konzepte erhoben. Die Erarbeitung der Einzeldisziplinen wird in Kapitel 5 vertieft und beinhaltet auch eine Betrachtung ihrer Wirkfaktoren. Konstruktiv ausgewählte Literatur und Studien von Experten bilden hierzu die Grundlage. Dabei wird berücksichti- gend diskutiert, ob die Wirkfaktoren mit den Zielsetzungen des Forums korres- pondieren, die Relevanz und Rolle des Aspektes Lernens Bezugnahme findet und welche Auswirkungen die medialen Bedingungen auf den Einsatz der Wirkfaktoren haben. Für den Kontext der Arbeit und der methodischen Vorge- hensweise werden nur bestimmte Wirkfaktoren ausgewählt.

Neben den ausgewählten Wirkfaktoren sind auch die zu erwartenden Effekte von großer Relevanz. Es wird angenommen, dass die User durch die Teilnahme am Forum in den Einfluss der Wirkfaktoren gelangen, was Effekte zur Folge hat. Die Effekte bei den Usern stellen gleichzeitig die erwünschten Zielsetzungen des Forums dar.

Die theoretische Erarbeitung und Auswahl der Wirkfaktoren und Effekte bildet die Grundlage für den zu entwickelnden Fragebogen.

Im Kapitel 6 wird sich mit der Entwicklung und Erprobung dieses explorativen quantitativen Fragebogens beschäftigt, welcher die Wirkfaktoren und Effekte prüfen wird.

Die zu untersuchende Fragestellung, Aufbau des Fragebogens, die Entwicklung der Items, die Stichprobe, Methoden der Datenanalyse sowie der Rücklauf werden ebenso in Kapitel 6 erläutert.

Folgende Fragestellungen werden mit Hilfe des Fragebogens untersucht:
1. Sind die im Forum Anwendung findenden Wirkfaktoren tatsächlich vorhanden?
2. Werden damit die Ziele des Forums erreicht?

Das heißt, es werden die Zielerreichung (Effekte) und Wirksamkeit (Wirkfaktoren) der Aktivitäten im Forum überprüft.

Das Ergebnis der Befragung wird offen sein. Die Ergebnisse der Überprüfung stellen eine Grundlage dar, mit der die Qualität und die professionelle Verbesserung der Gestaltung der Aktivitäten der virtuellen Lerngemeinschaft Lehrerforum diskutiert werden können.

Damit versteht sich die folgende Arbeit als einen Beitrag zur Qualitäts- und Evaluationsdiskussion von Onlineberatungsangeboten.

Es werden zum Zweck der Leserfreundlichkeit:

- nur die männliche Form benutzt, gemeint sind aber immer die männliche und die weibliche Form

- mehrheitlich Internetquellen im Text nur mit Autor und Jahrgang erwähnt, die vollständigen Internetadressen sind im Literaturverzeichnis nachzule- sen

Beratung im Medium Internet

2 Begriffsklärung Beratung

Um Beratung im Internet näher zu beschreiben, wird zunächst der Begriff der Beratung allgemein betrachtet, um zu klären was im Kontext dieser Arbeit darunter zu verstehen ist.

Beratung ist ein vielschichtiger Begriff, der sich im Rahmen wissenschaftlichprofessionellen Handelns jedoch stark vom Alltagsbegriff differenziert. Beratung stellt ein Interaktionsmedium methodischen Handelns dar. Es ist einerseits eine Tätigkeit, die in ihren unterschiedlichen Facetten auch komplementär zu anderen Interaktionsmedien in allen Bereichen sozialpädagogischer und pädagogischer Arbeit wie Helfen, Therapieren, Begleiten, Unterstützen, Bilden oder Erziehen mit einfließt. Andererseits ist es ein Basismedium, welches als hoch spezialisierte Haupttätigkeit in dafür spezialisierte Stellen angeboten und ausgeführt wird (Stimmer, 2000).

Um eine der vielen Beschreibungen von Beratung zu nennen, die in der Fach- literatur zu finden sind, ist Beratung „(…) idealtypisch (…) ein spezifisch struktu- rierter, klientenzentrierter und zugleich problem- oder sachorientierter kommu- nikativer Verständigungsprozess, der (…) methodisch, theoretisch, axiologisch und wissenschaftstheoretisch begründet und durch empirische Forschung be- züglich seiner Wirkungen und Nebenwirkungen kontinuierlich zu überprüfen ist“ (ebd, S.93).

Das Interaktionsmedium Beratung findet seinen Ursprung im Rahmen der drei großen therapeutischen Richtungen, der Psychoanalyse, der Verhaltensthera- pie und der Humanistischen Psychologie (ebd, S.96). Im Kontext dieser drei Richtungen sind zahlreiche Beratungskonzepte entstanden, die in ihrem Schwerpunkt je unterschiedlich einer der drei therapeutischen Richtungen zu- zuordnen sind.

Es handelt sich bei Beratung also um einen Verständigungsprozess, der auch als eine intervenierende und präventiv helfende Beziehung betrachtet werden kann. Die Beziehung besteht zum einen aus einem Ratsuchenden, der sich in einer für ihn desorientierten oder belastenden Lage befindet, die eine Beein- trächtigung des sozialen, physischen oder psychischen Wohlbefindens verur- sacht. Zum anderen versucht der Berater diesbezüglich, innerhalb einer ver- hältnismäßig kurzen Zeit, methodisch angeleitet, kommunikativ- unterstützend beim Ratsuchenden einen Lernprozess zu aktivieren. Dieser Lernprozess, sei er nun emotional, kognitiv oder behavioristisch ausgelegt, hat zum Ziel beim Ratsuchenden Selbsthilfebereitschaft, Selbststeuerungsfähigkeit und Handlungskompetenzen zu verbessern (Dietrich, 1991).

Es kann sich bei Beratung aber auch ausschließlich um reine Informationsver- mittlung handeln. Deshalb können Beratungsprozesse auf einem Kontinuum von Tätigkeiten zwischen reiner Auskunft und Wissensvermittlung bis hin zur psychotherapeutischer Behandlung, Förderung und/ oder Wiederbelebung von Handlungskompetenzen angesiedelt werden (Stimmer, 2000). Die Übergänge sind dabei fließend.

Trotz der therapeutischen Einflüsse auf die Theoriebildung von Beratung ist jedoch festzuhalten, dass es sich eher um Orientierungs-, Entscheidungs-, Planungs-, Umsetzungs- und Reflexionshilfe handelt. Dabei bewegt sich die Intensität der Beratungsbeziehung, als auch die Intensität der Bearbeitung des Anliegens des Ratsuchenden, eher an der „(…) Oberfläche persönlicher Krisen und Konflikte statt in tieferen Problem- und Persönlichkeitssphären (…)“ (Nestmann In Asanger & Wenninger, 1994, S.81).

2.1 Onlineberatungen

Beratung erfährt auch eine immer breitere mediale Präsenz. Ein umfangreiches und komplexes Angebot an therapeutischen und beraterischen Hilfen und The- men lassen sich im Internet finden. Kostenlos wie auch kostenpflichtig sind bspw. Selbsthilfegruppen, Informationsmaterialien, Email- Austausch, Chats, Foren, IRC- Channell, Newsgroups oder Mailinglisten zu nennen. Aber auch hier ist der Beratungsbegriff abzugrenzen. Es ist keine wissenschaftlich- fun- dierte evaluierte Therapie im Internet zu verzeichnen. Es fehlen Ergebnisse von Studien, die sich insbesondere mit aussagekräftiger Diagnostik und wirkungs- voller psychologischer Intervention im Internet beschäftigen (Döring In Batinic, 1997).

Die Tätigkeiten, die sich im Bereich Onlineberatung qualitativ und professionell gestalten, sind deshalb, wie zuvor im Abschnitt 2 beschrieben, zu verstehen und von Therapie abzugrenzen.

Es gibt aber trotzdem eine Reihe von verschiedenen psychologischen Hilfsan- geboten im Netz, die sich in ihrer Vielfalt nach Professionalität, Qualifikation der Berater, Art des Zugangs und Art der Kommunikation differenzieren lassen. Die Tatsache, dass sowohl der Aufbau einer Beratungsbeziehung als auch die Arbeit im Beratungsprozess selbst, online verläuft, erscheint zunächst fragwür- dig. Für bestimmte Ratsuchende und bestimmte Anliegen können sich diese spezifischen medialen Bedingungen aber durchaus vorteilig auswirken. Im Jahr 2003 wurden u. a. von Ralf Ott 30 Wirksamkeitsstudien erfasst. Dabei wurden folgende Bereiche festgestellt bei denen mit Hilfe von Onlinebera- tungsinterventionen bis zu 86% positive Effekte nachgewiesen werden konnten. „Als besonders geeignet für internetbasierte Beratungsformen zeigten sich (…) Panikstörungen, Essstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen, sub- stanzbezogene Störungen und die Gruppe der psychischen Probleme bei kör- perlichen Erkrankungen. Tendenziell schlechtere Befunde liegen für depressive Störungsbilder vor“ (Kral, 2005, S.5).

Durch Beratung im Internet kann darüber hinaus eine große Anzahl von Menschen schnelle Hilfe und Unterstützung mit leichtem Zugang erhalten. Diese Form des leichten Zugangs ohne große Schwierigkeiten oder Hindernisse nennt sich im sozialen Kontext ‚Niedrigschwelligkeit’.

Folgende Merkmale der Klientel von Onlineberatung sind häufig in der Fachlite- ratur zu finden. Ratsuchende, die sich eine herkömmliche Beratung nicht leisten können, für die herkömmliche Beratungsstellen schwierig aufzusuchen sind, eine große Hemmschwelle besteht oder für Ratsuchende, die sich zunächst ausschließlich informieren möchten (Döring In Batinic, 1997). Des Weiteren sind Internetnutzer von Onlineberatungsangeboten häufig tech- nisch versiert, auf bestimmte Art und Weise isoliert, leidend und daher hilfesu- chend, schreibfreudig und wollen Distanz und Anonymität bewahren (Lang, 6/2001). Ratsuchende dieser Art haben oftmals bereits ein gewisses Problem- bewusstsein entwickelt und sich bewusst für eine für sie passende, bestimmte Form von Onlineberatung entschieden, wie zum Beispiel Email-, Chat- oder Forenberatung.

Der Ratsuchende kommt aktiv und eigenständig zu dem Entschluss, Beratung aufzusuchen und nicht umgekehrt, was als so genannte ‚Komm- Struktur’ bezeichnet wird.

Onlineberatung ist also nicht gleichzusetzen mit einer so genannten ‚Face- to- Face’ Beratung. Es ist vielmehr eine besondere Form der computervermittelten Kommunikation. Auch hier treten Ratsuchende und Berater in Kontakt und verfolgen das Ziel, durch die Anregung von Lernprozessen eine Verbesserung der Selbststeuerung und Handlungsfähigkeit zu bewirken. Dieser Prozess findet jedoch ohne physische Präsenz statt, sondern nur in Form von textbasierter Kommunikation, wie zum Beispiel per Email, in Chats oder Foren (Lang, 2004).

Es ist darüber hinaus zu berücksichtigen, dass auch Grenzen der Onlineberatung bestehen. Diese ist daher hauptsächlich als Ergänzung und Erweiterung herkömmlicher Beratung zu verstehen.

Wie anfänglich schon erwähnt, bestehen gravierende Schwierigkeiten, im Rahmen computervermittelter Beratungskommunikation, Diagnosen festzustellen (Döring In Batinic, 1997).

Onlineberatung kann aber durchaus durch ihre ‚Niedrigschwelligkeit’ zu einer herkömmlichen Beratung hinführen. Dadurch können Hemmschwellen, eine herkömmliche Beratungsstelle aufzusuchen, gesenkt werden. Onlineberatung kann deshalb einerseits als Überbrückungsmöglichkeit gesehen werden und stellt andererseits aber auch ein eigenständiges Beratungsinstrument dar.

Die durch das Medium Internet entstehende computervermittelte, textbasierte Kommunikation hat wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung von Onlineberatungsprozessen sowie die Gestaltung von Onlineberatungsbeziehungen. Diese werden im folgenden Abschnitt näher erläutert.

2.2 Computervermittelte Kommunikation und ihre Konsequenzen für Bera- tung

In den vorherigen Abschnitten wurde deutlich, dass es sich bei Beratungsprozessen vorwiegend um kommunikative Verständigungsprozesse handelt. Das heißt, die Art und Weise der Kommunikation ist ausschlaggebend dafür, wie sich sowohl der Prozess an sich, als auch die Beziehung zwischen Ratsuchenden und Berater, entwickelt.

Wenn Beratung im Internet stattfindet, so ist die Form der Kommunikation stark von den medialen Optionen und Restriktionen des Internets abhängig. Beratung ist aber auch davon abhängig, inwieweit Berater und Ratsuchender darüber Bescheid und damit umzugehen wissen.

Im Folgenden werden einige dieser Optionen und Restriktionen sowie deren Konsequenzen für Beratungsprozesse und Beratungsbeziehungen erläutert. Eine große Option computervermittelter Kommunikation für Beratungsprozesse ist die Anonymität. Wenn ein Ratsuchender mit seinem Anliegen eine her- kömmliche Beratungsstelle aufsucht, sind zunächst wichtige Informationsdaten bzgl. seiner Person aufzunehmen. Bei der Wahl einer Onlineberatung entfällt dies, mit Ausnahme, dass die eigene Emailadresse hinterlegt wird. Die Anonymität wirkt sich des Weiteren auch darauf aus, dass sich der Ratsu- chende in einem subjektiv geschützten, vertraulichen und abgeschirmten Raum befindet, da er im besten Fall von zuhause am PC schreibt.

„Indem seine ganze Person, konkretisiert in seinem persönlichen Aussehen, seiner Stimme, seinem Auftreten, nicht wie im Reallife einer Begegnung ausgesetzt ist, und ihn keine Wahrnehmung, kein Wiedererkennen, kein Blick mit sozialer Taxierung oder persönlicher Bewertung erreichen kann, bewahrt er sich selbst, seine psychologische Unversehrtheit und seine Unbekanntheit und damit den maximal vorstellbaren persönlichen Schutz“ (Schulze, 2007, S.2).

In einem solchen Setting fällt es zum einen leichter Kontakt aufzunehmen, zum anderen die Hemmschwelle zur Selbstoffenbarung und Problemschilderung zu überwinden.

Für den Beratungsprozess heißt dies, dass es schneller, direkter und meist umfangreicher zu Problembeschreibungen auch schamhafter Themen kommt. Dieser Aspekt wird noch durch die Tatsache verstärkt, dass der Ratsuchende jederzeit bestimmen kann, ob und wie lange der Kontakt besteht. Er kann den Kontakt unterbrechen, korrigieren oder abbrechen (ebd).

Die Ratsuchenden müssen jedoch „(…) ihr Anliegen, ihre Probleme so be- schreiben, dass sie eine faktische Wirklichkeit darstellen, die die tatsächlichen Gegebenheiten klar beschreibt, eine sachliche Verstehbarkeit ermöglicht und eine emotionale Distanz zum eigenen Erleben herstellt. Dazu gilt die Benennung der emotionalen Wirklichkeit, die Ernsthaftigkeit der Situation deutlich zu machen, den Wunsch einer notwendigen Änderung zu transportieren, Befindlichkeiten zu beschreiben und um Hilfeleistung zu bitten“ (Knatz, 2008, S.6). Das Schreiben des Beratungsanliegens ist somit für den Ratsuchenden eine Herausforderung, hat aber eine distanzierende, strukturierende, klärende und entlastende Wirkung bzgl. seiner Lage (Lang, 2005).

Neben dem Vorteil der Anonymität und der positiven Wirkung des Schreibens für Onlineberatungsprozesse ist jedoch eine bereits erwähnte wesentliche Re- striktion zu nennen: das Fehlen physischer Präsenz im Beratungsprozess. Die hat zur Folge, dass auch non- und paraverbale Kommunikationsaspekte fehlen. Diese sind jedoch sehr hilfreich bei der Decodierung und Interpretation von Selbstoffenbarungsanteilen und Beziehungsanteilen einer Mitteilung (Pet- zold, 2006).

Daher wird von einer „(…) Verarmung der Kommunikation, mit einer Reduktion gemeinsamer Handlungsmöglichkeiten und verfügbaren Zeichenkomplexe (…)“ gesprochen (Döring, 1999, S.210).

Dieser Aspekt wird Kanalreduktion genannt. Das Entfallen von bspw. Mimik, Gestik, Stimmlage, aber auch der äußeren Erscheinung wird in der Fachliteratur zunächst defizitär und negativ mit Ent- Sinnlichung, Ent- Emotionalisierung, Ent- Kontextualisierung und sogar Ent- Menschlichung konnotiert (ebd). Es ist zu konstatieren, dass sich computervermittelte Kommunikation wesentlich von einer ‚Face- to- Face’ Kommunikation differenziert. Dabei ist besonders für Beratungsprozesse zu berücksichtigen, dass sich durch die digitale und textba- sierte Form der Kommunikation Störungen ergeben können. Es ist aber auch festzustellen, dass Menschen dazu neigen für verschiedene Anliegen und Aufgaben verschiedene Medien auszuwählen.

„Die Wahl eines weniger gut geeigneten Mediums führt dabei zu Überkomplikation oder Übersimplifizierung. Es ist daher sehr wichtig zu betonen, dass für bestimmte Aufgaben "kanalreduzierte" Medien besser geeignet sind als reale Face- To- Face- Kontakte“ (Petzold, 2006, S.5).

Anonymität und Kanalreduktion bewirken deshalb in Onlineberatungsprozessen eine Art Paradoxie zwischen Nähe und Distanz.

Die durch das mediale Setting entstehende Distanz und Anonymität bewirken eine sich schnell entwickelnde Nähe, Offenheit und Vertrautheit zwischen Ratsuchenden und Berater. Dadurch kommen tabuisierte oder für die Beteiligten, in einer ‚Face- to- Face’ Beratungssituation, schwierig anzusprechende Themen, schneller zur Aussprache. Es können Anliegen formuliert werden ohne Befürchtungen vor Konsequenzen, Sanktionen oder Kritik, da jegliche Kommunikation und Information im Schutz des virtuellen Raumes bleibt.

Eine weitere Restriktion stellt der zeitliche Aspekt im Kontext computervermit- telter Kommunikation dar. In der computervermittelten Kommunikation gibt es zeitversetzte (asynchrone) und zeitgleiche (synchrone) Kommunikation. Zeitgleiche Kommunikation im Internet ähnelt einer herkömmlichen ‚Face- to- Face’ Kommunikation. Es entsteht ein wechselseitiger Dialog mit unmittelbarer Rückkoppelung, wie zum Beispiel im Chat oder einer Videokonferenz (Döring, 1999).

Bei zeitversetzter Kommunikation, wie zum Beispiel bei Emails, Telefaxen oder Telegrammen, aber auch in Foren, Newsgroups oder Mailinglisten „(…) werden Botschaften aufgezeichnet oder aufgeschrieben, mit zeitlicher Verzögerung zur Zielperson transportiert bzw. für sie zum Abruf bereitgehalten und erst dann vielleicht rezipiert“ (ebd, S.34).

Die Konsequenzen der Zeitversetzung können Interpretationsprobleme im Be- ratungsprozess auslösen. Zum einen müssen für alle Beteiligten und insbeson- dere für die Ratsuchenden bestimmte Reglementierungen bzgl. des Zeitraumes bis zur Beraterantwort, Länge und Dauer der Kontakte etc. transparent sein. Zum anderen kann durch die Zeitversetzung auch nur im Nachhinein - also asynchron - gegebenenfalls die Beraterantwort eine Wirkung beim Ratsuchen- den erzielen. Bestenfalls kann Reflexions- anregend die Betroffenheit hervorge- rufen werden, die der Ratsuchende beim Verfassen des Anliegens hatte.

„Aktuelle Gefühlslagen zumal wenn sie die Beziehungsebene betreffen, können sich schnell ändern, so dass aus der momentanen Befindlichkeit heraus geschriebene Emails bald veraltet sind, ohne dass der Adressat dies mitbekommt“ (Döring, 1999, S.448).

Digitale, textbasierte und kanalreduzierte Kommunikation kann zu Störungen und Missverständnissen führen, aus denen sich ein „(…) Feld komplexer

Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse (…)“ ergibt, „(…) die eine hohe Qualifikation und Selbstreflexion nötig machen“ (Hinrichs, 2003, S.53; zit. n. Frank In Batinic, 2000, S.563).

Es standen bisher wesentliche Aspekte veränderter Kommunikation, aufgrund des Onlinesettings, näher im Fokus. Der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit den allgemeinen medialen Bedingungen, denen Onlineberatung unterliegt.

2.3 Mediale Bedingungen von Onlineberatung

In diesem Abschnitt werden einige Standards für Onlineberatung herausgearbeitet, die aus den medialen Bedingungen des Internets resultieren. Diese Standards sind kennzeichnend für Professionalität und Qualität von Onlineberatungsangeboten.

Grundsätzlich realisiert sich Onlineberatung über die Kommunikationsform, die technische Umsetzung und die inhaltliche Konzeption. Die technische Umset- zungsform (Email, Chat, Forum oder bestimmte Mischformen) bestimmt die Kommunikationsform (synchron oder asynchron). Inhaltliche Konzeptionen sind zum Beispiel in diesem Kontext Einzelberatung, Gruppenchat oder Forenbera- tung (Gerö, 2005).

Unabhängig von der inhaltlichen Konzeption gelten für Onlineberatung, auf- grund der medialen Gegebenheiten, bestimmte Grundsätze. Bei der Einhaltung der Grundsätze geht es vorwiegend um die Sicherheit und den Schutz der Rat- suchenden und um die Seriosität und Professionalität der Anbieter. Dies betrifft Aspekte wie Anonymität, Verschwiegenheit, Erreichbarkeit, Offenheit, Gebüh- renfreiheit und Qualifizierung des Beratungspersonals (Thiery, 2005).

Einige Vorteile der Anonymität für die Ratsuchenden wurden bereits erwähnt. Sie ist der wesentliche Grund für das Merkmal der ‚Niedrigschwelligkeit’ von Onlineberatung. Ob auch die Berater anonym bleiben, wird in der Praxis unterschiedlich gehandhabt.

Von den berufsethischen Grundsätzen und Qualitätsstandards für Onlineberatung her, sollte es möglichst so sein, dass grundlegende Informationen der Berater, wie Name und Qualifikation offen für die Ratsuchenden bereitgestellt werden (Gerö, 2005).

Der Aspekt der Verschwiegenheit steht im unmittelbaren Zusammenhang mit Fragen der medialen Datensicherheit und des medialen Datenschutzes. Es sollten Fragen des Zugangs, des Transfers und der Speicherung von Daten sowie mögliche Komplikationen diesbezüglich für Anbieter, als auch für die Ratsuchenden abgeklärt sein (Gerö, 2005).

Durch eine erkennbare steigende Internetnutzung hat sich in den letzten Jahren ein vielfältiges therapeutisches und beraterisches Angebot entwickelt. Die ARD/ZDF Onlinestudie 2008 besagt, dass 42,7 Millionen Erwachsene (65,8%) online sind. Das bedeutet 1,9 Millionen Menschen mehr als im Vorjahr (2007: 62,7%) nutzen das Internet (www.ard.de).

Dadurch, dass Onlineberatung einer Komm- Struktur unterliegt, wird das Ange- bot nicht von den inhaltlichen Vorgaben der Anbieter bestimmt, „(…) sondern die Bedürfnisse und Nutzungsgewohnheiten der Zielgruppe bestimmen primär die Vorgehensweisen und die Angebotspalette“ (Thiery, 2005, S.4). Dabei variieren die Umsetzungsformen sowie die inhaltlichen Konzeptionen, die in Anspruch genommen werden, je nach Alter, Zielgruppe und Art des Anlie- gens.

Das Internet mit seinen technischen Möglichkeiten erlaubt einen schnellen Zugriff auf Informationen sowie Verweisung und Verlinkung jeglicher Art. Es gewährt einen Überblick über therapeutische und beraterische Angebote oder bringt den direkten Zugang zur virtuellen Praxis, einem Beratungsangebot oder einer Selbsthilfegruppe.

Seriöse und professionelle Beratungsangebote differenzieren sich noch zusätz- lich zu den bereits genannten Grundsätzen hinsichtlich der Art der Präsentation. Dies betrifft die Transparenz bzgl. des Anbieters, des Trägers oder der Organi- sation sowie eine allgemein verständliche Beschreibung des Angebots bzw. der Angebotsstruktur und Ziele der Beratung. Der Aspekt der Transparenz gilt aber auch für eine klare Deklaration der bereits genannten Qualifikationen der Bera- ter, sowie der Reglementierung der Kontakte zwischen Berater und Ratsuchen- den. Diese betreffen zum Beispiel die Zeitabstände zwischen den Antworten, Umfang der Antworten oder die Dauer des Kontaktes etc. (Gerö, 2005).

Es wurde bisher einführend in die Thematik allgemein auf Onlineberatung eingegangen. Des Weiteren wurden die Konsequenzen computervermittelter Kommunikation für Beratung und die allgemeinen medialen Bedingungen von Onlineberatung betrachtet.

Da sich diese Arbeit im methodischen Teil mit einer Befragung von Usern eines Forums beschäftigt, wird in den folgenden Abschnitten von Kapitel 2 die Besonderheit dieser medialen Umsetzungsform näher erläutert.

2.4 Gruppenbildungen im Internet

Wie im oberen Abschnitt erwähnt wurde, gibt es verschiedene Umsetzungsfor- men, wie zum Beispiel Emails, Chats, Foren u. ä, die wiederum die Kommuni- kationsformen bestimmen. Im Kontext dieser Arbeit werden jedoch Emails und Chats nicht näher erläutert. Im Hinblick auf die Entwicklung des Fragebogens für ein Forum, steht vielmehr die Umsetzungsform ‚Forum’ im Fokus der Auf- merksamkeit. Zunächst wird jedoch allgemein das Phänomen von Gruppen im Internet näher betrachtet.

Die Bildung von Gruppen im Internet ist weit verbreitet. Sie geschieht meist in Newsgroups, den Austausch von Emails über einen Forenserver, so genannten Mailinglisten oder Web- Foren. Alle diese Umsetzungsformen haben technisch unterschiedliche Zugänge. In diesem Kontext wird beispielhaft auf die Formen Mailinglisten und Newsgroups eingegangen, um den Unterschied zum Forum deutlich zu machen.

Eine Mailingliste ist eine geschlossene Gruppe von Teilnehmern. Die Teilnehmer tragen sich in eine Liste ein, um alle Beiträge der Liste empfangen und selber Beiträge senden zu können.

„Neben dieser polydirektionalen listenöffentlichen Kommunikation steht es uns frei, andere Listenmitglieder einzeln zu kontaktieren (bidirektionaler Austausch). Um private Emails begrifflich von Mailinglisten- Beiträgen zu unterscheiden, werden letztere auch als Postings bezeichnet“ (Döring, 1999, S.51). Eine Newsgroup sammelt hingegen alle Emails der Teilnehmer, die die Newsgroup wie eine Art Abonnement nutzen. Dabei können Informationen aktiv heruntergeladen und gelesen werden (Pull- Prinzip), im Unterschied zur Mai- lingliste bei der Informationen passiv zugesandt werden (Push- Prinzip) (Döring, 1999).

Beide Formen, auch wenn sie unterschiedlichen Bedingungen unterliegen, haben bestimmte gemeinsame Merkmale. Meist handelt es sich um einen Themenbereich bzw. Interessenskreis, an dem alle Beteiligten partizipieren.

Neben der allgemeinen Kommunikation zwischen den Teilnehmern im Rahmen von Mailinglisten oder Newsgroups besteht auch immer die Möglichkeit der Herstellung eines einzelnen privaten Email Kontaktes zwischen den Teilnehmern. Darüber hinaus fungieren beide Formen vorwiegend zum Zusammentragen von Informationen und Wissen, Networking und Diskussionen sowie Erfahrungsund Meinungsaustausch.

Die vielfältigen Kontakte und Beziehungen, die dadurch entstehen, hinterlassen den Eindruck einer virtuellen Gemeinschaft. Gleichgesinnte und Betroffene finden sich, kollektives Wissen wird zusammengetragen und nicht selten „(…) entsteht dadurch ein therapeutischer Effekt der Solidarität“ (Döring In Batinic, S.431; zit. n. Moeller, 1977).

Es kann gesagt werden, dass Mailinglisten und Newsgroups Formen von Gruppenbildung im Internet darstellen. Sie beinhalten Anteile von Wissensmanagement und Selbsthilfe. Es findet jedoch keine professionelle Beratung statt. Anders kann es jedoch in Foren sein.

Professionelle Beratung, Wissensmanagement und Selbsthilfe erlangen in den folgenden Kapiteln dieser Arbeit noch erhebliche Relevanz und werden deshalb näher erläutert. Zunächst wird jedoch im nächsten Abschnitt dieses Kapitels näher auf Beratung in Onlineforen eingegangen.

2.5 Forenberatung

Die bisher beschriebenen Formen von Gruppenbildungen im Internet sollen insbesondere die Differenz zu Foren deutlich machen.

Foren sind ähnlich wie Newsgroups, als Plattform zu verstehen, die auf den ersten Blick an eine Art „Schwarzes Brett“ oder „Zeitschrift“ erinnert. Newsgroups jedoch benötigen zur Teilnahme eine spezielle Software, einen so genannten Newsreader. „Newsreader sind entweder separat zu haben oder bereits Bestandteil des WWW- Browsers. Der Newsreader ruft Inhalte der Newsgroups von einem Newsserver ab und ermöglicht das Lesen, Speichern, Beantworten und Verschicken von Postings“ (Döring, 1999, S.59ff).

Bei Web- Foren stellt sich diese technische Zugangsbedingung nicht. Sie sind über eine Homepage zu erreichen. Durch das Aufrufen der Internetseite können passiv alle Kommunikationsprozesse im Forum verfolgt werden.

Durch eine formlose Anmeldung, kann sich mit einem Pseudonym aktiv am Forengeschehen beteiligt werden. Gerade dieser relativ leichte Zugang unterstützt das Merkmal der ‚Niedrigschwelligkeit’.

In Foren vereinigen sich User, die einerseits aus einer großen Gruppe von so genannten ‚Lurkern’ besteht. Das sind Personen, die ausschließlich im Forum passiv lesen und keine eigenen Beiträge oder Kommentare schreiben. Andererseits besteht eine etwas kleinere Gruppe von aktiven ‚Postern’, Personen die auch eigene Beiträge und Kommentare schreiben (Döring, 1999). Auch Internetforen beziehen sich meist auf einen bestimmten Themen- bzw. Interessensbereich und bieten dafür einen virtuellen Platz zum Austausch und zur Archivierung der Beiträge der Teilnehmer.

Beratung in Foren lässt sich insofern charakterisieren, als das neben allen anderen Teilnehmern, professionelle Berater, Experten bzw. Moderatoren zunächst für die Koordination und professionellen Beratung der Beiträge von Ratsuchenden zuständig sind. Diese Beratungsprozesse sind für alle Teilnehmer öffentlich, les- und kommentierbar. Es besteht aber immer die Möglichkeit bei Bedarf eines geschützten, privaten und vertrauensvollen Rahmens, in einen gesonderten Emailaustausch zu wechseln.

Zusammenfassend bedeutet dies, dass für die Ratsuchenden einerseits professionelle Beratung von so genannten Fachberatern in Anspruch genommen werden kann. Andererseits können aber auch kollegiale und freundschaftliche Austauschprozesse mit den anderen Teilnehmern, den so genannten ‚Peerberatern’ entstehen. Dabei können sich gegenseitige Unterstützung und Hilfe oder aber auch Informationsaustauschprozesse entwickeln.

Es wird erkennbar, dass sich insbesondere Foren für eine Integration von Aspekten professioneller Beratung, aber auch von Selbsthilfe- und Wissensmanagementaktivitäten anbieten.

Die charakteristischen Merkmale sowie technischen Voraussetzungen von Fo- ren unterstützen dieses Zusammenspiel darüber hinaus noch. In den folgenden Kapiteln rücken diese Aspekte noch intensiver in den Fokus der Aufmerksamkeit. Es werden die Aktivitäten des Lehrerforums in die bereits bestehenden Konzepte der Selbsthilfe, der professionellen Beratung und des Wissensmanagements theoretisch systematisiert und eingeordnet. Zunächst wird jedoch im nächsten Kapitel das Lehrerforum näher vorgestellt.

Das Lehrerforum

3 Zielgruppen des Forums und ihre Anliegen

Es werden einführend, für die Vorstellung des Forums, zunächst die Zielgrup- pen und ihre Anliegen betrachtet. Aus der Besonderheit der Zielgruppen und ihren Anliegen resultieren das Verständnis und die Zielsetzung des Forums. Auf diese wird in den folgenden Abschnitten dieses Kapitels noch näher eingegangen.

Die Zielgruppen des Forums lassen sich wie folgt beschreiben. Mit dem Forum werden vorwiegend „(…)

- Lehrer/-innen, die Entlastung und Hilfe suchen und geben wollen
- Lehramtsstudierende, die von stellvertretender Praxiserfahrung profitie- ren können
- Anwärterinnen, die mehr Praxiserfahrung nutzen möchten, als sie selbst erst haben können
- Berufseinsteigerinnen, die Routine und realistische Ansprüche brauchen
- Beratungslehrer, Schulpsychologen, Projektgruppen usw., die über Prob- leme und Lösungen berichten, die für andere nützlich sein können (…)
- kurz, lebenslang lernende Lehrer/-innen (…)“

angesprochen (Sieland, 2004). Es handelt sich dabei um eine Zielgruppe „(…) professioneller Pädagogen, denen die Qualität ihres Handelns, die Vermeidung von Überlastung und die Kooperation mit Kollegen (…)“ wichtig sein sollte (ebd).

Im beruflichen Alltag begegnet dieser Berufsgruppe einer Vielzahl unterschiedli- cher Probleme und Anforderungen. Neben curricularen und didaktischen Auf- gaben entstehen oft Problemfelder, wie der Umgang mit schwierigen und/ oder aggressiven Schülern, Konkurrenz im Kollegium, Vorwürfe von Eltern, ‚Mob- bing’ oder Respektverlust (ebd). Dieses sind nur einige von vielen Beispielen. Es kommt vor, dass diese Problemlagen im Kollegium, aus Angst eventuelle Schwächen oder Kompetenzverlust zuzugeben, nicht thematisiert oder disku- tiert werden.

So entsteht eine Vielzahl von Einzelkämpfern. Das mangelnde Ansprechen von Konflikten oder Belastungen und der dadurch entstehende Stress können viele negative Folgen haben. Einerseits wird dadurch ein qualitativer, der Reflexion und Evaluation dienender, fachlicher Austausch verhindert. Andererseits können ungelöste Problemlagen auf lange Sicht zu einer Abnahme der beruflichqualitativen Leistung, Überlastungen, Stress und Gesundheitlichen psychosomatischen Schäden führen.

Durch die Komplexität dieser beruflichen Anforderungen nehmen daher insbesondere Aspekte wie Kooperation, Erfahrungsaustausch, fachlicher Dialog sowie Reflexion der Qualität des praktischen Handelns eine große Entlastungsfunktion ein (Sieland, 2004).

Aber auch Kenntnisse über personale und soziale Kompetenzen, das richtige Einschätzen der eigenen Stärken und Risiken sowie eine adäquate Erlebnisverarbeitung des Berufsalltages sind für den Lehrerberuf unerlässlich (Sieland, Rahm & Ebert In Jürgens, 2006).

Lebenslanges Lernen und das Aneignen verschiedenster Kompetenzen, um sich in einer globalisierten Wissensgesellschaft zu Recht zu finden, erlangen eine immer größere Relevanz. Es geht nicht mehr um traditionelle Wissensvermittlung, sondern um die Vorbereitung auf lebenslanges Lernen (Sieland In Krämer, Preiser & Brusdeylias, 2007). Dabei sollen individuelle Lernbedürfnisse unterstützt werden und „(…) Lernen als selbstbestimmter Prozess, (…) soll sich subjektiv lohnen und Spaß machen (vgl. Klein u. Reuter, 2004)“ (Sieland In Krämer, Preiser & Brusdeylias, 2007, S.106).

Aber wie sollen Lehrer diese Anforderungen erfüllen? Wenn angenommen werden kann, dass sie sich häufig in einer Lage befinden, die gekennzeichnet ist von Stress, Überforderung, fehlender kooperativ- kollegialer Unterstützung und einer häufig eigenen bewussten oder unbewussten ablehnenden Einstellung zum selbstverantwortlichen Lernen.

Das Ansprechen von Problemlagen ohne Konsequenzen am Arbeitsplatz zu fürchten, das Erfragen von Informationen, ein kollegialer Zuspruch des Mitgefühls oder die Erkenntnis, dass sich auch andere in ähnlicher Lage befinden, kann ein erster Schritt sein, die Hemmschwelle aus der Isolation zu überwinden. Das Heraustreten aus der Isolation kann dazu führen eine erste Minderung von akutem Problemdruck zu spüren.

Das Lehrerforum bietet in diesem Zusammenhang einen unkomplizierten, schnellen, kostenlosen und anonymen Zugang zu einer Lerngemeinschaft, die durch ihre multiprofessionelle Zusammensetzung viele alternative Problemlö- sungen und Wissensgenerierung anbietet.

Im folgenden Abschnitt wird diese virtuelle professionelle Lerngemeinschaft noch näher beschrieben.

3.1 Das Lehrerforum- eine virtuelle professionelle Lerngemeinschaft

Das Lehrerforum ist ein gemeinschaftliches Projekt, welches in Kooperation mit folgenden Partnern realisiert wurde: Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW, Institut für Psychologie der Universität Lüneburg und OPUS NRW, Netzwerk Bildung und Gesundheit (Verband Bildung und Erziehung. Landesverband NRW, 2007).

Das Forum versteht sich als eine professionelle Lerngemeinschaft. Durch ein Zusammenwirken von reflektierenden Praktikern, Kollegen und Beratern, als auch Experten, entsteht ein Wissenspool. Dieser ist gekennzeichnet durch das Zusammentragen von Laien- und Expertenwissen, Erfahrungs- und Meinungsaustausch sowie Diskussionen und Anregungen. Auf dieses kollektive Berufswissen kann einerseits passiv durch das ausschließliche Lesen von Beiträgen und Kommentaren zugegriffen werden. Andererseits besteht auch die Möglichkeit der aktiven, anonymisierten Teilnahme -Verwendung eines Pseudonymsdurch das Verfassen eigener Beiträge und Kommentare.

Durch die spezielle Zielgruppe der Lehrer ist das Forum thematisch optimal auf die Bedürfnisse und Anliegen der Zielgruppe abgestimmt. Zum einen stehen professionelle Berater, so genannte Experten, aus den Bereichen Schule, Me- dizin, Recht, Psychologie und Sozialpädagogik zur Verfügung. Zum anderen bieten die Kommentare und Beiträge der anderen Teilnehmer eine Sammlung von kollektivem Erfahrungswissen „(…) über Probleme des Lehrerberufs und über Vorschläge zu deren Lösung (…)“ (ebd). Das Forum bietet damit eine Plattform für Ratsuchende sowie eine einfache und schnelle Möglichkeit für kooperativen fachlichen Austausch, selbstwirk- same Reflexion des eigenen Handelns sowie Unterstützung und Weiterbildung der beruflichen Praxis.

Strittmatter konstatiert, dass damit laut Bonsen und Rolff drei Merkmale profes- sioneller Lerngemeinschaften erfüllt werden: geteilte Werte und Ziele, Koopera- tion und reflexiver Dialog (Strittmatter, 2006, S.5; zit. n. Bonsen & Rolff, 2004).

Durch die im Forum entstehenden kooperativen, reflexiven und fachlichen Dia- loge, erhalten auch Aspekte wie Feedback, Vergleiche, Zugeben von Schwä- chen und Fehlern sowie kritischer Austausch eine Bedeutung. Dazu bedarf es jedoch „(…) ein sehr intaktes Vertrauen, geklärte, berechenbare Regeln des Umgangs mit kritischen Wahrnehmungen, eine saubere Trennung von formativen Impulsen und summativ- dienstlichen Beurteilungen sowie eine tragfähige, wohlwollend- unterstützende Umgebung (…)“ (Strittmatter, 2006, S.6). Aus diesem Grund kann gesagt werden, dass das Lehrerforum als professionelle Lerngemeinschaft einen geeigneten Rahmen für „Mut zur öffentlichen Unvollkommenheit“ zur Verfügung darstellt (Sieland, 2004). Die Vorteile des Onlinesettings, wie die bereits erwähnte Anonymität, aber auch die ‚Niedrigschwelligkeit’ und Einfachheit der Teilnahme unterstützen diesen Rahmen.

Darüber hinaus kennzeichnen eine Entwicklung zum selbstverständlichen Wissensaustausch, kooperativer Lösungssuche und die Förderung lebenslanges Lernen die virtuelle professionelle Lerngemeinschaft Lehrerforum.

3.2 Kommunikations- und Beratungsform im Lehrerforum

Die Umsetzungsform bestimmt die Kommunikationsform. In Foren findet daher eine asynchrone Kommunikation statt. Durch ein Pseudonym kann jeder, der sich im Lehrerforum beteiligen möchte, einen Beitrag (Posting) verfassen. Er erhält dann spätestens innerhalb 48 Stunden eine Antwort von einem der im Forum tätigen Fachberater.

Der Schreibprozess, der den Ratsuchenden zu einer strukturierenden und dis- tanzierenden Haltung bzgl. seines Anliegens anhält sowie die Wahrung der Anonymität werden hier als Vorteile dieses speziellen Settings deutlich. Gleichzeitig wirken aber auch die bereits in Kapitel 2.2 erwähnten Restriktionen und Gefahren textbasierter Kommunikation. Diese sollten in Beratungsprozes- sen vor allem auf Seiten der Berater Berücksichtigung finden, um ggf. entste- hende Übertragungen- und/ oder Gegenübertragungen zu berücksichtigen.

Im Kontext der Beratung, die im Lehrerforum stattfindet, ist anzumerken, dass es sich vorwiegend um eine Informations- und Entscheidungsberatung sowie virtueller Fallbesprechung handelt (Sieland, 3/2006).

Nach einer Erwartungsklärung und Informationsgenerierung zur Spezifizierung des jeweiligen Anliegens bzw. Problems, geht es vorwiegend darum, Reflexions- anregend „(…) änderungsförderliche Betroffenheit herzustellen (also weder verharmlosen noch katastrophisieren). Dazu gehört es, die Chancen und Risiken von Lösungsvorschlägen durch Tun und Unterlassen zu bewerten und die individuellen, sozialen und organisationalen Ressourcen und Risikofaktoren hervorzuheben“ (Verband Bildung und Erziehung. Landes- verband NRW, 2007).

Bei Benötigung von Akuthilfe, Krisenintervention oder Durchführungsberatung ist an Beratungsstellen vor Ort zu verweisen. Sind diese Formen der Hilfe und Beratung nötig, so kann an dem Punkt die Grenze der Onlineberatung des Lehrerforums gezogen werden.

3.3 Ziele des Forums

Wie bereits erwähnt, versteht sich das Lehrerforum als professionelle Lernge- meinschaft. Dabei geht es vorwiegend darum, die oben genannte Zielgruppe, bei ihren komplexen beruflichen Anforderungen, zu unterstützen. Die Unterstützung erfolgt über ein ‚niedrigschwelliges’ Onlineangebot, dass die User ohne große Organisationsschwierigkeiten, Zeit- oder Kostenaufwand in Anspruch nehmen können. Drei grobe Ziele werden dabei verfolgt: Das Forum stellt eine Gemeinschaft dar. Durch Kontakte und Beziehungen, die in Beratungsprozessen und kollegialem Austausch entstehen, entwickelt sich diese Gemeinschaft. Diese Gemeinschaftsbildung lässt sich folgendermaßen beschreiben: „Lehrer/-innen unterstützen sich in einer professionellen Lernge- meinschaft gegenseitig, stärken ihre individuellen Kräfte und mobilisieren ihre kollektiven Selbstwirksamkeitserfahrungen zur Veränderung von Situationen (= Ich bin gut, zusammen sind wir besser). Erfolgsmerkmal solcher Lerngruppen ist ein ausgewogenes Geben und Nehmen: Einer für alle, alle für einen“ (Sie- land, 2004).

Ziel des Forums ist dabei die Förderung eines kooperativen, fachlichen, kollegi- alen Austausches. Das An- bzw. Aussprechen und diskutieren von Be- rufsproblemen sowie kooperatives Problemlösen soll zu einer Sensibilisierung und Erhöhung von Problemlösekompetenzen führen (Sieland, 2004). Die dadurch resultierende gemeinschaftliche Unterstützung, als auch das Lernen von und mit anderen, kennzeichnet den Selbsthilfeanteil im Forum. Ein zweites Ziel stellt die Nutzung von Möglichkeiten dar, sich Anregungen und professionelle Unterstützung bei Experten mit fundiertem Fachwissen und langjähriger persönlicher Erfahrung zu holen. Durch professionelle Fachberater werden Selbstreflexionsprozesse angeleitet und Lernprozesse angestoßen. Diese Aspekte sind kennzeichnend für den Anteil professioneller Beratung im Forum.

Ein drittes Ziel ist die Ermöglichung des Zusammentreffens verschiedener Ex- perten, sowie die Möglichkeit des Erfahrungs- und Wissensaustauschs. Dieses Zusammenwirken führt zur Entstehung eines kollektiven Berufswissens, welches von allen aktiven und passiven Usern generiert, genutzt und kommuni- ziert werden kann. Eine solche Möglichkeit des Zusammentragens und Nutzens von Wissen ist kennzeichnend für den Wissensmanagementanteil im Forum. Die oben angeführten Aspekte sind die Zielsetzungen, die im Forum angestrebt werden.

Es wird deutlich, dass angenommen werden kann, dass bestimmte Aktivitäten, die im Forum stattfinden, ihre theoretischen Ursprünge in den eigenständigen Theorien der Selbsthilfe, der professionellen Beratung und dem Wissensmanagement beanspruchen.

3.4 Lernen in virtuellen professionellen Lerngemeinschaften

Über die drei bereits genannten Ziele hinaus ist der Aspekt des Lernens als eine weitere relevante Zielsetzung in diesem Kontext zu nennen. Das besondere Setting sowie die Aktivitäten im Forum führen zu verschiedenen Zugängen, die Lernprozesse initiieren können.

Es sind aktive und passive Zugänge zu Lernprozessen im Lehrerforum zu verzeichnen.

Aktive Zugänge gibt es einmal über das Verfassen eigener Beiträge sowie über das Verfassen von Kommentaren zu Beiträgen anderer Teilnehmer. Das Verfassen von eigenen Beiträgen kann dazu führen, dass ein reflektierender, klärender und distanzierender Umgang mit Problemlagen erlernt wird (Verband Bildung und Erziehung. Landesverband NRW, 2007).

Das Schreiben von Antworten auf Beiträgen anderer übt einen klaren Blick auf Probleme. Das Gefühl anderen geholfen zu haben, kann den Lerneffekt haben, die eigenen Probleme in einer relativierten Dimension zu betrachten (ebd). Der passive Zugang zu Lernprozessen im Forum ist das ausschließliche Lesen im Forum. Es können ganze Beratungsprozesse und darüber hinaus deren Lösungen bzw. Problemlösungsalternativen auf ihre Konsequenzen und möglichen Erfolg nachvollzogen werden.

Dieser Umstand kann in der Konsequenz bedeuten, dass Nutzer sensibler für die eigenen Probleme werden. Es kann in diesem Zusammenhang auch von einer Art Vorbild- bzw. Modellfunktion gesprochen werden.

Das ausschließliche Beobachten bzw. Verfolgen anderer in ihren Problemlagen und deren positive oder negative Lösung kann in seiner erfolgreichen oder nicht erfolgreichen Verstärkung, ohne es selbst erlebt zu haben, stellvertretend vom Beobachter, in diesem Fall vom Leser, erlebt werden. Es können also beim Lesen Lösungen erlernt werden.

Es besteht die lerntheoretische Annahme, dass in der Art erlernte Problemlösungen sogar unter Umständen in das Verhaltensrepertoire adaptiert, bzw. dadurch psychische Veränderungen hervorgerufen werden können. Dieser Prozess nennt sich ‚stellvertretende Verstärkung’, bei dem „(…) Beobachter ihr Verhalten verändern, weil sie gesehen haben, wie die Handlun- gen eines Modells belohnt oder bestraft wurden“ (Bandura, 1976, S.53).

Denn Menschen richten sich in ihrem Handeln eher nach ihren Vorstellungen, die dem Handeln vorangehen, statt sich nur an den Ergebnissen ihrer aktiven Handlungsvollzüge zu orientieren.

Es ist erkennbar, dass bei allen Prozessen, die im Forum stattfinden, Lernen eine besondere Rolle einnimmt.

Der Lernaspekt hat auch in den jeweiligen Konzepten wie der Selbsthilfe, der professionellen Beratung sowie dem Wissensmanagement eine besondere Relevanz.

Ein theoretisch systematisiertes Einordnen der Aktivitäten des Forums in die eben genannten Konzepte bildet im folgenden Kapitel die Grundlage für den zu entwickelnden Fragebogen.

Aktivitäten im Lehrerforum

4 Begriffsklärung Selbsthilfe

Es wurde bereits ansatzweise beschrieben, dass sich im Lehrerforum Aspekte der Selbsthilfe realisieren. Um differenzierter annehmen zu können, wie und in welcher Form dies geschieht, wird zunächst einführend auf Selbsthilfe als eigenständige Disziplin eingegangen.

Die Gründung der ‚Anonymen Alkoholiker’ in den USA 1935, wird größtenteils in der Fachliteratur als der Ursprung von Selbsthilfegruppen angesehen. In Deutschland etablierten sich Selbsthilfegruppen erst nach dem Zweiten Weltkrieg (Wohlfahrt & Breitkopf, 1995).

In den darauf folgenden Jahrzehnten erfuhr die Selbsthilfe eine ungemeine Ausweitung. Ursachen dafür sind u. a. soziale Aspekte, wie gesellschaftliche Transformationsprozesse und die damit einhergehenden Veränderungen in Bezug auf gesellschaftspolitische Sozialsysteme.

Selbsthilfegruppen stellten einen Versuch dar, den entstehenden Isolationsund Vereinzelungsprozessen entgegen zu wirken. Aber auch Kritik am Expertentum führte zu einem Boom der Selbstbestimmung und Selbsthilfe in medizinischen, als auch psychosozialen Bereichen (ebd).

Durch Selbsthilfegruppen konnten sich Betroffene aus ihrer häufig vereinzelten und passiven Position befreien. Eigenaktivität und Selbstverantwortung lockerten die Hierarchien zwischen Laie und Experte, Patient und Arzt oder Klient und Therapeut auf (Moeller, 1981).

Seit den Ursprüngen der Selbsthilfe haben sich in den letzten Jahrzehnten eine Vielfalt von theoretischen Grundlagen, Methoden und Zielsetzungen herauskristallisiert, wie zum Beispiel rational- emotive Therapiegruppen, gestalt-thera- peutische Gruppen, verhaltenstherapeutische Gruppen oder Gruppen, die sich mit Sucht beschäftigen u. v. m. (Sieland & Siebert, 1991).

Selbsthilfegruppen differenzieren sich aber nicht nur in der Vielzahl ihrer theo- retischen Grundlagen und Zielsetzungen, sondern auch hinsichtlich ihrer Mo- tive, Orientierungen, Gruppengrößen und Organisationsgrade (Wohlfahrt & Breitkopf, 1995).

Aufgrund dieser theoretischen Vielfalt ist es schwierig, eine passende Definition zu finden.

Die ‚Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V.’ beschreibt Selbst- hilfegruppen jedoch folgendermaßen: „Selbsthilfegruppen sind freiwillige, meist lose Zusammenschlüsse von Menschen, deren Aktivitäten sich auf gemein- same Bewältigung von Krankheiten, psychischen und sozialen Problemen richten, von denen sie - entweder selber oder als Angehörige- betroffen sind“ (Wohlfahrt & Breitkopf, 1995, S.43; zit. n. DAG SHG e.V., 1991, S.20f).

Darüber hinaus hat das Wirken von Selbsthilfegruppen keinen wirtschaftlichen Gewinn als Zielsetzung, sondern vielmehr die Veränderung von sozialen und politischen Lebensumständen (Matzat, 2004).

Selbsthilfegruppen charakterisieren sich noch durch weitere Merkmale, welche im nächsten Abschnitt erläutert werden.

4.1 Selbsthilfegruppen und ihre Merkmale

Die folgenden Betrachtungen fachlicher Selbsthilfegruppen sind insofern relevant, als dass sie auf spezifische Wirkfaktoren von Selbsthilfe schließen lassen. Gerade die Wirkfaktoren sind relevant für den methodischen Teil dieser Arbeit. Auf die Wirkfaktoren wird in Kapitel 5 eingegangen.

Typische Merkmale von Selbsthilfegruppen lassen sich zunächst an Aspekten der Gruppengröße, Frequenz, Dauer und Gestaltung der Treffen festmachen. Die Größe umfasst meist eine überschaubare Anzahl von Teilnehmern, die als Kleingruppen bezeichnet werden können. Die Frequenz der Treffen kann von einmal täglich über wöchentlich bis hin zu Intensivwochenenden variieren. Die Behandlungsdauer in Selbsthilfegruppen ist ebenso variabel. Sie kann zeit- lich begrenzt oder aber auch über mehrere Jahre bestehen (Sieland & Siebert, 1991).

Die Gestaltung der Treffen hat ihren Schwerpunkt in Gesprächen, das heißt im Erfahrungsaustausch, im Zuhören, in der Anteilnahme und Ermutigung (Matzat, 2004).

Dabei nimmt jeder Teilnehmer in einem gleichberechtigten und kooperativen Wechselprozess eine gebende und eine nehmende Rolle ein.

Es wird anderen und sich selbst geholfen. Einerseits steht die eigenständige Problembewältigung ohne professionelle Hilfe im Mittelpunkt. Andererseits geht es darum, innerhalb der Gruppe gemeinschaftlich und kooperativ Lösungen für das jeweils spezifische Problem zu finden (Matzat, 2004).

Ein weiteres Merkmal von Selbsthilfegruppen ist, dass sie nach innen und nach außen wirken. Sie verfolgen die innerliche Veränderung des Selbst und die äu- ßerliche Veränderung der sozialen Bedingungen (Moeller, 1981). Darüber hinaus ist ein ausgeprägtes Merkmal die Nähe bzw. Distanz zu profes- sioneller Hilfe oder ausgebildeten Fachkräften. Es gibt Gruppen, die eng mit Experten zusammenarbeiten oder auch von einem Experten geleitet bzw. mo- deriert werden. Dann wiederum gibt es Gruppen, die sich explizit von Experten distanzieren, um zum einen das bereits kritisierte Expertentum und zum ande- ren Hierarchien zwischen Betroffenen und Experten zu vermeiden (Klingemann, 1986).

Zur näheren Charakterisierung von Selbsthilfegruppen sind zwei relevante Ty- pen zu unterscheiden, die die Offenheit bzw. Geschlossenheit von Gruppen betreffen. Es gibt offene und halboffene Gruppen. Bei psychologisch- therapeu- tisch orientierten Gruppen „(…) liegt die Betonung auf einem (halb-) geschlos- senen Kleingruppenkonzept ohne Leiter, auf Kontinuität, und Dauer der Arbeit, auf gemeinsamer Entfaltung von Selbstheilungskräften im Gruppenverband durch unstrukturiertes, spontanes und möglichst offenes Gespräch (Regel der Regellosigkeit), auf einem gesunden, ja gesund- machenden Egoismus (jeder geht in die Gruppe um sich selber zu helfen und nicht den anderen- und dient so den anderen als lehrreiches Selbsthilfe- Modell)“ (ebd, S.14).

Offene Gruppen sind hingegen alle anonymisierten Gruppen. In anonymisierten Gruppen können Betroffene Kontinuität und Zeitpunkt ihrer Teilnahme frei bestimmen. Die Gespräche in diesen Gruppen werden moderiert. Unstruktu- rierte und spontane Gespräche, Fragen und Ratschläge sind nicht erwünscht (ebd).

Nachdem einige bestimmenden Merkmale von Selbsthilfegruppen genannt wurden, geht der nächste Abschnitt dieses Kapitels noch näher auf die Aktivitäten und Voraussetzungen von Selbsthilfe ein.

4.1.1 Aktivitäten und Voraussetzung von Selbsthilfe

Es wurde bereits deutlich, dass es in Selbsthilfegruppen vorwiegend um Gespräche geht, um ein gemeinsames Ziel und die Arbeit an sich selbst im Rahmen der Gruppe.

In einer Befragung nach den Leistungen von Selbsthilfegruppen konnten folgende weitere Aktivitäten nach ihrer Relevanz für die Teilnehmer festgestellt werden: Der „(…) Austausch von Informationen (im Schnitt für 79% der Gruppen wichtig bzw. sehr wichtig), die gegenseitige emotionale Unterstützung (66%), die Stärkung gegenseitigen Vertrauens (65%), Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit (62%), das Sprechen über die eigenen Gefühle (61%) sowie das Bemühen, für Probleme von Gruppenmitgliedern gemeinsam eine Lösung zu finden (51%)“ (Wohlfahrt & Breitkopf, 1995, S.50).

Die Aktivitäten von Selbsthilfegruppen auf bestimmte inhaltliche Aktionsberei- che einzugrenzen, ist schwierig. Je nach Handlungsfeld existiert eine Vielzahl von Bereichen in denen Selbsthilfegruppen aktiv sind. Um nur einige Beispiele zu nennen, sind Selbsthilfeaktivitäten in ökonomischen-, ökologischen-, sozia- len-, kulturellen- und gesundheitlichen- Bereichen zu finden (ebd). Damit Selbsthilfegruppen, unabhängig von dem Bereich, in dem sie tätig sind, funktionieren, ist es wichtig, dass sich alle Teilnehmer über bestimmte Voraus- setzungen einig sind. Dies betrifft zum Beispiel Aspekte der Gleichberechti- gung, der Selbstbestimmung, der Selbstverantwortung und der Gruppen- schweigepflicht (Moeller, 1981).

Selbsthilfegruppen profitieren von einer sich entwickelnden Gruppendynamik bzw. eines sich entwickelnden Gruppenprozesses. „Das bedeutet vor allem die Bereitschaft sich zu öffnen, über persönliche Belange und Gefühle und Ansichten zu sprechen, eigene Erfahrungen mitzuteilen und aus denen anderer zu lernen“ (Matzat, 2004, S.23ff).

Die Teilhabe am Schicksal des anderen ohne voreilig Ratschläge zu erteilen, steht dabei im Mittelpunkt. Dabei ist eine Balance zu halten. Mit Balance ist gemeint, dass sich weder ausschließlich mit den Schicksalen anderer ausei- nandergesetzt wird, noch das sich jeder nur mit sich selber auseinandersetzt. Es geht vielmehr um eine wechselseitige empathische Teilhabe (Sieland & Sie- bert, 1991).

Da Selbsthilfegruppen meist ohne professionelle Hilfe funktionieren, ist auch eine Balance bzgl. der Verantwortung zu halten. Einerseits übernimmt jeder für sich die Verantwortung, aber andererseits auch die Verantwortung für die Gruppe. Niemand soll sich verantwortungslos gegenüber der Gruppe verhalten, es soll sich aber auch niemand als „Gruppenleiter“ darbieten, da alle Teilnehmer gleichberechtigt sind (Sieland & Siebert, 1991).

Es wird deutlich, dass bestimmte Voraussetzungen nötig sind, um wirksam an einer Selbsthilfegruppe teilzunehmen. Darüber hinaus gehören zu den bereits erwähnten Aspekten Vertrauen in die eigenen Kräfte, Vertrauen in die Gruppe, Empathie, die Fähigkeit Leidensdruck offen einzugestehen, Kritikfähigkeit, soziale Kompetenz, Engagement und Mut (Matzat, 2004).

Neben diesen relevanten Aspekten sind noch zwei weitere Voraussetzungen zu berücksichtigen, die Handlungsorientierungen und die Handlungskompetenzen der Teilnehmer einer Selbsthilfegruppe.

Handlungsorientierung stellt die grundlegenden Motivationen, Einstellungen, Bewertungen und Problemeinschätzungen dar. Mit Handlungskompetenzen sind Erfahrungen, Fähigkeiten, Belastbarkeit und Kenntnisse gemeint (Klingemann, 1986).

Aktivitäten von Selbsthilfegruppen beinhalten Aspekte von gegenseitigem Ver- ständnis, gegenseitigem Informieren, Kompetenzerweiterung, Freizeitgestal- tung, Beziehungsaufbau, Außenwirkung und Interessenvertretung (Matzat, 2004).

Im Speziellen geht es darum, in der Gruppe das allen gemeine Problem zu de- finieren, Veränderungsbereitschaft zu erzeugen, kooperativ Handlungsalternati- ven oder Ressourcen auszuwählen und zu bewerten, sowie Problemlösungs- strategien ggf. auszuprobieren und zu kontrollieren (Klingemann, 1986). In welchem Grad jemand in der Lage ist, für sich im Rahmen von Selbsthilfe- gruppen sein Problem wahrzunehmen, bereit für Veränderung ist, Alternativen auswählt und bewerten kann sowie dann Problemlösestrategien anwendet und kontrolliert, hängt einerseits von strukturellen Gegebenheiten und Barrieren ab. Andererseits hängt es auch von der individuellen Problemlage und den bereits erwähnten Handlungsorientierungen und Handlungskompetenzen- kurz von den individuellen Ressourcen ab. Das bedeutet, dass sich Selbsthilfegruppen nicht für jeden als das Richtige erweisen müssen

4.1.2 Vor- und Nachteile von Selbsthilfegruppen

Im vorherigen Abschnitt sind Selbsthilfeaktivitäten im Rahmen von Gruppen bereits diskutiert worden. In diesem Abschnitt werden dazu vertiefend die Vorund Nachteile von Selbsthilfegruppen betrachtet.

Die allgemeinen Vorteile von Selbsthilfegruppen sind in erster Linie Flexibilität, unbegrenzte Kapazität, Vielfalt an Variationsmöglichkeiten, Alltagsnähe, Ver- meidung von Expertendominanz, Einfachheit und leichte Zugänglichkeit (Moel- ler, 1981).

Darüber hinaus sind noch weitere Vorteile speziell von Gruppen zu verzeichnen, aus denen die Wirkung auf die Teilnehmer resultiert.

In Gruppen finden viele unterschiedliche Fähigkeiten, Ideen und alternative Problemlösungsvorschläge zusammen, deren gemeinsame Wirkung zum gemeinsamen Ziel führt. „Dabei entsteht das Potential der Gruppe nicht nur aus der Aneinanderreihung, das heißt der Summe aller Einzelfähigkeiten, sondern vor allem aus der vielfältigen Kombination und der wechselseitigen Ergänzung der unterschiedlichen Begabungen“ (Moeller, 1981).

Dieses Potential stellt einen eindeutigen Teamvorteil dar. Das gemeinsame Lernen und Bewältigen von Problemlagen sowie das Ausprobieren von Alternativen im ‚Schonraum’ der Gruppe fördert Beziehungsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Selbstständigkeit. Der Teamvorteil unterstützt dabei die Vertrauensbildung, Solidarität und ermutigt (Moeller, 1981). Die je individuelle Problemlage erfährt im Rahmen der Gruppe eine schnellere Annahme und Auseinandersetzung. Durch die Vielfalt der Rückmeldungen und Einschätzungen kann sich die eigene Einstellung relativieren und ist nicht ab- hängig vom Urteil einer einzigen Person, wie zum Beispiel eines Arztes oder eines Therapeuten (Sieland & Siebert, 1991).

Ein weiterer wichtiger Vorteil von Gruppen ist die gegenseitige Wirkung, die die Teilnehmer auf sich ausüben. Es gibt Teilnehmer die sehr schnell lernen und sich verändern, dann wiederum andere die mehr Zeit brauchen. Die Einen lernen durch Zuhören, andere durch aktives Handeln.

Das gemeinsame Erleben unterschiedlicher Lernstrategien, Erfolge und/ oder Rückschritte kann eine Vorbild- und Imitationsfunktion haben, oder Erfolg bestätigen und sichern (ebd).

Neben den bereits angeführten Vorteilen sind darüber hinaus eine Reihe von Nachteilen und Risiken anzuführen.

Die wirkenden Kräfte von Gruppenprozessen können auch eine negative Dynamik entwickeln. Zum Beispiel können Positionskämpfe vorrangig werden, so dass die Arbeit an sich selbst nicht mehr im Mittelpunkt steht. Des Weiteren sind die Entstehung von Gruppendruck oder die Bildung von Untergruppen besonders für unsichere Teilnehmer ungünstig (Sieland &Siebert, 1991). Die Zusammensetzung der Gruppe ist, ebenso wie die Gestaltung der Treffen, von großer Bedeutsamkeit. Der Erfolg bzw. Misserfolg steht und fällt mit den Voraussetzungen und Aktivitäten der Gruppenteilnehmer.

Auch wenn die Teilnehmer ein gemeinsames Ziel bzw. Interesse haben, beste- hen dennoch spezifische, individuelle Unterschiede. Diese Unterschiedlichkeit kann sich durchaus auch negativ auswirken, trotz der bisher genannten positi- ven Aspekte.

Bestimmte Verhaltensweisen blockieren und stören die Aktivitäten in Selbsthilfegruppen. Dieses Verhalten betrifft, da es sich meistens um Ge- spräche handelt, vorwiegend bestimmte Interaktionsstile der Teilnehmer. Nach Yalom übernehmen Teilnehmer von Gruppen verschiedene Rollen. Es gibt zum Beispiel solche, die aus Unsicherheit oder Angst ständig reden, ohne Rücksicht auf die anderen zu nehmen. Dann wiederum gibt es Teilnehmer, die die Gruppe um Hilfe bitten, diese aber aus Gründen der Änderungsresistenz nicht annehmen. Andere Teilnehmer wollen überlegen sein und nehmen kein Feedback oder Erfahrungsaustausch an. Es gibt auch Teilnehmer, die durch Schweigen oder übertriebene Hilfe die Veränderungsbereitschaft der anderen sowie von sich selbst verhindern (Sieland & Siebert, 1991; zit. n. Yalom, 1974).

Alle diese Interaktionsstile und Verhaltensweisen können die effektiven Aktivitäten von Selbsthilfegruppen blockieren und erschweren.

Ein weiteres Risiko ist, das die Teilnehmer willkürlich zusammentreffen und sich zunächst fremd sind. Dadurch ist es anfänglich schwer vorstellbar Vertrauen zu schöpfen und sich in der Gegenwart von ‚Fremden’ mit seinen Konflikten und Schwächen auseinander zu setzen.

Durch Widerstände, wie Angst vor Fremden, Angst vor Veränderung, Angst vor der Auseinandersetzung mit Konflikten, Vorurteilen, mangelnde Ausdauer oder der fehlende Glaube an die Gruppe und sich selbst, kann jeder einzelne Teilnehmer negativ den Gruppenprozess beeinflussen (Moeller, 1981).

Fehlen die beschriebenen Einstellungen und Fertigkeiten, die für eine effektive Teilnahme nötig sind, kann das zum Verlassen der Gruppe führen (Sieland & Siebert, 1991).

Um Selbsthilfe als Einzeldisziplin zu betrachten, wurden ihre Merkmale, Aktivitäten, Voraussetzungen sowie Vor- und Nachteile erläutert.

Abschließend wird im folgenden Abschnitt dieses Kapitels auf die Ziele von Selbsthilfe eingegangen. Unter der Berücksichtigung der bisher genannten Aspekte, werden dann in Kapitel 5 die Wirkfaktoren von Selbsthilfe aufgezeigt.

4.1.3 Ziele von Selbsthilfe

Es wurde bereits erwähnt, dass es eine Vielzahl an theoretischen Orientierungen und damit auch Zielsetzungen gibt. Es können jedoch unter der Berücksichtigung, der vorangegangenen Abschnitte dieses Kapitels allgemeine Ziele formuliert werden, denen Selbsthilfe folgt.

Ein erstes Ziel von Selbsthilfegruppen ist, in einem vertrauensvollen, empathischen, kooperativen und unterstützenden Setting, eine freiwillige, kontinuierliche und lösungsorientierte Auseinandersetzung mit den eigenen Konflikten und/ oder Schwächen zu bewirken.

Durch die gebende und nehmende Rolle, das heißt als Hilfegebender und Hilfesuchender erhält der Einzelne eine transparentere Sicht auf die eigenen Probleme und die der Anderen. Diese wechselseitigen Rollen verstärken sich durch das gemeinsame Problem.

Das so genannte ‚Expertentum des Betroffenseins’ ermöglicht die Entwicklung hoher Empathie und Abstimmung der komplexen Bedürfnisse der Situation (Moeller, 1981). Damit werden Wahrnehmungs- und Diagnosefertigkeiten gefördert sowie das kooperative Finden von Lösungen geübt (Sieland & Siebert, 1991).

Die in der Gruppe erarbeiteten Lösungen und Handlungsalternativen werden erprobt und umgesetzt. Der Transfer der eingeübten Handlungsalternativen in den Alltag sollte dabei nicht fehlen.

Dazu bietet die Gruppe zunächst einen geeigneten ‚Schonraum’. Ein zweites Ziel ist damit die Förderung von Handlungsfertigkeiten.

Das Zusammentreffen der Teilnehmer ist sowohl von Gemeinsamkeiten als auch von Unterschieden geprägt. Dadurch wird eine vielfältige und ausdifferenzierte Betrachtung derselben Problemlage möglich. Das Zusammentragen der verschiedensten Einstellungen, Ideen und Sichtweisen wird gefördert. Die Teilnehmer werden angeregt, ihre Problemlage einmal anders zu betrachten oder zu verarbeiten bzw. damit umzugehen. Ein drittes Ziel ist demnach Veränderungsbereitschaft anzuregen, zu fördern und aufrecht zuhalten (Sieland & Siebert, 1991).

Finden alle bisher genannten Voraussetzungen und Bedingungen Berücksichtigung, so dass eine Selbsthilfegruppe effektiv funktionieren kann, besteht die Möglichkeit, dass sich ein hohes Vertrautheitsgefühl in der Gruppe bildet. Durch angemessene Rückmeldung, Erfahrungsaustausch, Selbstexplorationen, Rollendifferenzierung und ausgewogene Ursachenzuschreibung erlangt der Teilnehmer eine Akzeptanz gegenüber seinem Problem. Es wird im Schutz der Gruppe nicht mehr verdrängt, sondern angenommen, hinterfragt, umgedeutet und relativiert. Damit sind der Wiederaufbau und die Stärkung der Selbstachtung der Teilnehmer als weitere Ziele zu nennen (ebd).

Es wurden für den Kontext dieser Arbeit theoretisch, relevante Grundlagen fachlicher Selbsthilfe als Einzeldisziplin erläutert.

Alle in diesem Abschnitt erarbeiteten Ziele bilden die Grundlage für die Auswahl der Effekte in Kapitel 5.

Im folgenden Abschnitt werden die allgemeinen Grundlagen professioneller Beratung betrachtet.

4.2 Begriffsklärung professionelle Beratung

In Kapitel 2 wurde schon einführend definiert, dass sich Beratung aus den drei Psychotherapie- Schulen, der Humanistischen Psychologie, der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie entwickelt hat.

Es gibt eine Vielzahl an Konzepten und Ansätzen deren Schwerpunkte je einer der Richtungen zuzuordnen sind.

Sowohl die Ansätze, als auch die Arbeitsfelder in denen sie Anwendung finden, sind sehr umfangreich.

Die Ansätze reichen von psychoanalytisch- orientierter Beratung, Verhaltensbe- ratung, Klientenzentrierter- und Systemischer Beratung über integrative und konstruktivistische Beratung bis hin zur kooperativen, Lebensweltorientierten- und narrativen Beratung (Nestmann, Engel & Sickendiek, 2007). Genauso vielfältig lassen sich die Arbeitsfelder und damit auch die Zielgruppen kennzeichnen. Es gibt Familienberatung, Erziehungsberatung, Schwanger- schaftsberatung, Sucht- und Drogenberatung, Schuldenberatung, sowie Sozial- und Berufsberatung, um nur einige Beispiele zu nennen (ebd). In diesem Abschnitt sowie in den Folgenden ist es nicht das Ziel einzelne Be- ratungskonzepte zu betrachten. Vielmehr werden allgemeine und grundlegende Aspekte, denen professionelle Beratung generell unterliegt, erarbeitet. Dabei werden in diesem Kontext die historische Entstehung und soziologischen Hintergründe für die Entwicklung von Beratung außer Acht gelassen. Ob ein Beratungsansatz eher kognitiv, emotional oder behavioristisch angelegt ist bzw. je nachdem aus welcher ‚Schule’ er sich entwickelt hat, bestimmt die Heran- und Vorgehensweise in Beratungsprozessen.

Hinter jedem Beratungsansatz steht ein bestimmtes Menschenbild, eine bestimmte Persönlichkeits- bzw. Entwicklungstheorie, eine bestimmte Beratungs- und Interventionstheorie sowie Praxeologie (Rechtien, 2004). Diese theoretischen Hintergründe, die professionelle Beratung kennzeichnen, bestimmen die Sicht auf den Menschen, die Annahmen bzgl. seiner Entwick- lung und Dynamik, die Auffassung von Gesundheit und Krankheit sowie deren Ursachen. Sie bestimmen aber vor allem die Annahmen über Indikationen, die Wirkung von Interventionen, die methodischen Vorgehensweisen und die Hal- tung des Beraters (ebd).

In Kapitel 2 wurde bereits deutlich, um welche Tätigkeit es sich bei Beratung handelt. Um es noch einmal anzuführen, ist Beratung „(…) ein zwischenmenschlicher Prozess (Interaktion), in welchem eine Person (der Ratsuchende oder Klient) in und durch die Interaktion mit einer anderen Person (dem Berater) mehr Klarheit über eigene Probleme und deren Bewältigung gewinnt“ (Nußbeck, 2006, S.19; zit. n. Rechtien, 2004b, S.16).

Es stellt sich nun die Frage, worin genau sich diese professionelle Interaktion von einem alltäglichen Gespräch, in dem ebenfalls Tätigkeiten stattfinden, die sich mit Beraten und Problemlösen charakterisieren lassen, differenziert. Oder anders gefragt: Wann ist ein Beratungsprozess ein professioneller Beratungsprozess?

Zunächst handelt es sich um professionelle Beratung, wenn eine theoretisch fundierte Grundlage, wie bereits beschrieben, existiert. Diese theoretische Grundlage sollte für die Praxis von Beratung Handlungsleitende Reflexions- und Evaluationsfunktionen einnehmen.

Professionelle Beratung kennzeichnet sich über die theoretischen Grundlagen hinaus durch ihre Beteiligten. Dieser Aspekt wird im folgenden Abschnitt näher behandelt.

4.2.1 Berater und Ratsuchende in professioneller Beratung

Voraussetzungen von Berater und Ratsuchenden sind ebenfalls bezeichnend dafür, ob eine Interaktion einen professionellen Beratungsprozess darstellt oder nicht. Das bedeutet, jeder Berater sollte bestimmte Kompetenzen aufweisen, die Beratungssituationen fördern und professionell gestalten. Das heißt, er „(…) muss die grundlegenden Handlungsmuster der Diagnostik, Intervention und Evaluation kennen (…)“ (Nußbeck, 2006,S.19). Darüber hinaus sollte ein Berater Sensibilität, Empathie und Achtung gegenüber der Situation sowie seelischen Struktur des Ratsuchenden zum Ausdruck bringen (Dietrich, 1991).

Fundiertes psychologisches und kommunikationstheoretisches Wissen, emotio- nale und kognitive Belastbarkeit sowie Kenntnisse über Rollen, Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomenen sind von großer Relevanz. Ein Berater sollte in der Lage sein, Ziele, Grenzen, Schwierigkeiten und Ne- benwirkungen des jeweiligen Beratungskonzeptes nachdem gearbeitet wird, zu berücksichtigen. Er sollte sein Handeln wissenschaftlich begründen, reflektieren und evaluieren. Weitere wichtige Kompetenzen eines professionellen Beraters sind interpersonale Fertigkeiten, der Glaube an Veränderungspotentiale des Ratsuchenden, konzeptionelle Fertigkeiten, persönliche Integrität, Beherr- schung beraterischer Techniken und die Fähigkeit Systeme zu verstehen und mit ihnen zu arbeiten (Nußbeck, 2006).

Auch Ratsuchende müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit aus einer Interaktion eine professionelle Beratungssituation wird. Dietrich konsta- tiert, dass nicht jeder an einem professionellen Beratungsprozess teilnehmen kann.

Ratsuchende, die in eine Beratung kommen, sind meist in einer für sie allein nicht mehr zu bewältigenden problematischen Lage. Sie fühlen sich oft hilflos, desorientiert und blockiert. Diese Lage gilt es zu ändern. Die Änderung betrifft den Ratsuchenden selbst und seine Lebenswelt. Mit Hilfe des Beraters soll diese Änderung durch eine angeregte und aktivierte Auseinandersetzung mit sich selber bewirkt werden (Dietrich, 1991).

Ein Lernprozess soll diese Auseinandersetzung mit sich selbst initiieren, so dass es im besten Fall zu einer kognitiv- emotionalen Einsicht kommt. Ziel dieses Prozesses dabei ist es Problemlösekompetenz zu stärken sowie Selbsthilfebereitschaft, Selbststeuerungsfähigkeit und Handlungskompetenzen zu verbessern.

Dafür sind bestimmte Kompetenzen notwendig, die dazu führen können, sofern sie nicht erfüllt werden, dass der Ratsuchende kein Beteiligter eines professionellen Beratungsprozesses werden kann.

Folgende Kompetenzen sollten erfüllt sein: „(…) ein gewisses Maß an Einsicht, Beobachtungsfähigkeit, Selbst- und Fremdkritik sowie (…) sprachliche Ausdrucks- und Verstehensfähigkeit (…)“ (ebd, S.5).

Des Weiteren sind auch ein gewisser ‚Wille zur Eigeninitiative’ sowie ein notwendiges, bereits bestehendes Problembewusstsein und Erkenntnisaktivität nützlich (ebd).

Beratung übernimmt nicht die Verantwortung und Aktivitäten des Ratsuchen- den. Beratung ist vielmehr eine Hilfe zur Selbsthilfe und bedarf deshalb der Wil- ligkeit, Eigenverantwortung und Fähigkeiten des Ratsuchenden (ebd). In Kapitel 2 wurde bereits ausgeführt, dass sich Problembearbeitung in der Be- ratung zwischen den Polen Informationsvermittlung und Ansätzen therapeuti- scher Ziele bewegen kann.

Es ist zu erwähnen, dass in der Fachliteratur die Frage nach der Abgrenzung von Beratung zu Therapie und Erziehung immer wieder diskutiert wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 163 Seiten

Details

Titel
Beratung im Lehrerforum. Wirkfaktoren einer virtuellen und professionellen Lerngemeinschaft
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Institut für Psychologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
163
Katalognummer
V136908
ISBN (eBook)
9783668299979
ISBN (Buch)
9783668299986
Dateigröße
1625 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beratung, lehrerforum, wirkfaktoren, lerngemeinschaft
Arbeit zitieren
Nina Reale (Autor), 2009, Beratung im Lehrerforum. Wirkfaktoren einer virtuellen und professionellen Lerngemeinschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136908

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