In der aktuellen fachdidaktischen Diskussion, die sich in der neuen, bewegungsfeldorientierten
Lehrplangeneration spiegelt (vgl. Prohl & Krick, 2006), wird mit dem Erziehenden Sportunterricht
zunehmend die pädagogische Bedeutung des Schulsports in den Blickpunkt gerückt. Der über
greifende Auftrag der Schule qualifizieren und erziehen konkretisiert sich für den Schulsport
in dem Doppelauftrag einer Erziehung zum und durch den Sport. Der Zuwachs an Bewegungs
kompetenz als Teil der Sachkompetenz sollte dabei in den Rahmen der Förderung allgemein
bildender Kompetenzen, wie der Kooperations und Teamfähigkeit als zentrale soziale
Kompetenzen, eingebunden sein (vgl. Prohl, 2004). Ein sich am Außenkriterium Lehrplan
orientierender ,,guter Sportunterricht" hat demzufolge beide Seiten des auch im hessischen
Sportlehrplan formulierten (vgl. HKM, 2005, S. 4) Doppelauftrages zu verfolgen, zielt also
neben der Förderung der Sachkompetenz auch auf die Erweiterung sozialer und personaler
Kompetenzen.
Inhaltsverzeichnis
1 Bild und Stand der Lerngruppe
2 Didaktische Überlegungen
2.1 Didaktische Überlegungen zur Unterrichtsreihe
2.2 Didaktische Überlegungen zur Unterrichtsstunde
2.3 Kompetenzen, Stundenziele und Indikatoren
3 Methodische Überlegungen
3.1 Methodische Überlegungen zur Unterrichtsreihe
3.2 Methodische Überlegungen zur Unterrichtsstunde
4 Geplanter Stundenverlauf (tabellarisch)
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Unterrichtseinheit zielt darauf ab, die Schüler durch die Gestaltung einer Mini-Turnkür in Kleingruppen zu befähigen, kooperatives Lernen im Sportunterricht zu praktizieren und dabei sowohl turnerische Fertigkeiten als auch soziale Kompetenzen in geschlechtsheterogenen Gruppen weiterzuentwickeln.
- Umsetzung des Doppelauftrags "Erziehung zum und durch den Sport"
- Förderung der Kooperations- und Teamfähigkeit durch kooperatives Lernen
- Integration von turnerischen Pflichtelementen (Handstand, Flugrolle, Pyramiden) in eine Gruppenkür
- Entwicklung von Gestaltungskompetenz und Selbstbestimmung bei der Gruppenarbeit
- Initiation reflexiver Lernprozesse und Abbau von geschlechtsspezifischen Barrieren
Auszug aus dem Buch
3.1 Methodische Überlegungen zur Unterrichtsreihe
Der Unterricht folgt weitgehend der Methode des kooperativen Lernens (für den Sportunterricht vgl. Bähr, 2005). Sie bietet sich als eine Möglichkeit an, den Doppelauftrag des Schulsportunterrichts praktisch umzusetzen. Beim kooperativen Lernen werden beide Seiten des Doppelauftrages nicht getrennt angesteuerte, sondern das Turnen wird derart thematisiert, dass der Handstand durch einen kooperativen Arbeitsprozess in Kleingruppen erlernt wird. In der „Natur der Sache“ des Sports ist die Möglichkeit und häufig sogar die Notwendigkeit zur Kooperation bereits angelegt. Für das Beispiel des Turnens gilt, dass das gegenseitige Helfen, Sichern, Beobachten und ggf. Korrigieren genuiner Bestandteil dieses Bewegungsfeldes ist.
Kooperatives Lernen zeichnet sich dadurch aus, dass „Schüler in kleineren Gruppen arbeiten, um sich beim Lernen des Stoffes gegenseitig zu helfen“ (Slavin, 1989, S. 129). Aus der Kurzdefinition wird deutlich, dass diese Lernform zwei wesentliche Anliegen schulischer Bildung im Sportunterricht miteinander kombiniert:
- fachliches „Lernen von Stoff“ → Sachkompetenz
- die Chance bzw. Notwendigkeit des „gegenseitigen Helfens“ → Sozialkompetenz
Um den Schülern die hohe Bedeutung der gegenseitigen Unterstützung in den Kleingruppen im Rahmen dieses Unterrichtsvorhabens zu verdeutlichen, werden sie ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bei der abschließenden Präsentation keine Einzelleistung, sondern ausschließlich die Gruppenleistung gewertet wird und zudem die besten zwei Gruppen ihre Präsentation nochmals in größerem Rahmen (vor zwei Parallelklassen) aufführen dürfen. Da die Teamleistung bedeutsam ist, hat der Einzelne also vor allem dann bzw. erst dann Erfolg, wenn auch alle anderen Mitglieder seines Teams einen Lernfortschritt erzielen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Bild und Stand der Lerngruppe: Beschreibung der Klassensituation der G5e, des Gruppenklimas und der bisherigen Erfahrungen mit kooperativen Arbeitsformen im Sportunterricht.
2 Didaktische Überlegungen: Erläuterung des erziehenden Sportunterrichts unter Berücksichtigung des Doppelauftrags sowie Begründung der Zielsetzungen für die Unterrichtsreihe und die konkrete Stunde.
3 Methodische Überlegungen: Darlegung der Methode des kooperativen Lernens als zentrales didaktisches Werkzeug und Analyse des methodischen Vorgehens bei der Gruppenpräsentation.
4 Geplanter Stundenverlauf (tabellarisch): Übersicht über die zeitliche Struktur, die Phasen, die Sozialformen und die eingesetzten Medien der Unterrichtsstunde.
Schlüsselwörter
Sportunterricht, Erziehender Sportunterricht, Kooperatives Lernen, Doppelauftrag, Turnen, Mini-Turnkür, Gruppenarbeit, Sozialkompetenz, Bewegungskompetenz, Reflexion, geschlechtsheterogene Gruppen, Gestaltungskompetenz, Teamfähigkeit, Schulsport, Handstand
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf grundsätzlich?
Der Entwurf beschreibt eine Unterrichtseinheit für das Fach Sport, in der Schüler der 5. Klasse in Kleingruppen eine Mini-Turnkür erarbeiten und präsentieren.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Im Zentrum stehen die Verbindung von turnerischen Bewegungen mit Akrobatik, die Förderung von Kooperation und das soziale Lernen in gemischten Gruppen.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Ziel ist es, dass die Schüler durch eine kooperative Gruppenarbeit turnerische Pflichtelemente eigenständig zu einer Kür verbinden und dabei ihre Teamfähigkeit und Selbstbestimmung ausbauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Unterricht orientiert sich konsequent am Konzept des kooperativen Lernens, um fachliche und soziale Kompetenzen integriert zu fördern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der methodischen Begründung des kooperativen Vorgehens, der Beobachtung der Lernprozesse und der expliziten Einbindung von Gruppenzielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind kooperatives Lernen, Doppelauftrag des Schulsports, Mini-Turnkür, Sozialkompetenz und Gruppenarbeit.
Wie wird mit geschlechtsspezifischen Unterschieden umgegangen?
Der Autor setzt auf bewusst gebildete geschlechtsheterogene Kleingruppen, um die Zusammenarbeit zwischen Jungen und Mädchen zu fördern und Polarisierung abzubauen.
Warum gibt es keine Einzelbewertungen?
Um die Gruppenleistung und das gegenseitige Unterstützen in den Vordergrund zu stellen, wird am Ende der Reihe ausschließlich die Gruppenpräsentation bewertet.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft im Unterrichtsverlauf?
Die Lehrkraft tritt als Moderatorin und Begleiterin auf, die erst bei explizitem Fragenbedarf durch sokratische Gesprächsführung ("Hilfe zur Selbsthilfe") eingreift.
- Quote paper
- Dr. Florian Krick (Author), 2008, Unterrichtsstunde: Miteinander Turnen gemeinsam gestalten - Gestaltung einer Mini-Turnkür , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136911