Projekte der öffentlich-privaten Partnerschaft (PPP) am Beispiel eines Parkhauses für die Stadt Holzminden

Der Einsatz von hybriden Finanzierungsinstrumenten zur Lösung des Eigenkapitalproblems


Bachelorarbeit, 2009
109 Seiten, Note: 2,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemhintergrund
1.2 Zielsetzung und Nutzen der Arbeit

2. Public Private Partnership (PPP) - mehr als die private Finanzierung öffentlicher Aufgaben
2.1 Definition von PPP-Modellen
2.2 PPP-Modelle, die bei internationalen Infrastrukturprojekten herangezogen werden
2.3 Verfolgte Ziele der öffentlichen Hand und der privaten Wirtschaft
2.4 Mögliche Partnerin PPP-Modellen
2.5 Kriterien für die Auswahl von PPP-Modellen
2.5.1 Leistungskontrolle, Vergütung, Effektivität und finanzierungs­rechtliche Aspekte
2.5.2 Kontrolle, Transparenz und Risiko
2.6 SWOT - Analyse am Beispiel realisierter Projekte mit Konzentration auf den Finanzierungsbereich
2.6.1 SWOT-Analyse realisierter Projekte in tabellarischer Darstellung nach Kotier und Armstrong
2.6.2 Optimierungsvorschläge durch den Einsatz von hybriden Finanzierungsinstrumenten
2.7 Abgrenzung Public Private Partnership gegenüber anderen Kooperationsformen

3. Berechnungsmodell für ein Parkhaus in der Stadt Holzminden
3.1 Investitionszeitraum und Baukosten der Immobilie
3.2 Konventionelle Beschaffungsvariante
3.3 PPP-Beschaffung
3.4 Kapitalwerte und Zahlungsreihen ppp und KBV
3.5 Projektspezifische Kapitalstruktur
3.5.1 Sensitivitätsanalyse des Effizienzvorteils
3.5.2 Ergebnisse des Wrtschaftlichkeitsvergleiches
3.5.3 Optimale Kapitalstruktur
3.6 Das Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital und darauf Einfluss nehmende Faktoren
3.7 Das Berechnungsmodell für das Privatwirtschaftliche Finanzierungsmodell
3.8 Strategische Analyse
3.9 Umweltanalyse / PEST-Analyse
3.10 Umfrage und Auswertung der Umfrage

4. Geeignete hybride Finanzierungsformen für den Einsatz im PPP-Projekt Parkhaus für die Stadt Holzminden
4.1 Begriffsdefinition und Merkmale hybrider Finanzierungsinstrumente
4.2 Ausgewählte Formen hybrider Finanzierungsinstrumente
4.2.1 Hybride Finanzierungsinstrumente mit Fremdkapitalausrichtung ...
4.3 Hybride Finanzierungsinstrumente mit Eigenkapitalcharakter
4.3.1 Genussrechte
4.3.2 Mezzanin Fonds

5. Renditekomponenten bei der Anwendung hybrider Finanzierungsinstrumente
5.1 Beteiligung am Unternehmenserfolg (Equity Kicker)
5.2 Möglichkeiten zur Gestaltung der Zinskomponente
5.2.1 Zero-Bonds
5.2.2 Floating Rate Notes (Floater)

6. Einsatz hybrider Finanzierungsinstrumente in Abhängigkeit vom Projektverlauf eines PPP-Projektes
6.1 Einleitung
6.2 Kriterien zur Bewertung hybrider Finanzierungsinstrumente in Bezug auf ihren Einsatz in PPP-Modellen
6.2.1 Lebenszyklusansatz
6.2.2 Übernahme von Projektrisiken
6.2.3 Transparenz durch öffentlich-private Partnerschaften
6.2.4 Cashflowbasierende Rückzahlung
6.3 Monetarisierung von Risiken (Bewertung)
6.3.1 Einfache analytische Ansätze zur Risikokostenbestimmung
6.3.2 Komplexe analytische Ansätze zur Risikokostenbestimmung
6.3.3 Marktorientierte Ansätze zur Risikokostenbestimmung
6.4 Risikoklassen und PPP-Risikoverteilung
6.5 Rahmenbedingungen für die hybride Finanzierung von PPP-Modellen...
6.5.1 Beschaffungsvariantenvergleich von Projekten konventionell und durch PPP
6.5.2 Wirtschaftlichkeitsuntersuchung
6.5.3 Risiko-Rendite Relation

7. Prüfung der Einsatzfähigkeit hybrider Finanzierungsinstrumente am Beispiel des PPP-Projektes Parkhaus für die Stadt Holzminden
7.1 Einleitung
7.2 Betreibermodell
7.2.1 Einsatz typisch stiller Beteiligung
7.2.2 Einsatz von Nachrangdarlehen
7.2.3 Einsatz von Genussrechten
7.3 PPP-Leasingmodell
7.3.1 Einsatz typisch stiller Beteiligung
7.3.2 Einsatz von Nachrangdarlehen
7.3.3 Einsatz von Genussrechten
7.4 Konzessionsmodell
7.4.1 Einsatz typisch stiller Beteiligung
7.4.2 Einsatz von Nachrangdarlehen
7.4.3 Einsatz von Genussrechten
7.5 Kooperationsmodell
7.5.1 Einsatz typisch stiller Beteiligung
7.5.2 Einsatz von Nachrangdarlehen
7.5.3 Einsatz von Genussrechten
7.6 Musterhafte Darstellung der Ergebnisse

8. Kostenbetrachtung der Finanzierungsalternativen
8.1 Finanzierungskostenunterschied
8.2 Kosten der Due Dilligence und Projektüberwachung
8.3 Bewertung von Risiken und deren Kosten
8.3.1 Baukosten und Bauzeitüberschreitung
8.3.2 Insolvenz des Privaten in der Bau- und Betriebsphase
8.3.3 Instandhaltungs- und Betriebskostenüberschreitung
8.4. SWOT Analyse für die beiden Finanzierungsalternativen

Y. Schlussbetrachtung

z. Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Formen der Zusammenarbeit

Abbildung 2 Betreibermodell

Abbildung 3 ppp zwischen hoheitlicher Leistungserstellung und materieller Privatisierung

Abbildung 4 SWOT Analyse ppp - Allgemein

Abbildung 5 Vergleich der 2 Zahlungsreihen

Abbildung 6 Sensitivitätsanalyse des Effizienzvorteils

Abbildung 7 Sensitivität des Effizienzvorteils (Kalkulationszins)

Abbildung 8 Sensitivität der Kapitalwerte (Kalkulationszinssatz)

Abbildung 9 Ermittlung der optimalen projektspezifischen Kapitalstruktur

Abbildung 10 Konzept der fünf Wettbewerbskräfte (Five Forces) nach Porter...

Abbildung 11 Bilanzielle Erfassung von Mezzaninkapital

Abbildung 12 Eigenschaften hybrider Finanzierungsformen

Abbildung 13 Formel zur Diskontierung

Abbildung 14 Lebenszyklus eines PPP-Projektes

Abbildung 15 Lebenszyklus eines Parkhauses, vereinfachte Darstellung

Abbildung 16 Optimaler Risikotransfer bei privatwirtschaftlicher Realisierung ..

Abbildung 17 Value for Money

Abbildung 18 Wirtschaftlichkeitsvergleich Eigenbau und ppp

Abbildung 19 SWOT - Analyse der konventionellen Beschaffungsweise

Abbildung 20 SWOT - Analyse der PPP-Beschaffung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 2 Beeinflussende Faktoren auf die optimale Kapitalstruktur

Tabelle 3 Übersicht ausgewählte hybride Instrumente

Tabelle 4 Vor- und Nachteile von stillen Beteiligungen

Tabelle 5 Vor- und Nachteile von stillen Beteiligungen

Tabelle 6 Zero Bond Abzinsungsfaktoren aus Basis von 10 Jahren und 4% Kapitalisierungszins

Tabelle 7 Szenarien für die Abweichungen

Tabelle 8 Ermittlung der Schadenshöhe in % der Bezugskosten

Tabelle 9 Ermittlung der Schadenshöhe und Risikokosten

Tabelle 10 Risikomatrix, übertragbare Risiken

Tabelle 11 Musterhafte Darstellung der Ergebnisse

Tabelle 12 Risikofaktorbei Baukostenüberschreitung

Tabelle 13 Risikofaktor für Überschreitung der Betriebskosten

Tabelle 14 Risikofaktor für Überschreitung der Instandhaltungskosten

1. Einleitung

1.1 Problemhintergrund

Das Geld, was man besitzt, ist das Mittel der Freiheit.

Das Geld, dem man nachjagt, ist das Instrument der Knechtschaft.

Liest man, was Rousseau vor mehr als 200 Jahren gesagt hat, so erkennt man den Geist der bürgerlichen Revolution. Es war Geld, welches es dem Bürgertum ermöglichte, sich von der Abhängigkeit des Adels zu befreien. Auf der Basis von Privateigentum entwickelten sich die bürgerlichen Staaten Westeuropas und Nordamerikas, die noch heute die Geschichte der Welt bestimmen.

Sieht man heute diejenigen, die das Geld ihr Eigen nennen und die unabhängig im Sinne Rousseaus sind, so scheint es manches Mal, dass die Verwendung der Mittel schwieriger ist als ihr Erwerb. Die Ereignisse der letzten Jahre haben das Vertrauen der Anleger in die Kapitalmärkte verändert. Die Hausse-Jahre, in de­nen der schnelle Aufstieg für alle zu erreichen schien, sind vorbei. Die Volatilität an den Märkten steigt und klare Prognosen sind nicht mehr durchzuführen.

Das schwächelnde Wirtschaftswachstum, die hohe Inflationsgefahr und die Be­drohung durch den internationalen Terror lassen viele Anleger umschwenken und etwas Neues suchen.

Der Börse trauen viele nicht mehr, die Renditen festverzinslicher Wertpapiere wiegen nur wenig mehr als die Inflation auf und auch die klassische Immobilie hat in der Folge der demografischen Veränderung an Attraktivität verloren.

Seitdem die Motorisierungsprognosen von der Zulassungsstatistik überholt werden, nimmt der Regelungsbedarf der Städte und Gemeinden im Hinblick auf Parkra um ko nzepte und Parkraumbewirtschaftung ständig zu.

Städte und Gemeinden verfügen über Handlungsspielräume und Instrumente, Parkraum stadtverträglich bereit zu stellen.

Gerade in dieser Situation stellen Parkhäuser eine sinnvolle Investition dar. Hier besteht die Möglichkeit, deutlich Platz sparender zu parken als mit konventionellen Parkflächen.

Jedoch sind die Kosten für die Stadt und den städtischen Haushalt in der momentanen Situation nicht tragbar. Fraglich und sehr unwahrscheinlich ist es, ob man einen einzelnen privaten Investor für das Vorhaben finden würde, oder eine Investorengemeinschaft von zwei oder drei Kapitalgebern. Dieses Problem besteht nicht nur in der Stadt Holzminden.

Die städtischen Haushalte leiden in der überwiegenden Zahl unter einem desolaten Haushaltszustand und somit unter einem Finanzierungsproblem für derartige Vorhaben.

Eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur ist im internationalen Standort­Wettbewerb ein wichtiger Faktor, der im Zeitalter der Informations- und Kommuni­kationstechnologie noch weiter an Bedeutung gewinnen wird. Sie ist die ent­scheidende Voraussetzung für Wachstum und Effizienzsteigerung. Aufgrund der angespannten Lage der öffentlichen Haushalte hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren ein immenser Investitionsbedarf aufgestaut, der zu einem erheblichen Teil auf die lang vernachlässigte Sanierung bestehender Infrastruktur entfällt.

Allein in den Jahren 2000 bis 2009 wurden in den Kommunen 68 Mrd. EUR für Investitionen benötigt. Gut ein Viertel entfällt auf den Verkehrsbereich. Diesem Investitionsbedarf steht eine mehr als angespannte Lage der öffentlichen Haus­halte gegenüber. Besonders dramatisch ist die finanzielle Lage der Kommunen, auf die rund 60% der öffentlichen Bauinvestitionen entfallen.

Einen wichtigen, in Deutschland bislang noch zu wenig genutzten, Ansatz bilden hier die Public Private Partnership (PPP).

Als PPP-Projekt (Public Private Partnership) würde sich dieses in Kommunen Umsetzen lassen. Viele Kommunen warten sehnsüchtig auf Investitionen, können es aber aufgrund der finanziellen Lage nicht durchführen und erleiden so einen Investitionsstau.

Die Projekte, die an private Investoren übergeben werden, wachsen ständig. PPP-Modelle sind weit verbreitete Instrumente zur Realisierung öffentlicher In­vestitionsvorhaben.

Durch die Kombination des öffentlichen und privaten Sektors werden die stärken der beiden Partner kombiniert und daraus Effizienzvorteile erzielt. Aufgrund der

desolaten Finanzlage der öffentlichen Haushalte müssen immer mehr Projekte privat mitfinanziert werden. Bereits hier scheidet die Mehrheit privater Projekt­partner aus dem Verfahren aus, da sie die zu erwartende Liquidität und Bonität nicht aufbringen können.

1.2 Zielsetzung und Nutzen der Arbeit

Ziel dieser Arbeit soll es sein, spezifisch auf die Möglichkeiten der alternativen Finanzierungsformen in PPP-Projekten einzugehen und die Vor- und Nachteile, sowie die Umsetzungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die herkömmlichen Eigenkapi­tal- und Fremdkapitalfinanzierungen und die Instrumente, die damit verbunden sind, reichen hierbei um Längen nicht mehr aus. Infolgedessen soll der Einsatz von hybriden Finanzierungsinstrumenten geprüft werden, um die Finanzierung von PPP-Modellen zu optimieren und somit das eigentliche Problem der Eigen­kapitalbeschaffung zu mindern bzw. zu eliminieren.

Wie schon in der Studienarbeit angeführt, soll mit der Bachelor Thesis neben der Erläuterung der alternativen Kapitalanlagen / Finanzierungsalternativen auch die Klärung erfolgen, ob sich eine Investition in Parkhäuser als wirtschaftliches In­vestment darstellt.

In der heutigen Zeit wird neben dem konkreten Projekt auch die Mitlieferung einer geeigneten Finanzierungsstruktur verlangt. Hier kommt den PPP-Modellen in Verbindung mit alternativen Finanzierungsinstrumenten eine hohe Bedeutung zu. Im Vordergrund sollen hierbei die hybriden Finanzierungsformen stehen, wie Ge­nussrechte und typische stille Beteiligungen. Diese sollen analysiert und auf ihre Geeignetheit hin untersucht werden.

Grundsätzlich soll die Frage geklärt werden, ob der Einsatz von hybriden Finan­zierungsinstrumenten in PPP-Modellen wirtschaftlich sinnvoll ist.

Primäres Ziel der Arbeit soll es sein, die verschiedenen Finanzierungsinstrumen­te auf das gewählte PPP-Projekt Parkhaus für die Stadt Holzminden mit Blick auf betriebswirtschaftliche und liquiditätstechnische Sicht zu optimieren.

Es soll durch die Kombination von ppp Modellen und den Einsatz von hybriden Finanzierungsmitteln eine eigenkapitaläquivalente Finanzierungsalternative prä­sentiert werden, durch die der Einsatz der Finanzierungskosten gesenkt wird.

In die Bachelor Thesis fließen die Ergebnisse aus der Studienarbeit ein.

Es soll einer Vielzahl von Investoren ermöglicht werden, also auch den Bürgern der Städte, den Traum von Vielen zu realisieren und somit die Attraktivität der Stadt zu fördern und zu erhöhen.

2. Public Private Partnership (PPP) - mehr als die private Finanzierung öffentlicher Aufgaben

2.1 Definition von PPP-Modellen

Für den Begriff sind in der Literatur unterschiedliche Interpretationen zu finden. Nicht jede als ppp bezeichnete Zusammenarbeit ist auch ppp im eigentlichen Sinne. Dieses sollte auch nicht erfolgen, da der Begriff sonst völlig an Schärfe verliert. Dieses trifft nicht nur in Europa zu, sondern auch in den USA. Auch hier hat der Begriff mittlerweile so viele Schnittmengen gefunden, dass bereits im Bereich der Rüstungsindustrie eine Zusammenarbeit definiert wird. ״Wenn der PPP-Begriff so undifferenziert verwendet wird und als Synonym für jede Form der Zusammenarbeit zwischen Kommunen und anderen lokalen Akteuren steht, wird der in Zukunft zur Leerformel.“[1]

Public Private Partnership (PPP) bezeichnet das partnerschaftliche Zusammen­wirken von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft mit dem Ziel einer besseren wirtschaftlichen Erfüllung öffentlicher Aufgaben als bisher.

In einem weiten, sehr allgemeinen Sinn werden alle Kooperationsformen zwi- sehen traditioneller Leistungserstellung durch staatliche Verwaltungen (Eigenbau und Haushaltsfinanzierung) auf der einen, und vollständiger Privatisierung auf der anderen Seite als ppp bezeichnet. Das Spektrum der Kooperationsformen reicht von der Zulieferung auf vertraglicher Basis bei weiter bestehendem öffent- liehen Eigentum über so genannte BOT-/ BOO-Modelle (Build, Operate, Transfer / Build, Operate, Own), in denen der private Sektor auch Kapital investiert, bis hin zu vollem privaten Eigentum und privater Leistung.

PPP im engeren Sinn beschreibt somit langfristige, vertraglich geregelte Koope­rationsformen, die sich über den gesamten Lebenszyklus, von der Planung über die Erstellung und das Betreiben einschließlich der Instandhaltung bis hin zur Verwertung, erstrecken. Diese weiter gehenden Kooperationsformen werden üblicherweise als Organisationsmodelle bezeichnet, wobei unterschieden wird zwischen:

- Betreibermodellen,
- Leasingmodellen,
- Konzessionsmodellen und
- Kooperationsmodellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Formen der Zusammenarbeit[2]

Margrit Mayer definiert den Begriff so: ״PPP-Modelle sind explizite Kooperations­projekte zwischen öffentlicher Verwaltung und privater Wirtschaft, um Umstruktu- rierungs- oder Aufwertungsmaßnahmen durchzuführen.“[3]

2.2 PPP-Modelle, die bei internationalen Infrastrukturprojekten he­rangezogen werden

Betreibermodell

Bei einem Betreibermodell lässt die öffentliche Hand eine Einrichtung teilweise oder vollständig von einem Privaten betreiben. Es kommen keine unmittelbaren Rechtsbeziehungen zu den Nutzern zu Stande, d.h. Z.B. werden etwaige Gebüh­ren direkt von der Kommune festgelegt und auch an sie direkt entrichtet. Die Ein­nahmen aus dem Projekt gehen direkt an die Kommune, der Betreiber erhält le­diglich das vertraglich vereinbarte Entgelt.[4] Nach einer festgelegten Zeitspanne erfolgt eine Rückübertragung der Infrastruktur an den öffentlichen Sektor.[5]

Da am Ende der Laufzeit der Eigentumstransfer an die öffentliche Hand vorgese­hen ist, handelt es sich hierbei nach deutschem Verständnis um einen Betreiber­vertrag mit der Rechtsform eines Mietvertrages. Die Laufzeit beträgt in der Regel 20 - 30 Jahre. In Zeiten von Budgetknappheit ist es seitens der Kommunen er­wünscht, eine Laufzeitverlängerung zu haben. Betreibermodelle werden in erster Linie bei Infrastrukturprojekten mit hohem Kapitalbedarf genutzt.

Als einzige Voraussetzung für die Nutzung des Betreibermodells ist die Erfüllung der Ausschreibungsfähigkeit der Leistungen. Diese sind an Bestimmungen des Europarechts gebunden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Abbildung soll den Ablauf eines Betreibermodells darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Betreibermodell[6]

Es haben sich einige Varianten des Betreibermodells gebildet, die das breite Spektrum des Modells darstellen: Die Darstellung befindet sich in der Anlage.

Leasingmodell

Die Möglichkeit der Kreditaufnahme von Kommunen wird durch die anhaltende wirtschaftlich schlechte Lage eingeschränkt. Die meisten Kommunen versuchen ihre Haushalte, soweit möglich, ohne Neuverschuldung aufzustellen, oftmals sind sie aber auch überschuldet. Das Leasingmodell stellt eine Alternative zur konven­tionellen Beschaffung dar. Das Leasingmodell wird auf die individuellen Bedürf­nisse der Kommune angepasst und belastet die Haushalte somit nicht weiter.

Auf den ersten Blick scheint das Leasingmodell das ökonomischste Modell zu sein. Entscheidend hierbei ist, dass es als Lockerung einer Investitionsblockade dargestellt wird.[7]

Das Projekt wird ausgearbeitet an einen Dritten übergeben, es erfolgt die Vermie­tung an die Kommune. In der Regel steht der Kommune am Ende der Mietzeit eine Kaufoption zu.[8]

Durch Umsetzung von ppp als Leasingmodell entstehen folgende Vorteile:[9]

- Kosteneinsparung von 10 bis 20 % (effizientere Umsetzung durch einen Privaten)
- Leasingraten können an die Bedürfnisse der Kommune angepasst wer­den
- Zinseffekte, da keine Vorfinanzierung der MwSt erfolgen muss
- Nutzung des privatwirtschaftlichen Know-Hows

Konzessionsmodell

Konzessionsmodelle haben das Recht, Kosten über Entgelte von Nutzern direkt zu finanzieren. Es kommt also zu einer unmittelbaren Bezie­hung zwischen den Bürgern und dem privatrechtlichen Unternehmen.

Es handelt sich hierbei um eine private Projektfinanzierung. Insbesondere im Verkehrsbereich soll so eine privatwirtschaftliche Finanzierung von Maßnahmen ermöglicht werden. Die Projektgesellschaft nimmt die Finanzierungsmittel im ei­genen Namen auf.[10] Es wird nur die Konzession für Bau- und Nutzung aktiviert, also als Aktivposten in die Bilanz aufgenommen. Das Wirtschaftsgut geht nach Abschluss an die öffentliche Hand über. Die Investitionskosten werden durch nutzungsabhängige Zahlungen der Kommune abgegolten.

Die Projektgesellschaft bekommt die Möglichkeit, sich zu Kommunalkreditkonditi­onen zu refinanzieren.

Der private Investor erhält das Recht zur Erhebung von Nutzungsentgelten.[11]

Kooperationsmodelle

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 ppp zwischen hoheitlicher Leistungs¬erstellung und materieller Privatisierung.[12]

Kooperationsmodelle liegen dann vor, wenn die öffentliche Hand und ein privates Unternehmen zur Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe ein Gemeinschaftsunter­nehmen mit privater Rechtsform gründen.

Die intensivste Form des ppp findet im Rahmen der so genannten gemischt­wirtschaftlichen Unternehmen statt, die sowohl öffentliche, als auch private An­teilseigner haben: teilweise als Modifikation der Betreibermodelle, teilweise sind private Anteilseigner lediglich finanziell beteiligt. Entsprechend der oben angege­benen Definition sind aber nur solche gemischtwirtschaftlichen Unternehmen als PPP zu verstehen, bei denen beteiligte Private nicht nur ein Finanzierungsge­schäft wollen, sondern die Partner ihre unterschiedlichen Kompetenzen in das Unternehmen einbringen.

2.3 Verfolgte Ziele der öffentlichen Hand und der privaten Wirtschaft

Die Beteiligung von öffentlicher Hand und der privaten Wirtschaft sind unter­schiedlich, aber nicht in Gegensätzen begründet. Die Ziele der öffentlichen Hand sind in der Realisierung von den in Kapitel 2.6 genannten Effizienzvorteilen zu suchen, da die Situation der öffentlichen Kassen angespannt ist und neue Spiel­räume gesucht werden, um die Bereitstellung von Infrastruktur sicher zu stellen.

Mit den PPP-Projekten kann die Modernisierung bzw. die Erweiterung sicherge­stellt werden, obwohl die finanziellen Spielräume gering sind.

Neben der Finanzierungsentlastung ist es das Ziel der öffentlichen Hand, durch die Verknüpfung mit der Privaten Wirtschaft inhaltlich und mit Bezug auf die Kos- ten-Nutzen-Relation einen Vorteil zu erlangen.

Weitere positive Aspekte und Ziele von PPP-Projekten ist die Möglichkeit, die Baunachfrage kontinuierlicher zu machen und so Wachstumseffekte zu versteti- gen. Verbunden mit den Wachstumseffekten kann hierdurch zusätzlich auch ein Beschäftigungseffekt erzielt werden. Es können neue Geschäftsfelder mit der Absicht zur Gewinnerzielung erschlossen werden.

2.4 Mögliche Partner in PPP-Modellen

Als Partner für die öffentliche Hand kommt jedes private Unternehmen in Be­tracht, es gibt keinen geschlossenen Kreis von Partnern.[13] Eine Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privaten ist auf jeder Ebene möglich. In erster Linie treten hier aber größere Unternehmensgruppen, Banken, Versicherungen oder Immobiliengesellschaften auf.

2.5 Kriterien für die Auswahl von PPP-Modellen

Bei PPP geht es um die Verteilung der Aufgaben zwischen den Partnern, sowie um eine Übernahme von Risiken und die Finanzierungsmodalitäten.[14] Um die Entscheidung zu treffen, welches Modell für die PPP-Gesellschaft ge­wählt werden soll, kann man sich einiger Parameter wie Leistungskontrolle und Vergütung, Effektivität, finanzierungsrechtliche Aspekte, Risiko, Kontrolle und Transparenz bedienen.

2.5.1 Leistungskontrolle, Vergütung, Effektivität und finanzierungs­rechtliche Aspekte

Für die Vergabe des Projektes erfolgt eine funktionale Beschreibung der vom privaten Partner zu erbringenden Leistungen.[15] Konzessions- oder Betreibermo­delle werden anhand eines ausgeklügelten Berichtswesens überprüft. Sollten die geforderten Leistungen von den erbrachten Leistungen abweichen, so können finanzielle Sanktionen verhängt werden.[16]

Bei PPP-Projekten werden häufig neben einer Festvergütung leistungsorientierte Vergütungen zur Anwendung gebracht, man bezeichnet dieses auch als ״Bonus- Malus-System“.

In den meisten Fällen werden bei Verkehrsinfrastruktur, wie im vorliegenden Pro­jekt Parkhaus für die Stadt Holzminden, gesamtwirtschaftliche Aspekte verfolgt. Jedoch handeln private Unternehmungen nach rein betriebswirtschaftlichen ü­berlegungen, so dass es hierbei zu einem Zielkonflikt kommen kann.

Eine weitestgehend abschließende Erläuterung stellt die Property-Rights-Theorie dar.[17]

Die Theorie besagt, dass derjenige, der den Informationsvorsprung besitzt, die­sen auch nutzen wird, um den Arbeitseinsatz und das Einkommen möglichst günstig zu gestalten.[18]

Die finanzierungsrechtlichen Aspekte stellen aufgrund der Lebenszykluskosten, sowie der Risikostruktur und nicht zuletzt aufgrund ideologischer Tatsachen ei­nen entscheidenden Aspekt dar, man könnte hier wohl auch vom wichtigsten Kriterium bei PPP-Projekten sprechen.[19]

Durch die Einbindung von privaten Mitteln in die Bereitstellung von öffentlicher Infrastruktur können Finanzierungslücken geschlossen werden, es erfolgt eine Verlagerung.

Für die Finanzierung von PPP-Projekten stellt sich immer wieder die Frage, ob es sinnvoll ist und nicht die konventionelle Finanzierung rentabler ist. Diese Frage lässt sich durchaus leicht beantworten: ״Wenn der Partner keinerlei Refinanzie­rungslast trägt und somit auch kein Risiko, wird seine Bereitschaft zur Effizienz und Kostenoptimierung während des Lebenszyklus vermindert.“[20]

2.5.2 Kontrolle, Transparenz und Risiko

Mit der Projektvorbereitung erfolgt auch die Verteilung der Aufgaben. Am Anfang steht die Bildung des Projektteams, welches aus Angestellten, Privatpartnern und Sponsoren zusammengesetzt wird. Nach Zusammenführung des Teams sollte eine ״Cultural Due Dilligence“[21] Prüfung durchgeführt werden, um zu sehen, ob die unterschiedlichen Charaktere und Kulturen miteinander arbeiten können.

Eine weitestgehende Transparenz wird bei PPP-Projekten geschaffen. Unab­hängig ob die Gesellschaft für das Projekt gegründet wird oder nicht, es müssen trotzdem entsprechende Bilanzen erstellt werden, aus denen man die Aktivität des Projektes ablesen kann.

Ein entscheidender Punkt kommt der Risikoverteilung in ppp zu. Hierbei handelt es sich um einen entscheidenden Parameter für die Auswahl des Modells. Die Auswahl wird in Abhängigkeit von der Bereitschaft zur Risikoübernahme getrof­fen. Es besteht die Möglichkeit, die Risiken so zu verteilen, dass derjenige, der sie am besten tragen kann, damit belastet wird.

- Das Risiko sollte von dem Partner getragen werden, der es am besten kontrollieren kann
- Ein Risiko sollte dem Partner zugeordnet werden, der es mit den gerings­ten Kosten tragen kann

2.6 SWOT - Analyse am Beispiel realisierter Projekte mit Konzentration auf den Finanzierungsbereich

Die Förderung, die durch die öffentliche Hand für Bau- und Sanierungsmaßnah­men vorhanden ist, ist unzureichend. Dieses wird in der Zukunft noch schwieriger werden, denn Kommunen können aufgrund der angespannten Haushaltslage immer weniger Mittel für diese Maßnahmen beisteuern. Aufgrund des Vorhände- nen und immer größer werdenden Investitionsstaus werden PPP-Modelle immer interessanter, dieses soll jedoch nicht als generelle Lösung für das Problem er­scheinen. Entscheidend ist, dass Projekte mittels einer stärken - Schwächen - Chancen - Risiken - Analyse analysiert werden. Dieses kann die stärken und Schwächen, sowohl aber auch die Chancen und Risiken eines Projektes aufzei­gen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 SWOT Analyse ppp - Allgemein [22]

2.6.1 SWOT-Analyse realisierter Projekte in tabellarischer Darstellung nach Kotier und Armstrong

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[23]

Tabelle 1 SWOT-Analyse realisierter Projekte in tabellarischer Darstellung nach Kotier und Armstrong

Das Misburger Bad[24] / aqua balance Hannover[25] bietet mehrere Chancen. Zum einen steigert es die Attraktivität des Standortes, zum anderen bietet es aber auch Chancen für den kulturellen / touristischen Bereich. Das Bad verfügt über eine exzellente Verkehrsanbindung. Genauso wie die mögliche schnelle Rentabilität bietet es auch die Chance zur Einbindung strategischer Partner. Diesem gegenüber stehen die Risiken durch neue Mitbewerber, die Streichung von evtl, erhaltenen Fördergeldern und ein politisches Risiko.

Der Entschluss und die Notwendigkeit der Veränderung des ehemaligen Nie­dersachsenstadions, jetzt AWD Arena[26], stand fest durch die Beherbergung der Fußball Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Das Stadion musste grund­legend saniert und auf den heutigen Stand gebracht werden. Das einzige Prob­lern, das aufgetreten ist, sind die finanziellen Mittel der Stadt Hannover. Es wurde eine neue Besitz- und Betriebsgesellschaft für das Stadion, nun AWD Arena, gegründet, die mit der Planung, der Finanzierung, dem Umbau und dem Betrieb beauftragt wurde. Hier zeigen sich die stärken von ppp. Ohne ppp, also private Partner, wäre ein Umbau bzw. eine Sanierung nicht möglich gewesen. Das groß- te Problem, was nun auftreten kann, ist die Insolvenz der privaten Besitz- und Betriebsgesellschaft.

Zur Errichtung der Justizvollzugsanstalt Bremervörde[27] soll ppp genutzt, um zwei entscheidende Vorteile gegenüber der konventionellen Art zu nutzen. Zum einen will das Land Niedersachsen nicht auf das Know-How von privaten Part­nern verzichten, zum anderen ergeben sich erhebliche Einsparpotenziale durch die Einbindung eines privaten Investors. Das private Know-How wird durch den ständigen Konkurrenzdruck laufend verbessert und sichert so einen Wettbe­werbsvorteil.

Bei der JVA Bremervörde sollen teilweise Aufgaben, die nicht mit dem Vollzug in Verbindung stehen an den privaten Partner übergeben werden. Hierunter können Z.B. das Gebäudemanagement, die Verwaltung und die Versorgung fallen.

Wie bereits die JVA Hünfeld in Hessen sollen durch die Einbindung des privaten Partners die Optimierungsansätze auf die Aufgaben der Landesbediensteten angewendet werden. Es können jedoch in der Zukunft Zielkonflikte bzgl. der Gewinnerzielung auftreten. Als größte Gefahr kann man auch hier wieder die Insolvenz des privaten Partners sehen.

2.6.2 Optimierungsvorschläge durch den Einsatz von hybriden Finanzierungsinstrumenten

Bei den vier vorangegangen Projekten sind PPP-Modelle in verschiedenen Aus­führungen zum Tragen gekommen, jedoch wurde bei jedem Projekt eine Errich­tungsgesellschaft gegründet, die sich mit der Umsetzung des jeweiligen Projek­tes befassen soll. Die Optimierungsvorschläge sollen aus dem Grund für alle Projekte gelten:

- Die Rechtsform der Gesellschaft kann in Abhängigkeit von hybriden AI- ternativen dem Finanzierungsinstrument angepasst werden.
- Die Form der stillen Beteiligung ist bei allen Projekten möglich, evtl, muss noch gezielter auf die Rechtsverhältnisse geachtet werden

Eine detaillierte Analyse der hybriden Finanzierungsalternativen erfolgt unter dem Kapitel 4, daher können hier noch keine abschließenden Äußerungen zur Einsatzfähigkeit gemacht werden.

2.7 Abgrenzung Public Private Partnership gegenüber anderen Kooperationsformen

Im Begriff von Public Private Partnership lassen sich eine ganze Menge verwand­ter Konzepte erkennen. Dieses ist sicherlich auf die Tatsachen zurückzuführen, dass PPP im ״gesamten Spektrum zwischen der rein hoheitlichen Realisierung öffentlicher Aufgaben einerseits und der vollständigen Privatisierung der öffentli­Chen Aufgaben andererseits“ zu finden ist.

Beispielsweise sind Betreibermodelle nur auf den ersten Blick eine Form von PPP. Exemplarisch kann hier die Abfallentsorgung betrachtet werden, hier wird oft die laufende Finanzierung und Durchführung an ein privates Unternehmen übertragen, jedoch findet hier keine Kooperation statt. Im Gegensatz zur Korn- типе, der es vordergründig um die Leistungserstellung geht, hat das Unterneh­men sein Augenmerk auf die Erzielung von Einnahmen gesetzt.

In vielen Bereichen tritt das Sponsoring auf, hier gibt es zwar private Geldgeber, diese werden aber nicht formal in Entscheidungen eingebunden und haben auch keine Gewinnbeteiligungsansprüche. Bei den ppp werden jedoch von beiden Seiten die Risiken und die Verantwortung getragen. Beim ppp werden Entschei­dungen gemeinsam getroffen, was sonst auch dem ״Win - Win“ Gedanken wider­sprechen würden. Diese Form tritt gleichzeitig bei Beteiligungen, Franchising, Leasing, Spenden, Outsourcing und beim Contracting auf. Hierbei handelt es sich nicht um Alternativen zu PPP-Projekten, es sind Vorläufer.

3. Berechnungsmodell für ein Parkhaus in der Stadt Holzminden

3.1 Investitionszeitraum und Baukosten der Immobilie

Der fiktive Baubeginn für das Parkhaus soll im Jahr 2010 beginnen. Die Erstnut­zung ist für 2011 vorgesehen. Gern. AfA-Tabelle für Parkhäuser wird eine Le­benszyklische Nutzungsdauer von 30 Jahren[28] unterstellt.

Für die Diskontierung werden entsprechende Exponenten bzw. Eskalatoren in fortlaufender Nummerierung vergeben. Eine Anpassung auf die Basis mit der Kapitalwertmethode ist somit ohne Probleme darstellbar.

Die Baukosten belaufen sich auf EUR 1.500.000, diese setzen sich zusammen aus 300 Stellplätzen mit einem Stückpreis in Höhe von EUR 5.000. (Werte aus Gespräch mit Bauunternehmer).

In 2010 wird die volle Investitionssumme fällig. Es werden also keine Bauzeitzin­sen fällig, d.h. das Investitionsvolumen beträgt 1.500.000 EUR.

3.2 Konventionelle Beschaffungsvariante

Es wird davon ausgegangen, dass die Finanzierung über ein Annuitätendarlehen mit einer anfänglichen Tilgungsrate von 1,37% und einem Zinssatz von 5,00 % gewährt wird. Aus den vorhergegangen Werten lässt sich also folgender annuita- tischer Schuldendienst in Höhe von 97.650,00 EUR ermitteln. Die jährlichen Be­triebskosten werden mit 50.000 EUR angesetzt, dieses entspricht 3 % der Inves­titionskosten, es wird aber mit einer Steigerung von 1,5% p.a. gerechnet. Die Risikokosten werden mit 50 % der Investitionskosten beziffert, hier 750.000 EUR. Ab dem Betriebsjahr 2011 sollten diese deutlich geringer ausfallen, sie sind jedoch auch mit einer Steigerungsrate zu planen.[29]

Die Zahlungsreihe für die konventionelle Bauweise (KBV) wird also wie folgt er­mittelt:

Kapitaldienst

+ Betriebskosten

+ Risikokosten

3.3 PPP-Beschaffung

Um einen Vergleich durchzuführen, muss das Leistungsentgelt für den Verbrau- eher bestimmt werden. Dieses setzt sich aus der Zahlungsreihe für die KBV und einer angemessenen Marge, hier 1,5%, zusammen. Das Leistungsentgelt wird ab 2011, hier beginnt die Nutzungszeit, bestimmt und wird als Grundlage zur Kalku­lation des Privaten genutzt, damit dieser seine Kosten decken kann. Hinzu kommt die Umsatzsteuer, aktuell 19%, außerdem kommen noch Controllingkos­ten hinzu, diese werden mit EUR 200 p.a. beziffert und Risikokosten, die in die­sem Fallbeispiel mit EUR 200 p.a. beziffert werden. Die Werte werden jeweils mit einer Steigerungsrate von 1,5 % p.a. versehen.

Also setzt sich hier die Zahlungsreihe wie folgt zusammen:

Leistungsentgelt

+ Umsatzsteuer

+ Controllingkosten

+ Risikokosten

3.4 Kapitalwerte und Zahlungsreihen ppp und KBV

Um[30] nun vergleichen zu können, welche Variante die günstigere ist, sollen die konventionelle Zahlungsreihe und die privatwirtschaftliche Zahlungsreihe mit der Kapitalwertmethode gegenübergestellt werden. Zur Kalkulation wird ein Zins von 4 % heran gezogen. Es werden zunächst die Diskontierungsfaktoren angegeben und dann mit der konventionellen und der PPP-Variante multipliziert. Durch Dis­kontierung werden die Werte vergleichbar.

Die entsprechenden Rechenblätter zur Berechnung der Werte sind im Anhang zu finden.

Für die konventionelle Beschaffungsweise ergibt sich ein Kapitalwert in Höhe von EUR - 3.400.848,28. Für die PPP-Variante wird ein Wert von EUR -3.245.335,76 ausgewiesen. In diesem Fall ist dem PPP-Modell der Vorrang einzuräumen, da hier ein Effizienzvorteil von 4,57 % entsteht. Dieser Effizienzvorteil ist auf die Hö­he der Risikokosten zurückzuführen. Durch die Risikotransformation entsteht der Effizienzvorteil.

In der folgenden Abbildung werden die beiden Verläufe, die aus dem Berech­nungsmodell entstandenen Zahlungsreihen, dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Vergleich der 2 Zahlungsreihen [31]

Die Zahlungsreihen sind auf die Bauzeit, hier 1 Jahr, und die gesamte Nutzungs­dauer, hier 30 Jahre, ausgerichtet. Aus der Abbildung ist ersichtlich, welche Kos­ten über den gesamten Betrachtungszeitraum entstehen. In der Bauzeit sind die Risikokosten für die Konventionelle Beschaffungsweise extrem hoch, diese stel­len sich bei ppp deutlich günstiger dar. Ab Nutzungsbeginn stellt sich die kon­ventionelle Beschaffungsweise als kostengünstiger heraus.

Der Wirtschaftlichkeitsvergleich wird durchgeführt, um die Entscheidung zwi- sehen KBV und ppp zu ermöglichen und auch die Meinungsbildung zu unter­stützen. Im angeführten Beispiel stellt sich die Vorteilhaftigkeit der PPP-Variante mit einem Effizienzvorteil von 4,57 % gegenüber der konventionellen Beschaf­fung heraus. Sollte es jedoch zu Veränderungen bei den Risikokosten, den Be­triebskosten oder der Bauzeit kommen, kann dieses sehr schnell in Schieflage geraten. Der Effizienzvorteil wird anhand der Kapitalwerte ermittelt und muss sehr kritisch betrachtet werden, denn bei fehlerhafter Anwendung dieser Werte wird der Vorteil sehr schnell unzureichend und kann leicht zu Gunsten der kon­ventionellen Beschaffung Umschlagen.

Eine realitätsnahe Bewertung der Kosten ist sehr schwierig und wird oft unter­schätzt. Es besteht zwar die Möglichkeit, alle Kosten periodengenau zuzurech­nen, jedoch sind die Betriebskosten sehr variabel.

Als wichtiger Maßstab für den Vergleich kann der Public Sector Comparator (PSC)[32] herangezogen werden. Dieser ist auf statistische Berechnungsmodelle zurückzuführen, es werden fiktive Schadenshöhen, die in Baukostenüberschrei­tungen wiedergegeben werden, gespiegelt. Jedoch fehlen in Deutschland solche Daten in Gänze. Eine Nutzung der Daten Z.B. aus Frankreich bzw. Großbritan­nien erscheint sehr fraglich. Letztendlich bleibt nur die Möglichkeit, bei Aus­Schreibung die Daten zu aktualisieren, durch die große Hebelwirkung wird der Effizienzvorteil nachhaltig beeinflusst. Ein anderer Faktor ist der Diskontierungs­zins, es ist extrem schwierig einen nachhaltigen Zinssatz zu finden, der dieses objektiv abbildet. Aus diesem Grund kann im angeführten Beispiel auch nur ein frei gewählter Zins zu Grunde gelegt werden. In der Praxis sollte immer zum Ab­zinsen die Zerobonds Abzinsungsfaktoren zu Grunde gelegt werden.

3.5 Projektspezifische Kapitalstruktur

3.5.1 Sensitivitätsanalyse des Effizienzvorteils

Es soll untersucht werden, in welcher Form der Effizienzvorteil durch die Ände­rung von Betriebskosten, Risikokosten und des kalk. Zinssatz beeinflusst wird.

Test I: Effizienzanalyse in Abhängigkeit von den Betriebskosten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Sensitivitätsanalyse des Effizienzvorteils (Betriebskosten)[33]

Test II Effizienzsensibilität in Abhängigkeit vom Kalkulationszinssatz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7 Sensitivität des Effizienzvorteils (Kalkulationszins)[34]

Test III Kapitalwertsensitivität in Abhängigkeit vom Kalkulationszins

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] stober, s. 26

[2] Price Waterhouse Coopers - Public Private Partnerships - Neue Formen der Zusammenarbeit, s. 5

[3] Mayer, S.440

[4] Vgl. Budäus/Eichorn (1997), s 127 ff.

[5] Vgl. Wimmer (2003), s. 412

[6] Vgl. Pilz/Platzer/Stadler (2000), s. 183

[7] Vgl. o.v. (2005b), s. 1

[8] Vgl. Meininger (2005), s. 641

[9] Vgl. o.v. (2005b), s. 2-3

[10] Vgl. Pilz/Platzer/Stadler (2000), s. 186

[11] Vgl. Schummer/Stevic (2005), s. 33

[12] Vgl. Public Private Partnership - Chance für die Modernisierung von Infrastruktur und Verwaltung - Bundes verband Deutscher Banken( Januar 2004), S.8

[13] Vgl. Bertelsmann Stiftung/Clifford Chance Pünder/Initiative D21 (O.J.), s. 10

[14] Vgl. Mittendorfer/Weber (2004), s. 13

[15] Vgl. Meininger (2005), s. 641

[16] Vgl. Bertelsmann Stiftung/Clifford Chance Pünder/Initiative D21 (O.J.), s. 58

[17] Vgl. Bös/Schneider (1996), s. 15

[18] Vgl. Bös/Schneider (1996), s. 16

[19] Vgl. Finanzministerium des Landes Nordrhein-Westfalen (2004), s. 12 ff.

[20] siehe Fußnote 17

[21] Vgl. Wikipedia־Due Dilligence Prüfung

[22] Vgl. PWC Public Private Partnerships - Neue Formen der Zusammenarbeit, (Januar 2008), S.13

[23] Vgl. Kotler/ Armstrong / Sonders / Wong (2003), sowie eigene Darstellung

[24] Vgl. Public Private Partnership in Niedersachsen

[25] wie Fußnote 22

[26] wie Fußnote 22

[27] Vgl. Niedersächsisches Ministerium für Inneres, Sport und Integration

[28] Vgl. Anhang V

[29] Vgl. TU Bergakademie Freiberg (Hrsg.) (2003): Erstellung eines Gerüsts für ein Public Sector Comparator bei 4 Pilotprojekten.

[30] Vgl. Anhang III, Eigene Darstellung

[31] Eigene Darstellung, Rechenblätter befinden sich im Anhang

[32] Vgl. VBD - Beratungsgesellschaft für Behörden

[33] Eigene Darstellung, Daten aus Rechenblatt im Anhang

[34] Eigene Darstellung, Daten aus Rechenblatt im Anhang

Ende der Leseprobe aus 109 Seiten

Details

Titel
Projekte der öffentlich-privaten Partnerschaft (PPP) am Beispiel eines Parkhauses für die Stadt Holzminden
Untertitel
Der Einsatz von hybriden Finanzierungsinstrumenten zur Lösung des Eigenkapitalproblems
Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin  (Steinbeis-Hochschule Berlin)
Note
2,2
Autor
Jahr
2009
Seiten
109
Katalognummer
V136949
ISBN (eBook)
9783668804647
ISBN (Buch)
9783668804654
Sprache
Deutsch
Schlagworte
projekte, partnerschaft, beispiel, parkhauses, stadt, holzminden, einsatz, finanzierungsinstrumenten, lösung, eigenkapitalproblems
Arbeit zitieren
Marc Wellmann (Autor), 2009, Projekte der öffentlich-privaten Partnerschaft (PPP) am Beispiel eines Parkhauses für die Stadt Holzminden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136949

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