Mit Hilfe der angefertigten Hausarbeit „Auswirkungen bzw. Konsequenzen Marcions Vorstellung vom Rachegott im Alten Testament für die Theodizee“ möchte ich mich einerseits konzentrierter mit der dualistischen Gottesvorstellung im Alten und Neuen Testament von Marcion, sowie deren Kontinuitäten und den daraus resultierenden Diversifikationen für das philosophische Problem der Theodizee kritisch auseinandersetzen, um abschließend ein bewertendes Urteil bezüglich der Hinterfragungen von einem allmächtigen, allgütigen sowie allwissenden Gott im Zuge des Leids in der Welt, formulieren zu können.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen
1 Einleitung
2 Vorstellung Marcions
2.1 Biographie Marcions
2.2 Marcions Theologie
2.3 Marcions Kanon
3 Vorstellung der Theodizee
3.1 Definitionsansatz von Theodizee
3.2 Marcion und die Theodizee
4 Auswirkungen Marcions Theorie für die Theodizee
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die dualistische Gottesvorstellung Marcions und deren Auswirkungen auf das philosophische Theodizee-Problem, um zu bewerten, inwiefern die Vorstellung eines „Rachegottes“ im Alten Testament und eines „Gottes der Liebe“ im Neuen Testament eine Lösung für das Leid in der Welt bietet.
- Dualistische Gottesvorstellung und ihre kirchengeschichtlichen Ursprünge
- Marcions radikale Trennung von Altem und Neuem Testament
- Das philosophische Problem der Theodizee und die Frage nach göttlicher Allmacht
- Die Rolle von Leid, Schmerz und Übel im Kontext von Marcions Theorie
- Kanonisierungsprozesse als Reaktion auf Marcions Lehre
Auszug aus dem Buch
3.2 Marcion und die Theodizee
Platon (*427 v. Chr.; † 347 v. Chr.) stellt in seinem Timaios dar, dass der Demiurg die Welt aus präexistenter Materie schuf, wobei er die vollkommenden, immateriellen, ewigen Ideen, die Urbilder der Realität als Modell, als Konzeption gebrauchte. Die Welt war jedoch zeitlich, vergänglich sowie endlich, während die Ideen ewig und imaginär waren und die Materie, die nicht vom Demiurgen erschaffen war, setzte seinen schöpferischen Möglichkeiten Grenzen. Der Demiurg schöpfte die großmöglichste Qualität aus dem, was die Materie ihm bot.
Unter anderem war es der Kirchenstifter Marcion, der das Geistesgut Platons erneut aufgriff und weiter formulierte, indem er davon ausging, dass Gott die Welt nicht aus dem Nichts (ex nihilo) schuf, sondern sich der Materie bediente, die bereits vorhanden war. Dieser These liegt ein kosmischer Dualismus, der von der Annahme ausgeht, dass zwei separierte sowie nicht reduzierbare Substanzen existieren, die einander widersprechen - zum einen Gott sowie zum anderen die Materie - zugrunde. Des weiteren führte die als solche beurteilte Diskrepanz zwischen dem bösen Schöpfergott des Alten Testaments und dem liebenden Erlösergott des Neuen Testaments dazu, dass Marcion das Leid, das Unrecht sowie den Schmerz dem Gott des Gesetzes zuschrieb, der mit dem Gott der Liebe independent zu betrachten sowie zu bewerten sei. Der Kirchengründer Marcion hat somit die Problematik der Theodizee, die Frage der Konformität Gottes mit dem Leid, eliminiert, indem er Gott ausschließlich als gut betrachtet und das Übel einem anderen, dem Demiurgen, beimisst.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert das Forschungsinteresse an Marcions dualistischem Gottesbild und dessen Relevanz für das philosophische Theodizee-Problem.
2 Vorstellung Marcions: Dieses Kapitel behandelt die Biografie, die theologische Lehre und die Kanonbildung Marcions als Grundlage für das Verständnis seiner radikalen Thesen.
3 Vorstellung der Theodizee: Hier werden der Definitionsansatz der Theodizee dargelegt und die spezifische Verbindung von Marcions dualistischem Ansatz mit dieser philosophischen Fragestellung hergestellt.
4 Auswirkungen Marcions Theorie für die Theodizee: Das Kapitel analysiert, wie Marcion durch seine dualistische Sichtweise versucht, Gott vom Leid zu distanzieren, und beleuchtet die Konsequenzen für das christliche Gottesbild.
5 Fazit: Das Fazit bewertet Marcions Lösungsversuch als unzureichend, da dieser zwar das Leid von Gott trennen will, aber das christliche Verständnis eines liebenden Gottes in der gesamten Heiligen Schrift ignoriert.
Schlüsselwörter
Marcion, Theodizee, Rachegott, Gott der Liebe, Dualismus, Demiurg, Altes Testament, Neues Testament, Christologie, Leid, Erlösung, Kirchengeschichte, Kanonbildung, Gottesvorstellung, Leidtheodizee.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Theologie Marcions und seine dualistische Sichtweise auf Gott, um deren Auswirkungen auf die klassische Theodizee-Frage zu untersuchen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Kirchengeschichte der Marcioniten, die biblische Exegese im Hinblick auf ein dualistisches Gottesbild und die philosophische Auseinandersetzung mit dem Leid in der Welt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu bewerten, ob Marcions radikale Trennung zwischen einem „Schöpfergott“ des Alten Testaments und einem „Erlösergott“ des Neuen Testaments eine tragfähige Antwort auf das Theodizee-Problem liefert.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine fundamentaltheologische Analyse, die kirchengeschichtliche, philosophische und exegetische Literatur einbezieht, um Marcions Argumentationsstruktur kritisch zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung von Marcions Person und Lehre, die Definition des Theodizee-Problems sowie die Analyse der spezifischen Auswirkungen seines Dualismus auf die Gottesrechtfertigung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Marcion, Dualismus, Theodizee, Demiurg, Gottesliebe und die Frage nach dem Sinn des Leids.
Inwiefern beeinflusste Marcion die Kanonbildung?
Marcion schuf durch seine Ablehnung des Alten Testaments und seine Auswahl paulinischer Schriften den ersten neutestamentlichen Kanon, was die Kirche dazu zwang, sich über ihre eigene Heilige Schrift zu definieren.
Warum hält die Autorin Marcions Ansatz für nicht tragfähig?
Die Autorin argumentiert, dass Marcion zwar das Leid elegant von Gott trennen möchte, dabei aber ein zu beschränktes Gottesbild entwirft, das der biblischen Vorstellung eines allumfassenden liebend-gütigen Gottes widerspricht.
- Quote paper
- Ulrike M. S. Röhl (Author), 2006, Auswirkungen bzw. Konsequenzen Marcions Vorstellung vom Rachegott im Alten Testament für die Theodizee, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136970