In dieser Arbeit stellt sich die Frage, ob eine Nichtbehandlung von Bilderbüchern in Forschung und Lehre sinnvoll ist, obwohl diese zur Erfahrungswelt von Kindern gehören und, ob Bilderbücher überhaupt im Grundschulunterricht eingesetzt werden sollten. Diese beiden Fragen werden in dieser Hausarbeit beantwortet, indem die Relevanz von Bilderbüchern bei der kindlichen Entwicklung aufgezeigt wird. Des Weiteren wird der Frage auf den Grund gegangen, ob und wie man den Umgang mit Angst im Grundschulunterricht mithilfe von Bilderbüchern fördern kann.
Im Anschluss wird die Bedeutung des Themas Angst in der kindlichen Lebenswelt aufgezeigt. Für eine fachwissenschaftliche Grundlage werden die Begriffe Angst und Furcht definiert und voneinander abgegrenzt sowie die Perspektivenübernahme nach Spinner definiert und Strategien zur Perspektivenübernahme vorgestellt. Daraufhin wird das literarische Lernen nach Spinner im Allgemeinen erläutert. Es folgt die exemplarische Analyse des Bilderbuchs "Dunkel" von Lemony Snicket im Hinblick auf die verwendeten Strategien der Perspektivenübernahme. Schließlich wird über den Einsatz des Bilderbuchs im Unterricht diskutiert und ein abschließendes Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Relevanz von Bilderbüchern
1.2 Relevanz der Thematik Angst im Bilderbuch
2 Angst vs. Furcht: eine allgemeine Begriffsdefinition
3 Definition Perspektivenübernahme nach Kaspar Heinrich Spinner
4 Strategien der Perspektivenübernahme
5 Literarisches Lernen im Allgemeinen nach Kasper Heinrich Spinner
6 Analyse des Bilderbuchs „Dunkel“ von Lemony Snicket
6.1 Narrative Dimension
6.2 Komplikation und Dilemmasituationen
6.3 Narrative Mittel der Innensicht
6.4 Räumliche Atmosphäre
6.5 Leiblichkeit
6.6 Analysefazit
7 Einsatz des Bilderbuchs „Dunkel“ von Lemony Snicket im Grundschulunterricht
8 Schluss/Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Potenziale von Bilderbüchern, insbesondere am Beispiel von Lemony Snickets „Dunkel“, bei der Förderung der Bewältigung kindlicher Ängste. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Perspektivenübernahme und der emotionalen Wirkung narrativer Strategien, um Möglichkeiten für einen handlungsorientierten Einsatz im Grundschulunterricht abzuleiten.
- Bedeutung von Bilderbüchern für die kindliche Entwicklung und Lebenswelt
- Wissenschaftliche Definition und Abgrenzung von Angst und Furcht
- Analyse narrativer Strategien und Perspektivenübernahme nach Spinner
- Exemplarische Untersuchung des Bilderbuchs „Dunkel“ hinsichtlich Angst-Visualisierung
- Didaktische Konzepte zur Förderung von Resilienz und Bewältigungsstrategien im Unterricht
Auszug aus dem Buch
1.1 Relevanz von Bilderbüchern
„Bilderbücher erweitern die kindliche Fantasie, indem sie anknüpfen an Erfahrungen, die zugleich Wünsche offenbaren. [...] Kunst im Bilderbuch avanciert […] [durch eine künstliche Welt der Farben und Formen, Verkleidungen und Handlungen, Gesten und Masken] zum Motivator, verborgene Gefühle zu artikulieren, deren fertige Gestalt als sagbarer Wunsch noch im Keimen ist. […] [Bilderbücher] geben Orientierung in einer Welt der Veränderungen, Verführungen und Bedrängnisse, gerade weil sie noch keine festgelegten, sondern simulierte Orte bewegender Gefühle sind“
Der Zugang zu Bilderbüchern wird für die jüngsten Kinder bereits durch einfache unmittelbare Bilder, die ein Abbild der realen Welt abbilden, ermöglicht. Um Gestiken oder Mimik von abgebildeten Protagonisten zu deuten, benötigen die Kinder das dafür nötige Weltwissen oder einige Vorerfahrungen. Säuglinge können schon sehr früh Bilder wahrnehmen. Sie sind in der Lage, einfache zweidimensionale Formen voneinander zu unterscheiden. Obwohl Säuglinge Bilder sehr früh wahrnehmen können, bedeutet dies nicht automatisch, dass sie die Bedeutung der Bilder verstehen können. Säuglinge zeigen mit dem Finger auf Bilder und/oder verbalisieren, was sie auf den Bildern erkennen. Man kann davon sprechen, dass sie Bilder mit dem entsprechenden realen Objekt verwechseln, aber wohl zwischen einem zwei- und einem dreidimensionalen Objekt unterscheiden können, da sie immer zum dreidimensionalen Objekt greifen würden, wenn ihnen ein entsprechendes Bild von dem Gegenstand daneben gelegt werden würden. „Vieles spricht also dafür, dass sich das konzeptuelle Verständnis über die Bedeutung von Bildern und Bilderbüchern später entwickelt als die Wahrnehmung von Bildern selber“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die sich wandelnde Rolle von Bilderbüchern in der Kinderliteratur und skizziert die Relevanz der Thematik für die kindliche Entwicklung.
2 Angst vs. Furcht: eine allgemeine Begriffsdefinition: Das Kapitel differenziert wissenschaftlich zwischen den Begriffen Angst und Furcht und legt dar, warum sie im Kontext dieser Arbeit häufig synonym behandelt werden.
3 Definition Perspektivenübernahme nach Kaspar Heinrich Spinner: Es werden die theoretischen Grundlagen der Perspektivenübernahme sowie deren Bedeutung für das literarische Verstehen und das Figurenverstehen erläutert.
4 Strategien der Perspektivenübernahme: Hier werden zentrale narrative Strategien, wie Komplikationen und die räumliche Atmosphäre, eingeführt, die für die empathische Wirkung auf den Leser entscheidend sind.
5 Literarisches Lernen im Allgemeinen nach Kasper Heinrich Spinner: Dieses Kapitel verortet das Bilderbuch im Feld des literarischen Lernens und beschreibt Anforderungen an eine literarische Kompetenzentwicklung.
6 Analyse des Bilderbuchs „Dunkel“ von Lemony Snicket: Eine detaillierte Untersuchung des gewählten Werkes anhand der zuvor erarbeiteten Kategorien, wie narrativer Dimension, Bildsprache und Atmosphäre.
7 Einsatz des Bilderbuchs „Dunkel“ von Lemony Snicket im Grundschulunterricht: Dieses Kapitel diskutiert didaktische Methoden, um das Bilderbuch zur Förderung von Resilienz und Angstbewältigung gezielt im Unterricht einzusetzen.
8 Schluss/Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Bilderbücher als Ausgangspunkt für geführte Reflexionsprozesse fungieren sollten, um Ängste konstruktiv zu bearbeiten.
Schlüsselwörter
Bilderbuchanalyse, Angst, Furcht, Perspektivenübernahme, Kaspar Heinrich Spinner, Literarisches Lernen, Resilienz, Dunkel, Lemony Snicket, Grundschulunterricht, emotionale Entwicklung, narrative Strategien, Inklusion, Angstbewältigung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Bilderbücher, speziell das Buch „Dunkel“ von Lemony Snicket, gezielt eingesetzt werden können, um den Umgang mit Ängsten bei Kindern im Grundschulalter zu fördern und zu reflektieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der psychologischen Einordnung von Angst, dem theoretischen Rahmen des literarischen Lernens nach Spinner sowie der konkreten Analyse der ästhetischen Mittel zur Angst-Darstellung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die didaktische Eignung des Bilderbuchs „Dunkel“ nachzuweisen und eine Phasenabfolge für den Unterricht zu entwickeln, die einen handlungsorientierten, produktiven Umgang mit dem Thema Angst unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturrecherche zur theoretischen Fundierung und wendet die Analyse-Kategorien von Staiger sowie das Modell des literarischen Lernens von Spinner auf das ausgewählte Bilderbuch an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Angstdefinition und Perspektivenübernahme sowie in einen praktischen Analyseteil des Werks „Dunkel“, gefolgt von konkreten unterrichtspraktischen Empfehlungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Resilienz, Perspektivenübernahme, Angstbewältigung, Bilderbuchanalyse und Literarisches Lernen.
Welche Rolle spielt die „Dunkelheit“ als Metapher im analysierten Buch?
Die Dunkelheit wird durch die Bild- und Textgestaltung als eine personale, aber letztlich unschädliche Entität personifiziert, was Leo hilft, seinen angstbesetzten Irrtum zu korrigieren und die Angst vor dem Unbekannten zu überwinden.
Warum ist die Arbeit für den Grundschulunterricht relevant?
Da Angst eine grundlegende kindliche Erfahrung darstellt, bietet die Arbeit konkrete Handlungsanweisungen, wie Lehrkräfte durch den Einsatz von Bilderbüchern die psychische Widerstandsfähigkeit (Resilienz) ihrer Schüler stärken können.
- Arbeit zitieren
- Kerstin Wollschläger (Autor:in), 2022, Den Umgang mit Angst im Bilderbuch fördern. Eine exemplarische Analyse des Bilderbuchs "Dunkel" von Lemony Snicket, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1369831