Im Kern war dies auch die Sorge der Väter der Liturgiereform. Die Aufgaben und Möglichkeiten des
Einzelnen in der Feier der heiligen Messe, schienen immer mehr denen eines unbeteiligten Fernsehzuschauers
zu ähneln. Wie vollzog sich dieser Perspektivenwechsel in der Liturgiereform? Wie sah die
alte, wie sieht die neue Perspektive aus? Wie muss sich der einzelne Christ in dem ganzen Gefüge
der Liturgie sehen, sodass Gottesdienst nicht zum „Programm“, nicht zur „Sonntagspflicht“ wird?
Zusammenfassend könnte man Fragen: Was ist das Wesen der heutigen Liturgie?
Ausgehend von der liturgischen Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis hin zur Liturgiereform
und deren Umsetzung, soll der neue Blickwinkel auf die Liturgie gezeigt werden, der sich auf Ursprüngliches
besinnen will um zum echten Kern dessen vorzudringen, was Liturgie ist. Die Grundstruktur
des katholischen Gottesdienstes als Kommunikationsvorgang und letztlich als Dialog zwischen
Mensch und Gott soll klargemacht werden. Abschließend soll auf aktuelle Probleme und Entwicklungen
in der Liturgie Rücksicht genommen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkungen.
2. Die Liturgiereform des zweiten Vatikanums
2.1. Kirche auf dem Weg – Liturgie auf dem Weg
2.2. Ziele und Ergebnisse
2.3. Kritik an der Reform
3. Das Wesen des neuen Gottesdienstes
4. Fazit und Ausblicke: Neue Realitäten
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wesen des katholischen Gottesdienstes nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils, um ein tieferes Verständnis für die gottesdienstliche Praxis im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne zu entwickeln. Dabei wird insbesondere hinterfragt, inwiefern der Gottesdienst als lebendiger Kommunikationsvorgang und Dialog zwischen Mensch und Gott verstanden werden kann.
- Historische Entwicklung der Liturgiereform vom Konzil von Trient bis zum Zweiten Vatikanum.
- Analyse der Konzilsbeschlüsse zur aktiven Teilnahme der Gemeinde (actuosa participatio).
- Theologische Einordnung der dreidimensionalen Struktur der Liturgie (katabatischer, anabatischer und diabatischer Aspekt).
- Diskussion aktueller Herausforderungen wie Priestermangel und die Notwendigkeit neuer Formen der Glaubenspraxis.
Auszug aus dem Buch
Das Wesen des neuen Gottesdienstes – Dialog zwischen Gott und Mensch
Schlägt man das katholische Gesang- und Gebetbuch auf, das sogenannte „Gotteslob“, so findet man unter der Nummer 353 das Kapitel „Die Feier der Gemeindemesse“. Hier lässt sich der formale Aufbau des Gottesdienstes entnehmen. Er lautet: Eröffnung, Wortgottesdienst, Eucharistiefeier, Entlassung. Doch eine rein formale Reflektion würde an dieser Stelle zu nichts führen, kann und sollte sie doch viel anschaulicher sonntäglich erlebt und täglich nachgelesen werden. Deshalb sei die Frage nach der Konzeption anders gestellt:
Wie ist das Wesen der reformierten Liturgie theologisch zu verstehen?
Um dies zu begreifen bedarf es einer Rückschau auf das Liturgieverständnis vorkonziliarer Zeiten. Dazu kann einen Text des Moraltheologen Victor Cathrein zu Rate ziehen: „Diese Liebe und dieses Verlangen wird ihn dazu antreiben, durch Zeichen der Hochachtung und Unterwerfung Gott als den höchsten Herrn anzuerkennen. In diesen letzteren Zeichen besteht nur die eigentliche Gottesverehrung.“
Das liturgische Geschehen wird hier definiert als „Unterwerfung“ um „Gott als den höchsten Herrn“ anzuerkennen. Aus dieser Formulierung lässt sich entnehmen, dass Gottesdienst zu allererst Kult, im Sinne von Gottesverehrung. Damit wird das liturgische Geschehen auf ein Hinwenden des Menschen zu Gott reduziert. Es ist klar, dass damit nicht das letzte Wort gesprochen sein kann, ist doch Gottesdienst auch Empfang des Leibes und Blutes Jesu Christi und der Worte der heiligen Schrift und somit auch Hinwendung Gottes zu den Menschen. Diese Dimension aber fand im liturgischen Geschehen keinen Ausdruck. Im Bewusstsein dieser Tatsache formulierten die Väter der Liturgiekonstitution: „Durch sinnfällige Zeichen wird in ihr [Liturgie] die Heilung des Menschen bezeichnet und in je eigener Weise bewirkt und vom mystischen Leib Jesu Christi, d.h. dem Haupt und den Gliedern, der gesamte öffentliche Kult vollzogen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkungen.: Einführung in die Problematik, inwieweit der Gottesdienst als lebendiger Dialog statt als starres „Programm“ wahrgenommen werden kann.
2. Die Liturgiereform des zweiten Vatikanums: Historische Darstellung der Liturgiereform, ihrer Ziele, der Beteiligung der Gläubigen und der damit verbundenen kritischen Diskussionen.
2.1. Kirche auf dem Weg – Liturgie auf dem Weg: Betrachtung der liturgischen Bewegung und des Wunsches nach einer aktiven Teilnahme (actuosa participatio) der Gläubigen.
2.2. Ziele und Ergebnisse: Erläuterung der Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium und deren Bedeutung für eine ganzheitliche Gottesdienstfeier.
2.3. Kritik an der Reform: Überblick über konservative Einwände bezüglich des Verlusts traditioneller Riten sowie liberale Stimmen, die den Reformfortschritt kritisch hinterfragen.
3. Das Wesen des neuen Gottesdienstes: Theologische Fundierung des Gottesdienstes als dreidimensionaler Dialog zwischen Gott und Mensch.
4. Fazit und Ausblicke: Neue Realitäten: Reflexion über aktuelle Herausforderungen wie den Priestermangel und die Notwendigkeit, Gottesdienstformen für die Zukunft weiterzuentwickeln.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und weiterführenden wissenschaftlichen Literatur.
Schlüsselwörter
Liturgie, Zweites Vatikanisches Konzil, Sacrosanctum Concilium, Actuosa participatio, Gottesdienst, Eucharistiefeier, Gemeindemesse, Theologie, Kommunikationsvorgang, Dialog, Katabatischer Aspekt, Anabatischer Aspekt, Diabatischer Aspekt, Priestermangel, Liturgiereform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verständnis des katholischen Gottesdienstes im Licht der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung der Liturgie, die Bedeutung der aktiven Teilnahme der Gläubigen sowie die theologische Struktur des Gottesdienstes als Dialog.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, das Wesen der heutigen Liturgie als Kommunikationsvorgang zwischen Gott und Mensch zu bestimmen und gegen ein rein formales Verständnis abzugrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Methode, basierend auf theologischer Literatur und den offiziellen Dokumenten der Liturgiekonstitution.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Reformschritte, die Rezeption durch die Gläubigen und eine dreidimensionale Strukturtheorie der Liturgie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Liturgie, Actuosa participatio, Sacrosanctum Concilium, Gottesdienst und Dialog.
Wie unterscheidet sich die vorkonziliare von der nachkonziliaren Liturgie?
Die vorkonziliare Liturgie wird stärker als Kult und einseitige Unterwerfung unter Gott definiert, während die nachkonziliare Liturgie den Aspekt des Dialogs und der gemeinschaftlichen Teilhabe betont.
Was ist mit der „katabatischen“ und „anabatischen“ Richtung gemeint?
Die katabatische Richtung beschreibt das Handeln Gottes am Menschen, während die anabatische Richtung die Antwort der Gläubigen durch Lobpreis und Gebet darstellt.
Welche Rolle spielt der Priestermangel in der Arbeit?
Der Priestermangel wird im Fazit als aktuelle Herausforderung thematisiert, die neue pastorale Lösungen und eine kritische Auseinandersetzung mit der liturgischen Struktur erfordert.
Wie wird das Spannungsfeld zwischen Anthropozentrik und Theozentrik bewertet?
Die Arbeit betont, dass ein Gleichgewicht zwischen der Ausrichtung auf den Menschen (Anthropozentrik) und der Ausrichtung auf Gott (Theozentrik) für eine authentische Liturgie essenziell ist.
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- Matthias Rajczyk (Author), 2008, Der katholische Gottesdienst - Liturgie nach dem zweiten Vaticanum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136992