Die Frage, die in der vorliegenden Arbeit beantwortet werden soll, lautet: "Kann die Emotionsregulation von Kindern mit ADHS durch kognitive Trainings verbessert werden?" Die Fähigkeit zur adaptiven Emotionsregulation ist essentiell für die Aufrechterhaltung des inneren psychischen Gleichgewichts sowie für die Interaktion mit anderen. Zu wissen, in welchen Situationen, welcher emotionale Ausdruck angebracht ist und wie man die Balance dazwischen findet, ist eine höchst relevante Frage, die uns im Alltag ständig begleitet.
Psychopathologische Befunde korrelieren häufig mit einer Dysfunktion der emotionsregulatorischen Fähigkeit, die den Leidensdruck der Betroffenen verstärken kann. So auch bei der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. ADHS gehört zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter, die Lebenszeitprävalenz liegt bei 4,4%, wobei Mädchen seltener mit der Störung diagnostiziert werden als Jungen. Diese Daten sowie die vielfältige Literatur, die in dieser Arbeit aufgeführt wird, sind Zeugnis der Relevanz dieses Forschungsbereichs.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Emotionsregulation
2.1 Prozessmodell der Emotionsregulation
2.2 Flexible Emotionsregulation
3. ADHS und Emotionsregulation
4. Trainingsansätze zur Verbesserung der Emotionsregulation
4.1 Trainings der exekutiven Funktionen
4.2 Wenn-Dann-Pläne
4.3 Achtsamkeitstrainings
5. Diskussion und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit kognitive Trainings dazu beitragen können, die Emotionsregulationsfähigkeiten von Kindern mit ADHS zu verbessern. Dabei wird insbesondere der Zusammenhang zwischen exekutiven Funktionen, wie dem Arbeitsgedächtnis, und der Fähigkeit zur flexiblen Emotionsregulation analysiert.
- Grundlagen der Emotionsregulation
- ADHS als Störungsbild mit affektiven Begleitsymptomen
- Einfluss exekutiver Funktionen auf die Emotionsregulation
- Kognitive Interventionsmöglichkeiten (Wenn-Dann-Pläne, Achtsamkeit)
- Wissenschaftliche Bewertung der Wirksamkeit von Trainingsansätzen
Auszug aus dem Buch
2.1 Prozessmodell der Emotionsregulation
Das bekannteste Modell zur Emotionsregulation stellte James J. Gross bereits 1998 auf. Es basiert auf dem linearen Modell der Emotionsentstehung (Situation, Aufmerksamkeit/Wahrnehmung, Bewertung, Reaktion). Das Prozessmodell der Emotionsregulation teilt den Prozess in fünf Stufen ein: die Situationsauswahl, die Situationsmodifikation, Einsatz von Aufmerksamkeit, kognitive Veränderung und Reaktionsmodulation (Gross, 1998, S. 282). Die vier erstgenannten Stufen bezeichnet er als „antezendenzfokussierte Emotionsregulation“, da sie bereits vor der emotionalen Reaktion einsetzen und die letzte als „reaktionsfokussierte Emotionsregulation“.
Auf jeder Stufen gibt es die Möglichkeit einzugreifen und eine Emotionsregulation vorzunehmen, bewusst oder unbewusst.
Als konkrete Strategien der Emotionsregulation wurden kognitive Um-/Neubewertung („reappraisal“), Akzeptanz, Problemlösen, Unterdrückung des Gefühlsausdrucks, Vermeidung und Grübeln identifiziert (Aldao, Nolen-Hoeksema & Schweizer, 2010, S.228). Zwar fanden Aldao et al. (2010) eine mittel bis stark positive Korrelation der Strategie Vermeidung und Unterdrückung und eine starke Korrelation der Strategie Grübeln mit dem Vorhandensein einer psychischen Störung. Dennoch scheint sich mit der Zeit ein Konsens gebildet zu haben, dass eine Klassifikation der Strategien in „adaptiv“ und „maladaptiv“ nicht angebracht ist (Barnow, Pruessner & Schulze 2020, S.290; Sheppes, Scheibe, Suri & Gross, 2011, S. 1395; Aldao, Sheppes & Gross, 2015, S.263). Dieser Konsens bildet das Fundament zur Erarbeitung des Konzepts der flexiblen Emotionsregulation.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Emotionsregulation bei ADHS ein und formuliert das Ziel der Arbeit, den Einfluss kognitiver Trainings auf die Emotionsregulationsfähigkeiten zu prüfen.
2. Emotionsregulation: Das Kapitel definiert den Begriff der Emotionsregulation, erläutert das Prozessmodell nach Gross und stellt das Konzept der flexiblen Emotionsregulation vor.
3. ADHS und Emotionsregulation: Hier werden die Kernsymptome von ADHS sowie deren Zusammenhang mit Defiziten in der Emotionsregulation und exekutiven Funktionen beschrieben.
4. Trainingsansätze zur Verbesserung der Emotionsregulation: Das Kapitel stellt verschiedene Methoden wie Computer-Trainings, Wenn-Dann-Pläne und Achtsamkeitstrainings hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei ADHS-Kindern vor.
5. Diskussion und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der untersuchten Trainingsansätze und diskutiert, inwiefern die Stärkung exekutiver Funktionen die Emotionsregulation positiv beeinflussen kann.
Schlüsselwörter
ADHS, Emotionsregulation, Arbeitsgedächtnis, exekutive Funktionen, Wenn-Dann-Pläne, kognitive Umbewertung, Achtsamkeit, psychische Störung, Verhaltenssteuerung, Emotionsforschung, kognitives Training, Kinder, Interventionsstrategien, adaptive Strategien.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser Hausarbeit?
Die Arbeit fokussiert auf den Einfluss kognitiver Trainings auf die Emotionsregulationsfähigkeiten von Kindern, bei denen eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) diagnostiziert wurde.
Welche Themenbereiche werden eingangs definiert?
Zentral sind der Begriff der Emotionsregulation, das Prozessmodell nach James J. Gross sowie die Unterscheidung zwischen adaptiven und maladaptiven Regulationsstrategien.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob kognitive Trainings, die speziell auf exekutive Funktionen abzielen, zu einer messbaren Verbesserung der Emotionsregulation bei Kindern mit ADHS führen können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die existierende psychologische Studien und Forschungsergebnisse systematisch zusammenführt und bewertet.
Welche wesentlichen Trainingsansätze werden im Hauptteil diskutiert?
Diskutiert werden insbesondere das Training der exekutiven Funktionen (Arbeitsgedächtnis), die Anwendung von Wenn-Dann-Plänen sowie Achtsamkeitstrainings.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie ADHS, Emotionsregulation, Arbeitsgedächtnis, kognitive Kontrolle, Flexibilität und verschiedene Interventionsstrategien charakterisiert.
Warum spielt das Arbeitsgedächtnis eine so wichtige Rolle?
Laut den angeführten Studien ist das Arbeitsgedächtnis eine notwendige Voraussetzung dafür, Emotionen kontextgerecht zu beobachten und aus einem Repertoire passende Regulationsstrategien auszuwählen.
Was unterscheidet "flexible" von "klassischer" Emotionsregulation?
Die flexible Emotionsregulation betont, dass die Effektivität einer Strategie stark vom Kontext abhängt, statt Strategien starr als per se "gut" oder "schlecht" zu klassifizieren.
- Arbeit zitieren
- Anissa Butlin (Autor:in), 2022, Einfluss kognitiver Trainings auf die Emotionsregulationsfähigkeiten von Kindern mit ADHS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1369930