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Nihilismus mit Kafka. Blumenberg über die Krise im Wirklichkeitsbezug und ethisches Handeln

Title: Nihilismus mit Kafka. Blumenberg über die Krise im Wirklichkeitsbezug und ethisches Handeln

Bachelor Thesis , 2021 , 74 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Amon Raun (Author)

Philosophy - Philosophy of the present
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Diese Arbeit handelt von der Entwicklung der Wirklichkeitsbegriffe zum Nihilismus mit Bezug auf Hans Blumenberg.

Hans Blumenberg ist ein Philosoph, der sich zulieben im Hintergrund hielt. An seinen Texten besteht lebhaftes Interesse und vieles wird im Nachlass entdeckt, das uns ein Philosophenleben verstehen lässt. Dennoch werden seine frühen Jahre oft übersehen, wie schon Kurt Flasch im Vorwort seiner Monographie über diesen Lebensabschnitt des Philosophen anmerkt: „Die Forschungsliteratur wächst ständig an, behandelt aber seine zwanzig ersten Autorenjahre meist gar nicht oder mit kalt-staunendem kurzen Blick.“

Diese anfängliche Zeit ist dabei durchaus faszinierend, auch aufgrund der Lebenslage, in der sich Blumenberg befand. Ein Modethema der Nachkriegszeit war der Nihilismus. Für Blumenberg macht den Nihilismus aus, eine Krise des eigenen Wirklichkeitsbezuges zu sein. Ersichtlich wird das anhand von Franz Kafka. Blumenberg widmete Kafka eine Menge Aufmerksamkeit in seinen frühen Jahren und schrieb ihm hohe Bedeutung zu. Er bietet uns den Rahmen, um zu verstehen, was Nihilismus nach Blumenberg bedeutet. Aber auch Blumenberg versteht den Nihilismus wie schon Friedrich Nietzsche als philosophisches Problem.

Es wird zum Thema, dieses Problem des Nihilismus herauszuarbeiten und so gut wie möglich mit dem zu lösen, was Blumenberg hergibt. Im Zentrum der Untersuchung der Wirklichkeitsbegriffe stehen daher dessen Habilitationsschrift "Die ontologische Distanz" von 1949/50 und "Realität und Realismus", das diverse unveröffentlichte Texte zum Thema Wirklichkeit vereint und sich inhaltlich mit den Texten „Wirklichkeitsbegriff und Möglichkeit des Romans“ von 1964 sowie „Wirklichkeitsbegriff und Wirkungspotenzial“ des Mythos von 1971, beide veröffentlicht in Ästhetische und metaphorologische Schriften, deckt. In Bezug auf den Nihilismus bei Kafka sind besonders Blumenbergs Vortrag „Das Problem des Nihilismus in der deutschen Literatur der Gegenwart“ von 1950 und frühe Texte wie „Der absolute Vater“, 1952 als Zeitungsartikel und 1953 als Aufsatz erschienen, „Die Krise des Faustischen im Werk Franz Kafkas“ von 1951 und „Der Antipode des Faust“ von 1953 zentral. Eine Sonderstellung als dessen wohl am nahesten „ethische“ Schrift nimmt sein Zeitungsartikel „Ist eine philosophische Ethik gegenwärtig möglich?“ von 1953 ein, der vor allem für einen sauberen Abschluss des sich aufzeigenden Problemhorizonts wichtig wird.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Von den Wirklichkeitsbegriffen zum Nihilismus

2.1 Epochale Wirklichkeitsbegriffe

2.1.1 Antikes Wirklichkeitsverständnis

2.1.2 Mittelalterliches Wirklichkeitsverständnis

2.1.3 Neuzeitliches Wirklichkeitsverständnis

2.2 Geschichtliche Kritik: Die Krisis der Neuzeit

2.3 Blumenbergs Nihilismusdefinition: Nihilismus als Metakinese

2.4 Kafka als nihilistische Gegenwartsanalyse

2.5 Modernes Wirklichkeitsverständnis

2.5.1 Der moderne Wirklichkeitsbegriff über die Funktion von Wirklichkeitsbegriffen

3. Der moralische Aspekt des Nihilismus

3.1 Der Bruch der Verbindlichkeit von Ethik

3.1.1 Ethik nach kantischer Freiheit und ihre gegenwärtige Möglichkeit

3.1.2 Gegenwärtige Daseinsformen und der absolute Freiheitsbegriff

3.2 Die Lösbarkeit des moralischen Nihilismus

3.2.1 Kafkas Selbstbehauptung

3.2.2 Freiheit als Selbstbegründung und Moral als Selbstwahrung des Daseins

4. Zusammenfassende Betrachtungen und Conclusio

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das philosophische Problem des Nihilismus im Denken Hans Blumenbergs, wobei eine zentrale Rolle der Krise des Wirklichkeitsbezugs zukommt. Durch die Einbeziehung der literarischen Analysen Kafkas wird eruiert, wie der Mensch in einer als „bodenlos“ erfahrenen Welt ethisch handeln kann, ohne in nihilistische Ausweglosigkeit zu verfallen.

  • Analyse der epochalen Transformationen des Wirklichkeitsbegriffs
  • Darstellung der Blumenbergschen Nihilismusdefinition als „Metakinese“
  • Untersuchung der Krise der Neuzeit und der Rolle der phänomenologischen Reduktion
  • Interpretation Kafkas als Zeuge des Inobjektiven und der nihilistischen Situation
  • Erörterung der Lösbarkeit des moralischen Nihilismus durch den Begriff der Selbstbehauptung

Auszug aus dem Buch

Die Grundstruktur der Umwendung

Die Grundstruktur der Umwendung aus der trägen Verlorenheit an das nächstliegende Vorgegebene, an die Unmittelbarkeit des ersten Blickes ist immer dieselbe. Die Philosophie beginnt weniger mit dem Erstaunen über das, was ist, als mit dem Verdacht, wir könnten es in dem uns unmittelbar Gegebenen und Vertrauten nur mit etwas Scheinhaftem zu tun haben.

Die griechische Philosophie findet dazu einen Umweg, sodass die uns erscheinende Wirklichkeit „nicht ein radikal anderes gegenüber dem, was wirklich ist“, sei. D.h. in Platons Trennung von Schein und Wirklichkeit besteht kein absoluter Dualismus. Für Blumenberg löst Platon „über das Bildhaft-Annähernde, über das vermittelte Sehen ‚in‘ und ‚an‘“ die sokratische Situation in die „Logosstrebigkeit des griechischen Denkens im ganzen“ auf.

Denn die Stellung zum Sein, zu den ὄντα, die die λόγοi haben, ist keine andere oder entferntere als sie das wahrnehmbar Tatsächliche, die ἔργα, haben. Immer ist das philosophische Denken darauf angewiesen, das Seiende „in“ und „an“ seiner Abbildlichkeit, sei es den ἔργα, sei es den λόγοi, zu betrachten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese liefert den theoretischen Kontext über Blumenbergs Philosophie und begründet die methodische Fokussierung auf seine frühen Schriften.

2. Von den Wirklichkeitsbegriffen zum Nihilismus: Hier werden die historischen Wirklichkeitsbegriffe von der Antike bis zur Moderne analysiert, um die Grundlage für den Nihilismusbegriff zu schaffen.

3. Der moralische Aspekt des Nihilismus: Dieses Kapitel verknüpft die Krise der Wirklichkeit mit ethischen Fragestellungen und untersucht Möglichkeiten der Lebensführung nach dem Zusammenbruch verbindlicher Werte.

4. Zusammenfassende Betrachtungen und Conclusio: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die den Nihilismus einerseits als Krise, andererseits als Ausgangspunkt für die Selbstbehauptung begreift.

Schlüsselwörter

Hans Blumenberg, Nihilismus, Wirklichkeit, Phänomenologie, Metakinese, Kafka, Selbstbehauptung, Ethik, ontologische Distanz, Sorge, Faktizität, Moderne, Gewissheit, Inobjektives, Lebensfähigkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Bachelorarbeit analysiert das philosophische Verständnis des Nihilismus bei Hans Blumenberg und dessen Bezug zu Kafkas Werk.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Es werden Fragen der Wirklichkeitskonstitution, der erkenntnistheoretischen Voraussetzungen der Moderne und einer daraus resultierenden moralischen Ethik behandelt.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Blumenbergs Nihilismus-Verständnis als Krise der Wirklichkeitsgewissheit darzulegen und Wege für eine ethische Selbstbehauptung in einer Welt ohne absolute Fundamente aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die geschichtsphänomenologische Methode Blumenbergs, um durch eine Rückschau auf historische Wirklichkeitsbegriffe die gegenwärtige nihilistische Problematik zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Wirklichkeitsbegriffe und eine anschließende moralphilosophische Untersuchung der Möglichkeiten eines ethischen Handelns.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Metakinese, Selbstbehauptung, ontologische Distanz, Inobjektivität und Faktizität.

Worin sieht Blumenberg die Krise der Neuzeit begründet?

Der Autor verortet die Krise im Scheitern des Anspruchs, eine absolute, wissenschaftlich gesicherte Welterkenntnis als unumstößliches Fundament für alles menschliche Handeln zu etablieren.

Wie genau hilft Kafka bei der Analyse des Nihilismus?

Kafka fungiert in Blumenbergs Deutung als besonders sensibler „Zeuge“ der nihilistischen Situation, da seine Dichtung das „Inobjektive“ in einer Mächtigkeit darstellt, die das herkömmliche Weltbild zertrümmert.

Was ist unter dem Blumenbergschen Begriff „Metakinese“ zu verstehen?

Metakinese beschreibt den Prozess eines fundamentalen Umbruchs in der menschlichen Weltorientierung, bei dem bisherige, als sicher geglaubte Wirklichkeitsbezüge durch neue Erfahrungen erschüttert werden.

Kann man nach Blumenberg ethisch handeln, wenn Wirklichkeit „nichtig“ geworden ist?

Ja, Blumenberg schlägt vor, anstelle eines objektiven, metaphysischen Fundaments die „Faktizität des Daseins“ und das Prinzip der „Selbstbehauptung“ als Basis für ethisches Handeln zu wählen.

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Details

Title
Nihilismus mit Kafka. Blumenberg über die Krise im Wirklichkeitsbezug und ethisches Handeln
College
University of Freiburg
Grade
1,7
Author
Amon Raun (Author)
Publication Year
2021
Pages
74
Catalog Number
V1370018
ISBN (PDF)
9783346901644
ISBN (Book)
9783346901651
Language
German
Tags
Nihilismus Kafka Blumenberg Ethik Selbsbehauptung Vater Wirklichkeit Realität Dasein Freiheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Amon Raun (Author), 2021, Nihilismus mit Kafka. Blumenberg über die Krise im Wirklichkeitsbezug und ethisches Handeln, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1370018
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