In dieser Arbeit wird die Bildungsapp Blinkist untersucht. Abgeleitet wird die Forschungsfrage: Welches Bildungsverständnis reproduziert Blinkist? Das Lexikon der Soziologie bietet eine Definition, indessen Bildung als "innere[s] Vermögen der Menschlichkeit hin zu einer dem Individuum angemessenen Lebensform, […] die vor jeder Ausrichtung auf die Zugehörigkeit zu Ständen und Berufen durch ästhetische, geschichtliche, sprachliche und mathematische Unterweisung alle zu einer ausgeglichenen und selbst bestimmten Individualität führen sollte." Individuelle Erkenntnisse werden kognitiv und emotional verarbeitet, welche dann in Wissen überführt werden. Somit liegt tagtäglich eine Welterfahrung vor.
Dieses Wissen führt im Austausch und Aushandlungsprozessen mit anderen Individuen zu einem Bildungserlebnis. Es wird sich über Selbst- und Fremdwahrnehmungen zu Weltsichten ausgetauscht. Eine Realität entsteht, welche Handlungsräume für Veränderungen eröffnet. „Gesehen und gespiegelt werden, Geborgenheit, Sicherheit, Halt und Orientierung sind für die Entwicklung eines Menschen von zentraler Bedeutung“. Individuen tauschen sich über Sichtweisen inkl. Problematiken aus und gestalten darin die Kultur und Politik. Aktuell liegt im eurozentristischen Raum ein Bildungssystem vor, welches den Ansatz des lebenslangen Lernens verfolgt. Dieses Konzept wird in den Kapiteln genauer durchleuchtet, mit einem Fokus auf die Erwachsenenbildung.
Gegliedert ist die Arbeit in fünf Kapitel, zuerst erfolgt eine theoretische Einordnung, indessen die erarbeiteten Bildungskonzepte des Seminars "Transformative Bildung" präsentiert werden. In Kapitel drei wird der digitale Einfluss auf das Bildungssystem dargestellt. Das Beispiel Blinkist wird anschließend anhand einer Abbildung und den Inhalten der Website diskutiert. Kapitel vier dient zur Analyse des Blinkist Bildungsverständnis, zusätzlich werden die vier Bildungskonzepte in Bezug zur Digitalisierung untersucht. Ziel dieser Arbeit ist es, unter einer explorativen und interdisziplinären Untersuchung Kenntnisse über das digitale Bildungsverständnis einer App zu erfahren. Es wird sich einem deskriptiven Forschungsdesign bedient.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Background – Die Bildungskonzepte
2.1 Der Bildungsbegriff nach Hartmut Rosa
2.2 Der Bildungsbegriff nach John Dewey
2.3 Der Bildungsbegriff nach Wolfgang Klafki
2.4 Transformative Bildung
3. Die Digitalisierung des Bildungssystems
3.1 Die Bildungsapp Blinkist
4. Eine Analyse
4.1 Rosas Verständnis
4.2 Deweys Verständnis
4.3 Klafkis Verständnis
4.4 Lingenfelder Verständnis
4.5 Das Bildungsverständnis von Blinkist
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, ein theoretisch fundiertes Verständnis von Bildung im Zeitalter der Digitalisierung zu entwickeln und kritisch am Beispiel der Bildungsapp Blinkist zu hinterfragen, ob diese den Anforderungen transformativer Bildung gerecht wird.
- Verschiedene theoretische Bildungstexte und -konzepte (Rosa, Dewey, Klafki, Lingenfelder)
- Die Auswirkungen der Digitalisierung auf das globale Bildungssystem
- Analyse und Dekonstruktion des Bildungsverständnisses der Smartphone-App Blinkist
- Kritische Reflexion über Wissensvermittlung vs. echtes Bildungserlebnis
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Bildungsapp Blinkist
In durchschnittlich 15 Minuten das Wissen eines kompletten Sachbuchs erwerben? Mit diesem Versprechen lockt die App Blinkist, die den Inhalt ganzer Sachbücher zusammengefasst in etwa 15-minütigen ‚Blinks‘ mobil als App auf dem Smartphone zur Verfügung stellt. Egal ob auf dem Weg zur Arbeit, beim Warten auf den Bus oder im Fitnessstudio - jederzeit und überall können die Kernaussagen ganzer Bücher auf diese Weise aufgenommen werden. Mit diesem Angebot scheint die App mitunter auf gesellschaftliche Anforderungen zu reagieren, die sich im Kontext von Phänomenen wie der sogenannten Wissensgesellschaft, sowie der zunehmenden Bedeutung digitaler Medien ergeben: Angesichts einer hohen (technologischen) Innovationsrate und einer damit einhergehenden kürzer werden Halbwertszeit von Wissen, ergibt sich die Notwendigkeit eines lebenslangen Lernens, welche sich in schneller Abfolge und in kurzer Zeit vollzieht (vgl. Mandl, Reinmann-Rothmeier 2000).
Die Grundidee von Blinkist - Informationen in kleine Einheiten herunterzubrechen, das mobile Endgerät als Lernmittel, eine komprimierte und schnelle Wissensvermittlung, verfügbar zu machen - entspricht dem Konzept des Mikrolernens (vgl. Hug 2018). Auch in anderen Varianten erscheint das Lernen in zeitlich kurzen Einheiten und mit kleinen Inhalten bereits vertraut; in Form kurzer (Youtube-)Videos oder Podcasts, ist es längst zu einem festen Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. Häufig im Rahmen eines informeller Lernkontext und im Bereich der Erwachsenenbildung. In beruflichen und betrieblichen Kontexten zeichnet sich eine zunehmende Bereitschaft zur Erprobung von Mikrolernanwendungen ab (vgl. Hug 2018).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Bildung als Lebensaufgabe ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich des Bildungsverständnisses von Blinkist.
2. Theoretischer Background – Die Bildungskonzepte: Hier werden die theoretischen Grundlagen durch die Ansätze von Rosa, Dewey, Klafki und der transformativen Bildung gelegt.
3. Die Digitalisierung des Bildungssystems: Dieses Kapitel verortet Bildung im digitalen Wandel und stellt die App Blinkist als praktisches Anwendungsbeispiel vor.
4. Eine Analyse: In diesem Kapitel wird das Bildungsverständnis von Blinkist anhand der zuvor diskutierten Theorien kritisch untersucht und analysiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und beurteilt, ob Blinkist eine tatsächliche Bildungserfahrung ermöglichen kann oder lediglich Wissen generiert.
Schlüsselwörter
Bildung, Digitalisierung, Blinkist, lebenslanges Lernen, Wissensgesellschaft, transformative Bildung, Hartmut Rosa, John Dewey, Wolfgang Klafki, Julia Lingenfelder, Mikrolernen, Medienbildung, Marktlogik, Akzeptanzbeschaffung, Gesellschaftsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welches Bildungsverständnis durch die App Blinkist vermittelt wird und ob dieses den theoretischen Anforderungen transformativer Bildung entspricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Bildungstheorie, die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Lernen sowie eine kritische Analyse von Marktstrategien im Bildungswesen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, ob die App Blinkist als Instrument zur Bildung im Sinne einer persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklung taugt oder ob sie den Bildungsbegriff lediglich ökonomisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein exploratives, interdisziplinäres und deskriptives Forschungsdesign gewählt, das auf einer qualitativen Analyse von Bildungstheorien sowie einer medienkritischen Bewertung der App-Funktionalitäten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Konzepte von Rosa, Dewey, Klafki und Lingenfelder theoretisch eingeführt, bevor der digitale Einfluss auf das Bildungssystem und die spezifische Praxis von Blinkist analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär mit Begriffen wie Digitalisierung, transformative Bildung, lebenslanges Lernen, Wissensgenerierung und Medienkritik erfassen.
Kann Blinkist laut Arbeit eine echte Bildungserfahrung bieten?
Nach Ansicht der Autorin ist Blinkist als Instrument der Akzeptanzbeschaffung und des Wissens-Managements zu sehen, bietet jedoch keinen Raum für den notwendigen sozialen Austausch, der für einen echten Prozess transformativer Bildung unerlässlich wäre.
Warum ist das "Ranking" bei Blinkist laut Analyse problematisch?
Das Ranking bezieht sich lediglich auf die redaktionelle Arbeit der App, nicht auf die Inhalte des Buches selbst, und bietet zudem keine Kommentarfunktion für den Austausch zwischen den Nutzern.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2022, Welches Bildungsverständnis reproduziert die App "Blinkist"? Resonanz in 32 Minuten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1370025