Das ausbalancierte Verhältnis zwischen Nachwuchs, Erwerbsfähigen und Ruheständlern
ist Vorraussetzung für den Erhalt des Wohlstandsniveaus einer Volkswirtschaft. Analog
gilt dass eine zu stark wachsende oder schrumpfende Gesellschaft zu wirtschaftlichen
Problemen führt.1 Aus diesem Grund rückt die Geburtenrate als Index der
Bevölkerungsentwicklung weiter in den Fokus der Ökonomen. Problem ist, dass bei
gleichbleibendem Renteneintrittsalter, eine etwa gleichbleibende bzw. sinkende Zahl von
Erwerbstätigen eine steigende Zahl an Ruheständlern versorgen muss. Grund dafür ist
nicht allein die Überalterung der Gesellschaft sondern auch der Kindermangel in
Deutschland. Diese Probleme führen auch zur Diskussion über Reformen der sozialen
Sicherungssysteme.
Gegenstand dieser Arbeit ist die Untersuchung der Auswirkung des Steuersystems auf die
Geburtenrate. Dabei wird in Kapitel 2 zunächst gezeigt welche Anreize die Entscheidung
für bzw. gegen Kinder beeinflussen. Der Einfluss der Ausgestaltung des Steuersystems
auf die Geburtenrate wird in Kapitel 3 untersucht. Zur Erklärung der Zusammenhänge
zwischen Geburtenrate, Steuersystem und Arbeitsangebot der Frau wird das von Apps
und Rees beschriebene Modell genutzt. Des Weiteren werden die unterschiedlichen
Besteuerungssysteme von Frankreich und Deutschland betrachtet. In Kapitel 4 wird
gezeigt welche Auswirkungen die Einführung des Familiensplittings in Deutschland hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anreizwirkung auf die Geburtenrate
3. Geburtenrate und Besteuerung
3.1 Fertilität und Besteuerung
3.2 Das Ehegattensplitting in Deutschland
3.3 Das Familiensplitting in Frankreich
4. Effekte der Einführung des Familiensplittings in Deutschland
4.1 Veränderungen des power Index
4.2 Veränderungen des Arbeitsangebots
4.3 Veränderungen der Wohlfahrt
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht den Einfluss verschiedener Ausgestaltungen des Steuersystems auf die Fertilitätsentscheidung von Haushalten und analysiert dabei insbesondere die Auswirkungen von Besteuerungsstrukturen auf das Arbeitsangebot von Frauen und die Geburtenrate.
- Analyse der ökonomischen Anreize für oder gegen Kinder
- Modelltheoretische Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Besteuerung, Lohnrate und Kinderwunsch
- Vergleich der Besteuerungssysteme in Deutschland und Frankreich
- Evaluation der Effekte eines Familiensplittings in Deutschland
- Untersuchung von Arbeitsangebotseffekten und Wohlfahrtsfolgen durch Steuerreformen
Auszug aus dem Buch
3.1 Fertilität und Besteuerung
Wohlfahrt, optimale Steuern oder Beihilfen für Kinder hängen vom Zusammenhang zwischen komparativen Vorteilen Kinder zu bekommen und dem Arbeitsangebot der Frau, ausgedrückt als Lohnrate, ab. In diesem Modell wird unterstellt das die Regierung an einer Steigerung der Geburtenrate interessiert ist. Nach einer optimalen Steuer soll hier nicht gesucht werden, sondern nur nach Effekten die durch Veränderungen eines gegebenen Steuersystems entstehen. In den meisten Fällen sind Steuersysteme nicht optimal. Das hier gezeigte Modell soll den Zusammenhang zwischen Geburtenrate und dem Arbeitsangebot der Frau, d.h. dem Zusammenhang zwischen der Lohnrate der Frau und der Nachfrage nach Kindern, untersucht werden. Ein Anstieg der Lohnrate würde die Opportunitätskosten der Kinderbetreuung erhöhen und damit die Nachfrage nach Kindern sinken. Andererseits würde durch die Erhöhung der Lohnrate das Haushaltseinkommen steigen und sich die Nachfrage nach Kindern erhöhen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die demografische Problematik des Kindermangels und die Relevanz des Steuersystems für die Geburtenrate vor.
2. Anreizwirkung auf die Geburtenrate: In diesem Kapitel werden die ökonomischen Kosten und Lasten von Kindern sowie deren Einfluss auf die Entscheidung zur Familiengründung diskutiert.
3. Geburtenrate und Besteuerung: Hier werden die theoretischen Zusammenhänge zwischen Besteuerung und Fertilität analysiert sowie die spezifischen Systeme in Deutschland und Frankreich verglichen.
4. Effekte der Einführung des Familiensplittings in Deutschland: Dieses Kapitel untersucht mittels eines Modells die Auswirkungen einer Reform des deutschen Steuersystems auf den power Index, das Arbeitsangebot und die Wohlfahrt.
5. Schlussbetrachtungen: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und betont, dass eine Erhöhung des Arbeitsangebots der Frau der Schlüssel zur Lösung demografischer Probleme ist.
Schlüsselwörter
Bevölkerungsökonomie, Fertilität, Steuersystem, Geburtenrate, Ehegattensplitting, Familiensplitting, Arbeitsangebot, Wohlfahrt, Kinderbetreuung, Opportunitätskosten, Steuerprogression, Leistungsfähigkeitsprinzip, Demografie, Haushaltseinkommen, Lohnrate
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie staatliche Steuersysteme die ökonomischen Anreize zur Familiengründung beeinflussen und welche Rolle dabei die Besteuerung der Ehegatten spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Fertilitätsentscheidung, dem Vergleich von Ehegatten- und Familiensplitting sowie den Auswirkungen auf das Arbeitsangebot von Frauen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Untersuchung der steuerlichen Einflussfaktoren auf die Geburtenrate und die Bewertung möglicher Reformansätze, wie der Einführung eines Familiensplittings in Deutschland.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt ein mikroökonomisches Modell nach Apps und Rees, um die Zusammenhänge zwischen Steuersätzen, Haushaltseinkommen und Kinderwunsch formal zu erklären.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst theoretische Modelle zur Fertilität, den Systemvergleich zwischen Deutschland und Frankreich sowie eine Analyse der Auswirkungen einer hypothetischen Reform des deutschen Steuersystems.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Bevölkerungsökonomie, Fertilität, Steuersystem, Geburtenrate, Arbeitsangebot und das Ehegatten- bzw. Familiensplitting.
Warum wird das Ehegattensplitting als ungeeignet für die Steigerung der Geburtenrate angesehen?
Der Autor argumentiert, dass die Steuervorteile des Ehegattensplittings auch kinderlosen Paaren zugutekommen und somit keinen spezifischen Anreiz für die Entscheidung für Kinder setzen.
Wie unterscheidet sich das französische Familiensplitting vom deutschen System?
In Frankreich werden Kinder explizit in die Berechnung der „parts“ einbezogen, was zu einer proportionalen Senkung der Steuerlast mit steigender Kinderzahl führt, während in Deutschland das Splitting primär das Ehepaar als Einheit betrachtet.
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- Martin Plathe (Author), 2005, Ausgewählte Probleme der Bevölkerungsökonomie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137013