Im heutigen Territorium von Thüringen siedelten einst germanische Stämme, Franken, Sachsen, Slawen. Sie alle hinterließen ihre Spuren, die auch in den heutigen Ortsnamen zu finden sind. Zudem wurde das heidnische Thüringen missioniert und somit prägte auch die Christianisierung einige Ortsnamen. Weiß man von typischen Vorlieben oder typischen Morphemen der Besiedler, die in Ortsnamen wiederholt auftauchen, kann man aus deren territorialer Verteilung die damaligen Siedlungsgrenzen oder die ehemaligen Einflussgebiete der Besatzer ausmachen.
In der vorliegenden Arbeit wird zum einen die historische Siedlungsgeschichte des heutigen thüringer Areals aufgezeigt. Zum anderen werden typische Ortsnamenbildungen (beispielsweise der der Franken oder Slawen) aufgezeigt. Die territoriale Ausbreitung diverser Orstnamen und somit auch der dazugehörigen Besiedler werden auf zahlreichen Abbildungen veranschaulicht. So wird zum Beispiel allein durch die Verbreitung typischer Ortsnamen ersichtlich, dass die Saale ein Grenzfluss war, der beispielsweise westlich von den Franken und östlich von den Slawen besiedelt wurde.
Im Anhang finden sich weitere Karten, die die jeweilige Verteilung von Ortsnamen mit folgenden Morphemen aufweisen: berg, schön, -au, bach, -born, -rode, -wald, holz, forst, -reuth, -rieth sowie Pflanzennamen, Tiernamen, Himmelsrichtungen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einfluss der Thüringischen Geschichte auf die Ortsnamensgebung
2.1 Die Germanischen Stämme
2.2 Der Einfluss der Franken, Sachsen und Slawen in Thüringen
2.2.1 Explizite Nennungen der Besatzer in den Thüringer ON
2.2.2 Implizite Hinweise auf die Besatzer in den Thüringer ON
2.2.3 Der slawische Einfluss auf die Thüringer ON
2.2.3.1 Die Slawische Ortsnamensbildung
2.2.3.2 ON auf -wenden/ -winden und Windisch-/Wendisch-
3 Die Christianisierung Thüringens
3.1 Missionierung durch Kilian und Willibrord
3.2 Missionierung durch Bonifatius
3.3 Der Einfluss der Christianisierung auf die Thüringer Ortsnamen
3.4 Die Erschaffung von Thüringer Schreibzentren
3.4.1 Die Fuldischen Cartulare
3.4.2 Die Hersfeldischen Besitzstandsverzeichnisse
3.4.3 Weitere Quellen
4 Schlusswort
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den Einfluss historischer Besatzer – wie Franken, Sachsen und Slawen – auf die thüringische Ortsnamensgebung, mit dem Ziel, anhand spezifischer Ortsnamen-Bildungen die ehemaligen Besatzungszonen zu rekonstruieren.
- Analyse der Siedlungsgeschichte Thüringens unter dem Aspekt der Namenkunde
- Untersuchung von Morphemen als Indikatoren für historische Stammesbesetzungen
- Vergleich von fränkischen, sächsischen und slawischen Einflüssen auf die Ortsnamen
- Bedeutung der Christianisierung und der entstehenden Schreibzentren für die Dokumentation
- Deskriptive Auswertung von Ortsnamen-Karten zur Visualisierung historischer Siedlungsmuster
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Explizite Nennungen der Besatzer in den Thüringer ON
Den Einfluss, den die damaligen Besatzer Thüringens hatten ist auch in den ON zu erkennen. So lassen Frankenhain, Frankendorf, Frankenau, Frankendorf, Frankenroda, Frankenheim, Neufrankenroda und Bad Frankenhausen noch heute klar eine Oberhoheit der Franken über Thüringen erkennen.
Karl der Große errichtete damals rund um das Fränkische Reich Marken, die als militärischer Grenzschutz dienen sollten. Das slawisch besetzte Gebiet östlich der Saale machte er zur Sorbischen Mark. Die dort lebenden Slawen befanden sich mit den Franken in einem losen Abhängigkeitsverhältnis. Das bedeutet, dass Handel zwischen beiden Seiten stattfand. Das Gebiet sicherte man mit Burgen. Noch heute findet man viele slawische Spuren durch Burgen an der Saale hellem Strande.
Im zehnten Jahrhundert unterwarf Otto der Große die Slawen wieder, da sie ihren Tribut nicht leisten wollten. Er schuf abermals Marken. Markgraf Gero bekam die Kontrolle über das Land an der Saale. Nach 965 (also nach Geros Tod) richtete Otto mehrere Marken ein, so u. a. die Thüringer Mark mit den Marken Zeitz, Merseburg und Meißen.
Die Slawen hatten großen Anteil am Landesausbau Thüringens. Davon zeugen noch heute die erhaltenen Urkunden, Ortsnamen, Bodenfunde sowie Ruinen von typisch slawischen Runddörfern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Erläutert die Notwendigkeit einer interdisziplinären Herangehensweise bei der Ortsnamenanalyse und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie deren deskriptiven Charakter vor.
2 Einfluss der Thüringischen Geschichte auf die Ortsnamensgebung: Untersucht, wie die Siedlungshistorie und die Präsenz verschiedener Stämme (Franken, Sachsen, Slawen) sich in topographischen Bezeichnungen und Stammesmorphemen widerspiegeln.
3 Die Christianisierung Thüringens: Analysiert den Einfluss der kirchlichen Missionierung und die Rolle der neu geschaffenen Schreibzentren für die Überlieferung und Entstehung von Ortsnamen im frühen Mittelalter.
4 Schlusswort: Fasst zusammen, dass die historische Besatzungsgeschichte Thüringens durch die Verteilung spezifischer Morpheme in den Ortsnamen nachweisbar und belegbar ist.
Schlüsselwörter
Thüringen, Ortsnamen, Namenkunde, Siedlungsgeschichte, Franken, Slawen, Sachsen, Besatzung, Morphem, Christianisierung, Schreibzentren, Cartulare, Historische Geographie, Sprachwissenschaft, Siedlungsbenennung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie historische Siedlungsprozesse und die Herrschaft verschiedener Stämme in Thüringen die Entstehung und Struktur heutiger Ortsnamen geprägt haben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Geschichte der Stammesbesiedlung (Franken, Sachsen, Slawen), der Einfluss der Christianisierung und die Bedeutung schriftlicher Quellen wie Urkunden für die Ortsnamenforschung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse besatzungstypischer Morpheme in Ortsnamen Rückschlüsse auf die historischen Besatzungszonen im thüringischen Raum zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt eine deskriptive Methode, bei der mittels Ortsnamen-Karten charakteristische Sprachbausteine visualisiert werden, um historische Siedlungsmuster exemplarisch zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Einflusses der germanischen Stämme, den slawischen Spracheinfluss und die Auswirkungen der Missionierung durch Geistliche wie Bonifatius auf die Ortsnamen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Thüringen, Ortsnamenkunde, Siedlungsgeschichte, Morpheme, slawischer Einfluss und fränkische Kolonisation.
Welche Rolle spielten die Slawen für den thüringischen Landesausbau?
Die Slawen waren maßgeblich am Landesausbau beteiligt, was sich heute noch durch archäologische Bodenfunde, Burgen und spezifische Namensformen wie die Endung auf -itz belegen lässt.
Warum sind die Fuldischen und Hersfeldischen Quellen so wichtig?
Diese Dokumente stellen die wichtigsten erhaltenen Quellen für die Namensforschung im frühen Mittelalter dar, da sie Schenkungen und Besitzverhältnisse festhielten und somit zur Rekonstruktion archaischer Namensformen beitragen.
Was besagt die These zum Ortsnamen "Allzunah"?
Der Name "Allzunah" ist ein Beispiel dafür, wie lokale wirtschaftliche Gegebenheiten – in diesem Fall der Mangel an Holz für den Glasofenbetrieb – direkt in der Ortsbenennung verewigt wurden.
- Quote paper
- Anne Skroblin (Author), 2005, Der Einfluss der 'Besatzer' Thüringens auf die Thüringer Ortsnamen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137048