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Totalität des Daseins. Zur Vielschichtigkeit der Kulturkritik im Frühwerk Alfred Döblins

Titel: Totalität des Daseins. Zur Vielschichtigkeit der Kulturkritik im Frühwerk Alfred Döblins

Magisterarbeit , 2010 , 105 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Alkimos Sartoros (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit untersucht die sprachlichen und wissenschaftsdiskursiven Verästelungen in den drei Erzählungen "Die Ermordung einer Butterblume", "Die Tänzerin und der Leib" und "Astralia" von Alfred Döblin. Dabei wird gezeigt, weshalb dieser Autor, angesichts der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, aktueller ist denn je. Hierbei sollen folgende Fragen beantwortet werden: Wie steht der Mensch zu sich selbst, wie steht er zur Natur? Welche Rolle spielt "Kultur" bei Umweltzerstörung und beim Raubbau des Menschen an sich selbst?

Der Arzt und Schriftsteller Alfred Döblin erkundete in seinen Erzählungen mit bemerkenswerter Beobachtungsschärfe die Beziehungen des Menschen zu seiner Umgebung. Psychiatrische Fallbeschreibungen, Literatur und Kulturanalyse fließen dabei auf engstem Raum ineinander.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Bürgerlichkeit und psychische Störungen - Erzählte Kulturordnungen in Die Ermordung einer Butterblume

1.1 Der Titel als strukturelle Verdichtung

1.2 Zur fragilen Prädisposition des Protagonisten

1.3 Zur sprachlichen Auflösung der Trennung von Subjekt und Objekt

1.4 Zur Totalität des Wahns

1.5 Die Allmacht der Natur - Zu den strukturellen Implikationen des Bußdienstes sowie der abschließenden Subjektauflösung

III. Wider die Separierung - Ganzheit des Daseins als vielschichtige poetologische Standortbestimmung in Die Tänzerin und der Leib

1.1 Der Titel

1.2 Der Triumph des Willens - Zur inhaltlich-strukturell verankerten Entzweiung von Geist und Leib

2. Kultur als Leerstelle - Zur Verortung der Erzählung in einem kulturellen Resonanzraum von Tanz-, Ballett- und Musikdiskursen

3. Literatur als synthetisierende Metawissenschaft - Zur textimmanenten Evokation, Überlagerung und Blockierung von Psychiatrie- und Psychoanalysediskursen

IV. Der Kampf um das dem Menschen Angemessene - Kultur als vielschichtiges Determinierungsraster in Astralia

1.1 Zum Titel

1.2 Erleuchteter oder Paranoiker? - Zum Verhältnis von narrativer Instanz und erzählter Wirklichkeit

2. Die Verflüchtigung aus dem Dasein - Zur Verortung der Erzählung in einem religiös-kulturellen Diskursraum

V. Wissensarchäologie - Zu den Nährböden und Entwicklungslinien Döblinscher Kultur- und Subjektkritik

1. „Gesund oder krank?“ - Zur überlagerten diskursiven Verortung kulturkritischer Anknüpfungspunkte

2. Descartes und Platon - Die Grundlegungen des abendländischen Rationalitäts- und Subjektbildungsprozesses als metapoetischer Angriffspunkt

3. Vom herrischen zum Erlebnis-Ich - Ein erweiterter Blick auf die drei Erzählungen vor dem Hintergrund der „Dialektik der Aufklärung“ und der „Gespräche mit Kalypso“

VI. Schlussgedanken

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Frühwerk von Alfred Döblin unter dem Fokus, wie kulturelle, psychiatrische und psychoanalytische Diskurse in den Erzählungen „Die Ermordung einer Butterblume“, „Die Tänzerin und der Leib“ und „Astralia“ verarbeitet werden. Das Ziel ist es, durch eine wissensarchäologische Analyse aufzuzeigen, wie Döblins Literatur die Zersetzung des Subjekts und das Verhältnis von Natur und Kultur als Spannungsfeld beschreibt, das sich den herrschenden Rationalitätsmustern entgegenstellt.

  • Kulturkritik und Subjektkritik im Frühwerk Alfred Döblins
  • Analyse des Dualismus von Geist und Körper
  • Diskursanalytische Untersuchung von Rationalitäts- und Machtstrukturen
  • Verhältnisbestimmung von Individuum, Gesellschaft und Natur
  • Poetologische Einordnung von Wahn und psychischen Störungen

Auszug aus dem Buch

1.2 Zur fragilen Prädisposition des Protagonisten

Wie gezeigt wurde lässt der Titel den Leser etwas ratlos und erwartungsvoll zurück. Wie aber greift der Text diese Voraussetzungen auf, wie wird der Protagonist eingeführt, von dem erzählt wird?

„Der schwarzgekleidete Herr hatte erst seine Schritte gezählt, eins, zwei, drei, bis hundert und rückwärts, als er den breiten Fichtenweg nach St. Ottilien hinanstieg, und sich bei jeder Bewegung mit den Hüften stark nach rechts und links gewiegt, so daß manchmal taumelte; dann vergaß er es.“

Wenn der Titel eine Verdichtung der Erzählung und vor allem ihrer Struktur ist, dann zeigt dieser Satz in komprimierter Form die inhaltlichen Facetten und Hauptstränge der gesamten Erzählung auf. Der Protagonist ist also ein „schwarzgekleideter Herr“. Das Substantiv „Herr“, vor allem im Kontext des Entstehungsjahres der Novelle betrachtet, konstituiert die fragile Gestalt als Mitglied einer gutsituierten bürgerlich-industriellen Gesellschaftsschicht, während das Attribut „schwarzgekleidet“ die Würde der Erscheinung noch unterstreicht. Die Tatsache, dass die besagte Person vorerst namenlos bleibt und ihr Name erst an späterer Stelle genannt wird, macht deutlich, dass es nicht um die Darstellung eines individuellen oder aufgrund dieser Individualität besonders erwähnenswerten Charakters geht, sondern dass die dargestellte Figur vielmehr stellvertretend und typisch für eine ganze Gruppe von Menschen steht.

Die Art und Weise, wie sich die Person bewegt, nämlich sich mit den Hüften weit nach links und rechts wiegend und taumelnd, lässt aufhorchen: Die zuvor würdevoll eingeführte Person bekommt dadurch Züge einer lächerlich, oder zumindest seltsam, anmutenden Hampelmannsgestalt. Diese wenigen Worte zeigen also eine Stoßrichtung der gesamten weiteren Erzählung an: Die satirische Darstellung eines Vertreters der bürgerlichen Oberschicht. Bürgerlichkeit ist in diesem Zusammenhang allerdings nicht als soziale Klassifizierung zu verstehen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung etabliert das Ziel, Döblins Frühwerk durch eine interdisziplinäre Untersuchung der Diskurse (psychiatrisch, psychoanalytisch, kulturtheoretisch) neu zu erschließen.

II. Bürgerlichkeit und psychische Störungen - Erzählte Kulturordnungen in Die Ermordung einer Butterblume: Dieses Kapitel analysiert anhand der titelgebenden Erzählung, wie der Protagonist Michael Fischer an dem Konflikt zwischen bürgerlichen Normen und seiner psychischen Instabilität scheitert.

III. Wider die Separierung - Ganzheit des Daseins als vielschichtige poetologische Standortbestimmung in Die Tänzerin und der Leib: Der Fokus liegt hier auf der Entzweiung von Geist und Leib sowie der Funktion des Tanzes als Ausdrucksmittel einer verlorenen Einheit.

IV. Der Kampf um das dem Menschen Angemessene - Kultur als vielschichtiges Determinierungsraster in Astralia: Hier wird untersucht, wie Adolf Götting versucht, sich durch religiöse und paranoide Deutungsmuster in einer als bedrohlich wahrgenommenen Welt zu behaupten.

V. Wissensarchäologie - Zu den Nährböden und Entwicklungslinien Döblinscher Kultur- und Subjektkritik: Dieses Kapitel führt die Analysen zusammen und beleuchtet die philosophischen Grundlagen (Nietzsche, Freud, Descartes, Platon) sowie die Kritik an der Dialektik der Aufklärung.

VI. Schlussgedanken: Das Fazit stellt fest, dass Döblins Frühwerk als diskursiver Knotenpunkt fungiert, an dem sich die Zersetzung des modernen Subjekts in einem umfassenden Sinne manifestiert.

Schlüsselwörter

Alfred Döblin, Frühwerk, Kulturkritik, Subjektkritik, Psychiatrie, Psychopathologie, Psychoanalyse, Moderne, Rationalitätskritik, Diskursanalyse, Wissensarchäologie, Leib-Seele-Problem, Dialektik der Aufklärung, Wahnsinn, Bürgerlichkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht drei frühwerke Erzählungen von Alfred Döblin unter dem Aspekt, wie sie gesellschaftliche, psychologische und kulturelle Diskurse in eine literarische Form übersetzen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Vernetzung von bürgerlicher Kulturkritik, die Problematik der Trennung von Körper und Geist (Dualismus) und die Darstellung psychischer Ausnahmezustände im Kontext der Zivilisationsgeschichte.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, auf welche Weise Döblins Texte die Zersetzung des bürgerlichen Subjekts und die Auseinandersetzung mit modernen Rationalitätsansprüchen durch sprachliche und strukturelle Verfahren reflektieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung nutzt eine wissensarchäologische und erzähltheoretische Herangehensweise, um die Texte in Bezug zu zeitgenössischen psychiatrischen, psychoanalytischen und kulturphilosophischen Diskursen zu setzen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden „Die Ermordung einer Butterblume“, „Die Tänzerin und der Leib“ und „Astralia“ tiefgehend analysiert, um spezifische Narrative von Individuen in der Krise aufzuzeigen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Subjektkritik“, „Kulturkritik“, „Dialektik der Aufklärung“ und „Wissensarchäologie“ maßgeblich bestimmt.

Was bedeutet der Begriff „wissensarchäologisch“ im Kontext dieser Arbeit?

Der Begriff bezieht sich auf die methodische Vorgehensweise, die Texte als „Wissensarchive“ zu verstehen, in denen sich die Denkweisen einer Epoche – hier vor allem die des frühen 20. Jahrhunderts – ablagern und gegenseitig durchdringen.

Welche Bedeutung kommt dem Tanz im Kapitel zu „Die Tänzerin und der Leib“ zu?

Der Tanz wird als Ausdrucksmittel interpretiert, das einerseits die Sehnsucht nach Ganzheit und körperlicher Autonomie darstellt, andererseits jedoch in seiner disziplinierten Form die Unterwerfung durch bürgerliche Normen und männlich dominierte Strukturen spiegelt.

Ende der Leseprobe aus 105 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Totalität des Daseins. Zur Vielschichtigkeit der Kulturkritik im Frühwerk Alfred Döblins
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Philosophische Fakultät)
Note
1,3
Autor
Alkimos Sartoros (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
105
Katalognummer
V1370848
ISBN (PDF)
9783346906557
ISBN (Buch)
9783346906564
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literatur Philosophie Kulturkritik Psychiatrie Psychologie Natur Menschen Döblin
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Alkimos Sartoros (Autor:in), 2010, Totalität des Daseins. Zur Vielschichtigkeit der Kulturkritik im Frühwerk Alfred Döblins, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1370848
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  105  Seiten
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