Invarianz, Äquivalenz und Adäquatheit: eine grundlegende Orientierung


Seminararbeit, 2008
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 KLÄRUNG DER ALLGEMEINEN WORTBEDEUTUNG: INVARIANZ, ÄQUIVALENZ, ADÄQUATHEIT

3 DER ÄQUIVALENZBEGRIFF IM ÜBERBLICK
3.1 Der Äquivalenzbegriff nach Heidrun Gerzymisch-Arbogast
3.2 Pauschale Äquivalenzbegriffe
3.2.1 Der Äquivalenzbegriff nach Eugene A. Nida
3.2.2 Der Äquivalenzbegriff nach Hans G. Hönig und Paul Kussmaul
3.2.3 Der Äquivalenzbegriff nach Katharina Reiß und Hans J. Vermeer
3.3 Relative Äquivalenzbegriffe
3.3.1 Äquivalenzbegriff nach Werner Koller

4 DER ÄQUIVALENZBEGRIFF NACH JÖRN ALBRECHT
4.1 Äquivalenz
4.2 Invarianzforderungen
4.3 Adäquatheit

5 ZUSAMMENFASSUNG

6 LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS
6.1 Literatur
6.2 Internetquellen

1 Einleitung

In dem italienischen Wortspiel „Traduttore traditore“, der Übersetzer ist ein Verräter, ist bereits die ganze Bandbreite der Problemstellungen in der Übersetzung zu erkennen. Erstens beschreibt es die Zweifel, die viele an der Möglichkeit des Übersetzens haben, zweitens kann dieses Wortspiel nicht direkt ins Deutsche übertragen werden, denn es geht dabei verloren. Allein der Sinn kann weitertransportiert werden. Es ist also zu überlegen, ob es eine Entsprechung im Deutschen gibt. Besitzt die deutsche Sprache ein Wortspiel, eine Redewendung, die vielleicht anders lautet, aber den Sinn des italienischen Verwandten wiedergibt? Was ist zu tun, wenn man vor die Aufgabe gestellt wird, diesen kleinen Ausspruch zu übersetzen? Man sucht nach einer äquivalenten Lösung.

Diese Arbeit behandelt den übersetzungsrelevanten Begriff der Äquivalenz und deren Zusammenspiel mit den Faktoren Invarianz und Adäquatheit. Vor allem die Äquivalenz ist ein Thema, das schon seit langer Zeit in übersetzungstheoretischen Fragestellungen auftritt. Wolfgang Wilss beschreibt das Problem der Äquivalenz folgendermaßen:

Kaum ein Begriff hat in der übersetzungstheoretischen Diskussion seit der Antike soviel Nachdenken provoziert, soviel kontradiktorische Meinungsäußerungen bewirkt und so viele Definitionsversuche ausgelöst wie der Begriff der Übersetzungs-äquivalenz zwischen ausgangs- und zielsprachlichem Text (Wilss 1977: 156).

In der Übersetzungswissenschaft stellt sich immer wieder die Frage, welche Relation zwischen einem Text und seiner Übersetzung bestehen soll (vgl. Albrecht 1990: 71). Der praktizierende Übersetzungstheoretiker Jörn Albrecht hält diese Relation für „das zentrale Problem jeder Übersetzungstheorie“ (Albrecht 1990:71). Trotzdem ist es bisher nicht gelungen eine „allgemein anerkannte terminologische Regelung“ (ibd.:71) durchzusetzen, die den Gebrauch und den Bedeutungsumfang dieser drei Begriffe näher bestimmt und regelt. So kommt es, dass sich viele Ansätze und Theorien zum Thema Äquivalenz in der Welt der Übersetzung finden, die sich teilweise ergänzen, teilweise aber auch widersprechen. Einige Theoretiker, wie beispielsweise Wolfgang Dressler, sind sogar der Meinung, dass Übersetzungsäquivalenz nicht existent sei:

Eine vollständige, eindeutige [...] Übersetzungsäquivalenz gibt es nicht, und damit auch keine vollständige Übersetzbarkeit [...]. Übersetzungsäquivalenz im Sinne von Invarianz ist daher unmöglich. Der Begriff der Invarianz ist also meines Erachtens in der Übersetzungswissenschaft aufzugeben [...] (Dressler 1974: 62).

Bei dieser und ähnlichen Überlegungen wird jedoch außer Acht gelassen, dass Invarianz und Übersetzungsäquivalenz zwei verschiedene Begriffe mit unterschiedlichen Bedeutungs-inhalten sind bzw. sein sollten. Albrecht tut seine Meinung zu Überlegungen dieser Art in seinem Aufsatz „Invarianz, Äquivalenz, Adäquatheit“ deutlich kund:

Völlige Invarianz wird ja wohl auch der bornierteste Anhänger eines naiven Übersetzungsbegriffs nicht fordern, denn die könnte nur durch eine Kopie des Textes erreicht werden (Albrecht 1990: 72).

Hier sollen einige der Ansichten näher erläutert werden, jedoch wird sich diese Arbeit auf den Äquivalenzbegriff, wie er von Jörn Albrecht geprägt wurde, konzentrieren, da dieser mittlerweile weitläufig akzeptiert und praktiziert wird und gut fundierten Überlegungen entspringt.

2 Klärung der allgemeinen Wortbedeutungen: Invarianz, Äquivalenz, Adäquatheit

Um die allgemeine Bedeutung der hier zu besprechenden Begriffe näher zu bestimmen, wurde auf das Deutsche Universalwörterbuch (6. Auflage, 2007) des Dudenverlags zurückgegriffen:

- Ad|äquat|heit, die; - (bildungsspr.): das Adäquatsein (S.109).
- ad|äquat <Adj.> [zu lat. adaequatum, 2. Part. von: adaequare = angleichen] (bildungsspr.): angemessen, entsprechend (S.109).
- Äqui|va|lenz, die; -, -en [mlat. aequivalentia]:

1. (bildungsspr.) Gleichwertigkeit: die Ä. zweier Begriffe, verschiedener Tauschobjekte.
2. (Logik) Gleichwertigkeit des Wahrheitsgehaltes, der Bedeutung zweier Aussagen.
3. (Math.) Gleichwertigkeit zweier Mengen, die dann besteht, wenn es sich um Mengen gleicher Mächtigkeit (4) handelt (S.168).

- In|va|ri|anz, die; - (bildungsspr., Fachspr.): Unveränderlichkeit (S. 894).

Wie hier bereits deutlich zu erkennen ist, handelt es sich bei dem Begriff Äquivalenz keineswegs – wie häufig fälschlicherweise angenommen wird – um Gleichheit oder Ähnlichkeit, sondern schlicht und einfach um Gleichwertigkeit (vgl. Albrecht 1990: 72). Diese Unterscheidung ist besonders im Zusammenhang mit der Übersetzungstheorie sehr wichtig und ausschlaggebend für das Verständnis von Albrechts Theorien. Darauf wird im Kapitel 4 jedoch noch einmal näher eingegangen.

Die beiden anderen Begriffe stellen, was ihren Gebrauch und ihre Bedeutung angeht, kein großes Problem dar. Vor allem Invarianz erklärt sich schon allein durch das „Auseinandernehmen“ des Wortes in seine lateinischen Ursprünge. Varianz und seine Varianten sind geläufig: man sieht darin Veränderung, Vielfalt, Variation. Auch die negierende Vorsilbe In- ist in ihrer Bedeutung bekannt. Aus diesen Überlegungen ergibt sich schnell der Sinn, der hinter dem untersuchten Wort steckt und auch die Möglichkeit einer mehrdeutigen Auslegung ist hier so gut wie ausgeschlossen.

Ähnliches gilt für den Begriff adäquat: als Synonym kommt einem sofort das deutsche Wort angemessen in den Sinn. Hat man diesen ersten Schritt getan, ist es bis zum Verständnis des Wortes Adäquatheit, dem Angemessensein, nicht mehr weit. Im Gegensatz zum Begriff der Äquivalenz (s. o.) stecken in Invarianz und Adäquatheit also nicht gar so viele mehrdeutige und damit zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen führende Inhalte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Invarianz, Äquivalenz und Adäquatheit: eine grundlegende Orientierung
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für Übersetzen und Dolmetschen)
Veranstaltung
Einführung in die Sprach- und Übersetzungswissenschaft
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V137087
ISBN (eBook)
9783640451753
ISBN (Buch)
9783640451579
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Übersetzungstheorie, Äquivalenzbegriff, Nida, Kussmaul, Albrecht, Vermeer, Reiß, Adäquatheit, Invarianz, Gerzymisch-Arbogast, Pauschaler Äquivalenzbegriff, Relativer Äquivalenzbegriff
Arbeit zitieren
Lissa Sum (Autor), 2008, Invarianz, Äquivalenz und Adäquatheit: eine grundlegende Orientierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137087

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