Die vorliegende Arbeit befasst sich mit kollektiver Identität im Bilderbuch “Der Rabe, der anders war”. Unter kollektiver Identität ist im Rahmen der Soziologie eine imaginäre Zugehörigkeit, welche nicht substanziell gegeben ist, sondern konstruiert werden und entsprechend immer wieder aktualisiert werden muss. Um die Forschungsfrage gründlich zu untersuchen und zu beantworten, haben sich qualitative Forschungsmethoden für diese Arbeit am nützlichsten erwiesen, da jede Geschichte beziehungsweise jedes Bilderbuch eine eigene Art und Weise hat, um die expliziten und versteckten Botschaften zu vermitteln. Eine sorgfältige Analyse dafür ist die Strukturanalyse intersektionaler Leitdifferenzen, anhand des Studienbuchs von Maren Conrad (2022) und Tobias Kurwinkel (2020), die sich auf Mikro- und Makrostruktur konzentrieren, weil diese zwei Ebenen der Analyse eng miteinander verbunden sind.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 THEORETISCHER TEIL
2.1 Kollektive Identität
2.2 Mikro- und Makrostruktur
3 EMPIRISCHER TEIL
3.1 „Wir“ analysieren
3.2 „Sie“ oder „die anderen“ analysieren
4 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der kollektiven Identität im Bilderbuch „Der Rabe, der anders war“ (1994), um aufzuzeigen, wie soziale Differenzen und Zugehörigkeitsgefühle narrativ sowie bildsprachlich für Kinder aufbereitet werden.
- Analyse der Konstruktion kollektiver Identität in der soziologischen Theorie
- Einsatz der Mikro- und Makrostrukturanalyse zur Untersuchung von Bilderbüchern
- Untersuchung der Differenz zwischen dem „Wir“ und den „Anderen“ in der Tierdarstellung
- Reflexion über soziale Ausgrenzung und die Vermittlung dieser Themen im Bildungskontext
- Bedeutung des Text-Bild-Verhältnisses für die Erzählweise sozialer Botschaften
Auszug aus dem Buch
3.1 „Wir“ analysieren
Im Folgenden wird das „Wir“ im Bilderbuch „Der Rabe, der anders war“ (1994) von Schreiber-Wicke analysiert.
Das Bilderbuch „Der Rabe, der anders war” (1994) ist für Kinder ab vier Jahren geschrieben und beschäftigt sich mit dem Thema des Außenseiters. Die Geschichte handelt von einem bunten Raben, der gar nicht zu der restlichen Rabenschar passt, da alle Raben schwarz sind und er allein bunt ist. Eine abenteuerliche Reise beginnt für den bunten Vogel, als er vertrieben wird und danach wieder sein Zuhause findet.
Der erste Aspekt „Wir“ wurde zunächst durch viele wiederholte Pronomen „wir” in „Wir haben nichts gegen dich” und uns“ in „bei uns Raben” ausgedrückt. Mit gleicher Farbe wie z. B. „Raben sind schwarz” wurde das wichtigste Merkmal erwähnt, mit dem man seine Gefährten bzw. Gemeinschaft erkennen kann und somit auch die gegenseitige Anerkennung der Mitglieder des Kollektivs genießt. Ganz am Anfang der Geschichte können die Leser mithilfe der Bildgestaltung erkennen, wer zu „wir“ gehört. Auf dem Bild ist zu sehen, dass alle schwarzen Raben Seite an Seite auf einem Ast sitzen. Das bedeutet, gleiches Aussehen hat die gleiche Position, oder anders ausgedrückt, die soziale Rolle und spezifische Position in der Gesellschaft wird in diesem Fall implizit durch die Farbe dargestellt. Die schwarzen Raben haben nicht nur das gleiche Aussehen, sondern verhalten sich auch ähnlich, wenn sie den bunten Raben sehen, sie sind nämlich „ein Stück weggerückt”. Außerdem kann man ebenfalls erkennen, wenn man „wir“ erwähnt, dann sollte es Plural bleiben. Im Vergleich dazu kann Anderssein auch aus einem oder mehreren Individuen bestehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Themas kollektive Identität in Bezug auf Migration ein und erläutert die Auswahl des Bilderbuchs als Forschungsgegenstand.
2 THEORETISCHER TEIL: In diesem Kapitel werden soziologische Grundlagen der kollektiven Identität sowie die Analysemethoden der Mikro- und Makrostruktur näher beleuchtet.
3 EMPIRISCHER TEIL: Der Hauptteil untersucht die bildliche und sprachliche Darstellung der Aspekte „Wir“ sowie „Die anderen“ im konkreten Bilderbuch.
4 ZUSAMMENFASSUNG: Dieses Kapitel zieht ein Fazit über die Eignung des analysierten Werkes zur Vermittlung sensibler sozialer Themen im Bildungskontext.
Schlüsselwörter
Kollektive Identität, Bilderbuchanalyse, soziale Differenz, Mikrostruktur, Makrostruktur, Integration, Migration, Soziologie, Intersektionalität, Außenseiter, Bild-Text-Beziehung, Identitätskonstruktion, Gemeinschaftsgefühl, Diversität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie soziale Zugehörigkeitskonzepte im Bilderbuch „Der Rabe, der anders war“ durch die Darstellung von „Wir“ und „Die anderen“ vermittelt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf soziologischen Identitätskonstruktionen, der Analyse von Bilderbüchern unter Berücksichtigung von Diversität und der Bedeutung von Differenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, wie soziale Ausschlussmechanismen und das Streben nach Zugehörigkeit innerhalb einer fiktiven Tierwelt narrativ dargestellt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Strukturanalalyse intersektionaler Leitdifferenzen angewandt, die auf der Kopplung von Mikro- und Makrostrukturanalyse basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse der sprachlichen Erzählweise und der bildlichen Gestaltung bei der Darstellung der Raben, Tauben, Eulen, Spatzen und Möwen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind kollektive Identität, Divergenz, soziale Rolle, Bilderbuchanalyse und Migrationsgesellschaft.
Welche Rolle spielt die Farbe im Bilderbuch laut der Analyse?
Die Farbe der Federn fungiert als Metapher für Hautfarbe und soziale Zugehörigkeit, wobei die Abweichung des bunten Raben die Ausgrenzung innerhalb der Gruppe provoziert.
Warum wird das Ende der Geschichte als gelungen bewertet?
Das Ende zeigt, dass trotz individueller Unterschiede (Bunt-Sein des Raben) eine Zugehörigkeit zum „Wir-Kollektiv“ möglich ist, was die Integrationsthematik positiv abschließt.
Wie spielt das „Traum-Element“ eine Rolle für die Interpretation?
Der Traum verdeutlicht aus Sicht der Autorin, dass die Überwindung von Diskriminierung und die Aufnahme des „Anderen“ in die Gemeinschaft in der Realität eine Herausforderung bleibt, diese im Buch jedoch idealisiert dargestellt wurde.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2023, "Wir", "Sie" oder "die anderen" im Bilderbuch "Der Rabe, der anders war", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1370893