Das Slavenbild des Thietmar von Merseburg


Hausarbeit, 2008

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Thietmar von Merseburg und seine Chronik
2.1 Thietmar von Merseburg
2.2 Chronicon Thietmari Merseburgensis
2.3 Das Bistum Merseburg und die Slaven zur Zeit Thietmars

3 Das Slavenbild des Thietmar von Merseburg
3.1 Die Slaven als Gegner
3.2 Die Slaven als Untertanen
3.3 Das Slavenbild des Thietmar von Merseburg in der aktuellen Forschung

4 Zusammenfassung

5 Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Literatur

1 Einleitung

Thietmar von Merseburg gilt für Mitteldeutschland und für die Zeit des 10. und 11. Jahrhunderts als einer der wichtigsten Chronisten. Er schrieb in seinem Werk nicht nur über politische Ereignisse, sondern erlaubt uns genauso einen Blick auf die einfachen Leute seiner Zeit. Wer aber heute die Chronik des Thietmar liest, dem fällt früher oder später auf, dass Fremdstämmige, und dabei besonders die Slaven, häufig negative Bezeichnungen erfahren.

In der hier vorliegenden Hausarbeit soll daher untersucht werden, ob das durchgehend der Fall war und warum er scheinbar eine so schlechte Meinung von seinen Mitmenschen hatte. Ist dieser Mann ein politischer oder religiöser Fanatiker? Sind seine Äußerungen auf sein politisches und soziales Umfeld zurückzuführen? Oder hatte er für seine Aussagen Gründe, die dem Leser zunächst verborgen bleiben? Ich habe nach einer kurzen Beschreibung des Lebens und Werks Thietmars meine Untersuchungen auf zwei Aspekte konzentriert. Das Slavenbild, das er von seinen Gegnern hatte sowie das Bild seiner Untertanen. Danach befasse ich mich mit dem aktuellen Forschungsstand über das Slavenbild des Thietmar.

Abschließend werde ich in meinem Fazit die gewonnenen Erkenntnisse kurz zusammenfassen und das Ergebnis meiner Arbeit präsentieren.

Dieses Ergebnis ist nicht nur für die Bewertung eines Mannes wichtig, dessen 1000jährigen Todestag wir in zehn Jahren begehen werden, sondern auch im Hinblick auf den heutigen Umgang mit Mitmenschen anderer Religionen und Herkunft. Denn heute wie damals ist das Verhalten der anderen und das Bild, dass wir von diesem Verhalten haben sowie die schriftlichen Zeugnisse darüber, so unterschiedlich, dass das letzte mit dem ersten nur noch wenig verbindet. Gerade deshalb ist es wichtig, mit einem Blick in eine Zeit vor 1000 Jahren zu beginnen und dadurch unsere heutigen Ansichten neu zu überdenken.

2 Thietmar von Merseburg und seine Chronik

2.1 Thietmar von Merseburg

Thietmar von Merseburg, oder Thietmar von Walbeck, wie er auch nach seinem Geburtsort genannt wurde, war der dritte Sohn des Grafen Siegfried von Walbeck und seiner Frau Kunigunde von Stade. Er wurde am 25.Juli 975 in Walbeck geboren. und war Innerhalb und außerhalb Sachsens aufgrund dieses Geburtsstandes verwandtschaftlich fest im Hochadel seiner Zeit verankert und somit ein enger Verwandter des sächsischen Kaiserhauses.[1]

Das Wissen um diese Beziehungen schlug sich später auch deutlich auf seine Chronik nieder. Er wuchs als dritter und damit nicht erbberechtigter Sohn im Bistum Halberstadt auf und erhielt seine Ausbildung zunächst bei seiner Großtante Emnild im Ottonischen Familienstift St. Servatius in Quedlinburg, wo er die Königwahl Heinrichs des Zänkers und 986 den Hoftag Ottos III miterlebt haben dürfte.

Nach einem kurzen Aufenthalt im Kloster Berge bei Magdeburg trat er am 01.11. 990 in das Domstift Magdeburg ein, wurde dort weiter ausgebildet und kaufte sich im Jahr 1002 in das Propstamt des Kloster Walbeck ein. Auf Grund seiner Förderung durch Tagino, den Erzbischof von Magdeburg, erhielt er die Priesterweihe im Jahr 1004 in Allstedt in Gegenwart König Heinrichs II und wurde 1009 Bischof des Bistums Merseburg.

Im Jahr 1012 begann er die Niederschrift der Chronik der Bischöfe von Merseburg, das Chronicon Thietmari Merseburgensis, und wurde zum Geschichtsschreiber der Ottonen.

Neben der Chronik hatte Thietmar nur noch einen Codex zur Verpflichtung zum Gebetsgedenken geschrieben. Weitere Werke sind von ihm nicht bekannt.[2]

2.2 Chronicon Thietmari Merseburgensis

Thietmar von Merseburg schrieb in der Zeit von 1012 bis zu seinem Tod 1018 eine Chronik in acht Büchern, welche die Reichsgeschichte von 908 bis 1018 umfasst. Unterteilt ist die Chronik in den ersten vier Büchern nach den Regierungszeiten der Könige Heinrich I. (919-936), Otto I. (936-973), Otto II. (973-983) und Otto III. (984-1002). In den letzten vier Büchern werden die Regierungsjahre Heinrichs II (1002-1024) dargestellt.

Thietmar war über die Vorkommnisse seiner Zeit gut unterrichtet, oftmals sehr detailliert und anschaulich in der Darstellung; die drei letzten Bücher der Chronik (1014-1018) sind fast wie ein Tagebuch geschrieben. Für die Zeit Heinrichs II. gewann sie sogar den Charakter einer Leitüberlieferung.

Aussagen über die Politik, Marken im Ottonischen Machtbereich einzurichten, sowie die Geschichte der Westslaven und deren Beziehungen zu den Deutschen, werfen ein helles Licht in uns sonst unbekannte Teile der Geschichte. Thietmar formte in seiner Chronik ein detailliertes Bild des Lebens um das Jahr 1000. Er schrieb sowohl über politische Ereignisse als auch über Glauben und Fühlen der Zeit, über Wundergeschichten und die Gedankenwelt der Zeit. Auch wurden ostelbische Orte, wie Bautzen, in der Chronik erstmalig erwähnt. Thietmar kannte auch die Kultur und Bräuche der Slaven und ließ diese mit in die Chronik einfließen.

2.3 Das Bistum Merseburg und die Slaven zur Zeit Thietmars

Die Gebiete der Slaven im Saal- und Elbgebiet, die Thietmar in seiner Chronik beschrieb, sind erst im 10. Jahrhundert christianisiert worden. Zwar gab es bereits vorher Missionierungen unter Karl dem Grossen (768-814), aber erst Otto I. war es, der mit seiner Pax Christiana die Missionierung erfolgreich vorantrieb[3].

Otto I. war es auch, der das Bistum im Jahre 968 gründete.

Durch die zwischenzeitige Auflösung des Bistums in den Jahren 981 – 1004 und dem Slavenaufstand von 983 wurden die Bemühungen Ottos I. allerdings wieder zunichte gemacht. Neben den Rückschlägen in Merseburg wurden die Bistümer Brandenburg und Havelberg zerstört und die „Grenze“ der Missionierung und des Reiches auf die Elblinie zurückgedrängt.[4] Das Bistum Merseburg wurde in der Folgezeit zum Bistum an „vorderster Front“, dem Dreh- und Angelpunkt der Slavenfeldzüge Heinrichs II, insbesondere der Feldzüge gegen Boleslaw Chrobry (1000–1025).[5]

[...]


[1] Vgl. Thietmar von Merseburg: Chronik, übers. von Trillmich, Werner. in: Rudolf Bucher (Hrsg.): Ausgewählte Quellen zur Geschichte des Mittelalters, Freiherr vom Stein -Gedächtnisausgabe, Bd. 9, Berlin 1955, S. XI.

[2] ebd., Berlin 1955, S. XII ff.

[3] Vgl. Fraesdorff, David: Der barbarische Norden. Vorstellungen und Fremdheitskategorien bei Rimbert, Thietmar von Merseburg, Adam von Bremen und Helmold von Bosau, Berlin 2005, S. 228.

[4] Vgl. Lübke, Chr.: Slavenaufstand, in: Lexikon des Mittelalters, München 2000, CD-ROM.

[5] Vgl. Thietmar: Chronik (wie Anm. 1) S. 303, 317,329 ff.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Slavenbild des Thietmar von Merseburg
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Geschichte)
Veranstaltung
Das Hochmittelalter - eine Einführung
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V137097
ISBN (eBook)
9783640451784
ISBN (Buch)
9783640451876
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Slavenbild, Thietmar, Merseburg
Arbeit zitieren
Matthias Hünert (Autor), 2008, Das Slavenbild des Thietmar von Merseburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137097

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