Die hier vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Berufsfeld der Bewährungshilfe und den besonderen Schwierigkeiten, die Sozialarbeiter*innen bewältigen müssen, um erfolgreich agieren zu können. Dieser neue Blickwinkel soll helfen, die Bewährungshilfe besser zu verstehen und kritisch hinterfragen zu können. Zunächst wird dazu das Basiskonzept der Bewährungshilfe, die Prävention, genauer erläutert, um Hintergründe dieser Tätigkeit zu durchschauen und eine Grundlage für das weitere Verstehen dieser Arbeit zu schaffen.
Darauf aufbauend wird das Berufsfeld der Bewährungshilfe mit seinen Hauptaufgaben und Voraussetzungen dargestellt, um anschließend zwei wichtige Methoden in der Bewährungshilfe kurz zu beleuchten: das Case Management und die Beratung. Bewährungshelfer*innen werden vor multiple Herausforderungen gestellt. Der nächste Abschnitt befasst sich daher mit der Definition des doppelten Mandates und damit, wie es sich auf die Beziehung von Bewährungshelfer*innen zu ihren Klient*innen sowie dem beruflichen Selbstverständnis auswirkt. Außerdem weisen die beiden Punkte jeweils auch eigene Schwierigkeiten auf.
Ein abschließendes Fazit fasst die wichtigsten Erkenntnisse noch einmal zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Präventionsgedanke
3. Arbeitsfeldbeschreibung Bewährungshilfe
4. Methoden in der Bewährungshilfe
4.1 Die Beratung
4.2 Das Case Management
5. Herausforderungen für Sozialarbeiter*innen
5.1 Das doppelte Mandat
5.2 Die Beziehung von Bewährungshelfer*in und Adressat*in
5.3 Das berufliche Selbstverständnis
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Handlungsfeld der Bewährungshilfe in Deutschland mit dem Ziel, die spezifischen Anforderungen und Herausforderungen für Sozialarbeiter*innen innerhalb dieses Spannungsfeldes kritisch zu beleuchten.
- Stellenwert und Grundlagen des Präventionsgedankens in der Straffälligenhilfe
- Methodische Ansätze: Beratung und Case Management
- Das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle (Doppeltes Mandat)
- Beziehungsgestaltung im Zwangskontext und die Bedeutung von Vertrauen
- Auswirkungen von Modernisierungsprozessen und formalisierten Diagnoseinstrumenten auf das berufliche Selbstverständnis
Auszug aus dem Buch
5.2 Die Beziehung zwischen Bewährungshelfer*in und Adressat*in
Wie bereits erwähnt, stellt die Bewährungshilfe eine Zwangsmaßnahme für ihre Adressat*innen dar. Die Beziehungsgestaltung erweist sich in solchen Zwangskontexten als besonders schwierig (vgl. Tuschl 2020, S.11), denn es entstehen zum Beispiel große, asymmetrische Machtgefälle, welche dem Klient oder der Klientin wenig Handlungsspielräume lassen (vgl. Tuschl 2020, S.4). Daher ist es besonders wichtig, dass Bewährungshelfer*innen transparent mit ihrer Macht umgehen und beispielsweise die Berichtspflicht an das Gericht offen mit ihren Klient*innen kommunizieren. Eine Auftrags- und Rollenklärung ist unabdingbar. Dazu gehören unter anderem auch die Konsequenzen bei Ablehnung der Hilfe und die Bedingungen, die nötig sind, um dem Kontakt ein Ende zu bereiten (vgl. Tuschl 2020, S.9).
Vertrauen ist die Basis jedes sozialarbeiterischen Handelns (vgl. Kurze 1999, S.345). Cornelia Schäfer bezeichnet das Vertrauen als „Grundlage einer hilfreichen, aufgabenorientierten Beziehung, da sich eine Klient*in nur in einem vertrauensvollen Kontakt öffnen und neue Schritte wagen kann.“ (Schmidt zit. nach Schäfer 2010, S.2).
Aufgrund des Zwangsverhältnisses herrscht allerdings oftmals ein großes Misstrauen gegenüber den Bewährungshelfer*innen, welches abgebaut werden muss, um eine erfolgreiche Arbeit gewährleisten zu können (vgl. Sommer 1986, S.70). Ansonsten kann es passieren, dass Klient*innen sich bewusst anders darstellen, um Sanktionen seitens des Gerichts zu verhindern. Sommer schreibt dazu: „Die Befragung von Probanden durch Bieker ergab, dass rund ein Drittel der Probanden sogenannte potentiell gefährlichen Informationen dem Bewährungshelfer vorenthalten würden.“ (Sommer 1986, S.77).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Struktur der Bewährungshilfe ein und erläutert die zentrale Problemstellung der Befangenheit zwischen Sozialer Arbeit und Strafrechtspflege.
2. Der Präventionsgedanke: Hier wird das theoretische Fundament der Bewährungshilfe beleuchtet, wobei der Fokus insbesondere auf dem Konzept der Spezialprävention liegt.
3. Arbeitsfeldbeschreibung Bewährungshilfe: Dieses Kapitel definiert das Berufsfeld, die gesetzlichen Grundlagen und die Doppelfunktion von Hilfe und Kontrolle.
4. Methoden in der Bewährungshilfe: Es werden die zentralen Arbeitsweisen der Beratung und des Case Managements als Instrumente zur Unterstützung der Straffälligen vorgestellt.
5. Herausforderungen für Sozialarbeiter*innen: Dieser Hauptteil analysiert das doppelte Mandat, die schwierige Beziehungsgestaltung im Zwangskontext und die Beeinträchtigung des beruflichen Selbstverständnisses.
5 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die systemimmanente Befangenheit und stetige Modernisierungsprozesse die Qualität der Beziehungsarbeit erschweren und fordert eine verstärkte fachliche Reflexion.
Schlüsselwörter
Bewährungshilfe, Straffälligenhilfe, Sozialarbeit, Doppeltes Mandat, Zwangskontext, Resozialisation, Kriminalitätsprävention, Vertrauensaufbau, Beratung, Case Management, Berufsfeld, Strafrechtspflege, RRI, Kontrollauftrag, Klientenbeziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Sozialarbeiter*innen in der Bewährungshilfe und den spezifischen beruflichen Herausforderungen, die sich aus der Struktur dieses Arbeitsfeldes ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das doppelte Mandat (Hilfe und Kontrolle), die Gestaltung einer vertrauensvollen Beziehung trotz Zwangskontext sowie die Auswirkungen von Standardisierungen auf die professionelle Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern die spezifischen Rahmenbedingungen der Bewährungshilfe Sozialarbeiter*innen vor besondere Herausforderungen stellen und wie diese den Arbeitsalltag prägen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse und Aufarbeitung von Fachliteratur, um die strukturellen Probleme und methodischen Anforderungen im Bereich der Bewährungshilfe zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Grundlagen, wie der Präventionsgedanke und die Aufgaben der Bewährungshilfe, dargelegt, gefolgt von einer Analyse der Methoden (Beratung, Case Management) und der spezifischen beruflichen Belastungsfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bewährungshilfe, doppeltes Mandat, Zwangskontext, Resozialisation und professionelles Selbstverständnis.
Wie wirkt sich die moderne "tickbox culture" auf die Praxis aus?
Durch Diagnoseinstrumente wie das RRI findet eine Formalisierung der Arbeit statt, die laut Autorin die zur Verfügung stehende Zeit für authentische Gespräche minimiert und das Beziehungsgefüge mechanisiert.
Warum wird das Vertrauensverhältnis als problematisch eingestuft?
Da die Bewährungshilfe eine Zwangsmaßnahme ist und der Helfer auch für das Gericht berichtet, entsteht ein asymmetrisches Machtgefälle, das bei den Klienten oft zu Misstrauen und Verhaltensanpassung führt, um Sanktionen zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Marie Brantzen (Autor:in), 2022, Herausforderungen für SozialarbeiterInnen bei der Bewährungshilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1370971